Das Antlitz der Nymphe

sufnus

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Hey keela!
Willkommen in (auf, unter, hinter, vor) der Leselupe! :)
Dein Einstandspoem "lebt", wie ich finde, vor allem vom Rhythmus. Es ist kein ganz einheitliches Metrum (muss ja auch gar nicht), aber doch ein strukturierender Flow, der - abgesehen von der zweiten Zeile der zweiten Strophe - an antikisierende daktylische Verse erinnert, wie sie nach der Lektüre von Übersetzungen aus lateinischer oder altgriechischer Lyrik zustande kommen können.
Dazu passt natürlich auch der Auftritt der Muse (ist "Nymphe" hier als Synonym gebraucht?).
Dass diese Muse tatsächlich nur im Singular auftaucht ist übrigens eine interessante Mehrtausendjahrklammer zwischen dem aktuellen deutschen Sprachgebrauch und ganz ganz früher Musenmythologie. Zwar gilt, dass die Musen in der Antike den Leser*innen ja typischerweise gleich in Rudelstärke begegnen - ggf. mit feinsäuberlicher Zuordnung der Aufgabengebiete, aber ganz am Anfang, sah das womöglich etwas anders aus, wobei dieser Anfang dann noch vor Hesiods Theogonie liegen muss, irgendwo - schöne Brücke zu Deinen Zeilen - im Nebel der Zeiten.
Immerhin, während die pedantische Aufzählung der Musen auch heute noch zum Besteckkasten der Philologophilen gehört, haben die modernen Künstler*innen i. d. R. nur jeweils eine einzelne Muse (und die firmiert häufig noch gleich als Bettgenossin - womit ihr Insfeldführen durch einen männlichen Mitmensch durchaus schon eine Denkungsnähe zu sexistischen Klischees anzuzeigen belieben mag).
Wie auch immer: Der heutige Künstler jederlei Geschlechts wird eher von der Muse geküsst als von den Musen, selbst wenn er/sie/xo auf einer größeren Vielzahl von Betätigungsfeldern unterwegs ist und somit eigentlich multiple Bemusung in Anspruch nehmen könnte.
Vermutlich habe ich mich von Deinen Zeilen relativ weit wegbewegt... das waren ein paar mehr oder weniger frei assoziierende Gedanken. Vielleicht magst Du noch was zu Deinem Gedicht sagen? :)
LG!
S.
 



 
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