Das Bild

Zugegeben, als es begann, war ich zuerst aufs Äußerste beunruhigt, was auch sonst, oder wie hätten Sie an meiner Stelle reagiert ? Na also, es kommt schließlich auch nicht alle Tage vor, daß einem so etwas passiert, mir jedenfalls war etwas vergleichbares zuvor noch nie untergekommen, auch hatte ich nie von etwas ähnlichem gehört, ein Novum so zusagen, was mein persönliches Erfahrungsspektrum betrifft. Schrieb ich es anfangs meiner sicher sehr ausgeprägten Phantasie zu, so bemerkte ich doch ziemlich rasch, daß es keine alkoholgetränkten Traumgebilde, oder einem wilden Drogenexzeß entsprungene Wahnvorstellungen waren, die mich heimsuchten. Nein, ich muß sogar gestehen, daß ich über kaum nennenswerte Erfahrungen mit Drogen verfüge, woher auch, schließlich entstamme ich, etwas salopp formuliert, einer gemächlichen Oase der Beschaulichkeit dicht an der Kreisgrenze. Ich sehe meine Herkunft mittlerweile völlig emotionslos, verstehen sie mich bitte nicht falsch, keineswegs beabsichtige ich meiner Heimat damit eins auszuwischen, weshalb auch, wie gesagt, ich sehe aus der Distanz die Dinge nüchtern, ohne Groll. Aber ich schweife ab. Als das Bild erstmals auf der Wand meines Schlafzimmers erschien, glaubte ich wie bereits gesagt, daß mein Verstand einen Balanceakt direkt am Abgrund vollführte, ja, zwischendurch war ich versucht zu glauben, daß ich mich in freiem Fall auf einer sehr langen Reise in den Wahnsinn befand, einem Ort von dem es keine Rückkehr geben würde. Zunächst war ich natürlich verängstigt, so daß die Schutzmechanismen meiner Psyche zu greifen begannen, wie die kleinen Rädchen einer Uhr. Also zog ich die Bettdecke über mein Gesicht, in der trügerischen Gewißheit, es könne sich letztendlich nur um ein Trugbild handeln. Oh wie naiv ich damals gewesen sein muß, daß ich die Zeichen nicht sofort deuten konnte, aber wie gesagt, auch auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole, es war mein aller erstes Erlebnis dieser Art. Natürlich gebe ich unumwunden zu, ein Freund von Mystery Serien zu sein, auch wenn ich Akte X für reine Zeitverschwendung halte und Poltergeist als Serie einfach langweilig ist, dafür bin ich jedoch ein glühender Verehrer von Buffy und Pretender, meine absolute Lieblingsserie ist allerdings Emergency Room, was in der Tat, eine etwas morbide angehauchte Kombination ergibt. Dennoch dachte ich, es wäre nicht unbedingt erforderlich einen Psychotherapeuten aufzusuchen, geschweige denn war ich der Ansicht, es wäre von Nöten, mich einweisen zu lassen. Zumindest nicht zu Beginn.

Bestimmt können sie sich vorstellen, wie ich bis in die Haarspitzen angespannt da lag, als ich es endlich wagte, unter der Bettdecke hervorzuschauen. Vorsichtig zog ich die Decke nach unten, Zentimeter um Zentimeter. Einer inneren Stimme folgend, hielt ich das linke Auge geschlossen, so als könnte ich den Schrecken halbieren, in dem ich ihm nur meine halbe Aufmerksamkeit schenkte. Was für ein folgenschwerer Irrtum dies war, sollte mir erst sehr viel später bewußt werden. Ich starrte also auf das Bild, welches sich auf der gegenüberliegenden blütenweißen Wand befand. Oh wie ich mich in diesem Moment des ersten Schreckens verfluchte, den Schrank auf die andere Seite des Zimmers gestellt zu haben, zum damaligen Zeitpunkt hatte ich die aberwitzige Vorstellung ein Bild an dieser Wand würde dem Zimmer eine ganz spezielle Note verleihen, es zu etwas außergewöhnlichen machen, so wie es mir mit den anderen Zimmern der Wohnung auch gelungen war. Nachdem ich mehrer Monate lang auf der Suche nach dem passenden Bild gewesen war, hatte ich irgendwann schulterzuckend akzeptiert, daß das Auffinden dieses ganz besonderen Bildes wohl einer ausgedehnteren Suche bedurfte als ich vermutet hatte. Das regelmäßige, samstägliche Aufsuchen eines der 3 Möbelhäuser meiner Heimatstadt in der Hoffnung, genau an diesem Samstag auf MEIN Bild zu stoßen genügte offenbar nicht. Es hatte nie auf mich gewartet, nicht an den verregneten, verkaufsoffenen Donnerstagen, auch nicht während meiner Ferien. Selbst als ich die Suche auf die Möbelhäuser und Galerien der nahe gelegenen Kreisstadt ausdehnte wurde ich nicht fündig, sondern mußte jedesmal resigniert die Heimreise antreten. Ich erlebte die ernüchternde Heimkehr in ein Schlafzimmer, das mich von mal zu mal vorwurfsvoller Empfing, nein, NATÜRLICH sprach es nicht zu mir, Zimmer sprechen nicht, Blödsinn, oder hat ihre Abstellkammer sie schon mal abends mit den Worten, * na hattest Du einen anstrengenden Tag heute, begrüßt ? * Dennoch meinte ich den unausgesprochenen, im Raum stehenden Vorwurf in Großbuchstaben an die weiße Wand projiziert lesen zu können *So, wieder nichts für Dich dabei gewesen, was, ich hab’s ja gleich gewußt. Du wirst nie ein Bild für mich finden, DU nicht. * Ich haßte diese weiße Wand.

War das Bild zu Beginn eine dünne, farblose Silhouette, deren schwache, kaum sichtbare Kontur mit Bleistift gezeichnet schien, so hatte sich seine Erscheinungsform bei der zweiten, nun einäugigen Betrachtung deutlich verändert. Ich glaubte, an den Kanten etwas rot zu erkennen, das in ein verhältnismäßig dunkles Blau überging, welches mich seltsamerweise an die Gesichtsfarbe der Schlümpfe erinnerte, obwohl ich mit denen eigentlich noch nie sonderlich viel anfangen konnte. Gargamel gehörte da schon eher meine Sympathie, bedurfte der ewige Verlierer doch am Ehesten meines Zuspruchs. Oh wie ich diese miese Bande kleiner, auch noch falsch singender, ständig gut gelaunter Zwerge verabscheue, die sowieso nur alle auf Schlumpfinchen scharf waren, aber egal, jedenfalls war es ein ziemlich dunkles Blau. Auch die Außenkonturen waren jetzt deutlicher zu erkennen, nicht mehr so transparent wie wenige Minuten zuvor, sondern klar umrissen, auch schien das gesamte Bild sich jetzt in seiner Form verändert zu haben, so als befände es sich in einem Zustand des Werdens, so als würde es ..... ich weiß wie sich das für sie anhören mag, aber es entspricht genau dem, was ich damals empfunden habe .... es war so, als würde das unheimliche Bild an der gegenüberliegenden Wand meines Schlafzimmers geboren. Ich verstehe ihre Verwunderung vollkommen. Auch mich überkam damals eine Gänsehaut, als sich mir der Vergleich mit der wundersamen, neunmonatigen Entwicklung menschlichen Lebens vor meinem einen, geöffneten Auge erschloß. Neuerlich zweifelte ich an meinem Verstand, und bitte glauben sie mir, wenn ich ihnen versichere, die parallelen zu einer Schwangerschaft waren frappierend und beängstigen zugleich. Zwischendurch glaubte ich tatsächlich ich hätte meinen Blick direkt auf das Ultraschallbild des pulsierenden Herzens eines Embryos gerichtet, ein Herz das gleichmäßig und rhythmisch auf der gegenüberliegenden Schlafzimmerwand schlug, mir war als könnte ich die durchsichtigen Gliedmaßen eindeutig erkennen, fast schien es, als wäre da ich eigentümliches Lächeln. Bitte sagen sie jetzt nichts, nein wirklich, ich kann mir genau vorstellen, was in ihrem Kopf vorgehen mag, entweder sie empfinden Mitleid für einen vermeintlich verwirrten Geist oder sie werden von Abscheu geplagt, auf Grund meiner, aus ihrer Sicht, kranken Gedankenspiele. Auch wenn es sie nicht beruhigen wird, ich war im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten, wie mir auch später von den Ärzten attestiert wurde, und das nicht nur einmal, sondern zuerst im örtlichen Klinikum, dann auch später bei der Langzeittherapie. Wie bereits erwähnt, ich kann sie sehr gut verstehen, mehr noch, mir an ihrer Stelle würde es nicht anders ergehen, eine durchaus nachvollziehbare, logische Reaktion ihrerseits. Wahrscheinlich würde ich das Papier auf dem diese Geschichte gedruckt steht einfach zerknüllen und in den Papierkorb werfen, wahrscheinlich. Falls sie sich meine Geschichte im Internet, oder zumindest in digitaler Form zu Gemüte führen, im multimedialen Zeitalter wird dies sogar aller Wahrscheinlichkeit nach die Mehrzahl von Ihnen tun, würde ich einfach die Applikation schließen und an einen makabren Scherz glauben, doch leider, leider habe ich ihnen eines voraus...... ICH habe dieses Bild an meiner Schlafzimmerwand gesehen, SIE bis jetzt nicht, NOCH nicht.

Stündlich veränderte sich das Bild an meiner Wand von nun an, es befand sich im Fluss, ergoß sich quasi über die Wand um sich sofort wieder zurückzuziehen. Mich erinnerte es an eines dieser Bilderrätsel wie sie in Quizsendungen so beliebt geworden sind, obwohl dies eigentlich eine völlig unzureichende Beschreibung für das ist, was sich tatsächlich an meiner Wand abspielte, aber wie soll man in Worte fassen was mit Worten nicht zu beschreiben ist, eigentlich jeder Beschreibung spottet ? Dann, am nächsten Tag, als ich wieder erwarten etwas früher von der Arbeit nach Hause kam, schloß ich die Tür geräuschlos hinter mir, dann warf ich meine Tasche achtlos in die Ecke, vergaß zum ersten Mal in meinem Leben, die Schuhe auszuziehen, vergaß meine Regenjacke abzulegen, mehr noch, ich vergaß alles was ansonsten zu meinem Ritual gehört hatte. Ich bitte sie inständig nun keinen falschen Eindruck von mir zu gewinnen. FALSCH, hören Sie, hören Sie, FALSCH, völlig falsch und fatal wäre es, wenn sie meine Rituale als den Ursprung soziopathischen Verhaltens einschätzen würden, rein wissenschaftlich wäre eine solche Einschätzung nicht Aufrecht zu halten, sie wäre, im Gegenteil, höchst fragwürdig und käme einer Vorverurteilung gleich. Rituale sind und waren stets Bestandteil des bürgerlichen Lebens, Säule einer funktionierenden Gesellschaft, eine Bastion gegen die Anarchie, RITUALE sind etwas wundervolles, wenn man das in ihnen erkennt was sie wirklich sind, RITUALE. Habe ich schon erwähnt, daß ich überaus großen Wert auf Sauberkeit in meiner Wohnung lege? Ich hasse nichts mehr, als wenn sich Besuch erdreistet, mit Straßenschuhen mein Wohnzimmer zu betreten. Nun, nicht oft, aber von Zeit zu Zeit war es daher erforderlich, uneinsichtigen Zeitgenossen eine Lektion zu erteilen, ihnen anschaulich am eigenen Leib zu demonstrieren, wie sich mein Parkettboden unter dieser offensichtlichen Mißhandlung fühlen mußte. NEIN, KEINESWEGS habe ich ihnen Gewalt angetan, fallen sie mir nur ja nicht auf diese böswilligen Anschuldigung herein, glauben sie nicht alles was man ihnen zuträgt, ein paar Züchtigungen, ja, ich gestehe, aber keinerlei Gewalt. Verstehen sie, ich verabscheue Gewalt aufs äußerste, sie werden keine pazifistischere Gesinnung als die Meine finden. Jede dieser Anschuldigungen war völlig aus der Luft gegriffen, drei waren es glaube ich insgesamt, oder ? Alles Lügen, fern der Wirklichkeit, kein Wort davon war wahr, ich habe sie nur so behandelt wie sie es verdient hatten, schließlich hatten sie meinen Boden mit Füßen getreten, hatten ihn mit ihren vollständig verdreckten italienischen Designerschuhen malträtiert, widerlich, sind sie nicht auch der Meinung daß man solchen Vandalen Manieren beibringen muß, nun, nichts anderes habe ich letztendlich getan. Unschuldig, ich bin unschuldig, sagen sie selbst, wären ansonsten die Klagen gegen mich auf so eindrucksvolle Weise abgeschmettert worden ? Ich lächle, genieße meinen Triumph in vollen Zügen, ich koste ihn aus, ja, DAS RECHT ISTAUF MEINER SEITE, NICHTAUF IHRER, da haben wir es doch. Ich möchte betonen, daß die Klagen nicht einfach fallengelassen wurden, oder man mich aus Mangel an Beweisen freisprechen MUSSTE, nein, nein und nochmals nein, ganz im Gegenteil, es war mein Sieg auf der ganzen Linie, den ich vor Gericht errang, der Sieg der Vernunft über die Hinterlist und die Heimtücke. Selbst die Opfer konnten vor Gericht nicht anders, als sich der plausiblen Beweisführung meines Anwalts zu beugen und klein beizugeben. Nichts außergewöhnliches war schließlich geschehen, zumindest nichts, was eine Gesetzesverletzung bedeutet hätte. Sogar Marian gab später zu Protokoll, sein Sturz vom Balkon seiner Wohnung wäre einer Unachtsamkeit seinerseits zuzuschreiben, keinesfalls hätte ich etwas damit zu tun gehabt.
ICH HABE IHN NICHT GESTOßEN, NICHT GESTOßEN, NICHT GESTOßEN.

Warum ich an diesem Tag in Marian´s Wohnung war ? Nun, das hat mich die Richterin auch gefragt, tja ich muß gestehen, DAS war das einzige Mal, daß ich vor Gericht die Unwahrheit gesagt habe. Wie hätte ich der Vorsitzenden erklären sollen, daß ich Marian doch unbedingt von seiner Aussage gegen mich abbringen mußte, um jeden Preis ? So habe ich ihm nur einen kleinen Vorgeschmack auf das gegeben, was ihn erwartet hätte, wäre er tatsächlich so unvorsichtig gewesen, gegen mich vor Gericht aufzutreten. Marian ist nicht dumm,oh nein, dumm ist Marian nicht, ich selbst würde ihn sogar eher als ausgesprochen intelligent bezeichnen, und so war es nicht verwunderlich, daß er nach Abwägung aller Vor und Nachteile zu dem Ergebnis kam, daß es für ihn und seine Familie wohl am Besten wäre, seine Klage zurückzunehmen, und zu diesem Ergebnis kam er ganz alleine, wie gesagt, Marian ist nicht dumm. Wir sind immer noch Freunde würde ich sagen, ich von meiner Seite hege zumindest keinerlei Groll gegen ihn, auch wenn er sich seit dem sehr rar gemacht hat. Um ehrlich zu sein, er hat sich seitdem nicht wieder bei mir gemeldet, vielleicht sollte ich ihn wirklich einmal wieder anrufen, ihm sagen, daß ich ihn nicht vergessen habe, daß ich an ihn denke, ja das sollte ich wirklich tun, vielleicht schon morgen.

Als ich also mein Schlafzimmer betrat, in der irrationalen Hoffnung das Bild hätte sich im Lauf des Tages verflüchtigt, so wie Terpentin ein Ölgemälde langsam aber sicher zersetzt und auflöst, so sah ich mich rasch eines Besseren belehrt. Wieder erstarrte ich, denn das Bild hatte sich nun grundlegend verändert. Nicht nur, daß sich die Farben zu einem dunklen, schmutzigen Rot vermischt hatten, das mich entfernt an geronnenes Blut erinnerte, nein, das Bild an sich hatte sich verändert. Minutenlang stand ich wie gebannt vor dem verführerischen Gesicht, das mich mit großen blutunterlaufenen Augen und kaltem Blick von meiner Schlafzimmerwand herunter anstarrte. Als ich mich aus meinem hypnoseähnlichen Zustand löste, verließ ich eilends das Schlafzimmer. Ich schlug die Tür mit einem so lauten Knall hinter mit zu, daß zwei Fensterscheiben unter der Druckwelle barsten, dann mit unmenschlicher Willensanstrengung gelang es mir das Verlangen zu unterdrücken, einfach das Weite zu suchen. Statt dessen zwang ich mich, tief durchzuatmen, ich atmete gleichmäßig, EIN AUS, EIN AUS, EIN AUS, EIN AUS. Nach wenigen Minuten hatte sich mein Puls wieder einigermaßen beruhigt und ich begann über die Bedeutung des so plötzlich in meinem Schlafzimmer aufgetauchten Bildes nachzudenken. Die Erkenntnis traf mich wie ein Fausthieb, es mußte sich in der Tat um eine göttliche Botschaft handeln. Gibt es für eine derartige Erscheinung eine andere rationale Erklärung ? Wenn dem so war, und davon bin ich absolut überzeugt, so war ich also ein Auserwählter. Gott hatte mich, trotz all meiner kleiner und großer Unzulänglichkeiten zu seinem Werkzeug auserkoren, vielleicht sogar gerade deshalb. Ich sollte seine Botschaft verkünden, meine Aufgabe lag darin, sein Wort unters Volk zu bringen. In einer Zeit des Zweifels, einer Zeit der Dunkelheit würde seine Güte Licht bedeuten, ausgelöst durch mich, der ich seinen göttlichen Willen offenbarte. Das einzige was mich zum damaligen Zeitpunkt etwas beunruhigte, war das viele Blut, denn daß es sich auf dem Bild um Blut handelte war mir mittlerweile unumstößlich klar geworden.

Nun, die Tage verflogen und das Bild wurde immer vollkommener. Ich ging nicht mehr zur Arbeit, alles andere hatte für mich an Bedeutung verloren. Ich war sein Jünger, so kam ich mir damals zumindest vor, ICH BIN SEIN JÜNGER, ICH TRAGE DAS ZEICHEN, ICH BIN DER ZORN UND DIE RACHE, nein nein, es geht mir gut, danke der Nachfrage, wo war ich, bitte verzeihen sie mir, ich habe etwas den Faden verloren. Ich war ein Jünger, der ungeduldig auf das Wort des Herrn wartete, das sich mir in Gestalt des Bildes an meiner Schlafzimmerwand immer deutlicher offenbarte. War einige Tage zuvor klar und deutlich der Kopf einer jungen Frau erschienen, so war nun auch ein großes Küchenmesser auf dem Bild zu erkennen, das sich am Ende eines langen Schnittes am Hals der Frau befand, so als hätte man ihr gerade eben die Kehle durchgeschnitten. Blut tropfte aus dem klaffenden Schnitt und fast schien es, als würde sich das dunkle Naß in dickflüssigen Tropfen in Richtung des Bildrandes ausbreiteten, alles war im Fluß. Sollte ich diese grausige Tat verüben ? War es das, was mein Schöpfer von mir verlangte ? Würde ich durch das Blutvergießen seinen Willen verkünden ? Ich wünschte innigst er würde zu mir sprechen, mir endlich sein Wort direkt verkünden, von Angesicht zu Angesicht. Aber nichts dergleichen geschah, also konzentrierte ich mich weiter auf das Bild, wild entschlossen seiner Botschaft jenes Gehör zu verschaffen, das sie verdiente. Dann kam der Tag, an dem ich das Messer kaufte.


Ich muß meine Gedanken ordnen, ich muß meine Gedanken ordnen, ich muß ... Schluß, weiter jetzt, wo war ich stehen geblieben, ach ja, das Bild. Natürlich stellte sich mir recht schnell die Frage, aus welchem Grund das Bild ausgerechnet bei mir aufgetaucht war, hätte es nicht auch bei einer x-beliebigen anderen Person sein Unwesen treiben können ? Gute Frage, aber ich habe leider keine passende Antwort darauf, und in aller Offenheit, mittlerweile bin ich auch gar nicht mehr an einer Antwort interessiert, denn wem würde sie schon nutzen, mir ? Wohl kaum. ER HAT MICH AUSERWÄHLT, das sind die FAKTEN, die FAKTEN.

Nun, seit ich hier bin, hat sich eine ganze Menge für mich verändert, ich esse regelmäßig, schlafe viel und für gewöhnlich habe ich wenigstens ein bis zwei mal am Tag Sport. Sie sehen, ich lebe überaus gesund, einzig die vielen Medikamente die man mir intravenös zuführt um mich Ruhigzustellen, sind mir ein Dorn im Auge, denn wer will schon gern Tag und Nacht mit Valium und Tramal angereichert in einem quasi Dämmerzustand verbringen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint, sie vielleicht ? Ich frage sie, würde ihnen das Gefallen ? Warum tun sie mir das an, Warum nur ? Ich habe nichts unrechtes getan, ICH HABE FÜR IHN DAS BLUT VERGOSSEN, WEIN WIRD ZU SEINEM BLUT, BROT ZU SEINEM LEIB, ER IST DIE ZUKUNFT. Dennoch gibt es keine Zukunft für mich, nicht gestern und nicht heute, aber vielleicht morgen ? Es liegt in ihrem Ermessen. Oh ja, ich weiß, SIE HABEN ETWAS DAGEGEN, SIE HABEN ETWAS DAGEGEN.....ICH WERDE SIE TÖTEN.....WENN ICH EINEN VON IHNEN IN DIE FINGER KRIEGE, WERDE ICH IHM DIE EINGEWEIDE MIT BLOßEN HÄNDEN HERAUSREIßEN UND IHNEN IHRE EIGENEN GEDÄRME INS MAUL STOPFEN........

Also, denken sie jetzt bitte nicht schlecht von mir, verurteilen sie mich nicht, für etwas das nichts weiter war als eine verbale Entgleisung, ein vielleicht etwas zu heftig artikulierter Gefühlsausbruch, dessen gewalttätige Erscheinungsweise aber auf keinen Fall mir zuzuschreiben ist, ich bin nur ein Opfer. Hören sie, sehen sie, ICH bin ein OPFER. Niemals würde ich ohne fremdes Zutun solche Gedanken hegen, niemals würde ich solche Dinge überhaupt nur in Erwägung ziehen, niemals würde ich gegen irgend jemanden die Hand erheben, auch wenn er mich noch so peinigt, mich meiner Würde beraubt und mir den letzten Funken Selbstachtung auf heimtückische Art und Weise entwendet. Niemals. Das wissen diese verfluchten Ärzte genau, dennoch sind ihre Berichte über mich, voll übler Verleumdungen, getränkt von hinterhältigem, feigem Denunziantentum, gespickt mit heimtückischen Anschuldigungen, dieses Pack will mich zu Grunde richten, ABER NICHT MIT MIR, HÖRT IHR MICH ? VERDAMMT, VERDAMMT, VERDAMMT. KÖNNT IHR MICH HÖREN , JA ? ICH SCHNEID EUCH DIE EIER AB .... GANZ LANGSAM ... UND DANN WERD ICH SIE DEN HUNDEN ZUM FRAß VORWERFEN....

Ich bin ganz ruhig, sehen sie keineswegs bin ich über die Maßen erregt oder verliere die Fassung, sie täuschen sich, ganz im Gegenteil, noch nie war ich bei so klarem Verstand wie in diesem Augenblick. Hätte ich die Grenze zum Wahnsinn tatsächlich überschritten, wie meine Ärzte versuchen Sie glauben zu machen, wäre ich dann überhaupt noch in der Lage, meine Gedanken so scharfsinnig zu formulieren wie ich es gerade eben tue du getan habe ? Ich vermeide es ausdrücklich auf diese rhetorische Frage zu antworten, statt dessen mache ich ihnen den folgenden, gütlichen Vorschlag. Bilden sie sich ihr Urteil über mich doch einfach selbst, und ich bin mir sicher, nein, ich weiß es einfach, sie werden sich meiner Meinung anschließen, sie müssen sich meiner Meinung anschließen, denn sie ist die einzig vernünftige, die einzig wahrhaftige, DIE EINZIGE MEINUNG DIE VOR MIR BESTAND HAT. WIE STEHT SCHON IN DER BIBEL GESCHRIEBEN, DU SOLLST DEINEM HERRN UND MEISTER NICHT WIEDERSPRECHEN, NIEMALS ....

Also es ist soweit, ich frage Sie, zu welchem Ergebnis sind sie gekommen, verehrte Geschworenen, darf ich sie so nennen, ja ? Oh ich bin gespannt, gespannt wie ein kleines Kind vor dem ersten Weihnachtsfest, wenn es voll freudiger Erwartung der Klingel lauscht, die es hereinruft in die Gute Stube. Ich bin gespannt, halt, nein, bin ich nicht. Ich hoffe auf ihre Intelligenz, ihre Umsicht, ihren Weitblick. Sie die sie sicherlich in der Lage sind die Dinge beim Namen zu nennen und die großen Zusammenhänge zu erkennen, sie werden sich doch nicht etwa dem voreingenommenen Urteil neurotischer Psychoklempner anschließen, die selbst dringenst in Behandlung gehören. Sie können nur zu einem Urteil gekommen sein, nicht schuldig. Ich appelliere an ihr Gewissen, können sie es mit sich, sich und ihrem Schöpfer vereinbaren, ein solch vernichtendes Urteil über mich zu fällen, mein Leben für immer zu ruinieren, ein Leben das dem Wohl der Menschheit gewidmet ist, dessen einziger Sinn die Offenbarung ist, die Offenbarung seines Willens, und die Entlarvung menschlicher Unzulänglichkeiten, wie schwach ist doch das Fleisch, wie leicht manipulierbar ihr Urteilsvermögen. Sie sprechen das Urteil über einen Unschuldigen, seien sie sich dessen versichert, ICH BIN UNSCHULDIG, werden sie mit IHRER Schuld leben können, einer Schuld die niemals gesühnt werden wird ? Denn er wird sich voller Zorn von der Menschheit abwenden und er wird sie bestrafen. Werden sie in der Lage sein nachts zu schlafen, können sie die dunklen Träume vertreiben, die Nacht für Nacht wiederkehren werden, Träume aus Blut, voller verzweifelter Schreie, meiner Schreie, die sie verfolgen werden, bis in alle Ewigkeit, jede Nacht werde ich ihn um ihren Tod bitten. Es wird der Tag kommen, an dem er mir zur Flucht verhilft, und dann beten sie, beten sie um seine Gnade, die er ihnen schenken wollte, die sie so fahrlässig abgewiesen haben. Beten sie, denn dann werde ich sie suchen, ich werde sie ausfindig machen und dann werde ich die Rache sein, ich bin das SCHWERT, und ich werde ihr Blut vergießen, Tropfen für Tropfen, und die Erde wird von einem roten Schleier überzogen sein, und nun, wie lautet ihr Urteil ?
 
Oh weh,Oh weh

Sag bitte nicht Du hast so eine wiederliche Karibikinsel mit Palmen, Kokosnüssen und weißem Sand auf Deiner Wand, oder etwa doch ?

Schon mal bei den starken Männchen mit den weißen Jäckchen anruft *He, Jungs ... Nachschub im Anmarsch*

Gruß

Peter
 

 
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