Das Fallbeil-Spiel

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Markus Veith

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Das Fallbeil-Spiel

Das Hochzeitspaar bläst Kerzen aus. Die Feier schwelgt in Saus und Braus.
Und unterm Schleier kocht famos das Denken: „Wie werd’ den Kerl ich los?“
Freunde, Nachbarn, kommt rasch her.
Reißt Zäune ein, das ist nicht schwer
Die Splitter unterm Nagelfleisch, die eitern wieder raus.

Kindertag im Landschulheim, Britt kneift und kratzt, Tim riecht am Leim.
Klausi rührt sich erstmals leer, hoch und runter, hin und her.
Kinder, ist das Leben schön.
Lustig, lustig anzuseh’n.
Wein nicht, Kleine, was macht das schon? Bis zur Heirat ist’s vorbei.

Wir spielen mit Feuern, mit Papierungeheuern.
Und morgen, so frei! Rund um die Welt unterm Kiel!
Wir trauen dem Grauen, bis wir auf Felgen kauen.
Und wir kegeln mit unseren Köpfen.
Wir spielen das Fallbeil-Spiel.

Im kleinen Park, gleich um’s Eck, nimmt ’ne Oma den Vögeln Krumen weg.
Ein Opa schleicht sich durchs Gebüsch, in seinem Arm ein Bär aus Plüsch.
„Kein Respekt vorm Altertum.
Nur Ärger mit den Kinderschuhn.
Sie treten einen in hölzne Truhn. Und sowieso und überhaupt.“

Wir spielen mit Feuern, mit Papierungeheuern.
Und morgen, so frei, dement, doch agil!
Lausrennen auf Lebern, Skatzocken an Gräbern.
Nun sagt, wer kommt raus?
Wir spielen das Fallbeil-Spiel.

Auf einer Wolke in Himmel zwo, jenseits der Welt im Irgendwo.
Da prügelt sich das Engelheer, Federn fliegen rings umher.
Es ging um einen heil’gen Schein.
Des einen sollte heller sein.
Und auf Erden schneit es fein und frommes Lied man hört.

Wir spielen mit Feuern, mit Papierungeheuern.
Und morgen, so frei! Unser Abgang hat Stil!
Der Tanz am Vulkan heizt die Festgäste an.
Und wir kegeln mit unseren Köpfen.
Wir spielen das Fallbeil-Spiel.
 

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