Das Grab ist leer

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XRay

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Meine Ostergeschichte

Am Nachmittag dieses Tages, dem 2. April des Jahres 786 der Römer, einem Donnerstag, stand Pontius Pilatus am Ostfenster seines Arbeitszimmers und blickte auf den Lithostrotos-Platz hinab. Die Bauleute hatten gerade die hölzerne Tribüne fertig gestellt, auf der er am morgigen Gerichtstag einen schwierigen Prozess zu führen haben würde.
Pilatus war nervös, denn er hatte ein Problem, für das er noch keine befriedigende Lösung sah.
Er zupfte sich einige Haare aus der Nase, betrachtete kurz die weißen Wurzeln und warf sie dann auf den Teppich.
„Diese jüdischen Starrköpfe soll doch allesamt der Teufel holen“, schimpfte er laut vor sich hin. „Der Kaiphas, dieser ölige Knoblauchfresser, und sein Hoher Rat hätten das doch leicht selbst lösen können. Aber nein, sie wollen unbedingt seinen Kopf, und da muss natürlich ich wieder ran!“

„Wie kann man nur so verbohrt sein?“, führte er sein Selbstgespräch fort. „Erst vor einigen Tagen haben wir endlich diesen Barabas gefasst, der reihenweise angesehene Bürger dieser Stadt erwürgt hat, und ausgerechnet den soll ich morgen begnadigen, wenn es nach dem Willen der Kippaträger geht! Und dafür diesen verrückten Marktschreier ans Kreuz nageln, der selbst nicht weiß, was er verkaufen möchte!“
...
„'König der Juden'! Dass ich nicht lache. Da müsste doch jedem sofort klar sein, dass der Kerl nicht ans Kreuz sondern ins Irrenhaus gehört!“
...
„Und ob das nicht genug wäre liegt mir auch noch meine gute Justina ständig in den Ohren: sie habe geträumt, dieser Jesus sei unschuldig; ich müsse ihn freilassen.“
...
Ein leises Hüsteln hinter ihm unterbrach seine Gedanken.
„Was ist, Leibsklave?“, blaffte er, ohne sich umzudrehen.
"Kyrie ...“
Pilatus fuhr herum und blickte in die schattige Ecke neben der Tür zum Atrium, wo ein älterer, kahlköpfiger Mann mit demütig gesenktem Kopf stand.
„Wer bist denn du? Was hast du hier zu suchen?“
"Kyrie ...“
„Halts Maul!!“
Popi oder Pipi, wie er allgemein genannt wurde, hatte als ehemaliger Hauptmann der Leibgarde einen barschen Umgangston mit Untergebenen als zweckmässig gefunden, er war aber alles andere als ein wirklich scharfer Hund gewesen.
„Rede Latein wenn du mit mir sprichst! Und jetzt verschwinde, aber ‚stante pede‘, wenn du verstehst was ich meine, und bringe mir sofort den Majordomus Plautus her!“
„Ut voles, Domine (Wie du es befiehlst).
„Siehst du, geht doch! Und jetzt weg mit dir, bevor ich dich krumm schliessen lasse!“
...
„Domine Pilate, ihr habt mich gerufen?“
Der sonst so selbstgefällige Hausverwalter war kleinlaut eingetreten.
„Was bedeutet das, Plautus? Warum hast du mir einfach ohne Rücksprache einen neuen Leibsklaven gegeben? Ich hatte mich gerade an diesen kleinen flinken Gallier gewöhnt, der so lustige Geschichten erzählen konnte.“
Plautus druckste verlegen.
„Der ist verschwunden, Herr.“
„Verschwunden? Was heißt das?“
„Die Gallier trafen sich jeden Abend im "Vercinnytorix“, ihrer Stamm-Taverne, wo sie ihr ungeniessbares „cervisia“ tranken und ihre seltsamen Lieder sangen. Einer von ihnen, ein dicker Kerl, war in der ganzen Stadt als Raufbold bekannt. Gestern aber waren sie auffallend ruhig, wie mir Uderzus, der Wirt, heute morgen bei der Befragung sagte. Sie hätten lange mit einem stillen Alten getuschelt, der angeblich Kräuter und Wurzeln kennt, die unsichtbar machen. Er soll sogar Sachen und Menschen schneller als Mercurius an jeden beliebigen Ort bringen können. Die Gallier, die sonst nach der Sperrstunde laut grölend zum Sklavenhaus kamen, hat gestern niemand bemerkt, und heute morgen erschien keiner zum Dienst. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt.“
„Ich glaube nicht an Kräuter und Wurzeln, aber weiter!“
„Heute Mittag kam eine Brieftaube aus Caesarea. Der Unterpräfekt teilt mit, die Gallier seien gestern dort kurz vor Mitternacht am Kai aufgegriffen worden, wo gerade eine Corbita (Handelsschiff) aufgetakelt wurde, die heute morgen über Kreta und Malta nach Ostia auslaufen sollte. Sie wurden eingesperrt, aber heute früh war ihre Zelle leer und es gab keine Spur von ihnen.“
„Scelera (verdammt)! Auch das noch! Als ob ich nicht schon so genug Ärger hätte! Heute die Gallier, morgen die Juden! Und übermorgen?“
Pilatus goss sich aus der Karaffe auf seinem Tisch ein Glas Wein ein und trank es in einem Schluck aus.
„Warum aber hast du mir diesen alten griechischen Trottel als neuen Leibsklaven gegeben?“
„Es ist nur eine Notlösung, Herr! Für praktische Arbeiten ist er gänzlich ungeschickt, und schon wegen seines Alters wenig geeignet. Ich habe ihn deshalb für Kurierdienste und Einkäufe auf dem Markt eingesetzt. Dort begann er, die Fischweiber und Obstverkäufer mit merkwürdigen Fragen zu belästigen und stand an Ecken herum, wo er die Leute anredete. Die Beschwerden über ihn häuften sich. Ich habe den Socrassus, so heisst er, dann nur noch im Haus beschäftigt. Er ist gebildet, er spricht mehrere Sprachen, beherrscht verschiedene Schriften und kennt sich in den Wissenschaften aus. Deshalb schien er mir als Lehrer für meine Söhne geeignet. Diese wurden aber letzte Woche einberufen und so dachte ich, er könne für einige Tage dein Leibsklave sein.“
„Hauslehrer deiner Söhne? Du weisst doch genau, dass Staatssklaven nur für öffentliche Aufgaben eingesetzt werden dürfen, und nicht für private Zwecke! Aber darüber werden wir uns nächste Woche noch einmal unterhalten! Für den Augenblick soll es mir recht sein. Immer noch besser ein Grieche als einer von diesen Eselstreibern aus Anatolien oder dem Elbrus.“
„Es ist nur eine Notlösung, Domine“, wiederholte Plautus zerknirscht, „verzeih deinem Diener seine Eigenmächtigkeit.“
„Wie ein Genie sieht der übrigens nicht gerade aus“, lenkte Pilatus ein und zeigte in die Ecke, wo Socrassus immer noch mit gebeugtem Kopf wartete.
Als Plautus gegangen war fuhr er den Griechen an: „Und du stellst dich jetzt an deinen Platz vor der Tür, und achtest darauf, dass mich niemand stört!“
Der Grieche wandte sich zu Gehen, zögerte dann aber.
„Was ist denn noch!!?“
„Mit Verlaub, Domine, ohne es zu wollen war ich Zeuge des Gesprächs, das du mit dir selbst hieltest. Es ging um eine schwierige Entscheidung am morgigen Gerichtstag, wenn ich es richtig verstanden habe.“
„Das hast du richtig verstanden, aber wage es nicht, mich noch einmal zu belauschen!“ rief Pilatus zornig, wobei er eine eindeutige Geste mit der Hand über den Hals machte.
„Herr, ich könnte dir in dieser Sache vielleicht einen Rat geben.“
Pilatus schaute ihn verblüfft an.
„Du weisst doch gar nicht, um was es geht, oder doch?“ fragte er.
„Dein Problem kennt jeder in der Stadt, Herr, an den Stammtischen der Tavernen ist es das einzige Thema. So habe auch ich darüber nachgedacht und ich sehe einen Weg, der dich nicht nur aus der Sackgasse führt sondern alle zufrieden stellt.“
„So, so,“, Pilatus lachte höhnisch. „die eierlegende Wollmilchsau! Aber die gibt es leider nicht.“
„Bei allem Respekt, mein Gebieter, mit der Verwendung dieses Wortes fällst du aus unserer Zeit heraus.“
War da ein Grinsen auf dem Gesicht des Socrassus?
„Was ich dir rate kommt aber dem, was die Nachgeborenen damit meinen werden, sehr nahe.“
Pilatus winkte ihn zu sich heran.
„Du machst mich neugierig, Grieche. Was ist das für ein Rat?“
Socrassus sprach ruhig und leise.
„Es widerstrebt dir offensichtlich, einen Unschuldigen, den Jesus, zu verurteilen und einen Schwerverbrecher, den Barabas, laufen zu lassen.“
„Ganz richtig, Schlaukopf!“
„Deshalb würde ich an deiner Stelle den Jesus nicht ans Kreuz bringen, sondern in die Verbannung schicken, am besten zum Indus. Dort wäre er mit seinen abwegigen Ideen in guter Gesellschaft, was ihm vielleicht sogar gefällt. Du aber wärst ihn los, und nicht zuletzt würdest du der zukünftigen Menschheit damit einen großen Dienst erweisen.“
„Es gibt einen riesigen Aufruhr, wenn ich so entscheide, die Juden wollen unbedingt seinen Kopf.“
„Seinen Kopf werden sie am Ende ja auch bekommen, jedoch nicht schon morgen.“
Pilatus blickte ihn verwirrt an.
„Wie das? Erst verbannen, dann kreuzigen? Schöne Ratschläge gibst du mir da. Schluss damit, ich muss nachdenken.“
„Ich bin gleich fertig, Domine. Du solltest morgen später als sonst hinaus auf die Tribüne gehen, und sie stärker mit Elitesoldaten sichern. Zieh die Sache in die Länge, lass dir Zeit mit der Urteilsfindung. Verkünde Deinen Spruchl erst am Mittag: Kreuzigung des Barabas, lebenslange Verbannung des Jesus.“
„Um Jupiters Willen, bist du bei Sinnen? Kannst du dir vorstellen, welcher Tumult ausbrechen wird? Das Gebrüll: ‚Kreuzige ihn, kreuzige ihn‘ höre ich jetzt schon.“
„Deine Soldaten werden für Ordnung sorgen. Jedenfalls aber beugst du dich damit dem Pöbel nicht, sondern zeigst den Juden, wer der Herr im Hause ist. Den Barabas kannst du wegen der fortgeschrittenen Stunde und der Unruhe auf dem Platz nicht sofort kreuzigen lassen, du nimmst also ihn und den Jesus in Schutzhaft, und lässt sie in den Kerker bringen. Der ist leicht zu verteidigen, falls die Juden auf Ideen kommen sollten.“
„So,so…Und weiter?“
„Übermorgen, am Schabbat, beginnt der Passah. Die Juden müssen deshalb morgen nachmittag zum Seder (Vorbereitung des Passah) in ihre Häuser zurückkehren. Der Schabbat ist für sie Ruhetag, sie dürfen weder arbeiten noch etwas unternehmen. Das bringt dir einen entscheidenden Zeitgewinn.“
„Ich sehe nicht, was mir das bringen soll? Spätestens nach zwei oder drei Tagen werden sie wieder auf den Straßen sein und den Kopf des Jesus verlangen!“
Socrassus sprach ruhig weiter.
„Das wird sicher so kommen, Domine. Aber es wird sich in Maßen halten, denn dann ist ihre Festwoche in vollem Gang. Du lädst ihre Anführer vor und machst ihnen klar, dass du dich keinesfalls dem Diktat der Straße unterwerfen wirst; über eine Aussetzung der Verbannung des Jesus würdest du verhandeln, aber erst, wenn auf den Straßen wieder Ruhe herrscht; falls es ihnen nicht gelänge, die Ordnung wieder herzustellen, würdest du den Jesus sofort zum Roten Meer und weiter zum Indus bringen lassen. Sie werden schnell klein beigeben.“

„Da ist was dran Alter. Man muss den Itzigs wirklich einmal zeigen, wer in Judäa das sagen hat.“
„Und in jedem Fall hättest du einen bis zwei Tage Zeit gewonnen.“
„Gewonnen für was?“
„Wahrscheinlich schon am ‚Dies solis‘ (Sonntag) werden sich zwei ehrenwerte Männer bei dir melden, um den Barabas freizukaufen.“
„Was zum Teufel redest du da? Wer sollte wohl den Barabas freikaufen wollen?“
„Die ‚Ehrenwerte Gesellschaft‘, Herr. Eine Gruppe von Geschäftsleuten, die eine besondere Art von Interessen verfolgen. Sie kommen aus Caesarea, wo sie Unternehmen betreiben, die alle Häuser und Straßen für die Stadt bauen. Seit einiger Zeit sind sie dabei, ihr Geschäftsfeld auch auf Jerusalem auszudehnen.“
„Nur zur Klarstellung: öffentliche Aufträge werden hier wie im gesamten Reich ausgeschrieben, und den Zuschlag erhält derjenige, der die besten Konditionen bietet! Wenn diese Unternehmer das für einen guten Preis machen, wer sollte daran Anstoss nehmen? Was aber hat der Barabas mit denen zu tun?“
„Diese Leute sind bei der Durchsetzung ihrer Interessen und der Ausschaltung der Konkurrenz nicht gerade rücksichtsvoll. Sie beschäftigen Spezialisten, die sogenannten ‚sicarii‘, die ihren Forderungen Nachdruck verleihen, falls sie auf Widerstand stossen.“
„Sprich deutlicher! Was meinst du mit ‚ihren Forderungen Nachdruck verleihen‘?“
„Es kommt nicht selten vor, dass der Inhaber einer Konkurrenzfirma, oder ein Verwaltungsbeamter, der einem Bestechungsversuch widersteht, plötzlich ermordet aufgefunden wird. Dafür ist einer ihrer sicarii verantwortlich.“
„Ich verstehe. Der Barabas ist ein ‚sicario‘! Er hat hier ja tatsächlich einige Leute umgebracht. Sie wollen ihn befreien, damit er so weiter machen kann! Und da soll ich mitmachen!? Auf keinen Fall!“
„Du irrst, Herr, sie wollen ihn nicht haben, damit er weiter mordet, sondern damit er nichts ausplaudern kann. Ein entdeckter sicario ist wertlos und gefährlich für sie. Er verschwindet schnell.“
„Interessante Geschichte, gut erfunden, aber eben nur erfunden. Weder hier, noch sonst wo im Reich des Kaisers Tiberius gibt es derartige Dinge. Und sollten wirklich Leute versuchen den Barabas ‚freizukaufen‘, wie du dich ausdrückst, werde ich sie verhaften lassen und wegen versuchter Bestechung eines römischen Verwaltungsbeamten in den Kerker werfen. Mit solchen Gaunern mache ich kurzen Prozess!“
„Ich weiß nicht, ob es klug wäre, das zu tun. Die ehrenwerten Herren werden dir nämlich ein Angebot machen, das du nicht ablehnen kannst.“
„Unsinn! Es gibt keinen Vorschlag, den ich nicht ablehnen könnte! Es sei denn, er käme vom Kaiser persönlich.“
Er stutzte plötzlich und begann dann zu grinsen.
„Jetzt fällst aber du aus unserer Zeit heraus, Sklave. Das ist doch etwas, was erst sehr viel später in einem anderen Winkel der Welt gesprochen werden wird.“
„Du hast recht, Pilate, das wird eine andere Geschichte sein.“
Dann murmelte er etwas in einer Sprache, die Pilatus nicht verstand. („I'm going to make him an offer he can't refuse.“)

„Schluss jetzt! Ich sehe immer noch nicht, worauf du hinaus willst. Ich werde morgen den Barabas freilassen und den Jesus den Juden geben. Das widerstrebt mir zwar sehr, aber das Staatswohl erfordert es. Und für mein persönliches Wohl werde ich nach dem Urteil meine Hände in Unschuld waschen.“
Socrassus neigte den Kopf.
„Dein ergebener Diener! Auf diese Weise wirst du als Mörder eines Mannes in die Geschichte eingehen, von dem viele Menschen viele Jahrhunderte lang glauben werden, er sei der Sohn Gottes. Folgst du jedoch meinem Rat, dann stehst du für immer in den Annalen als ein starker Verwalter des Kaisers, der in Judäa Recht und Ordnung geschaffen hat.
Memento, Domine: ‚Quidquid agis, prudenter agas et respice finem‘, wie es eine eurer Sentenzen so schön ausdrückt, ‚Was du auch tust, handle klug und bedenke das Ende.‘
Socrassus wandte sich zum Gehen.
„Warte! Du hast mich neugierig gemacht, wie deine Geschichte weiter geht.“
„Sie geht so: was den Jesus angeht werden sich am 3. oder 4.Tag des Pessach wie gesagt die Hohepriester melden, um den für sich zu bekommen.
Und was den Barabas betrifft verhandelst du mit den ehrenwerten und gehst zum Schein auf ihre Forderungen ein, allerdings mit der Einschränkung, dass die Abmachung erst dann gilt, wenn sie ein Zeichen von dir erhalten haben.“
Pilatus unterbrach ihn und blickte ihn hochmütig an.
„Willst du andeuten, ich sei bestechlich?“, sagte er kalt, „ein römischer Verwaltungsbeamter ist unbestechlich, merk dir das!“
Der Sklave neigte den Kopf.
„Jedem Bewohner des Reiches ist bekannt, dass die römischen Beamten wie alle Beamten überall auf der Welt unbestechlich sind, Herr.“
Wieder glaubte Pilatus, ein maliziöses Grinsen auf dem Gesicht des Mannes zu erkennen.
„Allerdings! Und deshalb hängt der Jesus morgen um diese Zeit am Kreuz, und den Barabas werden wir auch bald wieder kriegen. Und damit basta!“
„Domine, ich danke für die Geduld mit deinem ergebenen Sklaven.“
Socrassus ging hinaus, Pilatus aber verfiel wieder ins Grübeln.
„Diesen verrückten Jesus in die Verbannung schicken… eigentlich keine schlechte Idee... der Kerl ist gar nicht so blöd… den scheinheiligen Kippaträgern werde ich zeigen, wer hier Herr im Hause ist!… den Jesus kann ich ihnen ja wirklich auch noch später geben, wenn es nicht anders geht… das beste ist, die Kerle weren nächste Woche zusammen gekreuzigt… wäre ein Abwasch."
Die ‚Ehrenwerte Gesellschaft‘ machte ihm keine Sorgen. Sollten sie doch kommen! Er wusste, wie man mit solchen Leuten umgeht.
Seine Laune hatte sich deutlich gebessert. Er zog seine Toga über und rief den Socrassus herein.
„Melde dem Plautus, dass ich trotz der späten Stunde noch in die Thermen gehe. Er soll die cena heute abend später servieren lassen.“
Am nächsten Tag, dem 3. April, liess sich ein auffallend bleicher Pilatus zwei Stunden verspätet auf dem Richterstuhl nieder.
Er hatte den Beginn des Prozesses aber nicht absichtlich verzögert, wie ihm der alte Grieche geraten hatte, sondern das späte üppige Mahl und der Genuss mehrerer Pokale Gewürzweins aus Samos am Abend hatten ihm eine heftige Verdauungsstörung gebracht, und er hatte die halbe Nacht auf der Latrine gesessen.

Das Volk, das schon am frühen Morgen erschienen war, wartete bereits ungeduldig, die um die Bühne postierten Soldaten hatten Mühe, es zurückzudrängen.
Die Befragung des Jesus gestaltete sich zäh, da dieser sich gegen die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen nicht zur Wehr setzte. Er schwieg einfach.
Pilatus unterdrückte mehrmals seine Neigung, den Prozess abzukürzen, und versuchte immer wieder, den Jesus zu dem Geständnis zu bringen, er sei der König der Juden.
Der Mittag war schon vorüber, als sich Pilatus endlich zu Verkündigung des Urteils erhob.
„Ich, Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa, spreche im Namen des Kaisers und des Statthalters von Syrien folgendes Urteil:
1. Der Barabas wird nach dem Ende des Pessach auf dem Golgotha gekreuzigt bis dass der Tod eintritt.
2. Der Jesus wird mit der nächsten Karawane ans Rote Meer verbracht und von dort in lebenslange Verbannung nach Indien überführt.
3. Die beiden Verurteilten werden bis zur Vollstreckung des Urteils in den Kerker gebracht.“
Die traditionelle Frage, wen er begnadigen solle, konnte er nicht mehr stellen, denn sofort nach diesen Worten erhob sich lautes Geschrei unter den Juden auf dem Platz. „Kreuzige ihn, Kreuzige ihn“ brüllten sie, und zeigten auf den Jesus. Als sie begannen Eier und mit Farbe gefüllte Tongefäße auf die Bühne zu werfen griffen die Soldaten ein, stachen einige der Rädelsführer zur Warnung in die Waden, und führten die Verurteilten ab. Die Menge verlief sich dann bald, um zu Hause Matze zu essen, wie es ihre Religion verlangte.
Pilatus zog sich nach der Urteilsverkündung in seine Privatgemächer zurück. Sein Magen rebellierte immer noch. Er verzichtete auf das Mittagsmahl und aß am Abend nur etwas Fladenbrot. Wein trank er nicht.
„Jupiter sei Dank, der Fall ist erledigt,“ murmelte er zufrieden, als er sich zum Schlafen legte.
Der Fall war aber alles andere als erledigt, denn schon am nächsten Tag, dem Schabbat, meldete Plautus am frühen Vormittag den Besuch zweier Männer, die den Präfekten in einer dringenden Angelegenheit von öffentlichem Interesse sprechen wollten.
Pilatus wollte sie zunächst abweisen lassen, erinnerte sich dann aber daran, was Socrassus über die „Ehrenwerte Gesellschaft“ gesagt hatte. Er ließ also, mehr aus Neugier, die beiden zu sich bitten.
Bei ihrem Eintritt sah er sofort, dass sie keine Juden oder Levantiner waren. Eher aus den südlichen Provinzen Italiens oder von einer der grossen Inseln, dachte er.
Sie hatten trotz des warmen Wetters schwarze Mäntel an und trugen auf dem Kopf breitrandige Hüte, die sie beim Eintreten nicht abnahmen.
Das Gespräch mit ihnen verlief so, wie es Socrassus vermutet hatte. Pilatus lehnte ihr Ansinnen zunächst vehement ab: die Rechtsprechung hier obliege ihm, und niemand anderem; die Auftraggeber des Barabas werde man ihm unter der Folter abpressen, er selbst werde am nächsten Freitag auf dem Golgotha gekreuzigt!
Jetzt begannen die beiden zu räsonieren: wie leicht doch im Kerker Streit unter den Gefangenen ausbrechen könne, wegen nichts und wieder nichts; er möge bedenken, dass Barabas und Jesus gemeinsam in einer Zelle untergebracht seien, ein brutaler Mörder und ein sanfter, wenn auch verworrener Schöngeist.
Pilatus unterbrach sie zornig.
„Ich werde sie trennen und unter strenge Bewachung stellen!“
„Ach ja,“ antwortete der Ältere in seinem südlichen Dialekt, „aber du weisst selbst, wie schlecht diese Wächter bezahlt werden. Ich wäre nicht so sicher, dass nicht der eine oder andere schwach wird, wenn er die Möglichkeit sieht, seiner Familie das Leben zu erleichtern.“
Und der andere ergänzte: „Auch Leibwächter sind nicht unverletzlich“.
P. lenkte nun ein und fragte, was er ihrer Meinung nach tun könne, damit sich solche Befürchtungen nicht bewahrheiteten.
„Du brauchst in dieser Angelegenheit gar nichts zu unternehmen,“ antwortete der Ältere, „wir werden mit dem Gefängnisaufseher sprechen und ihm vorschlagen, den Barabas auf keinen Fall zu foltern und es nicht zu genau mit seiner Bewachung zu nehmen. Das ist alles.“
Nun gab Pilatus in gespielter Entrüstung nach, aber nur unter der Bedingung,sie dürften erst dann etwas unternehmen, wenn sie ein Zeichen von ihm erhalten hätten.
Eine weitere Forderung seinerseits wiesen sie als den Kräfteverhältnissen unangemessen hoch zurück. Er werde aber feststellen, dass sie nicht undankbar für sein Entgegenkommen seien.
Beim Abschied überreichten sie ihm eine Visitenkarte - „falls du unsere Dienste einmal brauchen solltest.“ Auf dem Schreibtisch hatten sie einen Umschlag liegen lassen, den Pilatus in die Tasche seiner Tunica gleiten liess.
Am Montag, dem 3. Tag des Pessach‚ kam es zu Unruhen auf den Straßen Jerusalems. Kaiphas meldete sich beim Präfekten, um eine Lösung des Problems Jesus mit ihm zu besprechen. Dieser beschied, er werde erst mit ihm verhandeln, wenn er Ruhe auf den Strassen hergestellt habe.
Bereits am frühen Morgen des nächsten Tages schon empfing er die Anführer der Juden. Sie forderten, er solle die Verbannung des Jesus aufheben und ihn in einem neuen Prozess zum Tod am Kreuz verurteilen.
Pilatus lehnte mit fast den gleichen Worten ab, die er bereits gegenüber den ‚Ehrenwerten Herren‘ gebraucht hatte, und fügte hinzu, eine Wiederaufnahme des Prozesses würde die Staatskasse ungebührlich belasten; es müsse ja erneut eine Tribüne errichtet werden; die Sicherheitskräfte, die ohnehin schon durch die von ihnen geschürten Unruhen stark belastet seien, müssten für den zusätzlichen Dienst bezahlt werden, und einiges mehr in dieser Art.
Die Hohepriester entgegneten, das Volk werde ihnen nicht mehr lange gehorchen; sie könnten für nichts garantieren; ein Aufruhr werde noch viel teurer für den römischen Staat. Für die Kosten des Prozesses kämen sie natürlich selbst auf, einen Vorschuss hätten sie schon dabei.
Pilatus antwortete ausweichend: er werde darüber nachdenken und sich mit seinen Beamten beraten. Seine Entscheidung werde er ihnen unverzüglich mitteilen.
Als sie gegangen waren nahm er den Umschlag, den sie auf dem Tisch zurück gelassen hatten, an sich.
An diesem Abend sandte er den ‚Ehrenwerten Herren‘ das verabredete Zeichen. Die Aktion lief in der Nacht mit militärischer Präzision ab und am nächsten Tag, dem ‚Dies mercurii‘ (Mittwoch), verbreitete sich schon am Morgen die Nachricht, der Barabas sei aus dem Kerker entflohen.
Das Volk tobte.
Kaiphas und der Hohe Rat heizten die Stimmung weiter an: den Jesus habe man ihnen verweigert, den Barabas aus dem Gefängnis entkommen lassen; der Prozess müsse unverzüglich neu geführt werden, und diesmal mit einem gerechten Urteil.
Pilatus gab bekannt, er werde in zwei Tagen erneut über den Jesus zu Gericht sitzen.
Diesmal war der Prozessverlauf kurz. Pilatus fragte den Jesus innerhalb von einer Minute dreimal, ob er der König der Juden sei. Obwohl Jesus jedes Mal schwieg verurteilte er ihn zum Tod am Kreuz wegen Beleidigung des Kaisers, der allein das Recht habe, Könige zu ernennen. Dann ließ er sich - für die anwesenden Vertreter der Medien - eine Schale mit Wasser reichen und sagte, er sei unschuldig am Tod dieses Gerechten. Danach verschwand er schnell wieder im Palast. Er wollte dieses widerliche Geißeln nicht sehen, das Einspannen in die furca, den Spiessrutenlauf zum Golgotha. Nein, er hatte als Soldat in vielen Kriegen genug Blut fliessen sehen.
Sein anfänglich kritisches Verhältnis zu Socrassus hatte sich deutlich gebessert, als sich dessen Voraussagen Stück für Stück als zutreffend erwiesen.
„Die lustigen Geschichten des Galliers waren zwar erheiternd, die Ratschläge dieses Socrassus sind aber nützlicher,“ dachte er.
Der Alte musste jetzt nicht mehr im Stehen vor der Tür des Arbeitszimmers auf die Befehle seines Herrn warten, sondern er durfte auf einem Stuhl sitzen. Öfter rief Pilatus ihn auch in sein Arbeitszimmer, um ihn um seine Meinung zu fragen. Er stellte ihm allerdings nie eine direkte Frage, vielmehr machte er sich im Selbstgespräch laut seine Gedanken und wartete, ob der Alte hüstelte. Tat er das, dann fragte er, was er davon halte.
Der Grieche war in der letzte Woche in seinem Auftrag häufig auf den Märkten und Plätzen unterwegs gewesen, um die Stimmung der Leute zu erkunden. Dass der Alte weiterhin an Ecken stand und den Leuten Fragen stellte, tolerierte er.
Am Abend nach Verurteilung des Jesus, dem letzten Tag des diesjährigen Pessach, berichtete ihm der Grieche, das Volk habe dem Jesus schon auf dem Weg zum Hügel eine Dornenkrone auf den Kopf gehämmert und ihn halb zu Tode gepeitscht; er sei auf dem Golgotha nach der Aufrichtung des Kreuzigungspfahls und dem Brechen der Beinknochen schnell gestorben; schon nach drei Stunden habe der Scherge, der den Stich in die Seite gewonnen hatte, seine Lanze gehoben; sofort danach hätten einige Leute aus der Stadt den Toten vom Kreuz genommen, ihn in Tücher gewickelt und in das Felsengrab des Josef von Arimathäa, eines angesehenen Bürgers der Stadt, gebracht. Dessen Sympathie für den Jesus sei bekannt und er habe verhindern wollen, dass sein Leichnam auf den Schindanger geworfen würde.
„Von mir aus," brummte Pilatus und verließ sein Arbeitszimmer, um in die Thermen zu gehen.
Socrassus hüstelte.
„Ist noch was?“
„Ein berühmter griechischer Anatom aus der Medizinschule von Alexandria ist in Jerusalem eingetroffen, um Vorträge über das menschliche Gehirn zu halten.“
„Was hat denn das nun wieder mit dieser Angelegenheit zu tun? Stiehl mir nicht meine Zeit!“
„Mit Verlaub, domine, es hat sehr wohl damit zu tun. Ich will es dir erklären, wenn du gestattest.“
„Aber fasse dich kurz. Ich habe einen Massagetermin.“
„Die Schule von Alexandria hält im Gegensatz zu der von Athen nicht das Herz, sondern das Gehirn für den Sitz der Seele.“
„Komm zum Punkt, ich muss los!“
„Für ihre Untersuchungen holen sich die Anatomen die Leichen hingerichteter Verbrecher vom Schindacker. Für unseren Gast, der die Struktur des Gehirns erforscht, wäre es von höchstem Interesse, das Gehirn dieses Jesus zu sehen, der ja ein so auffälliges Verhalten zeigte, als er noch lebte.“
„Dann soll er ihn sich von mir aus holen, ich habe nichts dagegen.“
„Danke Herr. Aber es gibt eine Schwierigkeit. Der Jesus liegt im privaten Felsengrab dessen von Arimathäa. Dort wachen Tag und Nacht seine Mutter, seine Gespielin Maria Magdalena und einige seiner sogenannten Jünger über den Leichnam. Deshalb können wir uns den nicht einfach so holen.“
„Pech für euch! Da kann ich euch auch nicht helfen. Aber nun lass mich endlich!“
„Mit Verlaub, Pilate, aber hier ist ein amtliches Eingreifen erforderlich.“
„Ich sehe nicht, was hier amtlich sein soll. Das ist eine Privatsache, das geht mich nichts an.“
„Ihr irrt, Herr. Der Josef hat das Felsengrab von der Stadtverwaltung gekauft. Im Vertrag steht, dass das Grab für alle Zeiten zur Beisetzung des Käufers, seiner Familienangehörigen und Nachkommen genutzt werden darf. Der Jesus ist aber kein Familienangehöriger, also ist seine Grablegung dort ungesetzlich.“
„Hm… Nun gut, aber wo kein Kläger, da kein Richter. Du nervst, lass mich endlich in Ruhe mit deinen Sophistereien.“
„Ich will dich nur darauf vorbereiten, dass sich morgen ein griechischer Kaufmann melden wird, um die Angelegenheit mit dir zu besprechen. Du solltest ihn anhören.“
Socrassus zeigte wieder diesen zweideutigen Gesichtsausdruck, den Pilatus schon kannte.
„Willst du etwa schon wieder andeuten…?“
„Da sei Zeus vor, Herr. Das würde ich nie denken, das wisst ihr doch.“
„Du bist schlimmer als eine Zecke!“ Pilatus ging lachend hinaus.
Am nächsten Vormittag betrat ein gut genährter und exquisit gekleideter Mann mittleren Alters sein Arbeitszimmer. Die Besprechung dauerte nicht lange und verlief in freundlicher Atmosphäre. Den Umschlag, den der Grieche auf dem Tisch hinterließ, steckte Pilatus ein.
Am folgenden Tag wurde der Josef von Arimathäa schon sehr früh vorgeladen, ebenso Maria und Maria Magdalena als Zeugen.
Pilatus wies ihn darauf hin, dass Familiengräber laut Vertrag nicht fremd genutzt werden dürften.
„Bei Jehova, mein Präfekt,“ rief Josef bestürzt, „das wusste ich nicht! Ich bin ein unbescholtener Bürger der Stadt, der seine Steuern immer regelmäßig bezahlt.“
Pilatus sah ihn streng an. Ja, das wisse er. Aber er sei gezwungen, ihm eine Buße aufzuerlegen. So verlange es die Verwaltungsordnung des Reiches. Josef habe nun einmal den Jesus entgegen den gesetzlichen Bestimmungen in sein privates Felsengrab legen lassen. Gerade er als oberster Dienstherr könne nicht nach Gutdünken handeln. Allerdings werde er nicht verlangen, dass die Leiche gleich entfernt werden müsse, soweit wolle er aus Respekt vor der Pietät des Josef nicht gehen. Aber da werde sich eine Lösung sicher noch finden lassen.
Die letzte Bemerkung erleichterte den Josef sehr, vor allem aber die beiden Frauen. Er fragte, wie hoch das Bußgeld sei. Pilatus hatte bereits im Kopf überschlagen: für den lebenden Jesus habe ich von den Juden 500 Sesterzen bekommen; ich denke, dass der tote ebenso viel wert ist. Und diesen Preis nannte er.
Josef hatte Goldmünzen dabei, weil er im Anschluss an seine Vorladung auf dem Markt Vieh kaufen wollte. Er legte fünf Stücke zu je 100 Sesterzen auf den Tisch.
Nachdem die drei das Zimmer verlassen hatten wog Pilatus sie in der Hand und legte sie in eine Schublade.
Josef ging jetzt zurück zu seinem Stadthaus, um neues Gold für den Viehkauf zu holen, Maria und Maria Magdalena aber eilten zum Felsengrab, um die Bewachung des toten Jesus wieder aufzunehmen.

Das Grab war leer…

Nachmittags rief Pilatus seinen Leibsklaven in das Arbeitszimmer.
Socrassus habe ihn sehr gut beraten; er wolle ihm deshalb die derzeit freie Stelle eines „Persönlichen Beraters des Präfekten“ geben.
Dieser beugte sich tief zum Dank.
„Gern diene ich dir als dein 'consigliere‘, Padrino mio. Erwarte aber nicht, dass ich immer einer Meinung mit dir bin.“
„Du fällst schon wieder aus unserer Zeit!“ Pilatus lachte und fuhr fort:
„Nach unserem Recht kann nur ein freier Mann Berater des Präfekten werden. Ich spreche dich also hiermit vom Sklavendienst frei.“
Socrassus dürfe sich nun „Consiliarius proprius praefecti“, persönlicher Berater des Präfekten, nennen.
Dieser dankte in einer seiner neuen Stellung angemessener Manier mit einem leichte Nicken des Kopfes.
„Wir müssen einen neuen Leibsklaven für dich finden, Padrino.“
„Mach einen Vorschlag, consiliarius! Aber bitte einen, den ich ablehnen kann!“
Beide grinsten.
„Dieser kleine Gallier, der vor mir Leibsklave war, ist wahrscheinlich auf der Corbita, die nach Ostia unterwegs ist. Gib Anweisung nach Rom, ihn dort festzunehmen und hierher zurück zu bringen. Er soll dir zur Strafe für seine Flucht ein oder zwei Monate dienen, dann gibst du ihn frei. Als meinen endgültigen Nachfolger habe schon jemand im Auge, einen Nachkommen des Mannes, der den grossen Alexander erzogen hat.“
„Soll mir recht sein! Die Akte des Jesus von Nazareth ist jedenfalls geschlossen. Aber nun ist es höchste Zeit, in die Thermen zu gehen. Kommst du mit?“
Socrassus sagte, er müsse noch einige Angelegenheiten bezüglich seiner neuen Stellung erledigen, er käme dann aber gern nach.
„Ich fürchte, die Akte Jesus wird jetzt erst aufgeschlagen,“ sagte er leise zu sich, als Pilatus den Raum schon verlassen hatte.
Auch in diesem Punkt sollte er recht behalten.
Schon am Nachmittag verbreitete sich das Gerücht, Maria von Magdala, die „Gespielin“ des Jesus, habe diesen lebendig beim leeren Grab gesehen. Er habe sogar mit ihr gesprochen. (‚Noli me tangere!‘ Halte mich nicht!).
Als Pilatus im Dampfbad davon hörte lachte er laut, sein Berater, der neben ihm sass, aber zuckte nur mit den Achseln.
Er hatte sein Bestes gegeben...
 
Zuletzt bearbeitet:

Ralph Ronneberger

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo XRay,

die Erzählung hat mir sehr gut gefallen. Locker vom Hocker und voller Anspielungen, die das Problem haben, "aus der Zeit zu fallen". Kleiner Hinweis am Rande: Solltest du dich irgendwann mit dem Gedanken tragen, diese Geschichte zwischen zwei Buchdeckel klemmen zu lassen - unbedingt Korrektur lesen. Es haben sich einige Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen.

Gruß Ralph
 

XRay

Mitglied
Lieber Ralph,

Danke für Dein Urteil, über das ich mich sehr gefreut habe!

Eine Veröffentlichung auf dem Buchmarkt habe ich nicht vor, kann mir auch nicht vorstellen, wer so etwas lesen wollen würde.
Ich jedenfalls nicht!;)
Bezüglich Orthographie habe ich meine eigenen Vorstellungen, werde den Text aber nochmal auf offensichtlicher Druckfehler checken.
Für Hinweise auf sachliche Fehler oder logische Brüche wäre ich natürlich dankbar.

Gruß
XRay
 

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