Das Immertreu (Frühlingssonett 2026)

4,60 Stern(e) 5 Bewertungen

Stavanger

Mitglied
Was soll ich dir, o Mensch, noch Neues sagen,
wenn endlich frühlingshaftes Licht erstrahlt?
Wenn die Natur an frühen Frühlingstagen
die Landschaft wie durch Zauber bunt bemalt.

Was kann ich dir, mein Freund, noch Neues singen,
was ich nicht schon im Vorjahr hätt getan?
Welch Ständchen könnt ich dir mit Anstand bringen,
um ein Jahr älter auf der Lebensbahn?

Da blüht im fernsten Gartenbeet, noch scheu,
ein kleines, unscheinbares Immertreu.
Mit Macht und Vielzahl wird es Einzug halten

und diesen Lenz nach seinem Maß gestalten.
Und nichts, ja nichts, bleibt wie gewohnt beim Alten.
Seid drauf gefasst: Die Welt wird wahrhaft neu.
 
Zuletzt bearbeitet:

Stavanger

Mitglied
Vielen Dank, ihr beiden, für eure positive Resonananz, ich habe mich sehr gefreut!
Ja, Andreas, ich habe mich durch 4 kg Werbung gekämpft und noch mal etwas eingestellt.
Das Immertreu ("Evertrue") ist übrigens eine Art Grabblümchen, zum Beispiel auf den Feldern von Rohan, eine Tolkien-Erfindung.
Mal was anderes, auch wenn's irgendwie vertraut klingt, oder?

Ich wünsche euch einen schönen Tag!
Uwe
 

fee_reloaded

Mitglied
Wie schön - nicht nur das Sonett, sondern auch, dich wieder mal zu lesen, lieber Uwe!

Das Immertreu fehlt mir noch in meinem Garten!!!!
Da blüht im fernsten Gartenbeet, noch scheu,
ein kleines, unscheinbares Immertreu.
Mit Macht und Vielzahl wird es Einzug halten

und diesen Lenz nach seinem Maß gestalten.
Und nichts, ja nichts, bleibt wie gewohnt beim Alten.
Seid drauf gefasst: Die Welt wird wahrhaft neu.
Das ist einfach nur....hach!!!! Wirklich wunderschön!

Sehr sehr gerne gelesen!
Liebe Grüße,

Claudia
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Uwe,

mich erinnern Deine Zeilen daran, dass wir trotz der Jahre und der Spuren, die sie hinterlassen haben, jedes Jahr auch wieder neu werden können, nämlich genau so lange, wie wir uns an diesem Zauber der Natur erfreuen können.

Sehr schön!

Liebe Grüße
Petra
 

Stavanger

Mitglied
Hallo Petra,

schön dir wieder zu begegnen - lauter nette Leute hier!

Mir gefällt auch deine positive Sichtweise auf mein Sonett.
So hatte ich es anfangs auch gedacht ... Nach den beiden Vierzeilern suchte ich dann eine Blume mit -treu am Ende.
Es gab "Männertreu", aber das war nicht, was ich suchte.
Da stieß ich auf Tolkiens "Immertreu" (Evertrue), das etwa auf den Grabhügeln Rohans blüht. Ich übernahm es gerne, auch wenn es (für mich) eine düster-unheilvoll-ungewisse Note mit in das Gedicht brachte.

Worauf ein nicht vorgewarnter Leser allerdings kaum kommen kann, auch, weil "Immertreu" irgendwie vertraut klingt und nicht unbedingt nach Mittelerde und verlustreichen Schlachten.

Ich lasse es, glaube ich, wie es jetzt ist, ein wenig geheimnisvoll darf es ruhig auch bleiben.

Vielen Dank für deinen schönen Kommentar und noch einen tollen Frühling!
Uwe
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Von der Stimmung (nicht der formalen Form) erinnert es mich sehr an die Shakespeare-Sonette, die die Wiedergeburt im Frühling beschreiben.
Natürlich ist es selbst eine Wiedergeburt, die Form reicht bis ins 12. Jahrhundert und noch weiter zurück.
Mir gefällt es.
 



 
Oben Unten