Das ist lang zurück

Omar Chajjam

Mitglied
Meine erste Liebe
(Das ist lang zurück, wie im Traum, als ich ging im Winter.)

Kinder waren wir und hielten uns an Händen
und das Lachen ging mit uns durchs Feld
Das ist lang zurück,
Ich weint am Abend manchmal einsam,
Doch am Morgen hab ichs nicht erzählt.


Und wir bauten uns im Baum ein Lager,
trugen die geheimen Dinge an den Ort
wie im Traum.
und ich zog als wilder Indianerkrieger
mit dem Bogen in die Fremde fort.


Und die Welt wurd mir zum Abenteuer,
daß ich drum das Baumhaus ganz vergaß
als ich ging,
daß im Garten über unsrer ersten Liebe
wuchs der dunkle Efeu über wildem Gras.


Daß ich meine erste Liebe hab verraten,
denk ich oft, wenn ich auf kalten Feldern steh,
im Winter.
Und ich acht, daß mir die letzte Lieb am Ende
in der Welt nicht ebenso verlorengeh.
 

George Polly

Mitglied
Hallo Omar,
Ich habe mal von dir irgendwo gelesen,
ich glaube bei dem Zuggedicht, dass es
wirklich so passiert ist, wie du es ge-
schildert hast.
Dieses hier klingt auch sehr authentisch
und ist leicht verständlich in seiner
Aussage.
Hermann Hesse hat mal ein schönes Märchen
über dieses Thema geschrieben, was mich
immer wieder in seiner Aussage fasziniert:
Es heißt "Augustus".
Dein Gedicht hat mich sehr stark daran
erinnert und sagt schließlich:

Es ist egal, ob man geliebt wird, oder nicht,
wichtig ist, dass man selber lieben kann.

Aus diesen Erfahrungen, die wir in uns tragen
und die uns immer wieder mit ihrem stechenden
Schmerz heimsuchen, entsteht für uns erst die
Bedeutung unserer Gefühle und die Achtung der
Gefühle anderer.

Meinst du mit "Winter" dieses fehlende Bewußtsein,
in das du wieder hineinversetzt wirst?
 

Omar Chajjam

Mitglied
Ich bin der Auffassung, daß geliebt zu werden, das wertvollste Geschenk ist. Vergeudet man das, macht man sich schuldig. Dagegen ist die Fähigkeit zu lieben eine Gabe, die Schmerzen bereitet.

Gruß
Omar
 

George Polly

Mitglied
Selbstverständlich bereitet sie Schmerzen,
deshalb ist ja derjenige, der liebt - und
immer und immer wieder lieben kann ein reicher
Mann. Selbst geliebt zu werden, ist ein
sehr schönes Gefühl der Geborgenheit,
Sinneslust usw., aber wenn jemand diese
Liebe nicht erwiedern kann, ist sie tot:
Du siehst doch, dass du um das Fehlen
deiner eigenen Liebe trauerst -
dahingegen:
Hättest du sie geliebt und sie dich nicht,
könntest du heute vielleicht etwas schwermütig,
aber keineswegs traurig oder sogar schuldig
zurückschauen, sondern du würdest in der
Erinnerung an das unvergleichliche Gefühl
deiner eigenen Liebe schwelgen, an ihren
entrückten Zustand, der selbst auch kostbar
war, denn DU warst es, der geliebt hat und das
wird "sie" heute auch so machen.
Du wirst da vielleicht nur noch der Auslöser sein,
der dieses Gefühl hervorruft.

Schöne Grüße
Georgie
 

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