Das leidvolle Schicksal der Liebesgedichte

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Walther

Mitglied
Das leidvolle Schicksal der Liebesgedichte


Der Dichter schrieb dies seinem Weibe,
Damit sie ihm verbunden bleibe.
Die Dame fand es furchtbar lieb,
Dass er ihr all die Verse schrieb.

Am Anfang kam sie in Ekstase
Und nahm die Brille von der Nase.
Dann taten sie so dies und das,
Was man da tut, und hatten Spaß.

Doch später lag oft ungelesen
Im Nachttisch, als wär nichts gewesen,
Was er ihr schrieb und sie nicht las.
Die Brille blieb jetzt auf der Nas.

Der Dichter packte es in Bände
Und gab es in Verlegerhände.
Nun zehrten sich die andern Damen,
Die seine Dichtung zu sich nahmen.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther

ganz kleiner Vorschlag, was die erste Zeile angeht:

anstatt:
Der Dichter schrieb dies seinem Weibe,

ginge auch:
Er dichtete einst seinem Weibe,

dann geht das 'dies' raus (wenn 'dies' auf den Titel anspielt, dann besser 'sie, denn es sind ja viele Gedichte) und auch die Wiederholung von 'schrieb' in der ersten Strophe wird vermieden.

LG
Tula
 

Walther

Mitglied
Hi Tula,

danke für eintrag und wertung.

das mit dem "dies" muß so sein und das doppelte "schrieb" auch. einfach mal laut vortragen, dann wird klar, was die wortwahl erreicht.

lg W.
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
M O D E R A T I O N

Eine kurze ad hominem Diskussion wurde entfernt.

Von mir aus könnt ihr gern im FL versuchen, witzig gemein(t)e Wortgefechte loszutreten, hier aber nicht.

lap
 

Zeder

Administrator
Teammitglied
Hallo Walther,

ich habe ein grammatikalisches Problem:

Der Dichter schrieb dies seinem Weibe,
Damit sie ihm verbunden bleibe.
Es ist "das" Weib - ergo 'damit "es" ihm verbunden bleibe'.
Das klingt nicht schön ...

Grüße von Zeder
 

Walther

Mitglied
Hi Zeder,

das ist grammatisch absolut richtig, was du schreibst. die formulierung hat einen anderen hintergrund. es geht um die ironische grundstimmung, die damit beginnt.

danke fürs reinlesen und kommentieren!

lg W.
 
A

aligaga

Gast
Da ist nicht nur der Artikel falsch, sondern auch die Zeitform. In sauberem Doitsch müsste es "bliebe" heißen (Konjunktiv zwo).

Patzer? Aber nein - geniale Sprach-Kunstgriffe, ne! Da wird "Ironie", oder so ...

Qietschvergnügt

aligaga
 

anbas

Mitglied
Hi Walther,

diesen Text zu lesen, hat mir Spaß gemacht.

Was hältst Du von dieser kleinen Änderung:

Am Anfang kam sie in Ekstase
Und nahm die Brille von der Nase.
Dann taten sie so dies und das,
Was man [blue]halt[/blue] tut, und hatten Spaß.
Aus meiner Sicht kommt da noch eine leichte zusätzlich lapidare Note hinein, die passt.

Liebe Grüße

Andreas
 

Walther

Mitglied
Hi Anbas,

stimmt, super idee. danke!!! habe das gleich umgebaut! :)

vielen dank für die blumen. schön, daß so nach und nach die sache reift. ;)

lg W.
 

Walther

Mitglied
Das leidvolle Schicksal der Liebesgedichte


Der Dichter schrieb dies seinem Weibe,
Damit sie ihm verbunden bleibe.
Die Dame fand es furchtbar lieb,
Dass er ihr all die Verse schrieb.

Am Anfang kam sie in Ekstase
Und nahm die Brille von der Nase.
Dann taten sie so dies und das,
Was man halt tut, und hatten Spaß.

Doch später lag oft ungelesen
Im Nachttisch, als wär nichts gewesen,
Was er ihr schrieb und sie nicht las.
Die Brille blieb jetzt auf der Nas.

Der Dichter packte es in Bände
Und gab es in Verlegerhände.
Nun zehrten sich die andern Damen,
Die seine Dichtung zu sich nahmen.
 

Walther

Mitglied
Lb. Poetix,

danke für wertung und eintrag.

liebesgedichte dürfen spaß machen und für die nachricht ein paar wege nutzen, die noch nicht ausgelatscht sind. :)

lg W.
 

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