das letzte

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Mondnein

Mitglied
Nein, Karl,

die Pointe ist wie ein Knaller auf der offenen Hand, der zerreißt dann natürlich auch keine Faust, aber er zündet halt ins Allgemeine.

Aber ich hätte anstatt "Liebe" etwas Dichteres hingesetzt, wenn es mein Gedicht wäre. Und wäre "Liebe" nicht nur gesagt, sondern auch gemeint, dann wäre die geliebte Person anzusprechen. Und da genügt wiederum nicht die "Person", sondern es müsste ihr Name sein, oder ein konkreteres Konzentrat ihrer Kernerfahrung oder ihres Lächelns. Finde ich.

"Das Letzte" ist auch Titel eines (schon ziemlich langherigen) Gedichts von mir, "une gong blang ding glang soft", aber das würde ich nicht mit diesem hier vergleichen, wenn es um die Schluß-Pointe geht. Da fällt mir eher John Lennon ein, "tomorrow never knows" mit dem metaphysisch gewendeten Churchill-Zitat: "(this is) the end of the beginning of the beginning of the beginning of the beginning ...", denn da geht das Anfangen immer vom uns greifbaren und zugleich durchs Weiterschreiten ungreifbaren Ende der Zeit im ewigen Jetzt aus. Selbstabbildend und vorbildlich-konkret zugleich.

grusz, hansz
 
wieder ist es so weit
ein letztes gedicht
in wochen voller hoffnungen
die auch im neuen jahr
enttäuscht werden

wirtschaftsglaubenskriege
luftkämpfe über stammtischen
und diktatoreneitelkeiten
verhinderter weltbeherrscher

aber hätten wir
unsere liebe nicht
 
Lieber Hanzs,
danke Dir für Deine ausführliche Kritik.
Meine Pointe bezieht sich eigentlich aus ein Bibelzitat. Ich habe es jetzt ein wenig abgeändert : "unsere" Liebe. Ich hoffe, dass kommt Deiner Intention ein Stück entgegen.
Herzlichen Gruß
Karl
 

Mondnein

Mitglied
De meinst doch nicht etwa den ewigen Korinther, den Lieblingsrosinentext der Hochzeitsfeiern in den Kirchen, häufiger als das weiße Brautschleierkleid und der Mendelssohn-Rausschmeißer? ironisch?
 
Lieber Hansz,
doch den meine ich. Und m.E. geht es dabei nicht um die romantische (Hochzeitsfeier-)Liebe sondern um die christliche Nächstenliebe. Aber je mehr Du nachfragst, desto deutlich wird mir eigentlich, dass mir hier nicht gerade ein großartiger Text gelang.
Vielleicht kann ich ihn noch umschreiben. Ansonsten werde ich ihn löschen.
Danke für Deine Hartnäckigkeit.
Herzliche Grüße

Karl
 
ein letztes gedicht noch
in wochen falscher hoffnungen
die auch im neuen jahr
kaum richtiger werden

wirtschaftsglaubenskriege
luftkämpfe über stammtischen
diktatoreneitelkeiten
noch nicht verhinderter
weltbeherrscher


blicke in ungeputzte glaskugeln
und selbst nichts bleibt
stets noch ein nichts
 

anbas

Mitglied
Lieber Karl,

löschen würde ich auf keinen Fall!

Aus meiner Sicht hat das Gedicht durch die Änderungen schon deutlich gewonnen.
Das Ende empfinde ich allerdings immer noch als etwas zu sperrig, zu sehr verklausuliert - aber vielleicht muss das auch so sein ...

Liebe Grüße

Andreas
 

revilo

Mitglied
ein letztes gedicht
in zeiten manikürter hoffnungen
die auch im neuen jahr
kaum plausibeler werden


über stammtischen sprudeln
eitelkeiten verhinderter
weltbeherrscher


ich blicke lieber
in ungeputzte glaskugeln
auf der suche nach
dem neuen nichts

LG revilo
 
ein letztes gedicht noch
in wochen falscher hoffnungen
die auch im neuen jahr
kaum richtiger werden

wirtschaftsglaubenskriege
luftkämpfe über stammtischen
diktatoreneitelkeiten
noch nicht verhinderter
weltbeherrscher


blicke in ungeputzte glaskugeln
und selbst nichts bleibt
entsteht doch noch ein nichts
 

blackout

Mitglied
Ein kleiner Rundumschlag gegen das, was heute Welt sein soll. Ich spüre deine Befürchtung, bei irgend jemandem anzuecken. Aber ein bisschen Mosern geht ja. Solche allgemein gehaltenen Gedichte taugen erfahrungsgemäß wenig. Wen soll dein Gedicht ansprechen?

Wie alle deine Gedichte aufs Knappste gedrängt, aber ich denke, dabei geht so einiges verloren. Manchmal muss man eben sehr genau werden, ins Detail gehen, damit ein Zündfunke überspringt.

blackout
 
ein letztes gedicht noch
in wochen falscher hoffnungen
die auch im neuen jahr
kaum richtiger werden

wirtschaftsglaubenskriege
luftkämpfe über stammtischen
diktatoreneitelkeiten
noch nicht verhinderter
weltbeherrscher


blicke in ungeputzte glaskugeln
und selbst wenn nichts bleibt
entsteht doch noch ein nichts
 
Hallo Blackout,
mir geht es gar nicht so sehr darum, vollkommene Gedicht zu schreiben. Mir ist lieber, wenn die Leser/innen die vermeintlichen Lücken schließen.
Danke für Deine Anregung und herzlichen Gruß
Karl
 

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