das piano der geliebten

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Walther

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vielleicht sollten sich die schlechtwerter mal mit dem doppelten wortsinn des worts "piano" auseinandersetzen. lg W.
 

HerbertH

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Lieber Walther,

das sollten sie in der Tat.

Um so mehr freut mich, dass Du und einige von den alten Hasen das Gedicht so gut bewertet haben.

Bei solchen Kurzgedichten gibt es wohl nur Hopp oder Top ;)

Herzliche Grüße

Herbert
 

Walther

Mitglied
Hi Herbert,

Bei solchen Kurzgedichten gibt es wohl nur Hopp oder Top
könnte man so sagen - hat aber meist damit zu tun, daß nicht jeder das sensorium für den gedanken- und assoziationsraum hinter dem geschriebenen hat. schnellleser tun sich besonders schwer.

lg W.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walter, bei so kurzen Gedichten könnten selbst Schnellleser nach dem ersten hä? die wenigen Wörter noch einmal lesen. Aber garantieren kann selbst ein 2. Lesen nicht, dass der bekannte Groschen fällt, meist wenn es eine Verführung zu einer Lesart gibt, bei der man den Hintersinn nicht mehr erkennen kann.

Herzliche Grüße

Herbert
 

Mondnein

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Mir scheint es, lieber HerbertH,

auch wichtig, daß das Spiel mit Doppeldeutigkeiten in einem Kurzgedicht nicht auf bloße Kalauer aus ist.

Kürze ist vielleicht das modernste Stilmittel. Wie bei einem Bild, das von einer optischen Szenerie nur ein Fragment ausschneidet, und man muß über den Rahmen hinaus "schauen", zugleich kommt irgendwas Unscheinbares in den Blick. Oder Flüchtiges macht einen reizenden Eindruck.

Kalauer werden die Witze, wenn ihnen das konkret-Einzelne fehlt.

Hier ist, scheint mir, alles in den Folgezusammenhang von "piano" und "verkümmert" gelegt. Das konkret-Einzelne ist die Situation, wo das Verhalten der Lyrsie - Klavierspiel oder Leisesein - den Lyrihn nicht bloß bekümmert, sondern sogar verkümmern läßt und in seinem Leisewerden allein zurückläßt.

Oder die umgekehrte Wichtung: Er ist nicht bloß ein wenig resigniert in sich zusammengesunken, sondern ein Häufchen Elend.

Ist hier natürlich eher piano gesagt, unerreichbar edel und fleißig, das macht uns großohrige Hasen mit kurzfingrigen Pfoten schon melancholisch.

grusz, hansz
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Hansz,

zum Thema Kalauer halte ich mich erstmal zurück, Nur soviel will ich dazu sagen: Sicherlich ist - wenn man dies Gedicht auf Dein "Die Geliebte des Pianisten" allein bezöge, welches mich ja zu dem kurzen Gedicht hier angeregt hat, wie ich Dir ja schrieb - es in gewisser Weise als Verballhornung lesbar, wenn auch eher mit einem Schmunzeln
von mir gedacht.

Kurze Gedichte wie dieses haben ihre eigene innere Logik, es sind eher Schlaglichter auf Unerwartetes, eigenwillig zu Lesendes. Das hast Du ja auch sehr differenziert herausgearbeitet.

Das "verkümmert" statt dem täuschend einfacheren "bekümmert" ist einer der Punkte gewesen, über den ich lange nachgedacht habe. Letztlich habe ich ver- statt be- gewählt, weil es hier noch eine Reihe von zusätzlichen Deutungsmöglichkeiten gab, die zusätzliche Tiefe gaben.

Und das, ohne andere auszuschliessen.

Vielleicht ist das Ganze wie beim Höhlengleichnis zu sehen: Aus den Schatten an der Wand, die das Feuer wirft, wird jeder am ehesten das lesen, zu dem sich aufgrund der eigenen Erfahrung Bezüge ergeben. Das Ding an sich erschliesst sich daraus nicht.

Und das ist für mich das Interessante beim Schreiben solch kurzer Gedichte. Und auch beim Lesen.


Danke für Deinen - wie so oft (warum kann man eigentlich Kommentare nicht auch bewereten? :)} - sehr anregenden Kommentar !

Liebe Grüße

Herbert
 

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