Das seufzende Raumschiff

Hagen

Mitglied
l. Teil: Das seufzende Raumschiff

Das Raumschiff stöhnte und ächzte in seiner Struktur.
Mein Kollege fuhr zusammen: "Verdammt, hier spukt es! Irgendetwas stimmt mit diesem Schiff nicht, die Geräusche sind doch nicht normal!"
Ich kräuselte die Oberlippe zu einem dünnen Grinsen und sah der Co-Pilotin nach, die in diesem Moment mit schwingenden Hüften durch die Messe ging und sich zu den Triebwerksspeziallisten an den Tisch setzte.
Traumfigur, lange, schwarze Haare und einen eng sitzenden Anzug mit Reptilienmuster.
"Oh, Mann", stöhnte ich, "das ist zu hart, das macht mich fertig, das ist ja wie in einer meiner Stories!"
Die Raumschiffstruktur gab einen erneuten Seufzer von sich, ich ließ das Glas vor mir voll Bourbon gluckern.
"Willst du auch einen, Mike?", fragte ich meinen Kollegen mit grinsend freigelegten Zähnen.
"Um Gotteswillen, Mann. Hörst du nicht dauernd dieses Seufzen und Stöhnen aus der Schiffszelle? Überall? Immer? - Ich sage dir, dieses Schiff ist verflucht!"
"Ach, du je! Sag' bloß, du glaubst an sowas? Erzähl mir doch lieber, wie ich die Wuchtbrumme dahinten in meine Schlafröhre bekomme."
Der Bourbon floss warm und weich in meinen Magen.
"Weißt du", philosophierte ich, "außer dem Kaugummi und dem Bourbon haben die Amerikaner eigentlich nichts Vernünftiges erfunden, - und vielleicht noch jene Braut dort ..."
Mein Gegenüber schaute mich groß an: "Sie ist Deutsche, genau wie du und ich. Wie bei Karl May, da waren die Guten auch immer Deutsche."
"Ach, Quatsch, Karl May! Die Frau ist bestimmt nicht die 'Gute', sie hat eine faszinierend-böse Aura, das ist es ja gerade, was sie so interessant macht!"
"Schlag' dir das aus dem Kopf, die Konkurrenz ist viel zu groß, die nehmen uns Transmitterleute doch sowieso nicht für voll."
"Tja, leider. Und ich Idiot schiebe auch noch meinen Urlaub über ein halbes Jahr vor mir her, nur damit ich den Transmitter noch zum Jungfernflug fertig bekomme, - und dann das! Jeder Scheißzulieferer von diesem Raumschiff hat irgendeinen Psychopaten an Bord gejagt, der den ganzen Kram, der sich während des Jungfernfluges als Fehlkonstruktion herausstellt, gesundbeten muss, und jeder tut so, als hätte er das Schiff hier alleine gebaut, aber keiner macht sich die Finger schmutzig. Weißt du noch, wie wir den Trouble mit dem receiver-slab unseres Transmitters hatten? Keiner von den Säcken hat uns mal auch nur mit einem Datenstick ausgeholfen, - nur Sprüche, und die Braut da findet das auch noch gut! Guck doch mal, wie sie sich bei den Triebwerksleuten anbiedert!"
Ich goss mir noch einen Bourbon in den Magen, das langgezogene Stöhnen der Schiffszelle kam mir weit entfernt vor.
"Du bist doch besoffen, Mann", sagte mein Kollege.
"Na, und? Die können den Kahn hier doch alleine nach Alpha Centaury schaukeln. Unser Transmitter läuft, was sollen wir hier noch?"
"Bestimmt nicht uns voll laufen lassen! - Sieh' doch endlich ein, dass dieses Schiff hier verflucht ist! Hörst du es denn nicht? Diese unheimlichen Geräusche?"
Ein erneutes Stöhnen kroch heran, wie die letzten Laute eines eingekerkert sterbenden Menschen.
"Ach, das meinst du?", sagte ich betont cool, "das ist normal, kein Grund zur Sorge. Du wirst dich dran gewöhnen. Jeder in geodätischer Bauweise gefertigte Flugkörper ächzt und säuselt, - zumindest in der ersten Zeit, bis sich die Zellenstruktur gesetzt hat! Wir sind heute Morgen um sechs Uhr Erdzeit von Arizona gestartet, und erst seit siebzehn Stunden unterwegs, du musst der Zelle eben etwas Zeit lassen..."
"Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass das normal ist! Meiner Ansicht nach ist das hier ein Unglücksschiff, - möglicherweise sogar, weil die hier eine Frau als Co-Pilotin haben. Früher, als man noch mit Dampfern über die Ozeane fuhr, durften auch keine Frauen an Bord sein, zumindest nicht während der Jungfernfahrt."
"Da lache ich doch erst mal schrill auf!"
Ich füllte mein Glas erneut.
"Pass' auf, ich erklär' dir das mit den Geräuschen mal eben: Das erste Mal erschreckte das Luftschiff S.L.l. seine Besatzung mit derartigen seltsamen Geräuschen, etwa dreißig Jahre später wunderten sich die Herren Flieger über die gleichen stöhnenden Laute, als sie die 'Vickers Wellington' flogen. Dabei waren diese Geräusche absolut harmlos, sie rührten von der einkalkulierten Verformung der Zelle her. - Wie du sicher weißt, ist dieses Raumschiff auch in geodätischer Bauweise gebaut worden, warum sollte es nicht auch ächzen und säuseln? Prost, mein Lieber."
In Begleitung eines erneuten Stöhnens trank ich einen weiteren Schluck. In Mikes Gesicht vermeinte ich die Spur eines höhnischen Grinsens zu sehen.
"Was ist denn eine geodätische Bauweise?" fragte er fast gelangweilt.
"Na, gut. Dann halte ich dir mal einen technischen Vortrag! Guck dir doch mal die Co-Pilotin an, die mit den großen Brüsten. Und jetzt stell dir mal vor, du sollst einen möglichst leichten BH für diese Mordstitten entwickeln, ohne Stangen und so. Dann würdest du doch ein Netz aus Dreiecken zur Anwendung bringen, eine sogenannte 'Sandwichstruktur' in geodätischen Linien, die ja, wie jeder weiß, die kürzeste Verbindung auf einer beliebig gewölbten Oberfläche darstellen.
Bei der Konstruktion dieses Raumschiffes kamen Bänder zur Anwendung, die in spiralförmigen Windungen von einem Ende des Konstruktionskörpers zum Anderen gelegt worden sind, und zwar sowohl in linken als auch in rechten Windungen. Damit überschneiden sie sich und bilden durch die zahlreichen Knotenpunkte ein Netzwerk, das keinerlei innere Verstrebungen oder Aussparungen benötigt. Man hat dann eine sehr dünne Beplankung aufgebracht, außen und innen eine, und den Zwischenraum mit Vergussschaum ausgeschäumt. Das war's dann, ganz einfach, nicht wahr?"
"Ich verstehe kein Wort. Hör' doch endlich mit deiner Sauferei auf! Du weißt genau, dass auf Raumschiffen Alkoholverbot ist! Wie hast du das Zeugs überhaupt an Bord gekriegt?"
"Mit unserem Transmitter, ich hab's als Probelauf eingetragen. Meinst du, das Ding funktioniert nur mit Ahornsirup?"
"Hm, lass' dich bloß nicht erwischen!"
"Mehr als nach Hause schicken können die mich auch nicht. - Weißt du eigentlich, warum dieses Raumschiff hier 'Sir Barnes Wallis' heißt?"
"Er wird der Eigner sein."
"Quatsch! Sir Barnes war Chefkonstrukteur bei Vickers, er hat die geodätische Bauweise praktisch erfunden, er brachte sie bei den Baumustern Wellesley, Warwick und Wellington zur Anwendung ..."
"Erzähl' diesen Quatsch doch der Co-Pilotin, vielleicht interessiert sie sich ja dafür."
"Du bist ein richtiger Prolet, Mike! Vielleicht sollte ich die Dame mal zu einem Drink einladen..."
"Die lässt dich doch abblitzen! Raumfahrer bleiben grundsätzlich unter sich! Wenn du kein Raumschiff fliegen kannst, bist du für die kein Mensch!"
"Wer sagt denn, dass ich mit diesem Ding hier nicht umgehen kann? Ich habe die Lizenz für 'long range missions', noch aus dem Krieg gegen die 'storkks'! Prost, mein Lieber!"
Mir entging nicht, dass Mike hellhörig wurde, trotzdem tat er aber so, als ob ihn nichts interessierte.
Ich wartete den nächsten Seufzer ab und fragte wie beiläufig: "Habe ich dir eigentlich mal die Geschichte von John Henry erzählt? Hat was mit diesem Raumschiff hier zu tun!"
"Schon wieder was mit alten Flugzeugen?"
"Keineswegs! Also, ich mach's kurz: John Henry war Railroadman, und zwar Hammerswinger während der Kolonialzeit der USA."
"Was waren das denn für Menschen?"
"Das waren die Schienenleger, die Hammerswinger klopften die Bolzen in die Schwellen, mit denen die Schienen gehalten wurden. Richtige Schwellen hatte man damals noch nicht, man benutzte grob vorbereitete Bäume."
"Was hat das denn jetzt mit diesem Schiff und seinen seltsamen Geräuschen zu tun?"
"Lass' mich doch mal ausreden! Also: John Henry benötigte drei Schläge um einen Bolzen einzubringen, war übrigens ein Kerl wie ein Baum und schwarz wie die Nacht, der Bursche. Naja, eines Tages kam die Gesellschaft auf das schmale Brett, statt der Hammerswinger eine Maschine einzusetzen, den sogenannten 'Steamdrill', verstehst du?"
"Klar, ich bin doch nicht blöde!"
"Entschuldige. - Die Hammerswinger fürchteten jedenfalls um ihre Arbeitsplätze und die Railrodmen drohten mit Streik. - Man einigte sich schließlich auf einen Wettkampf, in dem John Henry gegen den Steamdrill antrat."
"Muss ja allerhand los gewesen sein, damals am Railroad!"
"Oh, da war böse was los! John Henry hat noch eine kleine Show abgezogen, so mit seinem Hammer auf der Schulter hat er noch mit der Maschine geschnackt:
"Hallo, Mr. Steamdrill, how are you?", soll er gesagt haben, und dann hat er dem Steamdrill erzählt, was er für eine lausige Maschine ist.
"War ja gut drauf, dieser John Henry. Muss eine Scheißsituation gewesen sein, und dann noch Sprüche machen!"
"In der Tat, das bringt nicht jeder", ich nahm wieder einen tiefen Schluck, "willst doch einen, Mike?"
"Nein, - aber wie ging das denn jetzt weiter?"
"Naja, der Wettkampf ging jedenfalls zu Gunsten John Henrys aus. John Henry starb allerdings an den Folgen des Kampfes und die Railroad-Company nahm das zum Anlass, den Steamdrill trotzdem einzuführen.
Am nächsten Tag schulterte John Henrys Frau den Hammer und ging zum Railroad! Muss ein tolles Mädchen gewesen sein, die Polly-Anne! Sowas gibt es heute allerdings nicht mehr! - Prost Mike, auf die ausgestorbene Spezies der tapferen Frauen ..."
Ich hielt inne, weil die Raumschiffzelle in diesem Moment stöhnte wie ein Geknebelter.
"Wir waren bei John Henry", sagte ich und nahm einen tiefen Schluck. Mikes Hände zitterten, als ich fortfuhr: "Du weißt doch, dass dieses Schiff in Außenmontage gebaut wurde, in der Wüste von Arizona, wo es normalerweise nie regnet. Naja, das klappte jedenfalls auch alles sehr schön, nur beim Aufbringen der Außenbeplankung kam es zum Desaster: Es wiederholte sich fast die gleiche Geschichte, wie damals am Railroad."
"Seit wann werden Raumschiffe denn mit Schienen beplankt?"
"Du raubst mir noch den letzten Nerv! Natürlich besteht die Beplankung aus dem Blechen irgend so einer Titanlegierung. - Wie du sicher weißt, lässt sich Titan nicht schweißen, und man griff wieder auf die gute, alte Niete zurück. Nieten gab' es ja schon immer genug, du brauchst dich ja nur im Management unserer Firma umsehen."
"Jetzt sinkst du aber unter dein Niveau! Nieten! Pop-Nieten ja? Von Woolwoorth, oder was?"
"Quatsch, doch keine konventionellen Nieten! Sogenannte ‘Joints‘, die sich halbchemisch mit dem Metall verbinden, wenn sie eingeschlagen worden sind. Anfangs wurde das auch per Hand gemacht, weil es keine Maschine gab, die auf der gerundeten Oberfläche des Schiffes Halt gefunden hätte. Kannst du dir das vorstellen?"
"Natürlich kann ich mir das vorstellen, ich brauche mir nur die Co-Pilotin ansehen, dann kann ich mir eine gerundete Oberfläche sehr gut vorstellen."
"Das, mein lieber Mike, hätte ich eigentlich sagen müssen! - Naja, jedenfalls wurden die Joints auch mit Hammer eingebracht, - Klickedi-Klack, - äh, glaubst du eigentlich an Reinkarnation?"
"Nee, an sonen Quatsch glaube ich nicht, aber was hat das denn jetzt damit zu tun?"
"Naja, der Chefnieter beim Bau dieses Schiffes hieß auch John Henry, war auch ein Farbiger und benötigte auch drei Schläge pro Niete..."
"Sone Zufälle gibt es."
"Naja, aber jetzt geht's los: Es kam die Firma 'Interrob' und bot einen Industrieroboter an, der selbst auf gewölbten Oberflächen Nieten einbringen konnte. Damit ging das Dilemma wieder los: Man fürchtete um die Arbeitsplätze, die Gewerkschaft lief Sturm, und irgendein Witzbold schlug einen Wettkampf vor: Mensch gegen Maschine!"
"Interessant", murmelte Mike, "lass' mich raten: der gleiche Zirkus hat sich wieder abgespielt?"
"Nicht ganz! Ein John Henry trat also wieder gegen eine Maschine an, und du hättest sehen sollen, wie er den Hammer schwang! Drei Schläge, und jeder Joint saß! Es zeichnete sich ab, dass der Wettkampf wieder zu Gunsten John Henrys ausgehen würde, aber dann brach ein Wolkenbruch los, wie eine Sintflut, und das in der Wüste von Arizona, wo normalerweise eine Luftfeuchtigkeit von 10 bis 20 Prozent herrscht, und du die Regentage an den Fingern einer Hand abzählen kannst."
"Seltsam", sagte Mike.
"Mehr als seltsam! Die niederprasselnden Wassermassen übertönten sogar die Hammerschläge John Henrys. Alle brachten sich erst mal vor dem Regen in Sicherheit, und als der Wolkenbruch schließlich nachließ, stand nur noch die Maschine auf des Raumschiffes Rücken und nietete so vor sich hin, - kein Mensch hatte dran gedacht, sie abzustellen. John Henry aber war weg. – Spurlos verschwunden..."
Ein erneutes Stöhnen kroch heran, bedrohlich, unheilverkündend.
Mike sah mich an, mit geweiteten Augen: "Ich habe dir doch gleich gesagt, dass das Schiff verflucht ist! John Henry war's, kurz bevor die Maschine ihn getötet hat!"
"Tjaaaaa", sagte ich gedehnt, "die Neger haben da doch so einen Zauber, - 'VOODOO'! Da soll man nicht mit scherzen! - Und möglicherweise werden Maschinen auch modernisiert wiedergeboren, nachdem sie verschrottet worden sind! Tja, Mike, man hat normalerweise sieben Leben Zeit, um wiederzukommen und Rache zu nehmen! - Möchtest du jetzt einen Bourbon?"
Mike trank, und er trank mit zitternden Fingern während ich grinsend und leicht schwankend in meine Schlafröhre ging...




2. Teil: Wessex - Cargo Zweihundertzwölf

Mein Schädel dröhnte wie der Bristol Herkules XI Sternmotor einer Vickers Wellington, als ich langsam wieder zu mir kam.
Erinnerungsfragmente tropften in mein Gehirn, - ich hatte mich wieder mal volllaufen lassen. Es kam immer häufiger vor, seit meine Frau mich verlassen hatte, aber egal, hin und wieder muss man der Leber eben zeigen, wer der Herr im Körper ist, und ein Eimer Kaffee würde mich schon wieder auf die Beine bringen.
Ich wuchtete den Deckel meiner Schlafröhre zurück, schwang die Arme heraus, zog mich hinterher - in meinem Schädel schien nur Watte zu sein - und knallte an die gegenüberliegende Kabinenwand.
Irgendein Vollidiot musste den Antigraw, das Gerät, welches die künstliche Schwerkraft erzeugt, abgestellt haben. Ich fluchte ausgiebig und nahm mir vor, den Antigrawmenschen gelegentlich mal zur Sau zu machen. Es war schlichtweg verboten, dieses Gerät ohne Vorankündigung auszuschalten. Stückchenweise fiel mir ein, dass man bei Schwerelosigkeit auch schlecht duschen kann, selbst einfache Dinge, wie aufs Klo gehen, bereiten unheimliche Schwierigkeiten. Ich schaffte es nur mit dem guten, alten Astronautenhandschuh und putzte mir anschließend die Zähne.
Während der Schulung hatte mir das Schwerelosigkeitstraining immer Spaß gemacht, aber mit meinem Brummschädel war es kein Vergnügen, in die Messe zu kommen, trotz der Magnetschuhe, die mich auf den Laufplatten hielten.
Die Messe sah aus, als hätte sie Jemand mit einer Planierraupe durchquert, die meisten Tische und Stühle fehlten, nur was sich in irgendwelchen Halterungen befand, war noch an seinem Platz, ansonsten war alles leer -, unheimlich leer.
Leer und still.
Nicht einmal das seufzende Stöhnen der Schiffszelle hing in der Luft, das beruhigende Vibrieren der Triebwerke fehlte ebenfalls - eine bleierne Stille hatte sich in dem Schiff ausgebreitet.
Vor einiger Zeit war ich bei dem Testflug der 'Omega Giant' mit an Bord. Wir hatten damals einen 'Space-Lorry' gesichtet, eins dieser kleinen Transportschiffe, die meistens von selbständigen 'space-truckern' betrieben wurden.
Der Lorry hing etwas seltsam im Weltraum, er torkelte antriebslos und unstabillisiert um seine Z-Achse. Da er auf keinen Anruf reagierte, dockten wir an.
Der Space-Lorry wird normalerweise von nur einer Person geflogen, aber diese musste das Schiff ohne ersichtlichen Grund verlassen haben. Der Raumretter war noch an Bord, ebenso der Druckanzug des Piloten und seine Lebensmittel.
Der Oxygenregenerator erneuerte den reinen Sauerstoff an Bord zum unendlichfachen Mal, und das Radio an Bord war auf einen irdischen Sender eingestellt, der nur klassische Musik spielte. Johann Sebastian Bachs 'Dorische Toccata' brauste in der Sichtkuppel des verlassenen Schiffes.
Wir fanden weder Rauschmittel noch Spuren von Medikamentenmissbrauch, und aus keinem der Trinkgefäße war Alkohol getrunken worden ...
Wir standen da, irgendjemand schaltete das Radio ab und überprüfte den Transponder, jenes Gerät, das im Notfall selbständig um Hilfe rufen kann - kein Fehler, aber nicht aktiviert.
Einer der Co-Piloten unseres Schiffes wollte den Lorry zur Erde bringen - er und der Lorry kam nie an ...
Damals, in dem leeren Lorry hatte ich ein würgendes Gefühl im Magen, als ob mir Jemand einen imaginären Luftballon darin aufpumpen würde, jetzt war das gleiche Gefühl wieder da, hervorgerufen durch die Leere und die bleierne Stille an Bord der 'Sir Barnes Wallis', die mich wieder umarmte, wenn das unnatürlich laute, metallische Dröhnen eines jeden einzelnen Schrittes meiner Magnetschuhe mit ihrem unendlich fachen Echo wieder verklungen war.
Irgendwann kam ich mal nicht richtig auf und begann zu schweben, das letzte Echo meines letzten Schrittes verkroch sich hinter der absoluten Stille um mich.
Ich bewegte mich nicht, ließ mich treiben, lauschte und versuchte, meine Angst niederzukämpfen.
Schrill schrie ich auf, als mich etwas an der Schulter berührte, es war der Beleuchtungskörper, und ich klammerte mich daran fest und schloss die Augen, bis sich das letzte Echo meines Schreies in der Stille verkrochen hatte.
Man darf in solchen Situationen nicht in den Weltraum blicken, das Fehlen des Horizontes kann den Menschen vollends um den Verstand bringen, ihn nach dem erstbesten Gegenstand greifen lassen, um sich daran festzuklammern, - aus Angst zu stürzen, stürzen, aber wohin?
Es gibt im Weltraum kein 'Oben ' oder 'Unten', es gibt nur das NICHTS, kein Horizont und keine Schwerkraft, die bestimmt, wo 'Unten' ist, keinen Bezugspunkt - nichts …
Halluzinationen können auftreten, wie nach zu langem Schlafentzug - genau wie jetzt, als ich den toten Raumfahrer am Fenster vorbeischweben sah.
Er trug keinen Druckanzug, und er sah aus, wie mitten in einer Entspannungsübung schockgefroren. Locker, wie die Gliedmaße eines Seesternes, der sich im Wasser schwerelos treiben lässt, standen Arme und Beine ab. Alles an ihm war dick, selbst die Zunge, sie hing aus einem geöffneten, wie zu einem anklagenden Schrei bereiteten Mund.
Der Mann drehte sich langsam um einen imaginären Punkt, aber seine Augen, diese hervorgequollenen, weit aufgerissenen Augen, starrten mich erbarmungslos an.
Ich würgte und erbrach den Bourbon des Vortages. Das Erbrochene schwebte in skurrilen Blasen davon, stieß irgendwo an und zerplatzte zu feinem Nebel. Widerlicher Geschmack füllte mich, ich ließ den Beleuchtungskörper los und schwebte. Der Fußboden glitt unter mir durch, die Tür zum Cockpit, das andere Fenster. Container schwebten dort in der Schwärze, irgendwelche Ersatzteile, - und Menschen!
Aufgedunsene Körper, reglos und vom Vakuum konserviert für die Ewigkeit.
Ich würgte die letzten Reste des Whiskys aus.
Das war Realität!
Die letzten Worte meines Kollegen pochten an meine Erinnerung: "John Henry war's, er hat das Schiff verflucht ..."
Ich hatte gelacht, etwas von sieben Leben gemurmelt, die man Zeit hat um Rache zu nehmen und war schlafen gegangen.
Ich hatte eine Katastrophe verschlafen, bei der alle an Bord starben!
Alle?
Möglicherweise war noch Jemand in der drucksichenen Schlafröhre gewesen. Die Schlafröhren waren eigentlich die Raumretter des Schiffes, sie waren absolut dicht und besaßen eine eigene Sauerstoffversorgung, ein Funkgerät und ein Überlebensset, falls es einem gelingen sollte, mit den kleinen Steuerdüsen und den Atmosphärenballonen auf einem erdähnlichen Planeten niederzukommen.
Wie zum Hohn schwebte in diesem Moment eine leere Röhre am Fenster vorbei, der Deckel schwang langsam, fast winkend auf und zu.
Mein Magen stülpte sich erneut um, dumpfer Kopfschmerz, jeden klaren Gedanken abwürgend, durchtoste von rasendem Herzschlag synchronisiert, meinen Schädel - ich hatte Angst, Angst alleine zu sein auf diesem Schiff, mit dem möglicherweise doch irgendetwas nicht stimmte.
Wo war das Seufzen geblieben, das Ächzen und Stöhnen der Zelle?
Als diese seltsamen, unheimlichen Laute noch das Schiff füllten, war ich nicht beunruhigt, weil ich mir erklären konnte, wo sie herrührten.
Aber jetzt, wo eine bleierne Stille in dem Schiff lag, wie ein schlafender Moloch, begann sich Panik in mir auszubreiten, ich wollte mir einfach nicht glauben, dass ich noch lebte und ich hatte Schuldgefühle deswegen. Die gleichen Schuldgefühle, die denkende Veteranen mit sich herumschleppen - sie waren dabei, schuldhaft dabei, und sie haben überlebt.
Jetzt erst, in diesem Moment, wo mich das Gefühl der Hilflosigkeit traf, brachte ich Verständnis für diese Menschen auf, und ich hätte fast den sanften Druck an meiner Schulter nicht gespürt.
Ich war irgendwo angestoßen, an die Tür zum Cockpit, und Türen haben einen Griff, einen Griff zum Festhalten.
Ich fand den Griff und hielt ihn fest. Ein Halt, ein Bezugspunkt.
Die Tür schwang langsam auf, ich drehte meinen Unterkörper in den Sitz des Bordingenieurs, schob mich nach und schnallte mich fest.
Ein Hauch von Sicherheit, definiertes 'Oben' und 'Unten', und Technik, klare übersichtliche, logische Technik lag vor mir, Datendisplays, Schalter, Regler, Skalen, Kontrolllampen manche ruhig, andere hektisch blinkend, - es war noch Leben im Schiff.
Ich war nicht mehr hilflos, ich konnte etwas tun, und ich aktivierte den Transponder, stellte den Code 7700 ein, den universellen Notrufcode. Das Gerät rief nun selbständig um Hilfe, ich hatte noch eine Chance.
Meine Kopfschmerzen ließen langsam nach, ich schaltete das Funkgerät ein und suchte die Notrufkanäle ab, eine höchst unanständige Idee machte sich in mir breit: Ich trug mich mit dem Gedanken, das Schiff zu stehlen, auszusteigen aus der Gesellschaft, und mich irgendwo in den Tiefen des Alls auf einer Randwelt selbständig zu machen.
Gerade begann ich mich an den Gedanken zu gewöhnen, als das Funkgerät ein Signal durchschaltete. Ein Atmen!
Das Atmen kam unklar und flach, wie die letzten Atemzüge eines resigniert sterbenden Menschen. Automatisch drückte ich die Sprechtaste am Mikrofon: "Hallo?"
Meine Stimme klang mir selbst fremd, brüchig und angstvoll. Das Atmen aus dem Lautsprecher setzte einen Moment aus.
"Hallo, ist da jemand? Wo sind Sie?"
Die Atemgeräusche kehrten zurück, diesmal hektischer, rasselnd. Ein langes Stöhnen folgte.
"Hallo, melden Sie sich doch! Wer sind Sie? Wo sind Sie?"
Stille, nur die Atemgeräusche aus dem Lautsprecher, von knackenden Störungen unterbrochen.
"Ich bin Elke Maiers, Besatzungsmitglied der Sir Barnes Wallis. Wir hatten ein Unglück an Bord."
Die Stimme klang gepresst, eine Spur Resignation schwang mit.
"Gut, Miss Maiers, Ich bin hier auf der Sir Barnes Wallis, wir haben hier alles soweit unter Kontrolle. Machen Sie sich keine Sorgen, wir holen sie rein!"
Ich versuchte meiner Stimme einen beruhigenden Klang zu geben, als hätte ich wirklich alles unter Kontrolle, als wäre ich nicht alleine auf diesem Schiff.
Das Atmen aus dem Lautsprecher wurde ruhiger.
"Miss Maiers?"
“Ja?"
"Können Sie möglichst genau beschreiben wo sie zur Zeit gerade sind, und wie lange der Sauerstoff reichen wird?"
"Ich bin etwa zehn Kilometer hinter dem Schiff. Wie lange der Sauerstoff reichen wird, weiß ich nicht."
"Ist die Anzeige in ihrem Raumretter ausgefallen? Machen Sie sich deshalb keine Sorgen, auch wenn die Anzeige defekt sein sollte, arbeitet der Raumretter weiter."
"Ich weiß, aber ich habe keinen Raumretter, ich trage nur den normalen Druckanzug."
"Auch gut, Miss Maiers, es besteht keine Gefahr. Bleiben Sie ruhig, wir holen Sie umgehend rein. Bleiben Sie bitte auf dieser Frequenz, ich melde mich gleich wieder, es ist alles in Ordnung."
Nichts war in Ordnung.
Resigniert ließ ich die Schultern sinken.
Der Notsauerstoff im Druckanzug reichte normalerweise nur für zwölf bis vierzehn Stunden, und ich wusste nicht, wie lange sie davon gezehrt hatte. Es musste schon sehr lange sein, denn der Sender kam trotz der Nähe sehr schwach rein, denn die Akkus der Stromversorgung sind etwa für die gleiche Zeit ausgelegt.
Ich überlegte, die Frau hängen zu lassen, sie solange mit Sprüchen hinzuhalten, bis ihr Sauerstoff verbraucht war - Problem gelöst.
Ich schaltete den Transponder aus - allerdings, da hing eine Frau im Weltraum, möglicherweise sogar die Co-Pilotin mit der Traumfigur und wenn ich die rettete, konnte das gewisse Vorteile haben. Einen Juristen hätte ich allerdings ohne Gewissensbisse im Weltraum hängen lassen.
Okay, ich wollte es wenigstens versuchen.
"Miss Maiers?"
"Ja?"
"Wir werden Sie mit dem Ladetransmitter reinholen. Sind Sie schon mal durch einen Transmitter gegangen?"
"Nein, noch nie. Ich hatte immer Angst davor."
"Da ist überhaupt nichts bei, Miss Maiers. Das Sicherste, was es gibt. Die Bedienstation für den Transmitter ist im Laderaum. Ich gehe jetzt dahin, beunruhigen Sie sich bitte nicht, wenn sie einen Moment nichts von mir hören. Haben Sie verstanden?"
"Ja, ich habe verstanden. Ich bleibe auf stand by."
"Sehr gut, Miss Maiers, bis gleich."
Ich schnallte mich los und hangelte mich mühsam in die kleine Sichtkuppel des Lademeisters.
Der Laderaum gähnte mir entgegen, leer und riesig, seine Luken weit geöffnet. Nur die dünne Glasblase der Sichtkuppel trennte mich vom Weltraum. Irgendwo in dieser unendlichen Schwärze musste auch die Gegenstation des Transmitters treiben - und die Frau, die geduldig und hoffnungsvoll auf Hilfe wartete.
Die samtene Schwärze des Weltalls schien mich mit ihrer Unendlichkeit erdrücken zu wollen, und ich musste mich zwingen, den Transmitter und seine Gegenstation zu aktivieren.
Das Funkgerät!
Ich schaltete mich in die Masterfunke des Schiffes: "Miss Maiers, sind Sie noch da?"
"Ja, natürlich."
"Fein. Wir überprüfen noch eben den Transmitter, um ganz sicher zu gehen. Haben Sie verstanden?"
"Ja, habe ich."
"Sehr gut, Miss Maiers, machen Sie sich keine Sorgen, ich melde mich gleich wieder."
Ich musste sie mit der Gegenstation finden, die auch irgendwo im Weltraum schwebte, das Bild aus ihrer Überwachungskamera zeigte mir nur Weltraum und einige Fragmente der Ladung.
"Miss Maiers, sind Sie noch da?"
"Ja, ich bin noch da."
"Sehr gut. Ich habe eben die Gegenstation aktiviert. Können Sie sie sehen?"
"Wie sieht die Gegenstation denn aus? Hier treiben sehr viele Teile herum."
"Sie sieht wie ein überdimensionaler Bilderrahmen aus, die Unterseite ist Rot gekennzeichnet. Der Rahmen wird durch vier Triebwerke, in jeder Ecke eins, bewegt und stabil gehalten. Man kann alles durchschieben und von der Gegenstation aus direkt in den Laderaum materialisieren. Mit einer Kamera wird dieser Vorgang überwacht, das Bild habe ich hier auf dem Monitor. Ich muss sie nur noch finden und mit dem Rahmen so überfahren, dass Sie in die rote Unterseite gelangen. Alles klar?"
"Alles klar! Ein paar Kilometer links zwischen mir und dem Schiff treibt solch ein Ding. Ein grüner Container der 'Wessex Cargo' schwebt zwischen mir und diesem Rahmen."
"Ausgezeichnet! Ich werde Sie gleich haben, kein Problem! Welche Nummer hat der Container?" '
"Zwohundertzwölfl - Er sieht etwas verbeult aus."
Den Container zweihundertzwölf zu finden war einfacher, als einen einzelnen Menschen im Weltraum auszumachen. Ich ließ die Kamera kreisen, ein geplatzter Container tauchte auf dem Monitor auf, Teile eines Bohrgestänges, Fragmente der Ladung.
Kleine Schweißperlen lösten sich von meiner Stirn, schwebten und zerplatzten zu feinem Nebel am Glas der Sichtkuppel - und dann nahm ich wieder ein leises Stöhnen wahr, das Ächzen und Seufzen der Schiffszelle!
Einen winzigen Moment schloss ich die Augen und versuchte die unheimlichen Geräusche zu verdrängen, aber nur der dumpf pochende Kopfschmerz kehrte zurück.
"Nur jetzt nicht schlapp machen", dachte ich, "noch nicht, noch wenige Augenblicke, bis die Frau drin ist!"
Ich zwang mich, auf den Monitor zu sehen, ein aufgedunsener Körper schwebte an der Kamera vorbei,
Übelkeit stieg in mir hoch, von galligem Geschmack begleitet.
Eine grüne Ecke huschte über den oberen Bildrand, ein Bohrkopf aus einem geborstenen Container. - Der Container zwohundertzwölf sollte grün gewesen sein!
Meine Hand auf dem kleinen Joystick zum Schwenken der Kamera zitterte. Zurück die Kamera, Zoom zurück, etwas höher, der Container tauchte auf, eine Zwei, eine Eins, noch eine Zwei - Stopp!
"Miss Maiers, sagten Sie Wessex Cargo zwohundertzwölf?"
"Ja, genau! Zwohundertzwölf!"
"Ich habe ihn! Diesen Container werde ich zuerst ins Schiff holen, damit prüfe ich die Anlage und brauche die Flugbahn der Gegenstation nicht mehr groß zu ändern. Da Sie sich hinter dem Container befinden, werden Sie als Nächstes eingefangen. Ich setze die Gegenstation jetzt in Bewegung, haben Sie verstanden?"
"Ja, ich habe verstanden. Der Berg kommt also zum Propheten, oder?"
"Ganz recht! Ihren Humor möchte ich haben! Wundern Sie sich bitte nicht, wenn der Container gleich in den Rahmen verschwindet wenn er überfahren wird. Können Sie sehen, wie sich der Rahmen bewegt? Zeigt er ihnen auch die rote Unterseite?"
"Ja, ich sehe die rote Seite, sie kommt direkt auf mich zu. Aber das Ding fliegt so langsam, können Sie denn nicht schneller?"
"Das geht leider nicht, sie würden hier wie ein Geschoss in den Laderaum platzen, wenn ich Sie mit hoher Geschwindigkeit überfahre, verstehen Sie?"
"Nein."
"Für die Hauptanlage hier im Schiff stellt die Gegenstation einen Fixpunkt dar. Sie würden hier mit der gleichen Geschwindigkeit herausfliegen, wie Sie drüben in den Rahmen hineingehen, beziehungsweise von diesem überfahren werden! - Achtung, der Container müsste gleich verschwinden!"
Wie in Zeitlupe materialisierte der Container zwohundertzwölf in den Laderaum und schwebte langsam schräg in die Höhe auf mich zu.
Ich bekam feuchte Handflächen - der Container würde doch nicht die Kuppel rammen?
Ich hatte ihn ein wenig schräg überfahren und nicht daran gedacht, dass der Container mit dem gleichen Winkel in den Laderaum materialisierte, mit dem er in die Gegenstation gefahren war.
Langsam und drohend wuchs der Container auf mich zu. Ich hatte die Dinger nicht so riesig in Erinnerung, er würde das Glas der Sichtkuppel mit Sicherheit zerquetschen und das Vakuum des Weltalls hereinlassen.
Mit lautem Dröhnen fiel in diesem Moment das Schott zur Sichtkuppel zu und knirschte in seine Verriegelung.
So etwas konnte nicht von alleine geschehen! Ein seufzendes Stöhnen drang wieder zu mir in die Sichtkuppel.
John Henry!
Mike hatte doch Recht mit seinen Vermutungen, als er von der Rache dieses Mannes sprach!
"Hallo, was ist mit Ihnen? Warum melden Sie sich nicht?"
Die Stimme aus dem Lautsprecher klang angstvoll gequetscht. Eine Handbreit vor mir stoppte der Container, drehte sich etwas und schwebte in die Höhe.
Ich atmete schwer aus, die Magnetsicherung hatte ich völlig vergessen. Mit metallischem Dröhnen klinkte sich der Container in die Magnethalterung an der Decke des Schiffes, genau neben die dreieckigen Beulen in der inneren Beplankung - aber diese Beulen waren nach innen getrieben, als wäre ein rechteckiger Gegenstand mehrfach von außen auf die innere Hülle gedroschen worden.
"Hallo, was ist denn mit Ihnen? Können Sie mich verstehen?"
Ich riss meine Blicke von den Dellen los, mir fiel auf, dass die Beulen immer in Dreiergruppen eingeschlagen worden waren, immer drei Beulen dicht nebeneinander.
Der Monitor, ein wild mit den Armen rudernder, roter Druckanzug war auf dem Bildschirm zu sehen.
"Alles in Ordnung, Miss Maiers, wir mussten nur noch eben den Container haltern. Kommt der Rahmen gerade auf Sie zu?"
"Ja, er kommt. - Mein Gott, ist das Ding riesig!"
"Das scheint nur so. Machen Sie sich keine Sorgen, wir sehen uns gleich im Laderaum."
Der rote Druckanzug wuchs förmlich in die Kamera, ich richtete die Gegenstation noch eine Winzigkeit nach. Ein leichter Luftzug traf mich am Nacken, das Schott zur Sichtkuppel musste sich wieder geöffnet haben während ich mit dem Transmitter beschäftigt war.
Ich riss meinen Blick vom Monitor los und drehte mich um, - Mike stand hinter mir, höhnisch grinsend, und er hatte eine Spritze in der Hand.
"Du?", brachte ich mühsam heraus.
Mit einem Grinsen wie festgefroren trat Mike hinter mich und schlug mir mit der Handkante in den Nacken. Ich konnte ihn nicht hindern, mir die Spritze in den Hals zu drücken.
Es floss wie glühende Lava in mich, und ich stürzte in eine unendliche Schwärze ...


3. Teil: John Henrys Rache

Ich lag in meiner Schlafröhre als ich mich langsam wieder zusammenfand. Der erste klare Blick glitt zur Uhr, ich musste etwa zwölf Stunden geschlafen haben.
Wieso hatte man mich wieder in die Schlafröhre gelegt?
Mike und die Co-Pilotin schienen mich doch irgendwie zu brauchen, möglicherweise weil ich auch ein derartiges Raumschiff fliegen konnte, - oder wollten sie nur noch Jemanden haben, der ihnen half, das Schiff nach Hause zu bringen, denn solch ein Ding alleine zu landen, war trotz aller Automatiken eine Sache für sich.
Ich wollte es an mich herankommen lassen und begann meine Muskeln anzuspannen, jeden einzelnen für sich und bewusst. Ich ließ sie wieder kommen. Ein einfacher Selbstcheck, ich empfand jeden einzelnen Muskel und startete die Stoppuhr in meinem Chronometer am Handgelenk, schloss die Augen und versuchte genau eine Minute zu schätzen. Ich stoppte die Uhr bei achtundfünfzig Sekunden und beschloss wieder einsatzfähig zu sein.
Der Deckel meiner Schlafröhre war nicht verschlossen, ich stieg vorsichtig aus. Der Antigraw arbeitete wieder, es musste ungefähr halbe Erdschwere eingestellt worden sein, das beruhigende Vibrieren der laufenden Triebwerke war auch wieder da, und das permanente Seufzen und Stöhnen eines jeden in geodätischer Bauweise gefertigten Flugkörpers lag in der Luft.
Hunger hatte ich, ätzenden, beißenden Hunger und einen unangenehmen, pelzigen Geschmack im Mund.
Ich aß einige Schokoladenriegel aus der Vakuumverpackung wie ich sie als Nervennahrung bei den Inbetriebnahmen der Transmitter dutzendweise verschlungen hatte.
Danach trank ich etwas Wasser aus der Leitung. An das Trinkwassergefäß ging ich nicht, möglicherweise hatte man da etwas Unangenehmes reingetan.
Eine Waffe brauchte ich noch, und ich nahm eine Handdüse aus der Halterung neben der Tür.
Die 'Handdüse HD 2' war aus den Satellitensteuerdüsen entwickelt worden. Wenn man sie im Weltraum genau in die entgegengesetzte Richtung hielt, in die man wollte, trieb sie einen in Etwa dorthin. In einer Atmosphäre allerdings gab sie eine Stichflamme sich, leicht ballistisch gekrümmt wie ein Geschosses.
"Okay", sagte ich laut, "auf in den Kampf.“
Ich stieß die Tür zum Gang auf. Die HD 2 feuerbereit wie eine MPi haltend, betrat ich die Messe.
Mike hätte ich auf der Stelle umgelegt, und mit der Co-Pilotin wollte ich erst mal reden und dann weitersehen. Vielleicht konnte sie ja nichts dafür. Überhaupt sollte man jedes Jahr für eine halbe Stunde das Faustrecht einführen.
"Ein guter Stoff für eine Story!", dachte ich.
Die Messe war leer, auf einem Tisch lagen die Reste eines Frühstücks und eine halbvolle Kaffeekanne. Verzerrte Stimmen drangen aus dem Cockpit, Stimmen aus Sprechfunkgeräten, dort musste also jemand sein!
Klar, mit laufenden Triebwerken hätte ich solch ein Schiff auch nicht alleine durchs Weltall toben lassen, trotz aller Automatiken.
Ich wartete auf das nächste Stöhnen der Schiffszelle und trat durch die offene Tür ins Cockpit. Menschliche Haare ragten über jede der beiden Kopfstützen auf den Pilotensitzen.
"Hallo mein Lieber, gut geschlafen?"
Mikes grinsendes Gesicht erschien neben der Rückenlehne des Co-Pilotensitzes.
Ich zögerte nur eine Schrecksekunde, zielte und krümmte den Zeigefinger um den Abzug der Handdüse.
Nichts geschah.
"Tja, Pech mein Lieber!"
Mike bleckte seine Zähne, "glaubst du, wir lassen dir die Ladung drin? Aber den Spaß wollten wir dir nicht nehmen. - Ich habe die Wette übrigens gewonnen - er hat abgedrückt."
"Gratuliere!"
Das Gesicht der Co-Pilotin mit der Hollywoodfigur tauchte neben dem anderen Sitz auf, "ganz brauchbar der Mann."
"Was wird hier eigentlich gespielt?", fragte ich, "habt ihr ein Wettbüro aufgemacht?"
"Ach, nein, nur eine kleine Privatwette", grinste Mike, "nichts von Belang! Willkommen im Club der Überlebenden."
"Soll das heißen, dass nur wir drei überlebt haben?"
"Ganz Recht", sagte Mike, "und wenn ich die Dame nicht aus dem Weltraum geholt hätte, wären nur wir beiden am Leben geblieben. - Hauptsache, du bist wieder nüchtern."
"Ach, so ist das", sagte ich gedehnt, "Mike hat Sie also aus dem Raum gefischt."
"Ja, das hat er", sagte die Co-Pilotin, "Sie waren ja viel zu betrunken, ich musste sogar noch helfen, Sie in ihre Schlafröhre zu bringen. Mike hat übrigens mal anklingen lassen, dass Sie im Krieg auch Raumschiffe geflogen haben, stimmt das?"
"Ja, 'Galaxy-Crusier' und 'Interstellar-King', beide in 'long range mission'."
"Das trifft sich gut! Wissen Sie, die Besatzung des Schiffes wollte die 'Sir Barnes Wallis' sowieso an sich bringen, Mike wollte als Transmitterexperte mitmachen. Dass das Schiff durch den Unfall sowieso in unsere Hände gefallen ist, kommt uns sehr gelegen. Wenn Sie mal dem Sprechfunk lauschen, wird Ihnen sicher auffallen, dass die von dem Unfall Wind gekriegt haben, - nur suchen die jetzt an einer ganz anderen Stelle.
Wie gut, dass es Transmitter gibt! Wir haben dafür gesorgt, dass die ein paar Reste finden, und glauben, es sind alle dabei draufgegangen. - Sie auch!"
"Das ist ja alles sehr interessant."
Ich legte die Handdüse irgendwo hin und setzte mich auf den Platz des Bordingenieurs.
"Wieso habt ihr mich nicht auch in den Weltraum geworfen?"
"Tja", sagte die Co-Pilotin gedehnt, "die Sache ist die: Dieses Schiff hier ist alleine nur sehr schwer zu fliegen, und auf Dauer nahezu unmöglich. Da der andere Pilot bedauerlicherweise auch mit umgekommen ist, können Sie mitmachen, wenn Sie möchten."
"Und wenn ich nicht mitmache?"
"Sauerstoff für vierundzwanzig Stunden, und ab durch die Schleuse", sagte Mike, "wie man es traditionell mit jedem Meuterer macht!"
"Ja, ja, Traditionen haben etwas für sich. Die alten Seeleute sagten 'maloonen' zum Aussetzen, aber die bekamen immer ein Fläschchen Rum mit. Da vom Rum allerdings keine Rede war, werde ich wohl besser mitmachen, - zumal eine schöne Frau mitspielt."
"Also, mit der Elke ist das so ...", hub Mike an, ich fiel ihm ins Wort:
"Wir wollen mal eben zweierlei klarstellen: erstens, dass ich die Dame aus dem Weltraum geholt habe! Wo warst du denn zu dem Zeitpunkt?"
"Stimmt das?", fragte die Co-Pilotin, "aber Sie waren doch ganz betrunken, ich habe doch selber gesehen, wie Sie fast eine ganze Flasche Whisky getrunken haben."
"Aber ich bin zwischendurch mal aufgewacht, und Mike hat mich mit einer Spritze wieder Schlafen gelegt, als ich Sie fast drin hatte. Aber das lässt sich ja leicht überprüfen! Mike, welcher Container war zwischen dem Schiff und dieser Dame?"
"Irgendein Container eben, ich weiß es nicht mehr."
"Das müsstest du aber wissen, denn du hast das Ding sehr lange gesucht", sagte die Co-Pilotin, "auf keinen Fall kann er das wissen! Welcher Container?"
"Wessex Cargo zwohundertzwölf", sagte ich.
Die Co-Pilotin sah Mike lange an.
"Tut mir leid, Mike", sagte ich, "aber wenn ich euch recht verstanden habe, gibt es nur zwei an Bord, die das Ding hier fliegen können, und das sind die schöne Frau und ich! Mike, hiev deinen Arsch aus dem Pilotensitz, da gehe ich jetzt hin!"
Mike sah die Pilotin an, aber die beschäftigte sich mit einem Datendisplay.
"Wird's bald?"
Mike rührte sich nicht, ich stand auf, ballte die rechte Hand zur Faust und hieb sie mehrmals klatschend in die linke Handfläche.
Das Schiff schien gequält aufzustöhnen.
"Mike, ich kann dich auch aus dem Sessel raus prügeln!"
"Schon gut, wo kämen wir denn hin, wenn wir uns streiten würden?"
"Eben", ich flegelte mich in den Co-Pilotensitz nachdem Mike aufgestanden war. "Womit wir das zweite auch abgeklärt hätten! Ach, wo du doch gerade stehst, Mike, bring' uns doch mal zwei Eimer Kaffee! Ich nehme meinen mit Milch und Zucker, und Sie?"
"Schwarz. Ich heiße Elke."
"Na, hört mal her, ich bin nicht euer Messeboy."
"Du stehst aber gerade in der Nähe der Tür! Und nun mach' hin, wir haben nicht ewig Zeit!"
"Es ist wirklich besser für dich", sagte die Pilotin.
Mike schob ab.
"So, du willst also wirklich mitmachen?"
"In der Tat", nickte ich, "aber haben sie wirklich alle umbringen müssen, um in den Besitz des Schiffes zu gelangen?"
"Wir haben niemanden umgebracht, es ist wirklich ein Unglück geschehen! Wenn du mich nicht aus dem Weltraum gefischt hättest, wäre ich auch draufgegangen. Vielen Dank auch dafür, ich habe allen Ernstes geglaubt, Mike hätte das getan. Ich werde mich später erkenntlich zeigen ..."
"Ach, das war doch selbstverständlich! Ich möchte aber gerne wissen, wie das passiert ist."
"Das ist schnell erzählt", begann Elke, "ein Paar Stunden nach dem Start, nachdem die Routine erledigt war, haben wir alle in der Messe gesessen und ein wenig gefeiert. Du warst ja auch da mit Mike und hast dich volllaufen lassen, obwohl hier an Bord absolutes Alkoholverbot besteht! Aber egal."
"Ja, und ich bin dann in meine Schlafröhre gegangen."
"Das war wahrscheinlich dein Glück! Unsere Feier wurde jedenfalls ganz lustig, und irgendjemand schlug eine Wette vor, ob ich wohl mit meiner Figur in einen ganz normalen Druckanzug passen würde."
"Interessant, die anderen hatten natürlich keine Druckanzüge an?"
"Nein, wozu auch? War ja alles in Ordnung. Nun, ich bin schließlich kein Spielverderber und habe mich in solch ein Ding gezwängt, obwohl ich mich dazu bis auf die Unterwäsche ausziehen musste. Sogar der Pilot und der diensthabende Bordingenieur kamen gucken."
"Da habe ich ja echt was verpasst."
Die Pilotin lächelte hintergründig und bot mir eine Zigarette an, wir rauchten.
"Es war genau Mitternacht, Erdzeit", fuhr Elke fort, "wissen sie, aus rein sentimentalen Gründen zeigt eine der Uhren in der Messe immer die Erdzeit des Ortes an, in der das Schiff beheimatet ist. Naja, jedenfalls traten plötzlich merkwürdige Hammerschläge auf, immer drei Schläge nacheinander, und das Stöhnen und Ächzen der Schiffszelle wurde unheimlich laut. Zwischendurch kamen immer wieder diese Dreierserien von Hammerschlägen. Mike sprang auf, brüllte etwas von John Henrys Rache und rannte weg. Sicher hat er sich in seine Röhre verzogen. - Wir wurden jedenfalls plötzlich alle in den Weltraum hinaus gesogen, weil sich alle Luken und Schotts auf einmal selbständig öffneten. Die Zwischenschotts gingen viel zu langsam zu und die Triebwerke blieben alle auf einmal stehen. Der Antigraw setzte auch aus, ich konnte gerade noch meinen Helm schließen - und war dann plötzlich zwischen den Containern der Ladung im Weltraum. Die anderen müssen alle sofort tot gewesen sein, ich war ja die einzige, die einen Druckanzug trug! - Tja, und dann hast du mich mit dem Transmitter wieder reingeholt."
"Das ist doch nicht möglich!"
"Doch, es war so!"
"Die Luken können doch nicht im freien Raum aufgehen, und schon gar nicht, wenn die Zwischenschotts offen sind, das ist alles zig-mal gesichert! Sowas kann nicht passieren!"
"Es ist aber passiert!"
"Hm, also nochmal von vorne: Die Ladeluken gingen auf, obwohl die Zwischenschotts geöffnet waren. Diese gingen später zu, aber da waren schon alle draußen. Als ich aufwachte, war wieder Sauerstoff im Schiff, der Oxygenregenerator muss also weitergearbeitet haben - klar, der schaltet selbständig wieder ein, aber den Antigraw muss man wieder einschalten."
"Aber warum setzten denn die Triebwerke aus?", fragte Mike und stellte uns den Kaffee hin.
"Halt's Maul, hier denke ich!", fauchte ich, „du solltest langsam wissen, dass das geschah, um eine der Sicherungen zu umgehen. Wenn das Schiff positiv oder negativ beschleunigt, können die Luken nicht geöffnet werden! Man kann sie nur öffnen, wenn die Triebwerke desaktiv sind. Klaro?"
"Aber warum waren denn wohl die Zwischenschotts noch offen, warum denn wohl, du Klugscheißer?"
"Weil John Henry noch an Bord ist! Und um Mitternacht wird er wieder die Luken öffnen - bis keiner mehr an Bord sein wird! Tag für Tag werden die Luken aufgehen. Du wirst dich zwar wieder in deiner Schlafröhre verstecken können bis alles vorbei ist, aber Fracht ist mit diesem Schiff hier nicht zu transportieren!"
Genüsslich trank ich einen Schluck Kaffee, zog nochmal an der Zigarette und drückte sie aus.
"Glaubst du wirklich, dass Jon Henry noch lebt?", fragte Mike.
"Nicht direkt", antwortete ich, "denk' dran, man hat sieben Leben Zeit, um Rache zu nehmen! Wir wissen nicht, das wievielte Leben John Henrys das hier ist!"
Ich stand langsam auf, griff mir die HD 2, machte ein Paar Schritte zur Cockpittür, blieb stehen und schlug die Düse ruckartig nach hinten. Ich traf Mike genau auf die Herzspitze.
"Hab's doch gewusst, dass du von hinten kommst", knurrte ich, "probier das ja nicht nochmal!"
Ohne mich noch einmal umzudrehen, ging ich in die Sichtkuppel des Lademeisters und legte mir da einen Druckanzug an.
Der riesige Laderaum unter mir war noch immer leer, aber die Gegenstation, der Transmitterrahmen, ruhte wieder in seinen Halterungen am Boden. Der Container der Wessex Cargo an der Decke. Sah winzig aus, das Schiff wirkte deprimierend auf mich.
Ich überzeugte mich, ob der Antigraw im Laderaum auch sicher abgeschaltet war und entnahm der Rescue-box neben dem Schott zum Laderaum einen Hatcheter, das scharfkantige, beilartige Werkzeug zum gewaltsamen öffnen der Schotts im Notfall.
Ich öffnete das Schott, stieß mich ab und ließ mich neben den Container treiben. Langsam glitt ich auf die Decke zu und fand neben den dreieckigen Dellen Halt an einer Strebe.
Mit dem Hatcheter begann ich vorsichtig die Innenverkleidung zu lösen und brach schließlich die erste Platte heraus. Sie segelte langsam, wie ein welkes Blatt durch den Laderaum.
Ein Hammer kam hinter der Verplankung zum Vorschein, ein großer, schwerer Niethammer.
Ich löste die Platten weiter.
Eine dunkle, muskulöse Hand wurde sichtbar, sie hielt den Stiel des Hammers eisern umklammert.
Ich begann den Vergussschaum zwischen der äußeren und der inneren Beplankung aufzugraben.
Ein Arm, ein kräftiger Oberkörper, ein Kopf mit den dunklen, krausen Haaren eines Negers.
Um seinen Hals hing eine Erkennungsmarke, die Erkennungsmarke John Henrys!
Ich glaubte, den Leichengeruch durch meinen Helm zu spüren und löste mich von der Strebe.
Vorsichtig ließ ich mich wieder in die Ladekuppel treiben und schloss das Schott.
Langsam ging ich zurück ins Cockpit.
"Geht doch mal in die Ladekuppel", sagte ich, "dann wisst ihr, was mit dem Schiff los war!"
Ich setzte mich auf den Platz des Kommandanten und trank Kaffee bis die beiden wiederkamen.
"So", sagte ich, "wir werden John Henry im Weltraum bestatten! Wie es seit der christlichen Seefahrt Tradition ist, werden wir 24 Stunden an der gleichen Stelle bleiben, damit John Henry Ruhe findet!"
Das Schiff stöhnte ein letztes Mal.
 

Hagen

Mitglied
Hallo Jon,
nett, dass Du mich auf einen 'Fehler' hinweist.
Aber das Ding war beabsichtigt.
Da die Geschichte lyrisch aufgebaut ist, ist es angebrachter, 'etwas hereinzulassen' als 'etwas herauszulassen'.
Im philosophischen Sinne ist es durchaus üblich ein 'Nichts' in etwas hineinzulassen - oder?
:rolleyes:
Herzlichst
yours Hagen
 

jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich bin ja schon zufrieden, wenn das Absicht war, auch wenn die Argumente für diese Entscheidung sehr, sehr schwach sind: Das ist kein philophischer Text und die Geschichte ist auch nicht lyrisch erzählt.
(Gibt es einen Grund, warum du genervt mit den Augen rollst?)
 
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Hagen

Mitglied
Hallo Jon,

Wir wollen doch die Netiquette einhalten und uns ordentlich ansprechen; - schließlich sind wir hier nicht bei Twitter!
Auch wenn das Zeugs im Minutentakt auf Deinem Schreibtisch landet, sollte soviel Zeit sein!
Schließlich sind wir keine Trolls.
Zudem halte ich Deine Argumentationskette für ausgesprochen dogmatisch!
Darauf reagiere ich irgendwie allergisch.
Hattest Du das beabsichtigt?
Tut mir leid, aber hättest Du nicht schreiben können '... halte ich für sehr, sehr schwach …?'
Weiterhin schriebst Du: 'Das ist kein philophischer Text ...' habe ich nie behauptet!
Ebenso behauptest Du ausgesprochen dogmatisch dass das Ding nicht lyrisch ist.
Ich halte das Ding stilistisch für S.F. angemessen, würde aber bei Kritik niemals derart dogmatisch vorgehen!
So, nun wirst Du dieses Ding wahrscheinlich löschen, denn Du hast die Möglichkeit dazu und wirst sie auch weidlich nutzen.
Trotz Allem wünsche ich Dir noch einen fröhlichen Tag.
Wir lesen uns!

Herzlichst
yours Hagen
 
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jon

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Hagen,

bestehst du eigentlich in jeder Unterhaltung darauf, jedesmal, wenn dir jemand antwortet, mit "Hallo Hagen" oder Ähnlichem angesprochen zu werden? Wie auch immer: Der Verzicht auf diese Brief-Anrede ist kein Verstoß gegen die Nettiquette.
Dem Redakteur ans Bein zu pinkeln, indem man ihm Amtsmissbrauch unterstellt, schon.

Es ist dein Recht, die Argumente für dogmatisch zu halten. Vielleicht solltest du dich in dem Zusammenhang nochmal damit befassen, was ein Dogma ist.

Warum sollte ich meine Meinung/meine Sicht extra als solche kennzeichnen müssen? Ich muss nur kennzeichnen, wenn ich nicht meine, sondern die Meinung/Sicht eines anderen wiedergebe. Würdest du von mir auch verlangen, dass ich "Ich halte die Erde nicht für eine Scheibe" schreibe, weil es Leute gibt, die es nicht so sehen? Oder "Ich halte glühendes Eisen für heiß", weil jemand der Meinung sein könnte, dass das doch keine Hitze ist im Vergleich mit dem Inneren von Sternen?
Wer Gegenargumente hat oder einfach meine Sicht nicht teilt, kann doch schreiben "Das sehe ich anders", statt zu fordern, dass ich so tun soll, als sei ich von meinen Argumenten nicht überzeugt.
Kurz gesagt: Auf Forderungen nach Kuschel-Verbrämungen (*) wie "halte ich" reagiere ich allergisch. Hattest du das beabsichtigt? (Vermutlich nicht. Denn warum solltest du wollen, dass ich auf etwas allergisch reagiere?)

Nein, du hast nicht behauptet, der Text sei ein philosophischer. Aber du hast die Wahl dieser Formulierung damit begründet, dass "das Nichts reinlassen" im philosophischen Sinn durchaus üblich sei. Es ist bei Ärzten auch durchaus üblich, von UIna und Radius zu sprechen, trotzdem ist nur in wenigen Fällen sinnvoll, in einer Geschichte zu schreiben, Figur X habe sich Ulna und/oder Radius gebrochen. Wobei das wenigstens noch faktisch sinnvoll wäre, was man von "Vakuum reinlassen" nicht eben sagen kann.

Natürlich ist dieser Text nicht lyrisch, sondern ausgesprochen "handfest" erzählt: Es werden die "Fakten" gezeigt - was zu sehen und zu hören ist und was der Ich-Erzähler denkt. Metaphern, Bilder, Sinneseindrücke, die vor allem oder allein auf die Intensivierung der Textstimmung abzielen, die ausgiebige Nachfühlbarmachung von Emotionen der Figuren - nichts von diesen lyrischen Elemente taucht hier auf (und wenn, dann bestenfalls rudimentär - wie die Beschreibung des Geräusches als "Seufzen"). Auch rhythmisch und vom Sound her ist der Text kühlste Prosa. Das ist ja alles auch völlig okay - nur eben keine lyrische Erzählweise.
Vorschlag: Zeig mir eine einzige Passage in diesem Text, die deiner Meinung nach lyrisch erzählt ist, und ich zeige dir, wie sie aussähe, wenn sie es wirklich wäre.

Ich halte das Ding stilistisch für S.F. angemessen, würde aber bei Kritik niemals derart dogmatisch vorgehen!
Keine Ahnung, wo da der logische Zusammenhang steckt.
Wenn "das Ding" der Text ist: Ja, den halte ich für SF auch für angemessen. Wenn du damit die Formulierung "Vakuum reinlassen" meinst, dann halte ich es nur in passendem Kontext für angemessen (und zwar in und außerhalb der SF) - der ist hier nicht gegeben.


jon
 
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