Das Sterben des Sommers

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Trist

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Der Sommer zieht den grünen Hut tief ins Gesicht,
mit schwerem Schritt geht er noch einmal durch das Land,
auf seiner Schulter ruht schon längst die kalte Hand,
Wind streift sein graues Haar - doch nein - er trauert nicht.

Stolz blickt er auf sein Farbenfeuerwerk zurück;
auf seinem Weg grüßt ihn kokett die Sonnenbraut* ,
die aus dem Flammenmeer von Farben in den Himmel schaut,
ein letzter Schmetterling begleitet ihn ein Stück.

Bald ist der alte Herr mit seinem grünen Hut erfroren,
dann decken alle Bäume ihn mit ihren Blättern zu -
und über all die Blätter legt sich dann das alte Jahr zur Ruh;
ach, würd ich irgendwann - wie Jahr und Sommer - neu geboren ...


*Die Sonnenbraut ist eine wildwachsende Art,
um ihre Scheibe sitzt ein Kranz von Strahlenblüten,
welcher die Blume wie eine Sonne aussehen lässt.
 
Zuletzt bearbeitet:

Oscarchen

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Moin Trist,
Deine Werke unterscheiden sich wohltuend von den herzallerliebsten, blitzsauberen Natur und Lebensgedichten. Deine sorgfältig ausgesuchten Wortgebilde rücken Deine Beiträge schon sehr nahe an den Bereich anspruchsvoller Lyrik.
Lieben Gruß
Oscarchen
 

Isbahan

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James Blond

Mitglied
Ein schönes Gedicht mit einigen Schönheitsfehlern.

Der Sommer zieht den grünen Hut tief ins Gesicht,
...
Wind streift sein graues Haar - doch nein - er trauert nicht.
...
Stolz blickt er auf sein Farbenfeuerwerk zurück;
Ein Betonungsprall 'Hut tief' , bzw. 'Wind streift' , bzw. 'stolz blickt' sollte vermieden werden.

Man kann Wortwiederholungen zwar als Stilmittel auffassen, hier scheint es eher zu stören:

In S2 die 'Farben', in S3 der 'alte Herr - das alte Jahr', 'Blätter - Blättern', 'alle - all die'

Grüße
JB
 

Trist

Mitglied
Abend Oscarchen!

Es freut mich, wenn du solche Sprachbilder magst.
Wenn ich ein Meeresgedicht lese, dann möchte ich auch mit den Versen auf den Wellen schaukeln,
möchte das Knarren der Bootsplanken hören, den Tropfen Tau vom Sonnenbleichem Segel fallen sehen ...
(Vielleicht habe ich zu viel Fantasie)
Auf jeden Fall ist deine Antwort ein sehr schöner Lohn für meine Zeilen.
Ich danke dir herzlich!

Abend Isbahan!

Auch dir lieben Dank - und ja - "grüßt ihn" stimmt natürlich.
Bessere ich gleich aus - danke.
Am Ende würde ich lieber kein Ausrufezeichen setzen, weil die letzte Zeile eher einen stillen Gedanken verraten sollte,
als einen Ausruf.
Ich freue mich, dass dir meine Verse gefallen und du kommentiert hast.

Abend James!

Du legst den Finger in die Wunde.
Genau das sind einige meiner Schwächen, die Technik, bzw. die Regeln.
Ich schreibe aus dem Bauch - klar versuche ich die Silbenanzahl beizubehalten, aber dem ganzen "drumherum"
gehe ich gerne aus dem Weg.
Aber deine Tipps sind vollkommen richtig.
Ich werde mal versuchen da etwas mehr drauf zu achten.
Auf jeden Fall danke ich dir!

ich danke auch allen für euer schönes Sternenlicht und wünsche
einen schönen Abend - oder besser gleich eine gute Nacht.

Trist
 


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