Das Übliche

Hans Hampel

Mitglied
Er kommt herein, hebt die Hand zum Gruß und setzt sich auf einen Barhocker.
„Das Übliche.“
Der Wirt reicht ihm ein kleines und ein großes Glas. Wodka und Bier. Wodka für die Nerven. Bier zum Genuss. Vom Fass.
Ehrlich. Geradlinig. Deutsch.
Er kippt den Kurzen in einem Zug, dann nippt er an seinem Bierglas. Für einen kurzen Moment starrt er ins Leere, dann lässt er den Blick durch die Kneipe schweifen. Die üblichen Gestalten sind dort. Handwerker, Arbeiter, Proleten. An einem Tisch im hinteren Teil des Raums sitzen über einhundert Jahre Gefängnis und spielen Skat.
Ein Mann in seinem Alter kommt herein und setzt sich zu seiner Linken.
„Ey, Geldgesicht!“, sagt der Linke und klopft mit den Knöcheln auf den Tresen.
„Ey, Hässlich!“ Beide lachen.
Der Linke spricht.
„Das Übliche“
Der Wirt macht sich an die Arbeit. Beide stoßen an und schweigen einige Minuten.
„Wie geht’s? Alles senkrecht?“
„Klar, muss ja“
„Arbeit?“
„Doch, schon.“
„Familie?“
„Naja, das Übliche. Der große kommt bald in die Schule.“
„Hmm.“
„Und bei dir?“
„Alles beim Alten.“
„Viel Stress, was?“
„Ich warte nur auf den Herzinfarkt.“
„Kein schlechter Tod. Geht schnell.“
„Hoffentlich, kein Bock dass die alle kommen und rumheulen, das sollen die machen wenn ich unter der Erde bin.“
„Gesunde Einstellung.“
„Hmm.“
Beide nehmen gleichzeitig einen Schluck Bier. Der Rechte zündet sich eine Zigarette an. Der Linke tut es ihm gleich.
Schweigen.
Der Wirt schaut herüber und fängt an zu reden.
„... letzte Woche beim Fußball, drei zu eins gegen die Lappen. Nicht anders verdient haben die das, das sag ich euch.....
...Was habt ihr eigentlich gewählt am Sonntag?“
Die ganze Kneipe ist still, nur der Spielautomat in der Ecke piepst fröhlich vor sich hin.
„Naja...“, sagt der Linke.
„Das Übliche“, sagt der Rechte.
Beide trinken aus, bezahlen und gehen.
Freundschaft ist schön.
 

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