Das UFO zu Darenwede

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Hagen

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Das UFO zu Darenwede



Zum neunhundertfünfzigsten Gründungsfest von Darenwede in den Fünfzigern wurde ein stillgelegter Flugplatz bei Darenwede feierlich den Außerirdischen übergeben. Da in dieser Zeit laufend von UFO-Sichtungen berichtet wurde, hatte man den Flugplatz zur ‘Darenweder Space-Base’ erklärt und wollte sie den Außerirdischen als Landefläche zur Verfügung stellen.

Die Aliens sollten freundlich empfangen werden, um interstellare Kriege zu vermeiden. Innerhalb von 50 Jahren, zum tausendjährigen Gründungsfest – so hoffte man – wird man schon das eine oder andere UFO präsentieren können, und dann würde die Welt auf Darenwede blicken!

Doch es passierte lange Zeit nichts. Bis sich eines Tages tatsächlich ein UFO auf der Darenwede Space-Base niederließ. Der eilig herbei gerufene Polizeihauptmeister Jens Janson sowie die Presse der näheren Umgebung identifizierten das ‘UFO’ jedoch als verirrten Wetterballon ähnlich dem, der im Juni 1947 in der Nähe der Kleinstadt Roswell im US-Bundesstaat New Mexico den legendären Roswell-Zwischenfall oder das Roswell-(UFO-)Ereignis hervorgerufen hatte.

Die Reporter lachten höhnisch auf, der Polizeihauptmeister war sauer, und verprügelte den Verantwortlichen der ‘Darenwede Space-Base’.

Wie dieser Wetterballon allerdings nach Darenwede gelangte, und ausgerechnet auf der Space-Base niederging, ist bis heute ungeklärt.

Wieder passierte lange Zeit nichts, bis einige Studenten des ‘Weltraum Forschungszentrums’ der nahegelegenen ‘Großen Stadt‘ ein rundes Objekt von etwa zwei Metern Durchmesser auf der Unterseite mit ‘UFO’ beschrifteten und zum Fliegen brachten. Diese Scheibe ließen sie ferngesteuert eine Weile über Darenwede kreisen und brachten es schließlich auf der ‘Darenwede Space-Base’ unbeschädigt auf den Boden.

Beim Polizeihauptmeister Jens Janson gingen zahlreiche Meldungen über die ‘UFO-Sichtung’ ein, und er sah Handlungsbedarf. Sofort fuhr er zur ‘Darenwede Space-Base’, zertrümmerte das ‘UFO’ mit einigen gezielten Fußtritten und verprügelte einige grinsende Studenten.

Wieder passierte lange Zeit gar nichts, außer dass der Wind einsame Prärieläufer über die Space-Base trieb und der Polizeihauptmeister die ‘Polizeirevue‘ sorgsam studierte. Einige Hippies aus den USA erschienen – inzwischen war Flower-Power angesagt – und pumpten die Space-Base voll mit positiver Energie und guten Vibrationen. Der Darenweder KFZ-Mechaniker installierte hinter seiner Werkstatt eine weitere Abschmiergrube, der Blumenladen Darenwedes eröffnete eine Filiale und spendete zur Eröffnung der Space-Base einen Strauß Veilchen, welcher auf der Space-Base niedergelegt wurde, die Bank Darenwedes wurde ausgeraubt und der Polizeihauptmeister sah vorläufig keinen Grund, irgendwelche Leute zu verprügeln.

... und dann landete tatsächlich ein ‘UFO’ auf der ‘Darenwede Space-Base’!

Die beiden letzten noch verbliebenen Eineurojobber, welche die ‘Darenwede Space-Base’ betriebsbereit hielten, fanden das UFO unbemannt vor, und informierten den Polizeihauptmeister.

Der war gerade dabei, den Zwillingsbruder des Bankräubers zu verprügeln, und wies die Eineurojobber telefonisch an, das Scheiß-UFO in den Scheißhangar zu schieben, diesen gut zu verschließen und die verdammten Schnauzen zu halten, schließlich hätte er noch einen Bericht zu schreiben. Die Eineurojobber kamen dieser Aufforderung nach, weil sie Angst hatten verprügelt zu werden, und schlugen die Zeit mit Kartenspiel tot.

Irgendetwas sickerte aber doch durch, zumal die Eineurojobber geäußert haben sollten, dass unter der offensichtlich flüchtig aufgebrachten Bemalung des UFOs, welche an die legendären Reichsflugscheiben erinnerte, ein deutsches Hoheitsabzeichen durchgeschimmert sein soll.

Gerüchten zufolge soll es die deutschen ‘Reichsflugscheiben‘ während des Krieges wirklich gegeben haben. Einige Exemplare sollen nach dem Krieg in die USA überführt und auf der legendären ‘Area 51’ mit beeindruckenden Ergebnissen getestet worden sein. Während der Testflüge verschwand jedoch eine der Flugscheiben auf unerklärliche Weise.

Wie diese ‘Reichsflugscheibe‘ von der ‘Area 51’ nach Darenwede gekommen sein soll, ist bis heute ebenfalls ungeklärt. Es wurden in Darenwede ferner Stimmen laut, die behaupteten, dass die ‘Reichsflugscheibe‘ aus Neuschwabenland stammt. Ein Beweis dafür, dass in Neuschwabenland bis heute noch irgendwelche geheime Aktivitäten der Überlebenden sowie Nachkommen der Nazis stattfinden, um irgendwann doch noch die Weltherrschaft zu übernehmen. Diese Stimmen wurden jedoch unter Androhung schwerster Prügel von dem Polizeihauptmeister zum Schweigen gebracht.

Wie dem auch sei, der Polizeihauptmeister von Darenwede, Jens Janson ging in Rente, der neue Polizeihauptmeister hatte wichtigeres zu tun, als sich um die ‘Darenwede Space-Base’ zu kümmern, und irgendwann mähte irgendjemand obszöne Worte in das hoch gewachsene Gras auf der ‘Darenwede Space-Base’.


Als sich der Jahrestag des ‘tausendsten Jahres der Gründung Darenwedes‘ bedrohlich näherte, und man noch immer keine Aliens vorweisen konnte, erinnerte sich der mittlerweile neue, zum Polizeihauptmeister beförderte, Hinrich Ohlsen, des ‘UFOs’, welches in dem Hangar seinen Dornröschenschlaf absolvierte.

Flugs suchte er die ‘Darenwede Space-Base’ auf und schreckte die beiden Eineurojobber, die noch auf der ‘Darenwede Space-Base’ Dienst taten, von ihrem Kartenspiel auf. Man öffnete den Hangar und fand in dessen Mitte lediglich ein mechanisches Klingeläffchen vor, welches sofort zu klingeln begann.

Bis heute ist heftig umstritten, ob die Leute von der ‘Area 51’ oder irgendwelche Spezialagenten aus Neuschwabenland, die Flugscheibe heimlich zurückgeholt, und mit dem Klingeläffchen feinsinnigen Humor bewiesen haben, oder ob es sich lediglich um den Gag eines japanischen Spielzeugherstellers gehandelt hatte.

Man weiß es nicht!

Wie dem auch sei, es war Eile geboten, den der ‘Tag des tausendsten Jahres der Gründung Darenwedes‘ stand bevor. Eine eilig herbeigerufene Eurhythmiegruppe, welche ‘welcome Aliens’ tanzte, brachte auch keinen Erfolg.


Schließlich kündigte man zum ‘Tag des tausendsten Jahres der Gründung Darenwedes‘ aus lauter Verzweiflung ein Oldtimertreffen an.

Tatsächlich fuhren am ‘Tag des tausendsten Jahres der Gründung Darenwedes‘ 1032 Oldtimer verschiedenster Hersteller auf die ‘Darenwede Space-Base’.

Ein beeindruckendes Ergebnis, zumal dieses Treffen kurzfristig angekündigt worden war.


Übrigens: Von vielen Teilnehmern des Treffens wurde ein bläulich phosphoreszierendes Objekt beobachtet, welches vergeblich versucht haben soll, auf der ‘Darenwede Space-Base’ zu landen.

Es wurden auch einige der Teilnehmer des Treffens von dem ‘UFO‘ aufgesogen, untersucht und wieder abgesondert.

Darenweder Zeitzeugen vermuten in diesem Fall einen Zusammenhang mit dem Freibier, welches die Darenweder Brauerei anlässlich des ‘Tags des tausendsten Jahres der Gründung Darenwedes‘ reichlich ausgeschenkt hatte, zumal sich die Leute, nach ihrer Ausnüchterung, an nichts mehr erinnern konnten.
 

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