Dauerausstellung

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Sie führte ihn durch alles,
was an ihr
bereits beschriftet war.

Kindheit. Verlust.
Die Angst
sorgfältig ausgeleuchtet.

Jedes Exponat
mit Herkunft
und Deutung.

Er genoss den Rundgang,
kannte bald
jede Tafel.

Als seine Hand
dem einzigen Stück
ohne Schild
zu nahe kam,

ging der Alarm los.

Danach blieb er
auf den markierten Wegen.

Sie wartete darauf,
dass er sie verließ.

Im Depot
das Original.

Ungeprüft
galt es weiterhin
als kostbar.
 

trivial

Mitglied
Liebe Chandrika,

das Unverfügbare, das in Deinem Gedicht liegt, gefällt mir sehr. Ich musste an Žižek beziehungsweise Hegel denken (zumindest an das, was sich mir als Laie davon erschließt): Substanz ist Subjekt; ein Erreichen über das Unerreichbare.

Das vermeintliche Original im Depot wäre als vollkommen unvermitteltes, vollkommen mit sich identisches Ich leer. Nur unbestimmt existiert es überhaupt – und gerade dadurch lässt sich der Rest bestimmen.

Ich las meinen Kommentar zu Deinem Gedicht jetzt mal bewusst unbestimmt und hoffe, er sagt Dir trotzdem oder gerade deswegen etwas ;)

Liebe Grüße
Rufus
 
Lieber Rufus,

vielen Dank – Deine bewusst unbestimmte Lesart sagt mir tatsächlich etwas.

Besonders gefällt mir der Gedanke, dass das „Original“ nicht einfach als unvermittelter Wesenskern hinter den Exponaten wartet. Vielleicht ist es eher eine notwendige Vorstellung: etwas vermeintlich Echtes, von dem aus alles Beschriftete als bloße Vermittlung erscheinen kann.

Dabei ist das „Ungeprüft“ für mich allerdings nicht nur ein Schutz des Unverfügbaren, sondern auch ein leiser Verdacht. Das Original gilt als kostbar, solange niemand nachsieht, ob es überhaupt eines ist. Der Alarm schützt also möglicherweise weniger das wahre Ich als den Glauben daran.

Vielleicht liegt darin das Unerreichbare: nicht ein verborgener Kern, den man irgendwann freilegen könnte, sondern etwas, das gerade durch Annäherung seinen Status verlieren würde.

Dass Du darin Hegel beziehungsweise Žižek gefunden hast, freut mich sehr! Ich sehe, wir teilen eine gewisse Vorliebe für philosophische Fragen.

Liebe Grüße
Chandrika
 



 
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