Dem Geheimnis auf der Spur

anemone

Mitglied
Sie verschwanden wie sie gekommen waren. Sechs Nonnen, tief unter ihren Kutten versteckt, was allerdings zum Nachdenken aufrief.

Die Nonnen schienen leicht zu groß und überhaupt waren ihre Gesichter nicht zu erkennen, da sie gebeugt den Weg entlang gingen. Nein, sie sahen nicht echt aus diese Nonnen. Sie führten etwas im Schilde, da war ich mir zimlich sicher. Sie überholten mich und ich versuchte ihnen ins Gesicht zu schauen. Es war mir nicht möglich auch nur irgendetwas zu erkennen. Doch ihre Hände, mit denen sie die Kutten zuhielten, die waren einfach zu groß. Ich hätte wetten mögen, es sind Männer.

Doch wohin führte dann ihr Weg?

Jetzt wurde ich doch neugierig und nahm heimlich die Verfolgung der Schar auf.
Wie ich schon vermutet hatte, zog es sie in das unweit entfernt liegende Kloster. Es war eine Festung, eine ehemalige Burg. Kaum hatte die Schar den Steg erreicht, der über den Graben führte, bimmelte auch schon das Glöckchen.

Direkt vor dem Eingang zum Burghof falteten diese scheinheiligen Gäste die Hände zum Gebet und holten aus ihrer Tasche den Rosenkranz heraus.

Nun musste ich wohl die Verfolgung abbrechen, ging es mir so durch den Kopf, doch da kam mir plötzlich die Erleuchtung, als ich auf diesen verkrümmten Baum aufmerksam wurde. Es wäre ein Leichtes für mich, ihn zu besteigen und schon begab ich mich dorthin.

Tatsächlich war es mir mit Hilfe dieses Baumes möglich, über die Festungsmauer zu sehen. Im Innenhof des Klosters schien eine große Fete stattzufinden und es wimmelte dort nur so von Ordensfrauen. Kaum hatte ich dieses registriert, als auch schon vom Ort her in Zweierreihen Mönche in ihren grauen Kutten erschienen und Einlass erwarteten.

Fortsetzung
 

anemone

Mitglied
Folge 2

Die Mönche setzten sich im Innenhof sogleich an die langen Tische vor ein Glas des eigenen Klosterweines, der ihnen vorzüglich mundete. Sie streckten die Beine aus und unterhielten sich in gedämpfter Lautstärke.

Plötzlich erhoben sich die vermeintlichen Nonnen und riefen zum Rosenkranzgebet auf. Sie griffen an ihrer Kutte und klappten sie zurück. Jetzt konnte man deutlich ihre Bärte erkennen.
Es war nicht zu übersehen, mit wem wir es hier zu tun hatten. In den Verkleidungen steckten die Gestalten von Killer Jim und seiner Bande. Mir wurde der Platz unter mir heiß und ich wäre vor Schreck fast vom Baum gefallen. Doch nachdem mir bewusst wurde, wo ich mich genau befand, fühlte ich mich nirgendwo so sicher wie hier oben auf meinem Ausguck und ich versuchte, die Sache geräuschlos zu verfolgen.

Killer Jim ergriff sich sogleich eine hübsche junge Nonne. Ein Messer hielt er an ihre hübsche Kehle, doch sie zeigte keine Angst. Er hatte sich Luzia geschnappt, die sogleich ein Kreuzzeichen schlug. Die übrigen Nonnen tat es ihr gleich und Jim lockerte seinen Griff, denn plötzlich brannte der Rosenkranz in seiner Tasche wie Feuer. Er hielt es nicht für ausgeschlossen, dass diese Ordensfrauen mit „dem da oben“ im Bunde waren.

Was wollten sie eigentlich hier hinter den Klostermauern? Wozu waren sie hierher gekommen? Er vermochte es im Moment nicht zu sagen, jedenfalls irritierte ihn das Verhalten dieser Nonne.

Jim griff in seine Tasche, um dieses glühende Kreuz des Rosenkranzes dort herauszuholen. Doch ohje, er verbrannte sich die Finger und stieß einen Fluch aus. Sofort liefen seine Kumpel hinzu um ihm zu helfen, jedoch auch sie schafften es nicht. Auch sie verbrannten sich kläglich die Finger, sobald sie es berührten.

Das ging hier alles nicht mit rechten Dingen zu! Das stand fest. Jim zog sich dieses widerliche Nonnenkostüm aus, riss es förmlich von seinem Körper und alle starrten ihn aus weit aufgerissenen Augen an: Das Kreuz hatte sich in seine Haut eingebrannt. Mitten auf dem Oberschenkel, wo bei vielen seiner Kumpel das herrlichste Tatoo prangte war deutlich das Kreuz zu erkennen. Oh, wie er dieses Zeichen hasste! Er entfernte sich von diesem Ort, so schnell ihn seine Beine tragen konnte, schnappte sich sein Pferd und machte sich davon, ebenso auch seine Begleiter, die mit ihm gekommen waren.
 
N

niclas van schuir

Gast
Liebe Anemone,
zu Zeiten des Karnevals laufen am Rhein so allerhand Leute ziemlich verkleidet rum, was dich vielleicht auf den Baum getrieben hat...
Dennoch, als ein eifriger Leser deiner Werke, finde ich keinen Zugang zu dieser Geschichte. Was Mönche in einem Nonnenkloster wollen, kann sich meine Fantasie so gerade noch vorstellen, aber diese Killerbande?
Aufklärung tut Not, und ich bitte darum.
LG Nic
 

anemone

Mitglied
hallo Niclas,

in diesem Fall hast du natürlich ein Recht auf Aufklärung,
ich fürchte nur, ich kann es dir auch nicht sagen und denke, dass ich den sogenannten "Roten Faden" bei der Geschichte verloren habe. Ich werde sie mal auf Eis legen oder abhaken und in den Papierkorb befördern.
 

Oben Unten