Demo

anemone

Mitglied
Natürlich war es nicht seine Sache, was ging es ihn an, aber Tatsache war nun mal, dass diese Springer-Bestiefelten die Stadt bevölkerten, ausgerechnet an diesem Wochenende. Er hätte ja auch seinen Kiosk schließen können, doch er erhoffte sich ein Geschäft. Zeitungen wurden immer gekauft.

Mario fürchtete sich nicht vor diesen Typen, obwohl viele Leute heute die Stadt mieden, denn es war eine offizielle Demonstration der Neonazis in Leipzig angekündigt worden.

Schon von weitem vernahmen die Ohren ihre lauten Schritte auf dem Pflaster und Mario hörte, dass sich einige Menschen dem Kiosk näherten. Diesmal waren es Polizisten. Sie fragten anständig und lasen, was sie kauften. Zeit für ein Schwätzchen schien der ein- oder andere auch zu haben.

Nun vernahm Mario wieder dieses Klack klack auf dem Pflaster. Die Grün-Uniformierten begaben sich zurück an ihre Arbeit. Sie waren mit dem Abriegeln der Innenstadt beschäftigt.
Diesmal waren es Neonazis, jetzt sollte er sie kennenlernen. Einer von ihnen verlangte 3 Bildzeitungen. Mario rückte sie heraus und sah ihnen zu, wie sie die Zeitungen öffneten, um sie eine Minute später zurück in seinen kioskeigenen Papierkorb zu schleudern. „Es steht fast nichts von uns darin! So eine Schande!“ rief einer aus. 3 Coladosen wurden verlangt und bezahlt. Es spritzte, als sie geöffnet wurden, was auch kein Wunder war, denn vor dem Öffnen wurden sie noch kräftig geschüttelt. Die Colaflüssigkeit verteilte ihre klebrigen Spuren auf die ausgestellten Zeitungen. Mario lag es auf der Zunge, sich bei ihnen zu beschweren, doch ein Blick in ihre Augen ließen ihm diesen Vorsatz schnell wieder vergessen. Sie waren zu dritt und es wimmelte nur so von diesen Typen in der Stadt.

Mario nahm sich vor, bei der nächstbesten Gelegenheit seinen Kiosk wieder zu schließen. Sie schienen sich jedoch ausgerechnet an seinem Kiosk verabredet zu haben. Es wurden immer mehr und auch einige aufgekratzte Mädel lungerten inzwischen vor seinen Zeitungen herum. Schon lange behielt er die Übersicht über seine Ware nicht mehr und als er am Abend endlich den Kiosk verlassen konnte, war er weder in der Lage, seine Einnahmen zu zählen, noch seine Bude fachgerecht zu verschließen. Mario wusste nur noch eins: Raus aus dem Gewimmel!
 

Antaris

Mitglied
Braunes Problem

Hallo anemone,

das ist eine interessante Geschichte. Ich würde allerdings das 'man' am Anfang des dritten und im vierten Abschnitt ersetzen und konkreter werden, d. h. entweder 'Mario' schreiben, oder genauer schildern, wer sie kommen hört.

Mit freurigen Grüßen

Antaris
 

Katjuscha

Mitglied
Angst vor braun

Hallo Anemone,

ich kann diese Angst und Hilflosigkeit verstehen, die Mario empfindet - vor allem, wenn ein ganzer Haufen von Neonazis um seinen Kiosk herum lungert. Allerdings verstehe ich den Sinn deiner Geschichte nicht ganz. Diese Angst kennen viele, aber sie ist nicht neu. Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Flucht ins innere Exil? Ich weiß nicht, ob solche Geschichten helfen, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen oder meinst du, das bringt auch nichts mehr? Und ich glaube nicht, dass dieses Problem des Lümmelns und sich daneben Benehmens ein typisches Problem bei Neonazis ist. Es gibt auch genug andere Jugendliche, die sich so verhalten - leider!
 

anemone

Mitglied
danke Antaris und Kajuscha,

Sehr spät finde ich jetzt erst eure Beiträge.
Antaris, ich habe versucht es zu ändern, ob es sich so besser liest, weiß ich nicht.

Zu Kajuscha
Ja es ist das Verhalten der Jugendlichen, die sich in der Gruppe stark fühlen. Ich wollte mit dem Beitrag anschaulich darstellen, welche Ohnmacht ein Einzelner gegenüber solchen
Gruppen empfindet. Ob es die Lösung wäre, sich in solch einem Fall auf Diskussionen einzulassen? Ich würde es nicht wagen. Aber ich wollte keine Lösung geben, sondern nur zum Nachdenken anregen.

liebe Grüße
anemone
 

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