Der Abend des Balls

Die Musik füllte sanft den Saal. Das gleiche Lied seit 17 Jahren. Es wird gemunkelt, dass die Band nichts anderes kann.
„Our love is lie“, hallte verwaschen durch den Vorraum der Halle. Irgendjemand Besoffenes fühlte es gerade komplett .
„Vielleicht wäre es betrunken einfacher zu ertragen“, dachte er, „dann wäre aller erträglicher.
Ihre Berührungen beim Tanzen, die Gespräche danach, der Anblick von ihr in ihren Ballkleid. Und dann das Wissen, dass sie unerreichbar ist.“
Sein Brustkorb senkt sich langsam und der schwere Seufzer nimmt nichts von der Last seines Herzen.
„Hey“, überraschend stand sie wieder vor ihm. Sein Herz erlitt einen gefühlsbedingten Herzinfarkt.
„Ich dachte du bist gegangen.“ Er hörte keinen vorwurfsvollen Ton in ihrer Stimme.
„Ich hab kurz Freunden „Hallo“ gesagt. Bin aber bisschen hängen blieben.“ „Hab nur gesehen, dass dich irgendwann ein Mädchen festgehalten hat.“
Fuck, warum hat sie genau dann hingeschaut? "Wir haben bisschen herumgealbert. Kennen uns aus der Tanzgruppe.“
Ihr Blick blieb skeptisch. Er konnte nur hoffen, dass sie es ihm glaubt.
Er wollte wirklich nichts von Lena. Sie hatten sich im Tanzkurs kennengelernt und waren gute Freunde geworden.
Doch zumindest er will nichts von ihr. Aber er hatte keine Ahnung, wie er das sagen soll ohne ihre Vermutung zu bestätigen.
Doch sie rettet ihn unabsichtlich aus der Situation und er fühlte, als wäre seine Panik, davor etwas falsch zu machen, zurück in den Hundezwinger gesteckt worden.
„Wollen wir tanzen?“, fragt sie. Auf ihn wirkt sie immer noch etwas unsicher und schüchtern.
Und das obwohl sie Nachbarn sind. Gut, ihre Familien liegen sich wegen allem in der Wolle und schaffen es nicht ihre Streitigkeiten beiseite zu legen.
Alle aus den beiden Familien sind so verstockt, keiner weicht einen Zentimeter.
So als würden ausgehungerte Schweine nach Tagen des Hungers wieder an der Futterbox stehen.
Das Lied war langsam und auch schon tausendmal von der Band gespielt.
Doch er sah sie an und sämtliche Barrieren fallen von ihm, wie ein Sandsack, der auf seinen Schultern schmerzte.
Sie wiegten sich im langsamen Takt und er betrachtet sie einfach nur.
Eine plötzliche Unregelmäßigkeit reißt ihn aus dem Schleier des Traumes des perfekten Moments.
Er stolperte über seinen eigenen Fuß.
Er hofft das sein Kopf nicht rot wird oder man es im Scheinwerferlicht es zumindest nicht sah.
„Und ich dachte, nach einem Jahr kann ich das.“, lachte er verlegen.
Doch die selbstironische Fassade wird von morschen Balken der Unsicherheit getragen.
War er zu lange bei der einen Gruppe und hatte er zuviel mit den Mädchen gemacht, sodass man denken könnte, dass er etwas von ihnen will?
Hat er alles verkackt, als der bei der Discophase von ihr weggegangen war, um einen dummen Spruch mit einem Freund zu machen?
Hätte er bisher mehr versuchen sollen, Gespräche mit ihr anzufangen oder war das zu auffällig?
Für den Bruchteil einer Sekunde brach all dies wie ein Scheinwerferlicht in der Nacht durch seine Augen durch und riss die Fassade ein.
Sein Bruder hätte es gesehen.
Sein bester Freund auch.
Sie noch nicht.
Sie lachte über den selbst in seinen Ohren lahmen Scherz: „Macht ja nichts. Ich kann es auch nicht besser.“
Sie legte ihren Arm auf seinen als Zeichen, dass sie weiter tanzen wollte.
Er nahm das Angebot bereitwillig und versank wieder in ihrem Anblick.
Doch er achtete ein wenig mehr auf seine Füße.
 



 
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