Der Chor

anemone

Mitglied
Es war wieder Ruhe eingekehrt und diesmal schien es nicht die Ruhe vor dem großen Sturm zu sein. Vernunft regierte ihr Handeln. Es war ihnen beiden bewusst: Sie waren keine kleinen Kinder mehr.
Sie sangen gemeinsam und immer wieder trafen sich ihre Blicke, zunächst nur zufällig bevor sie die Notenblätter umschlugen, denn sie standen sich im Halbkreis fast gegenüber. Später dann sah sie seine Handbewegung, die das Notenblatt umschlagen wollte und sein Grinsen im Gesicht, weil es keinen Grund gab, die Seite zu wechseln, ab da war es ihnen beiden bewusst und immer wieder machte jemand von ihnen auf diese Weise auf sich aufmerksam. Den Gesangeskollegen fiel es nicht auf, sie hatten mit sich selbst genug zu tun und so kam es, dass sich die Beiden beim letzten Ausflug des Chores suchten und auch fanden.

Sie befanden sich nie vollkommen allein dort, jemand hielt sich ständig in Reichweite zu ihnen auf. Es wurde ein Dom besichtigt. In Rolfs Kopf arbeitete es fieberhaft, er hätte sich so gerne von der Truppe entfernt und ließ sein Flirtopfer nicht aus den Augen, auch sie schien seine Nähe zu suchen, doch wollte auf keine Fall auffallen. Was würden die Kollegen sagen, wenn sie es bemerkten. Rolf hatte eine gute Ehefrau, sie, sicher sie war geschieden, aber das Gerede in so einem Dorf war groß und ganz sicher käme es eher bei seiner Frau an, als es ihnen lieb wäre.

Lilo hielt sich zu Anfang ständig inmitten des Chores auf und betrachtete ihn nur so aus den Augenwinkeln. Es war ihr erster Ausflug, der normalerweise mit Partnern stattfand. Lilo hatte keinen Partner und überhaupt eher ein gestörtes Verhältnis zu Männern. Ihre Erfahrung mit ihnen war bisher eher negativer Art. - Es gab auch nette Männer, - dachte sie, - doch die waren leider immer in festen Händen - und sie kam auch so recht gut zurecht.
 

anemone

Mitglied
Forts. 2

Rolf, dessen Frau auf Chorausflügen bisher immer dabei war, wurde mehrfach von den Mitgliedern angesprochen: „Was ist mit deiner Frau, warum ist sie nicht dabei?“ – Musste sie denn immer mit der Nase überall dabei sein?- fragte er sich. Er war erstaunt und erfreut zugleich, als sie ihm mitteilte, dass sie ausgerechnet an dem Wochenende ihren Kegelausflug hätte und es schien ihr nichts auszumachen. So wusste er sie jedenfalls schön weit weg und fühlte sich entsprechend frei und unbeobachtet.

Lilo jedoch kreise in seinem Kopf herum und auch wenn sie scheinbar versunken der Stimme des Kirchenführers lauschte, so wusste er doch, dass ihre Gedanken bei ihm waren. Da war er sich vollkommen sicher, warum, das vermochte er auch nicht zu sagen. Es war bei ihm ja ebenso der Fall und heute war einfach die einzige und beste Gelegenheit diese Freundschaft zu vertiefen, doch sie musste die Zeit mit dieser Führung vertrödeln. Es passte ihm gar nicht und in Gedanken malte er sich aus wie er es anstellen könnte sie für sich zu gewinnen.
Natürlich, würden sie beide fehlen, fielen sie auch wieder auf, es war schwieriger, als er es sich vorgestellt hatte, aber irgendeine Möglichkeit musste es doch geben!

„Ich werde mich entfernen, sie wird mich vermissen und mich suchen!“ dachte er bei sich und er verließ das Kirchengemäuer. Es war ihr zuerst gar nicht aufgefallen aber als sie ihn nicht sah entfernte sie sich tatsächlich von der Gruppe und suchte ihn. Im Gebäude jedoch schien er sich nicht aufzuhalten. Lilo kam wieder zurück an die frische Luft, blieb auf den Stufen stehen und sah um sich.

Rolf hatte sie natürlich gleich erkannt und duckte sich in eine Hecke. Soweit schien er bis jetzt erfolgreich. Mit einer Tüte Gebäck kam er ihr jetzt entgegen. „Oh, Mutzenmandeln, die esse ich für mein Leben gern!“ rief sie aus und dachte dabei in keiner Weise an ihre Figur.

Sie sahen sich plötzlich allein, denn die Hälfte der Gruppe befand sich noch in der Kirche, die andere Hälfte schien unterwegs. Schnell zog er ihren Arm und verkroch sich mit ihr in eine Nische um sie dort zu küssen. Das kam alles sehr plötzlich für sie und verdattert hielt sie die Gebäcktüte und starrte ihn aus großen Augen an. „So,“ sagte er, „Das war jetzt aber mal schon lange fällig!“ Lilo fand das auch und umarmte ihn erneut, nachdem sie die Gebäcktüte vor ihre Füße gelegt hatte.

Nun ging eigentlich alles sehr schnell und wie sie es auch immer schafften das alles zu vertuschen, sie hatten schon wochenlang ein Verhältnis.
 

Oblivia

Mitglied
Och nee, nicht noch eine Geschichte mit Mann und Frau und ohne Handlung.

Versuch doch bitte, es wenigstens ein bisschen interessant zu machen.

viele Grüße

Oblivia
 

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