MaziarB
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Der Dachboden
Wir waren erst vor ein paar Wochen in das neue Haus gezogen. Noch standen halbe Kartons in den Zimmern, und der Geruch von frischer Farbe hing in den Fluren.
Die Nachbarn hatten uns schon am zweiten Tag von der Geschichte des Hauses erzählt. Im Zweiten Weltkrieg, sagten sie, hätten die damaligen Besitzer ein jüdisches Mädchen auf dem Dachboden versteckt. Irgendwann sei die Gestapo gekommen. Sie hätten sie dort oben gefunden und erschossen. Die Hausbesitzer nahmen sie fest.
Ich hatte die Geschichte kaum zu Ende gehört, da wusste ich schon, wofür ich sie brauchen konnte.
Meine kleine Schwester war dreizehn, ich sechzehn. Für solche Geschichten war sie genau im richtigen Alter.
Ich lud mir ein paar Geräusche und eine App von einer Prank-Seite herunter – ein Knarren, Schritte, ein Wimmern – und versteckte einen Bluetooth-Lautsprecher zwischen den alten Kisten auf dem Dachboden. Über eine App konnte ich ihn von überall im Haus steuern. Ich stellte die Lautstärke bis zum Anschlag hoch, damit man ihn auch unten im Haus hören konnte.
Am Abend erzählte ich meiner Schwester die Geschichte der Nachbarn. Ich schmückte sie ein wenig aus, ließ Pausen an den richtigen Stellen und sprach leiser, wenn es um die Gestapo ging. Dann sah ich zur Decke.
„Aber weißt du, was die Leute hier erzählen?“, fragte ich mit leiser Stimme. „Ihr Geist soll noch immer hier oben herumgehen.“
Ich zeigte auf die Decke. „Manchmal hört man nachts Schritte auf dem Dachboden.“
Meine Schwester sah mich einen Moment lang an.
„Verschwinde aus meinem Zimmer, bevor ich Mama Bescheid sage.“
Ich ging langsam aus dem Zimmer. An der Türschwelle drehte ich mich noch einmal zu ihr um.
„Denk daran.“
Dabei deutete ich mit dem Finger nach oben.
Später, in meinem Zimmer öffnete ich die App.
Ein Knarren. Dann Schritte, langsam, über ihr.
„Marc? Bist du da oben?“, rief sie.
„Nein, ich bin hier“, rief ich zurück.
Dann ertönte noch ein Wimmern von oben.
Sie rannte schreiend zu unserer Mutter in die Küche.
In meinem Zimmer hielt ich mir den Bauch und lachte Tränen. Ich musste mir die Hand vor den Mund halten, damit sie mich nicht hörte.
Zu spät. Meine Mutter stand plötzlich vor mir. Sauer, mit einem strengen Blick. Mein Lachen hatte mich verraten.
„Marc, was hast du diesmal angestellt?“
Diesen Blick kannte ich. Ich hielt es keine drei Sekunden aus. Es bedeutete Hausarrest, oder Rasenmähen als Strafe.
„Ich hab einen Lautsprecher versteckt“, sagte ich. „Auf dem Dachboden. Die Geräusche sind von einer App.“
Meine Mutter nickte, ohne etwas zu sagen, und ging voraus die Treppe hinauf. Wir folgten ihr.
Der Lautsprecher war nicht da.
Ich durchsuchte die Kartons, die Ecken, jeden Winkel, den ich kannte. Nichts.
„Du hast ihn woanders hingelegt“, sagte meine Mutter. „Damit ich ihn nicht finde und einkassiere.“
„Nein, hab ich nicht.“
Sie verschränkte die Arme.
Ich holte mein Handy heraus. Wenn der Lautsprecher tatsächlich noch hier oben war, musste das Geräusch jetzt irgendwo zwischen den Kisten ertönen. Ich öffnete die App und drückte auf Play.
Das Geräusch ertönte.
Aber nicht von hier oben.
Es kam von unten. Aus meinem Zimmer.
Ich rannte die Treppe hinunter, meine Mutter und meine Schwester hinter mir her.
Auf dem Boden meines Zimmers lag der Lautsprecher.
Genau derselbe, den ich auf dem Dachboden versteckt hatte.
Keiner sagte etwas.
Meine Mutter sah mich an.
Ich sah den Lautsprecher an.
Dann kam das Geräusch wieder.
Vom Dachboden.
Wir waren erst vor ein paar Wochen in das neue Haus gezogen. Noch standen halbe Kartons in den Zimmern, und der Geruch von frischer Farbe hing in den Fluren.
Die Nachbarn hatten uns schon am zweiten Tag von der Geschichte des Hauses erzählt. Im Zweiten Weltkrieg, sagten sie, hätten die damaligen Besitzer ein jüdisches Mädchen auf dem Dachboden versteckt. Irgendwann sei die Gestapo gekommen. Sie hätten sie dort oben gefunden und erschossen. Die Hausbesitzer nahmen sie fest.
Ich hatte die Geschichte kaum zu Ende gehört, da wusste ich schon, wofür ich sie brauchen konnte.
Meine kleine Schwester war dreizehn, ich sechzehn. Für solche Geschichten war sie genau im richtigen Alter.
Ich lud mir ein paar Geräusche und eine App von einer Prank-Seite herunter – ein Knarren, Schritte, ein Wimmern – und versteckte einen Bluetooth-Lautsprecher zwischen den alten Kisten auf dem Dachboden. Über eine App konnte ich ihn von überall im Haus steuern. Ich stellte die Lautstärke bis zum Anschlag hoch, damit man ihn auch unten im Haus hören konnte.
Am Abend erzählte ich meiner Schwester die Geschichte der Nachbarn. Ich schmückte sie ein wenig aus, ließ Pausen an den richtigen Stellen und sprach leiser, wenn es um die Gestapo ging. Dann sah ich zur Decke.
„Aber weißt du, was die Leute hier erzählen?“, fragte ich mit leiser Stimme. „Ihr Geist soll noch immer hier oben herumgehen.“
Ich zeigte auf die Decke. „Manchmal hört man nachts Schritte auf dem Dachboden.“
Meine Schwester sah mich einen Moment lang an.
„Verschwinde aus meinem Zimmer, bevor ich Mama Bescheid sage.“
Ich ging langsam aus dem Zimmer. An der Türschwelle drehte ich mich noch einmal zu ihr um.
„Denk daran.“
Dabei deutete ich mit dem Finger nach oben.
Später, in meinem Zimmer öffnete ich die App.
Ein Knarren. Dann Schritte, langsam, über ihr.
„Marc? Bist du da oben?“, rief sie.
„Nein, ich bin hier“, rief ich zurück.
Dann ertönte noch ein Wimmern von oben.
Sie rannte schreiend zu unserer Mutter in die Küche.
In meinem Zimmer hielt ich mir den Bauch und lachte Tränen. Ich musste mir die Hand vor den Mund halten, damit sie mich nicht hörte.
Zu spät. Meine Mutter stand plötzlich vor mir. Sauer, mit einem strengen Blick. Mein Lachen hatte mich verraten.
„Marc, was hast du diesmal angestellt?“
Diesen Blick kannte ich. Ich hielt es keine drei Sekunden aus. Es bedeutete Hausarrest, oder Rasenmähen als Strafe.
„Ich hab einen Lautsprecher versteckt“, sagte ich. „Auf dem Dachboden. Die Geräusche sind von einer App.“
Meine Mutter nickte, ohne etwas zu sagen, und ging voraus die Treppe hinauf. Wir folgten ihr.
Der Lautsprecher war nicht da.
Ich durchsuchte die Kartons, die Ecken, jeden Winkel, den ich kannte. Nichts.
„Du hast ihn woanders hingelegt“, sagte meine Mutter. „Damit ich ihn nicht finde und einkassiere.“
„Nein, hab ich nicht.“
Sie verschränkte die Arme.
Ich holte mein Handy heraus. Wenn der Lautsprecher tatsächlich noch hier oben war, musste das Geräusch jetzt irgendwo zwischen den Kisten ertönen. Ich öffnete die App und drückte auf Play.
Das Geräusch ertönte.
Aber nicht von hier oben.
Es kam von unten. Aus meinem Zimmer.
Ich rannte die Treppe hinunter, meine Mutter und meine Schwester hinter mir her.
Auf dem Boden meines Zimmers lag der Lautsprecher.
Genau derselbe, den ich auf dem Dachboden versteckt hatte.
Keiner sagte etwas.
Meine Mutter sah mich an.
Ich sah den Lautsprecher an.
Dann kam das Geräusch wieder.
Vom Dachboden.
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