der Demolition Man

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Tula

Mitglied
der Demolition Man

ist einer, der sich endlich mal was traut
hier durchgreift, aufräumt, sich um Ordnung kümmert
der alles was im Wege steht, zertrümmert
vor allem wenn man uns vom Teller klaut

die allerbesten Häppchen (also seine)
da wütet er, bis sich die Balken biegen
und bleibt kein Fakt auf einem andern liegen
begräbt der Stall beim Einsturz … arme Schweine

wo Unrecht weilt, erscheint er als Befreier
und wirft sich wie Godzilla in die Schlacht
erst fliegen Bomben, dass die Börse lacht
dann wieder Korken auf der Siegesfeier

er fing bescheiden an, mit einem Haus
(ein altes weißes, völlig démodé)
Gesetz, Verträgen, Booten auf der See
dem Napf der nimmersatten Kirchenmaus

bis er begriff, er könne ‚Großes‘ wagen
und demoliert seitdem (wo es sich lohnt)
so ziemlich alles und wohl bald den Mond
selbst Tempel, die nicht seinen Namen tragen

die Liste seiner Taten füllen Bände
was immer seine Hand berührt … muss sterben
was er noch vorhat? Chaos, Schutt und Scherben
und auch ein Armageddon, ganz am Ende
 

wiesner

Mitglied
verflucht noch mal, wenn ich nur wüsste, wer gemeint ist
bitte das nächste Mal etwas deutlicher - danke

Gruß
Béla
 

Tula

Mitglied
Lieber Béla
So ist es, diese satirische Zielscheibe wird mit jedem Tag riesiger ...
Ein Witz auf whatsapp brachte es so hinüber:

For the first time in history
you can simply post:
He's an idiot!
and 90% of the world will understand immediately who you are talking about

Seufz .. LG Tula
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Tula,

die restlichen Prozente werden wohl verfolgt?! Abgesehen von der sich mir nicht erschließenden Dauerpräsenz - ich zitiere Béla
verflucht noch mal, wenn ich nur wüsste, wer gemeint ist
bitte das nächste Mal etwas deutlicher - danke
Nicht nur in Klammern: bester Kommentar seit langer Zeit:)!!
So hoffe ich doch, dass sich sämtliche Godzillas, jenseits der Neunzigprozentmarke, wieder endlich dorthin zurückziehen, wo sie sich echt was trauen können, und zwar auf der Leinwand!! Anderweitig bleibt nur die Vorstellung, sich längst im "Film" zu befinden und dessen Entwicklung mit gutheißendem Streichholz zu beobachten, weil nicht nur in sich brandgefährlich. Schnipp!

Huch. Das wars dann...
(there is a large, deep river running beneath those demolition men)

Auf bessere Zeiten hoffend,
liebe Grüße,
ubertas

post scriptum: dem Autor der Zeilen in Anbetracht seiner Dichtkunst ein unversehrtes Danke:)
 

Tula

Mitglied
Hallo Ubertas
Gute Frage, was die restlichen 10 Prozent angeht. Wobei es in den chaotischen Staaten noch immer ein gutes Drittel gibt, die Trump willig in die Hölle folgen und dort daran glauben würde, dass diese nun der Himmel sei.
Womit auch klar wird, dass das eigentliche Problem nicht in der Existenz zahlreicher Godzillas und Möchtegern-Godzillas liegt, sondern eher im Mangel an Klarsichtbrillen weltweit, von der Masse der Wirbellosen under den Menschen mal abgesehen.

Was lernen wir nun aus alldem? Ich vermute -- nichts. Hoffe dennoch so vor mich hin ...

LG Tula
 

Ubertas

Mitglied
Lieber Tula,

damit hast du es auf den genauesten Punkt getroffen: weder Godzilla noch Möchtegern-Godzillas sind die Wasserreicher allein, es sind ebenso diejenigen, die mit Gleitsichtbrillen auf sie sehen.
Was lernen wir nun aus alldem? Ich vermute -- nichts. Hoffe dennoch so vor mich hin ...
Ich weiß es auch nicht. Aber ich hoffe, dass etwas in uns niemals démodé wird.
So mancher aufgeschminkte, orange-farbige Teint wird es gewiss.

Liebe Grüße,
ubertas
 

Tula

Mitglied
Liebe Ubertas
Lieben Dank für deinen zweiten Gruß. Ich überlege noch immer, was man so alles noch lernen wird. Was den alten Film (mit Sylvester Stallone und Wesley Snipes) angeht, hielt ich diesen damals für absolut banalen Quark, sehe jetzt aber ein, dass er in metaphorischer Hinsicht sogar ziemlich genial war, wie auch andere, in denen irgendein durchgeknallter Superreicher die Weltmacht an sich reißen will. Die Realität ist noch viel absurder!

LG Tula
 
Hallo Tula,

Dein Gedicht ist klasse – sowohl literarisch-formal wie auch thematisch-inhaltlich.

Dennoch möchte ich, inhaltlich und vor allem die Kommentare betreffend anmerken, dass sich offensichtlich die Mehrzahl der Machthaber weder in ihren Methoden noch in ihren Zielen unterscheiden. Alle Werte wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Solidarität – auch und gerade die grenzüberschreitende – sind nichts als hohle leere Worte, ganz nach aktuellem Tagesbedarf vorgeschoben. Aber dies betrifft wirklich nicht nicht nur den einen Staat und seinen großen Vorsitzenden, das betrifft viele, auch die BRD.
Zugegeben, in unterschiedlichem Maße, aber vor allem unterschieden durch die tatsächliche militärische Macht und die finanzielle Potenz.
Indem man nun seine Kritik auf den Einen, der leider nicht der Einzige ist, konzentriert, betreibt man, möglicherweise ganz unbeabsichtigt, eine Reinwaschung und Bagatellisierung des eigenen Hauses. Ich sage damit nicht, dass man erst mal und ausschließlich den Dreck vor der eigenen Tür wegkehren soll, sondern nur, dass man ihn nicht vergessen darf.

Das schmälert Deinen "Demolition Man" in keiner Weise, ist aber eine notwendige Anmerkung.

Meint jedenfalls:
Binsenbrecher
 

Tula

Mitglied
Lieber Binsenbrecher
Danke für dein Lob zum Gedicht und den ausführlichen Kommentar.
Gewiss, auch hinter der lächelnden Maske der Diplomatie verbirgt sich nicht immer Nächstenliebe und auch unsere Demokratie ist bei weitem nicht perfekt. Dennoch die Frage: Geht es beim Phänomen Trump (bzw. "Trumpism") nur um einen quantitativen Sprung (demagogisch und Hau-drauf Politik, aber im Grunde nichts Neues) oder doch um einen qualitativen? Ich denke ja, also zweites, es geht um die gezielte Schwächung bzw. Zerstörung grundlegender demokratisch-staatlicher Institutionen und des Rechts allgemein, d.h. nach innen und außen gleichermaßen, im Sinne des internationalen Rechts, der UNO usw. Ein neues altes imperialistisches Modell, bei welchem die vermeintlich Stärkeren die Welt unter sich aufteilen und ihr eigenes Land unter Oligarchen. Und somit eines, das keine der globalen Herausforderungen lösen wird und auch gar nicht daran interessiert ist. Was immer wir an eigener Wäsche zu reinigen haben (haben wir gewiss und nicht wenig), halte ich Relativierungen hier für weniger angebracht. D.h. ich hoffe, wir haben (in Europa) tatsächlich noch Werte, die sich klar von den hier gezeichneten unterscheiden und für die "wir" gemein-gesellschaftlich einstehen. Alles andere wäre für mich unverzeihlich.

Dankend lieben Gruß
Tula
 



 
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