Der Drachenmann /Ballade/ ein Märchen

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molly

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Der Drachenmann, Ballade, ein Märchen

Der Drache in dem Höhlengang,
der weinte nun schon tagelang.
Ein kleiner Fuchs kam ungezwungen,
zu diesem Drachentier gesprungen.

Der Fuchs, der fragte: „Großes Tier,
nun sage mir, was fehlt denn dir?
Du heulst so laut, ich will dich fragen:
Magst du mir deinen Kummer sagen?"

Der Drache klagte bitterlich:
„Die Drachenfrau ließ mich im Stich.
Mich schmerzt auch sehr der Rachen,
ich kann kein Feuer machen.“

Der Fuchs, der fragte: “sage mir,
warst du vielleicht nicht gut zu ihr,
und musste sie die Arbeit machen,
auch noch dein Feuer entfachen?

Der Drache sprach: "Ach, käm‘ sie her,
für sie war mir doch nichts zu schwer.
So zärtlich hielt ich sie umfangen,
und dennoch ist sie fortgegangen.

Das Füchslein sagte: „Hör mich an,
du bist ein fescher Drachenmann.
Nun bleibe du kein Kummerschlucker,
und werde wieder Feuerspucker.

Die Schmerzen heilen bald im Rachen,
Dann kannst du wieder fröhlich lachen.
flieg los, such‘ dir ein neues Glück,
doch dabei schau nicht mehr zurück.“

Der Drache biss auf seine Zähne
vergoss auch eine letzte Träne.
Er kochte einen Drachenschmaus,
und flog zu ihr aufs Feld hinaus,

Er setzte sich in ihre Nähe,
dass sie seinen Schmaus auch sähe.
Frau Drache schnupperte gleich sehr,
der Drache aß den Schmaustopf leer.

Dann kehrte er nach Haus zurück
und tätschelte sich voller Glück
den festen, runden Drachenbauch,
und meinte: „Ich mag mich doch auch.“

Noch einmal flog er zu der Frau,
sie saß auf einer grünen Au,
umringt von einer Drachenschar.
Wie eng es auf der Wiese war!

Der eine lag bei ihrem Fuß,
der zweite sang den Liedergruß,
der dritte gab ihr süßer Wein,
der vierte streichelte ihr Bein.

Sie rief entzückt: „Was für ein Tag,
da kommt noch einer, der mich mag.
Nun setz dich zu uns und sei leise
Du störst gewiss nicht unsere Kreise!“

Der Drache spuckte in die Weite,
die Drachenschar wich rasch zur Seite.
Jetzt redete der Drachenmann,
sah seine Frau dabei ernst an:

„Die Klauen hab‘ ich gelb lackiert,
für dich die Schuppen abrasiert,
ich wäre auch zum Mond geflogen,
und hätte ihn zu dir gezogen.

Du brauchst Drachen, jede Menge,
ich passe nicht in das Gedränge.
Du brachtest Wärme in mein Leben
nun will ich dir die Freiheit geben.

Ich bin bereit für einen Flug,
nimm gleich den ersten Drachenzug.“
Und ruhig flog das Ungeheuer
mit leichtem Wind und spuckte Feuer.

©Monika Rieger
 
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