Der dreissigste Geburtstag

zero

Mitglied
(Anmerkung: Das ist ein in eine Kurzgeschichte und die Ich-Perspektive umgeschriebener Ausschnitt aus etwas Längerem. Und bitte nicht zu sehr nach Metaphern (ausser die Augen, dreht mir nicht immer das Wort im Mund um) suchen, dass ist schon wörtlich gemeint, die eigentliche Story würde wohl eher in die Fantasy gehen. Aber da das für diesen Ausschnitt nebensächlich ist, hab ich sie in die KG's gestellt. - was soll das heissen, 'HERZSCHMERZ'? BRINGT MICH NICHT DURCHEINANDER! - Trotzdem viel Spass.)



Du schläfst jetzt.

Die Reise war anstrengend, zurück in die Limousin. Tina hat darauf bestanden, so wie sie auf die Geburtstagsfeier bestanden hat. Sie hat sogar unser altes Zimmer umbauen und wieder herrichten lassen. Sie glaubt noch immer, mich besser zu kennen, als ich mich selbst. Vielleicht hat sie recht. Darf ich sie hassen?

Ich bin dreissig. Das ist nur eine Zahl. Ich weiss, dass es nur eine Zahl ist. Aber sie nistet sich in meinem Kopf ein und will eine Antwort. Wie soll es jetzt weitergehen? Was soll aus uns werden?

Du liebst mich. Ich verstehe das Wort nicht. Du lebst für mich. Ich füge dir Schmerz zu. Du wünscht dir Kinder. Ich kann keine bekommen. Du könntest jederzeit gehen. Doch du gehst nicht. Soll ich gehen? Du würdest mir folgen. Dir weiter weh tun? Du würdest es ertragen. Doch ich kann dich zerbrechen. Muss ich das wirklich tun?

Ich kann nicht schlafen. Alkohol macht mich nicht müde. Aber denken kann ich auch nicht, und die Nacht vergeht; wie kannst du so ruhig schlafen? Die Nacht vergeht auf der Suche nach Auswegen, die keine sind. Ich muss etwas trinken.

Ich brauche nichts anzuziehen; denn ich friere nicht. Tina ist bestimmt noch auf, Kind der Nacht. Die große Halle, es war eine Mensa. Sie hat sehr viel Geschmack. Heute ist es ein Chaos. Flaschen und Menschen, durcheinander wie umgeworfene Kegel. Geräusch und Geruch von schlafenden Männern – und Feuer in meinem Blut. Am anderen Ende der Tafel starren mich zwei Augen an. Das ist Vic. Doch er ist mein Bruder, so wie ich seine Schwester bin. Auch unsere Zeit wird kommen. Seine Berührung ist noch immer da. Uns bedeutet Zeit nichts. Dich verbrennt sie vor meinen Augen. Darf ich sie dir nehmen?

Ich greife die nächste volle Flasche und schüttele sie. Tina: Immer mit Stil. Der satte Knall weckt die ersten Schläfer, schaumiger Champagner quillt mir beim Trinken über die Lippen, über den Körper, zwischen meinen Brüsten hindurch. Ich stehe im Licht und verklebte Augen starren mich ungläubig an. Ich bin schön. Ihre Blicke prickeln wie die Flüssigkeit auf mir. Ich könnte es tun. Würdest du mich dann verlassen? Aber ich habe es schon früher getan. Ich bin so. Und du bist immer noch da.

Stöhnen und Flüche Erwachender bleiben zurück; feuchte Träume. Nach einer Dusche ist das klebrige Gefühl weg und ich bin ruhiger. Es ist Zeit für die Entscheidung.

Zurück in unserem Zimmer betrachte ich den Schnee. Der Sonnenuntergang sieht in dieses Fenster, aber das Weiss draussen ahnt schon das erste Morgenlicht. Nur ein paar Gedanken entfernt ist es Asche. Ich habe Welten zerstört und du hast geweint. Du hast mich gezwungen, hinzusehen; aber du bist bei mir geblieben. Es ist Zeit für mich zu gehen, ein bisschen Zeit für dich, bevor auch du zu Asche wirst.

Ich drehe mich um, und du schaust mich an. Fahles Haar fällt dir lose über das Gesicht. In deinen Augen ist jetzt weniger Blau als früher. Heute sind sie wie Stahl. In meinem Feuer sind sie geschmolzen und in meinem Eis erstarrt. Wie kannst du so stark sein, wo du so zerbrechlich bist? Du streckst die Hand aus, wie du es schon einmal getan hast. Damals hast du mich überrascht; wie kann ich jetzt gehen?

Du schmiegst dich an mich, dein Gesicht so dicht bei mir, dass dein Atem mich kitzelt.

„Sie braucht mich!“, denke ich.

Vielleicht beginne ich zu verstehen. Nach all den Äonen wären dreissig Jahre ein geringer Preis dafür.
 
Y

Yamiko

Gast
Hallo Zero!
Wundert mich, warum kein Mensch auf diese Geschichte geantwortet hat. Es können doch nicht alle übersehen haben? Aber ich weiß leider nicht, wechselt der Erzähler? Ist sie weiblich? Wer ist "Du" und "Tina", dieselbe Person oder nicht? Vielleicht muß ich es mir noch einige Male durchlesen,(statt für die Bioarbeit zu pauken...)
Und schön geschrieben ist es aber!
 
V

Valium

Gast
Hi zero
..ich muß Yamiko zustimmen, ich bin auch etwas durcheinander. In gewissen Abständen verliere ich mich und muß immer wieder ein paar Zeilen nachlesen. Nach einmaligen durchlesen kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen ob es sich um einen oder zwei Erzähler handelt.
Mich würde die ganze Geschichte interessieren...:)

Gruß Valium
 

zero

Mitglied
Erstmal kurz: Es ist nur eine Person, und, ja, sowohl Sie als auch Du sind weiblich. Es ist, wie schon gesagt, nur ein Fragment aus einer Geschichte. Leider schreibe ich eigentlich nur lange Sachen und hab Schwierigkeiten, hier was zu posten; andererseits wollte ich nicht nur immer über andere meckern, sondern auch mal selbst was einfangen.

Fairerweise will ich also eine kleine Erklärung nachschieben, die allerdings stark vereinfacht ist (anders passt es nicht hier rein): Es geht einmal um die Frage, ob die Beziehung eine Zukunft hat, andererseits (die Sache mit Fantasy und den zerstörten Welten war wörtlich gemeint) um die Beziehung von einem Menschen und einem Gott. Wenn man etwas hineinlesen kann oder will, liegt das eher an der dahintersteckenden Geschichte als an einer Absicht. Tina und Vic sind eine Freundin der Erzählerin und ihr 'Bruder'.

Valium: Werd mal sehen, was ich tun kann, aber das ist eine gaaaanz lange Geschichte...
 

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