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Der gemeine Drängler (Homo audax improbus) - mit Tula und James Blond

5,00 Stern(e) 2 Bewertungen

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bekanntlich macht seit langer Zeit
sich der gemeine Drängler breit.
Er nimmt allmählich überhand
in unserm autoreichen Land.

Gewöhnlich auf der Autobahn
sieht man ihn plötzlich hinten nahn.
Er schiebt sich schnell und wahrhaft dicht
auf seinen Vordermann, der Wicht.

Er plustert sich so wie ein Pfau,
denn neben ihm sitzt eine Frau.
Der Drängler hupt nach Rittersart:
dem freien Bürger freie Fahrt.


Mitunter klebt, man glaubt es kaum,
solch Drängler auch als Zier am Baum.
Erst gestern hat in stiller Nacht
sich einer dabei hell entfacht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Tula

Mitglied
Hallo Bernd
Mitunter klebt, man glaubt es kaum,
solch Drängler auch als Zier am Baum.
Erst gestern hat in stiller Nacht
sich einer dabei hell entfacht.

LG
Tula
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Tula, ja, das ist eine Möglichkeit. Passt gut als Ergänzung. Usere erste richtige Zusammenarbeit in dieser Art.
Oft kleben noch andere ... Leider.

Liebe Grüße
Bernd
 
Hallo Bernd,

also kannst Du die Strophe von Tula noch hinzufügen.
Diese Spezies erlebe ich tagtäglich im Stadtverkehr. Die wollen bloß an diesem Bus vorbei, der sie an der Entfaltung ihres Egos hindert.

Die Kehrseite der Medaille, ja, die Unschuldigen, die wegen der Drängler am Baum kleben, weil sie brutal bedrängt wurden.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

James Blond

Mitglied
Hier wird ja mal wieder mit Sternchen um sich geworfen ...
Ist denn schon Schlussverkauf? ;)

Nein, das Gedicht ist nicht schlecht und gefällt mir auch, aber es hat einige Schwächen.

Bereits seit recht geraumer Zeit
"Recht geraumer" Zeit?
'Recht' ist hier ein unpassendes, weil überflüssiges Füllwort , dass seiner Bedeutung nach schon im Adjektiv 'geraum' enthalten ist. Oder gibt es auch eine 'nicht so recht geraume' Zeit?

Das Tier nimmt seither überhand
Auch so ein ungeeignetes Füllwort.
Abgesehen davon, dass sich 'seit' hier wiederholt, passt der Bezug nicht: 'Seither' bezieht sich richtigerweise auf einen Zeitpunkt, ein Ereignis oder dergleichen, lt. Duden: seit damals, seit dem Zeitpunkt, seit dieser Zeit, von da an, nicht aber tautologisch auf die Zeit, die auf 'vor geraumer Zeit' folgte.

Er schiebt sich schnell und richtig dicht
Mit 'richtig' ist hier 'sehr' gemeint, aber es ist unglücklich gewählt, weil 'sehr dicht' hier eben nicht richtig, sondern 'viel zu dicht' ist. Warum dann also nicht gleich 'viel zu dicht'?

an seinen Vordermann, der Wicht.
Hieße es hier 'den Wicht', bezöge es sich auf den Vordermann, der zumindest in den Augen des Dränglers zum Wicht wird, auf den keine Rücksicht genommen zu werden braucht. So aber bezieht sich 'der Wicht' auf den Drängler, der zwar ein Arschloch und ein 'Wichtigtuer' ist, aber eben kein Wicht, den Wichte drängeln nicht.

Er ist gewöhnlich keine Frau,
"Er" ist gewöhnlich nie eine Frau, das wäre dann wohl eher eine "sie" (von Transen einmal abgesehen). :)

und plustert sich so wie ein Pfau
und hupt ganz laut auf seine Art:
Etwas ungelenk formuliert: Und ... und. Und passt auch nicht gut: Der Pfau möchte beeindrucken, um zu gefallen, nicht um seine Macht zu demonstrieren. Vielleicht eher:

Er plustert sich so wie ein Pfau,
denn neben ihm sitzt eine Frau
drum hupt er ganz nach Rittersart
dem freien Bürger freie Fahrt.


Dann sitzt auch die Pointe besser.


Grüße
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, James, vielen Dank für die detaillierte Analyse.
Ich verstehe auch, was Du meinst.

Ich habe hier einen laxen Stil gepflegt und gehofft, ihn durchzuhalten.

Deine Vorschläge machen den Stil klarer und (leider aber auch) formaler.

Ein paar Bemerkungen von mir:

"Richtig dicht" ist dichter als "sehr dicht". Es ist "sehr dicht" + wirklich dicht" + "fast kein Platz mehr". "Viel zu dicht" ist eine Beurteilung. "Richtig dicht"= so dicht, dass es kaum dichter geht, aber etwas Platz ist ja immer. Vergleiche: 0,999... und 1.

"Geraume Zeit" ist relativ viel Zeit.
"Seit recht geraumer Zeit" - "recht" ist ein Partikel, das "geraume Zeit" relativiert.

"Der Wicht" ist "er", nicht der Vordermann. Es ist hier Metatext. Aber Dein Vorschlag funktioniert auch sehr gut.

"Er" ist gewöhnlich nie eine Frau, das wäre dann wohl eher eine "sie" (von Transen einmal abgesehen).
Das stimmt meist. Hier aber ist "er" das generische Maskulinum. Sonst hätte ich schreiben müssen "DränglerInnen".
Und sehr selten drängeln Frauen, sodass es durchaus die von Dir angegebene Bedeutung "nie" eine Frau erhält.

"und plustert sich so wie ein Pfau" - das ist wirklich ungelenk formuliert. Danke sehr für den Hinweis.

Ich werde alles überdenken und das Werk überarbeiten.
Danke nochmal.

Wenn Tula zustimmt, hänge ich auch die Strophe von Tula mit an.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi JB,

also die Sternchen kamen so ganz spontan aus dem Bauch, nachdem ich mich nach dem Lachkrampf, der dem Lesen folgte, wieder beruhigt hatte. :cool:

Deine Kritik an der Wortwahl mag hier und da passen, aber manchmal verfälscht eine zu formale Formulierung die Intention des Autors.
Deine Strophe mit dem Pfau finde ich in der Tat gelungener, als das Original.

Liebe Grüße,
Rainer Zufall
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke, Rainer.
Wenn James zustimmt, ersetze ich meine Pfauenstrophe durch seine.
Es wäre dann eine Dreier-Werk.
 

James Blond

Mitglied
Wenn James zustimmt, ersetze ich meine Pfauenstrophe durch seine.
Ja, sicher stimme ich zu, sonst hätte ich die Strophe hier wohl nicht gepostet. :)

Ich möchte allerdings noch einmal auf die sprachlichen Einwände zurückkommen:
"Richtig dicht" ist dichter als "sehr dicht". Es ist "sehr dicht" + wirklich dicht" + "fast kein Platz mehr".
Das stimmt zwar auch, aber 'richtig' ist im Sinne von 'vollkommen' zugleich ein Hinweis, wenn etwas akzeptabel ist und kommt somit einer Beurteilung sehr ähnlich. Das ist zwar nicht zwingend, hier aber eine ungeschickte Konnotation. Ich verstehe nicht ganz, warum du eine explizierte negative Beurteilung wie 'viel zu dicht' vermeiden möchtest. Stilistisch ist das kaum ein Unterschied. Ein betont laxer Stil bräuchte eine deutlichere Ausformung, etwa 'fuhr echt voll auf'.

"Geraume Zeit" ist relativ viel Zeit.
"Seit recht geraumer Zeit" - "recht" ist ein Partikel, das "geraume Zeit" relativiert.
'Geraum' ist selbst schon relativiert, 'seit recht geraumer Zeit' klingt tautologisch aufgeblasen wie 'seit ungefähr einiger Zeit'. Es wird auch so nicht verwendet. Entweder 'seit geraumer Zeit' oder 'seit recht langer Zeit'.

"Er ist gewöhnlich keine Frau"
Hier aber ist "er" das generische Maskulinum.
Ja, schon klar, schließlich geht es um "ihn", den Drängler. Allerdings erhält der Vers durch das einschränkende "gewöhnlich" eine – hier unbeabsichtigte – komische Komponente, denn "er" ist bekanntlich nie eine Frau. (Gezielt eingesetzt hätte der Vers übrigens eine wunderbare Ironie.) Wollte man den Vers ernsthaft retten, müsste es heißen: "Es ist gewöhnlich keine Frau".

Grüße
JB
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Der Teil mit "er" ist ja durch die Übernahme erledigt, wenn auch nicht ganz.

"Er" im ersten Teil muss "es" sein, es bezieht sich auf "Tier".

Was "richtig" betrifft, wir haben wahrscheinlich unterschiedliche Sprachgrundlagen. (edit: wir)

Ich kenne:

richtig gut - richtig schlecht
richtig klug - richtig dumm
richtig nah - richtig weit entfernt.

"Es ist gewöhnlich keine Frau".
Das würde funktionieren und auch zum "Tier" passen.

Ich habe das geändert, dadurch ergibt sich die Übernahme Deines Vorschlags: "an seinen Vordermann, den Wicht." mit Bedeutungsänderung.


Weiter hinten habe ich den vorletzten Vers geändert:

der Drängler hupt nach Rittersart:

("Er" hat kein Bezugswort, "es" passt nicht gut.)


---

"'fuhr echt voll auf'." - Das wäre hier zu lax.

Kompromiss: Wir betrachten beide Versionen als korrekt: "richtig dicht" und "viel zu dicht".

"Richtig dicht" - vom Drängler her gesehen. "Viel zu dicht" von außen her gesehen.

'Geraum' ist selbst schon relativiert, 'seit recht geraumer Zeit' klingt tautologisch aufgeblasen wie 'seit ungefähr einiger Zeit'. Es wird auch so nicht verwendet. Entweder 'seit geraumer Zeit' oder 'seit recht langer Zeit'.
"Ungefähr einige Zeit" ist falsch.

Bereits seit recht geraumer Zeit
Bereits seit geraumer Zeit
Bereits seit recht langer Zeit


Die geänderten Verse passen rhythmisch nicht.

Ich schlage vor:
Bereits seit ziemlich langer Zeit
 
Zuletzt bearbeitet:

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wir haben jetzt:

Bereits seit ziemlich langer Zeit
macht sich bei uns der Drängler breit.
Das Tier nimmt seither überhand
in unserm autoreichen Land.

Gewöhnlich auf der Autobahn
sieht man es oft von hinten nahn.
Es schiebt sich schnell und richtig dicht
an seinen Vordermann, den Wicht.

Es plustert sich so wie ein Pfau,
denn neben ihm sitzt eine Frau
Der Drängler hupt nach Rittersart:
dem freien Bürger freie Fahrt.


Mitunter klebt, man glaubt es kaum,
solch Drängler auch als Zier am Baum.
Erst gestern hat in stiller Nacht
sich einer dabei hell entfacht.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Bekanntlich macht seit langer Zeit
sich der gemeine Drängler breit.
Er nimmt allmählich überhand
in unserm autoreichen Land.

Gewöhnlich auf der Autobahn
sieht man ihn plötzlich hinten nahn.
Er schiebt sich schnell und richtig dicht
auf seinen Vordermann, der Wicht.

Er plustert sich so wie ein Pfau,
denn neben ihm sitzt eine Frau.
Der Drängler hupt nach Rittersart:
dem freien Bürger freie Fahrt.


Mitunter klebt, man glaubt es kaum,
solch Drängler auch als Zier am Baum.
Erst gestern hat in stiller Nacht
sich einer dabei hell entfacht.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Duden sagt dazu:
Bedeutung

in der Tat, wahrhaftig
Also: Er schiebt sich schnell und wahrhaft dicht
 

James Blond

Mitglied
Lieber Bernd,
ich möchte auch nicht unendlich auf dem vermeintlich falschen 'richtig' herumreiten, aber ich habe nach wie vor den Eindruck, dass wir etwas aneinander vorbeireden. Ganz sicher hast du mit oder ohne Dudenunterstützung recht: 'richtig dicht' ist gewiss kein falscher oder verkehrter Ausdruck. Ich halte nur seine Verwendung an dieser Stelle aufgrund der Konnotationen von 'richtig' für ungeschickt - oder vorsichtiger gesagt: für suboptimal, weil 'richtig' eben auch ein positiv wertendes Adjektiv ist. Von den metrisch passenden Alternativen wie 'wahrlich - wahrhaft - wirklich - äußerst' gefällt mir das letzte am besten, aber das ist wohl Geschmacksache.

Grüße
JB
 


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