Codecdiva
Mitglied
"Absolute Ruhe bitte", sagte Codec und stopfte der Kreatur am Sessel den öligen Lappen ins Maul. Wieder versuchte der Verlagslektor, sich aus den Fesseln zu befreien. Codec umwickelte den unteren Schädel seines Opfers mit Panzerband, um den Knebel zu fixieren. Das Aroma von frischem Benzin erzeugte Atmosphäre. Der Verlagslektor versuchte, in Panik zu zappeln. Auf sein Ende schlecht vorbereitet. Sah dieser Memme ähnlich.
"Har, har", machte Codec. "So schnell stirbt man nicht, wenn ich es bin, der tötet." Er nahm die elektrische Bohrmaschine in Betrieb. Keine Reue, kein Gewissen, kam dem Abbau von Stress, der Befreiung von Hass und Groll, in den Weg. Nicht bei einem Verlagslektor, schon gar nicht bei diesem Verlagslektor. Das Sirren der Waffe der Vergeltung wurde lauter und lauter und ging in ein hölzernes Bimmeln über, das sich nach benommenen Augenblicken als Codecs Telefon herausstellte.
Er streckte den Arm unter der Bettdecke hervor, streckte den Arm nach dem Gerät am Nachtkästchen. Es war kalt im Zimmer. Viertel nach Acht. Sein Verleger. Codec hob ab und räusperte sich, um den Morgenfrosch im Hals zu entfernen.
"Guten Morgen, Herr Magister! Wie gehts?"
"Guten Morgen. Ich habe mit dem Lektor gesprochen."
"So ein netter Zufall! Er ist mir gerade im Traum erschienen!"
"Ihr Manuskript ist gründlich misslungen. Noch schlechter als das vorige."
"Was? Details bitte."
"Was Sie machen, ist nicht Chick-Lit, das ist irgendein Schmarren, der besser im Sumpf Ihres Hirns verblieben wäre."
"Was heißt Chick-Lit? Ich mache Hardcore Gonzo-Shit für die wenigen Männer auf der Welt, die wissen was gut ist und die etwas aushalten. Ich schreibe nicht für Pitschkas. "
"Sie sind schon morgens betrunken, wie ich merke."
"Der Verlagslektor hat die Manuskripte durcheinandergebracht. Bitte klären Sie das und rufen Sie nochmal an. Aber vielleicht sollten sie vorher das arme Schwein anrufen, das die Chick-Lit-Makulatur eingereicht hat."
"Ich rede von 'Ficken ist wie Krieg’". Ihr Werk, oder?"
"Das ist ein bewusst allgemeiner, nichtssagender Titel, auf den leicht jemand anderer kommt. Steht 'Codec Diva' am Manuskript?"
"Ja."
"Und das halten Sie für Chick-Lit?"
"Ja."
"Bitte sagen Sie mir, welche Drogen Sie nehmen. Ich will diese Mittel eher meiden. Ich steh nicht so auf neurologische..."
"Hören Sie zu. Das Potential ist klar erkennbar. Die beiden Frauenfiguren sind extrem glaubwürdig und interessant, besonders die Autistin."
"Das sind doch bloß Sexobjekte. Reine Gimmicks, um die Handlung in Gang zu halten. Habe ich die beiden zu liebevoll ausgefleischt? Pun intended, ha, ha, ha!"
"Sie versagen bei der Erzählperspektive. Der erste Kuss mit dem Bombenentschärfer, der im 'Starbucks' zerfetzt wird, funktioniert so nicht."
"Ich hätte eher erwartet, dass Sie mich gerade deswegen für ein Genie halten."
"Sie sind überhaupt kein Genie. Sie sind ein Irrer, der vor lauter Gonzo-Übersetzungen ein Chat-GPT statt einer Seele hat."
"Poesie... Vielleicht sollten mal Sie was schreiben."
"Ich kaufe Ihren Roman wegen der Plot-Twists und wegen der lebendigen Gestaltung des Innenlebens von Damsel und Camille. Der Papagei als Ich-Erzähler kann bleiben, aber der Bombenterror muss raus. Außerdem könnte der Roman von mehr Rückblenden in die Vergangenheit des Prota profitieren. Sonst ärgern sich die Leserinnen, dass die uninteressantere Geschichte erzählt wird."
"Der Bombenterror liefert die Moneyshots. Hat sich von selbst geschrieben. Das merkt der Leser, wenns nicht gerade ein Chick ist."
"Damit sind wir beim Thema. Sie onanieren zu den falschen Szenen. Die expliziten Szenen sind vollkommen rätselhaft."
"Trägt zur Handlung nichts bei, daher kurz fassen. Kann sich doch jeder denken, was und wie was passiert. "
"Der Verlagslektor konnte es teilweise nicht."
"Ich rufe ihn an und erkläre es ihm. 'Deine Mutti hat ein Loch, aus dems rausstinkt, und dein Vati...'"
"Wir haben eine Rechtsabteilung."
"Mir wäre lieber, wenn ich den Roman so ändern könnte, dass sich Männer angesprochen fühlen, die wissen, was gut ist und die etwas aushalten. Ich mache einfach die Frauenfiguren blasser und dümmer. Und dicker!"
"Riesenfehler. Männer lesen keine Belletristik. Ich dachte, Sie würden sich endlich am Markt orientieren."
"Warum sollte ich das tun? Mir ist Markt zu fad. Dass ich auf einmal für Chick-Lit gehalten werde, macht mich nervös. Das wollte ich nicht. Vielleicht sollte ich es ganz lassen, wenn ich so wenig Kontrolle über meine Figuren, so wenig Kontrolle über die Wirkung der Prosa habe. Aber wie soll ichs anders machen? Ohne LSD kann ich nicht arbeiten."
"Alles Ihr Problem. Sie haben eine Menge zu tun. Oder hungern. So wie bei 'Nymphetta'. Das war ja auch so ein Theater, an das ich nicht erinnert werden will. Und für 'Ficken/Krieg' WIRD es Lesungen mit Ihnen geben, hören Sie?"
"Bitte geben Sie mir Bedenkzeit. Und schicken Sie mir das Word mit den Anmerkungen vom Lektor."
"Hat schon der Lektor."
"Mmmmkay... Danke... Ich boote meinen Kreislauf und sehe mir das an."
"Sie haben sogar vergessen, die Namen mit Steuerung-H zu suchen und zu ersetzen. Der Protagonist heißt 'Prota' und sie heißt 'Damsel'. Seien Sie froh, dass ich überhaupt noch mit Ihnen rede!"
"Das ist Absicht. Extrem literarisch. Gefühle zwischen Prota und Damsel. Ich steh auf 'Damsel'. Sehr elegant und feminin. Regt die Fantasie an."
„Bitte kommen Sie möglichst bald im Büro vorbei. Ich will Sie würgen.“
„Ziemlich Gonzo, was Sie sagen! Der Tag fängt gut an!“
"Har, har", machte Codec. "So schnell stirbt man nicht, wenn ich es bin, der tötet." Er nahm die elektrische Bohrmaschine in Betrieb. Keine Reue, kein Gewissen, kam dem Abbau von Stress, der Befreiung von Hass und Groll, in den Weg. Nicht bei einem Verlagslektor, schon gar nicht bei diesem Verlagslektor. Das Sirren der Waffe der Vergeltung wurde lauter und lauter und ging in ein hölzernes Bimmeln über, das sich nach benommenen Augenblicken als Codecs Telefon herausstellte.
Er streckte den Arm unter der Bettdecke hervor, streckte den Arm nach dem Gerät am Nachtkästchen. Es war kalt im Zimmer. Viertel nach Acht. Sein Verleger. Codec hob ab und räusperte sich, um den Morgenfrosch im Hals zu entfernen.
"Guten Morgen, Herr Magister! Wie gehts?"
"Guten Morgen. Ich habe mit dem Lektor gesprochen."
"So ein netter Zufall! Er ist mir gerade im Traum erschienen!"
"Ihr Manuskript ist gründlich misslungen. Noch schlechter als das vorige."
"Was? Details bitte."
"Was Sie machen, ist nicht Chick-Lit, das ist irgendein Schmarren, der besser im Sumpf Ihres Hirns verblieben wäre."
"Was heißt Chick-Lit? Ich mache Hardcore Gonzo-Shit für die wenigen Männer auf der Welt, die wissen was gut ist und die etwas aushalten. Ich schreibe nicht für Pitschkas. "
"Sie sind schon morgens betrunken, wie ich merke."
"Der Verlagslektor hat die Manuskripte durcheinandergebracht. Bitte klären Sie das und rufen Sie nochmal an. Aber vielleicht sollten sie vorher das arme Schwein anrufen, das die Chick-Lit-Makulatur eingereicht hat."
"Ich rede von 'Ficken ist wie Krieg’". Ihr Werk, oder?"
"Das ist ein bewusst allgemeiner, nichtssagender Titel, auf den leicht jemand anderer kommt. Steht 'Codec Diva' am Manuskript?"
"Ja."
"Und das halten Sie für Chick-Lit?"
"Ja."
"Bitte sagen Sie mir, welche Drogen Sie nehmen. Ich will diese Mittel eher meiden. Ich steh nicht so auf neurologische..."
"Hören Sie zu. Das Potential ist klar erkennbar. Die beiden Frauenfiguren sind extrem glaubwürdig und interessant, besonders die Autistin."
"Das sind doch bloß Sexobjekte. Reine Gimmicks, um die Handlung in Gang zu halten. Habe ich die beiden zu liebevoll ausgefleischt? Pun intended, ha, ha, ha!"
"Sie versagen bei der Erzählperspektive. Der erste Kuss mit dem Bombenentschärfer, der im 'Starbucks' zerfetzt wird, funktioniert so nicht."
"Ich hätte eher erwartet, dass Sie mich gerade deswegen für ein Genie halten."
"Sie sind überhaupt kein Genie. Sie sind ein Irrer, der vor lauter Gonzo-Übersetzungen ein Chat-GPT statt einer Seele hat."
"Poesie... Vielleicht sollten mal Sie was schreiben."
"Ich kaufe Ihren Roman wegen der Plot-Twists und wegen der lebendigen Gestaltung des Innenlebens von Damsel und Camille. Der Papagei als Ich-Erzähler kann bleiben, aber der Bombenterror muss raus. Außerdem könnte der Roman von mehr Rückblenden in die Vergangenheit des Prota profitieren. Sonst ärgern sich die Leserinnen, dass die uninteressantere Geschichte erzählt wird."
"Der Bombenterror liefert die Moneyshots. Hat sich von selbst geschrieben. Das merkt der Leser, wenns nicht gerade ein Chick ist."
"Damit sind wir beim Thema. Sie onanieren zu den falschen Szenen. Die expliziten Szenen sind vollkommen rätselhaft."
"Trägt zur Handlung nichts bei, daher kurz fassen. Kann sich doch jeder denken, was und wie was passiert. "
"Der Verlagslektor konnte es teilweise nicht."
"Ich rufe ihn an und erkläre es ihm. 'Deine Mutti hat ein Loch, aus dems rausstinkt, und dein Vati...'"
"Wir haben eine Rechtsabteilung."
"Mir wäre lieber, wenn ich den Roman so ändern könnte, dass sich Männer angesprochen fühlen, die wissen, was gut ist und die etwas aushalten. Ich mache einfach die Frauenfiguren blasser und dümmer. Und dicker!"
"Riesenfehler. Männer lesen keine Belletristik. Ich dachte, Sie würden sich endlich am Markt orientieren."
"Warum sollte ich das tun? Mir ist Markt zu fad. Dass ich auf einmal für Chick-Lit gehalten werde, macht mich nervös. Das wollte ich nicht. Vielleicht sollte ich es ganz lassen, wenn ich so wenig Kontrolle über meine Figuren, so wenig Kontrolle über die Wirkung der Prosa habe. Aber wie soll ichs anders machen? Ohne LSD kann ich nicht arbeiten."
"Alles Ihr Problem. Sie haben eine Menge zu tun. Oder hungern. So wie bei 'Nymphetta'. Das war ja auch so ein Theater, an das ich nicht erinnert werden will. Und für 'Ficken/Krieg' WIRD es Lesungen mit Ihnen geben, hören Sie?"
"Bitte geben Sie mir Bedenkzeit. Und schicken Sie mir das Word mit den Anmerkungen vom Lektor."
"Hat schon der Lektor."
"Mmmmkay... Danke... Ich boote meinen Kreislauf und sehe mir das an."
"Sie haben sogar vergessen, die Namen mit Steuerung-H zu suchen und zu ersetzen. Der Protagonist heißt 'Prota' und sie heißt 'Damsel'. Seien Sie froh, dass ich überhaupt noch mit Ihnen rede!"
"Das ist Absicht. Extrem literarisch. Gefühle zwischen Prota und Damsel. Ich steh auf 'Damsel'. Sehr elegant und feminin. Regt die Fantasie an."
„Bitte kommen Sie möglichst bald im Büro vorbei. Ich will Sie würgen.“
„Ziemlich Gonzo, was Sie sagen! Der Tag fängt gut an!“