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Der Himmel dunkelte

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Walther

Mitglied
Der Himmel dunkelte


Der Himmel dunkelte am Tag.
Die Sonne warf sehr lange Schatten.
Es rannten alle schwarzen Ratten
In Deckung: Dann geschah der Schlag.

Der Donner rollte durch die Städte,
Und Fenster splitterten vom Druck.
Die Wände bröckelten wie Stuck.
Danach kurz Stille. Eine Kette

Zerhackte Ruhe. Etwas fiel:
Da dumpfer Laut, dort leises Rufen
Und Schritte, die auf Treppenstufen
Hinunterstürzten, ohne Ziel.

Es wurde heller, und das Licht
Verbarg den Krieg in den Ruinen,
Die aus dem Staub gewachsen schienen.
Das Weinen eines Kindes störte nicht.

Es muss gar keine Gründe geben,
Dass Bomben fliegen und Raketen.
Es reichen Schrifttumsexegeten,
Die einen falschen Glauben leben.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

wenn der Himmel dunkelt, droht oft ein Sturm, vor allem, wenn es tags fast schwarz wird - hier meine ich keine Sonnenfinsternis. Der Sturm bringt Unheil. So geht es auch, wenn man die Nachrichten verfolgt. Fehlgeleitete Fanatiker verbreiten Schrecken und Furcht und hoffen auf die Wutreaktion der Eskalation. Einhalt muss man ihnen gebieten, aber mit kühlem Kopf. Denn sonst spiellt man ihnen in Karten. - Ein wichtiges Thema, über das man nicht genug schreiben kann!

Liebe Grüße

Herbert
 

Mondnein

Mitglied
Schrifttumsexegeten

In seinem dramatisch erzählenden Charakter ein mitreißendes Lied. Es ist wichtig, allerstrengste Logik in die Argumentation zu legen, damit es nicht grölt.
Es reichen Schrifttumsexegeten,
Die einen falschen Glauben leben.
Ich vermute, der Doppel-Bezug ist Absicht: "Es reichen" als Gründe, Bomben zu werfen, die "Schrifttumsexegeten" des "falschen Glauben"s, und zwar zum einen die der bombardierten Opfer, zum anderen die der den "falschen Glauben" strafenden schriftkundigen Täter.

Nun suche ich nach Beispielen, aber zunächst fallen mir - wenn es nicht um die "komischen Raketen" (Originalton Cohn Bendit) der Palästinenser geht, die in irgendwelchen Äckern landen, - nur die Bombardements in regelrecht regelbrechenden Kriegen ein, sei es der syrische und der nordirakische, sei es der ukrainisch-russische, oder der nordnigerianische.

Denn auf Bombenattentate paßt ja nicht diese dramatische Erzählung, die mehr nach Bunker oder Keller unter dem Flächenbombardement des zweiten Weltkriegs oder nach den gezielteren Bombenabwürfen der eben genannten aktuellen Kriege klingt.
 

Walther

Mitglied
hallo Herbert,

erst kürzlich zieh man mich, ich würde keine politischen gedichte schreiben. kann ich wirklich nicht. ich kann nur bilder zusammenfügen und verdichten. mehr kann kein lyriker, auch wenn er sich noch so bemüht.

es ist immer wieder interessant zu beobachten, was mit texten geschieht, die botschaften zu vermitteln scheinen. man läßt sie am besten in ruhe. man will ja nicht streiten. und schon gar nicht will man gestört werden.

ich habe mit meinen sicherlich wenig tauglichen mitteln versucht, ein wenig vom sofa herunter zu kommen. es war mir wichtig zu verarbeiten, was wir sehen und hören.

danke fürs reinlesen, kommentieren und bewerten. wobei das bei lyrik, die betroffen machen soll, ja immer eine gratwanderung ist.

ostergrüße w.


Hi mondnein,

am ende könnte man meinen, auch die verblendeten sein opfer. sie sind es aber nicht. sie konnten entscheiden. ihre opfer konnten das nicht.

eigentlich hat das "reichen" drei ebenen: der welt reicht es schon lange. für die fehlgeleiteten ist es ausreichend, zu auserwählten erklärt zu werden. und dieser wiederum reichen hin, um im brustton der überzeugung den himmel unschuldiger zu verdunkeln.

es gibt auch keine "komischen raketen", so sehr ich Cohn-Bendt sonst hochachte: es gibt nur tödliche. auch die Israeli, die in die keller ihrer häuser gingen, als die salven kamen, fanden das durchaus nicht lustig. wenn man die sache verkehrt, fanden es die palestinenser gar nicht nett, daß aus ihren häusern die raketen abgefeuert wurden, die hernach als konsequenz dem boden gleichgemacht wurden.

abgefeuert wurden sie von menschen, die glauben, sie seien im besitz der einzigen wahrheit. in Sysrien, dem Irak, der Ukraine: überall geschieht ähnliches. in der tat.

danke für den eintrag.

lg w.
 

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