Der Holdbold

5,00 Stern(e) 1 Stimme

steyrer

Foren-Redakteur
Teammitglied
Servus Petrus, ich hab ein Problem mit einem Bold. Ja dem, der den Lebzelter testen musste. Ich sagte noch: „Schieferle, Schieferle, sei recht vorsichtig“, aber er war sich ganz sicher: „Keine Sorge, Maestro. Ich mach’ seine Lebkuchen hart wie Schieferplatten, dann flucht er und kommt in die Hölle.“

Ich habe versucht, ihm zu erklären, dass so etwas schon lange nicht mehr ausreicht, aber umsonst. Dann dachte ich, du kämst persönlich zu Hilfe, weil ein Sturm die Lebzelterei abdeckte. Versichert war nichts. Aber dann reparierte der Bäcker alles mit Lebkuchenplatten. Das war, als hätte er im Lotto gewonnen, denn die sind tatsächlich robust und haltbar wie Schiefer.

Bald darauf waren auch das Rathaus und die Kirche neu eingedeckt. Jetzt ist der Lebzelter Ehrenbürger und auch der Pfarrer kam und segnete ihn. Der Test hat sich somit erledigt, aber jetzt kommt’s: Unser Schieferle hat auch Segen abbekommen. Jetzt ist er ein Hold, übernehmt also ihr.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ubertas

Mitglied
Hallo @steyrer, ab und zu bedürfte es eines Schieferles, der dem Segen widerspricht. Doch bald schon kann man schauen, wie sich Schieferle hinsetzt, um sein Lebkuchenhaus mit Zuckerguss und Gummibärchen zu bekleben, holdenhaft, entfernt von Oblaten.
Liebe Grüße,
ubertas
 

steyrer

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Ubertas, erst einmal dankeschön für die Sternchen und den lyrischen Denkanstoß. : )
Schieferle ist „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (nach Faust I). Der Segen bewirkt, dass sich das umkehrt und er, wenn auch unbeabsichtigt, endlich richtige Ergebnisse liefert.

Schöne Grüße
Steyrer
 
Hallo steyer,
Weihnachtsfeeling verbreitet sich. Das mit dem Bold verstehe ich nicht ganz. Denkst du da an eine Sage, die in eurer Gegend erzählt wird? Vielleicht ist der Lebzelter ja so bekannt bei euch wie der Leutnant von Köpenick hier.
Gruß F
 

steyrer

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Friedrichshainerin!
Der Hauptmann von Köpenick drehte eine ungünstige Sache in seinem Sinne. Insofern passt dein Vergleich. : )

Die Kurzprosa bezieht sich auf keine konkrete Sage, sondern ist meine Erfindung. In Sagen sollen oft Schmiede zur Hölle fahren, aber die schmieden den dummen Teufeln eine. Bei einem Lebkuchenbäcker erschien mir eine Art Hiobsgeschichte passender. Was den „Bold“ betrifft: Es gibt ja nicht nur Kobolde, sondern auch reale Raufbolde, Saufbolde, Witzbolde. Es ist harmloser als ein Teufel und entspricht den bairischen „Kunt“, aber musste sich auf „Hold“ reimen.

Schöne Grüße
Steyrer
 



 
Oben Unten