Der innere Kreis (gelöscht)

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petrasmiles

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Hallo Blumenberg,

im Grunde mag ich diese feinfühlige Situationsschilderung, aber ich denke, Du schießt über das Ziel hinaus. Niemand kann wissen, nicht einmal der Beobachtete selbst, wo er dazu gehören wird; noch nicht einmal, ob er das überhaupt immer wollen wird. Erst recht wird ein Lebenszweck nicht in einem Blick - oder in der Intrepretation eines Blickes - offenbart werden können.
Außerdem werden wir wirklich niemals erfahren, was ein Mensch denkt, auch nicht der naheste; zudem müssen wir uns hüten vor Projektionen.
Dein Prot beobachtet die Situation nicht nur, er erschafft sie erst. Ich denke, das ist der Makel der Geschichte. (Und die Anmaßung, diese Ausmaße des Seelenlebens ermessen zu können, erinnert mich doch sehr an Hesse und seine Zeit.)

Liebe Grüße
Petra
 

Blumenberg

Mitglied
Liebe petra(smiles),

vielen Dank für deine Anmerkungen!
Du hast ganz richtig beobachtet, dass mein Protagonist die Szene interpretiert und dadurch auch in einer gewissen Weise schafft. Was du den Makel an der Geschichte nennst, ist von mir aber bewusst so gewählt.
Jeder Blick ist auch ein Dialog und als solcher niemals einseitig, sondern immer ein in Beziehung zueinander treten. Ein Blick in seiner Momenthaftigkeit bietet einen großen Raum für Interpretation, aber ich würde mich davor hüten eine Interpretation oder Beobachtung in irgendeinem Kontext, außer vielleicht dem eines Ideals, was als solches per se unerreichbar ist, als wertfrei zu bezeichnen. So wenig es den unbeteiligten Beobachter bei einem wissenschaftlichen Experiment gibt, so wenig gibt es ihn im Alltag.
Das die Eindrücke zum Seelenleben subjektiv gefärbt sind ist auch richtig. Aber mal Hand aufs Herz hast du nicht auch schon einmal jemandem in die Augen gesehen und warst dir absolut sicher zu wissen, was er gerade denkt?

Beste Grüße

Blumenberg
 

petrasmiles

Mitglied
Lieber Blumenberg,

natürlich habe ich das, aber darüber spricht man selten.
Und es ist auch etwas anderes, wenn man etwas situativ empfindet, oder quasi objektiv - wie in einer Geschichte - festschreibt.

Ich meine aber auch in Erwiderung zu Deinen guten Argumenten, dass das Bedürfnis des Menschen, dazu gehören zu wollen, ja zu müssen, Hauptbestandteil seiner psychischen Veranlagung ist. Darum winden sich auch alle größeren und kleineren Dramen rund ums Dazugehören oder Ausgeschiedensein. Der Mensch 'lebt und liebt' sich so durch Legionen von Zugehörigkeiten und Nicht-Dazugehörigkeiten, dass die Momentaufnahme einer beruflichen Zugehörigkeit in Deinem Text schicksalhaft überhöht wird - und für mich in unpassender Weise im Hinblick auf das, "was ihn am Leben erhielt".
Aber vielleicht entspricht das auch eher meiner abgeklärten Sicht. Mit manchen Zuständen schließt man im Laufe der Jahre einfach ab (was ich als sehr wohltuend empfinde ;))

Liebe Grüße
Petra
 

Blumenberg

Mitglied
Liebe Petra(smiles),

vielen Dank für die nochmalige intensive Auseinandersetzung mit dem Text.
Es geht mir weniger um die berufliche Zugehörigkeit, da diese durch das Tragen der uniformen Jacken zumindest formal gegeben ist. Sondern darum, dass der junge Mann trotz dieser formalen Zugehörigkeit daran scheitert, wirklich Teil der Gruppe zusein. Dabei und da hast du recht, habe ich das Ganze schiksalhaft ein wenig überhöht. Allerdings nimmt die Arbeit einen nicht unwesentlichen Teil unserer Zeit in Anspruch und ist so auch ein wesentliches Feld unseres Beziehungsgeflechts, sowie Quelle unseres eigenen Selbstwertgefühls. Daher scheint mir das verzweifelte Dazugehörenwollen der beschriebenen Gestalt nicht so übertrieben, wie es die etwas pathetische Formulierung zunächst vermuten lassen würde.

Ich werde aber gründlich darüber nachdenken, ob ich diese Passage noch etwas abschwäche.

Beste Grüße und nochmals Danke!

Blumenberg
 

Blumenberg

Mitglied
Vielen Dank mein lieber alskardinal,

dass du mir eine miese Note ohne Kommentar hinterlässt. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass dies dazu dienen soll, deinen Text auf Kosten meines Beitrags zu promoten und das allein aus dem Grund weil er zufällig neben deinem steht.
Sowas ist einfach nur kindisch und hat mit einer konstruktiven Auseinandersetzung und einem kollegialen Miteinander nichts zu tun!

Beste Grüße

Blumenberg
 

molly

Mitglied
Hallo BlumenbergR,

Wie wäre es, wenn Deine Geschichte von dem Mann, der sich ausgeschlossen fühlt, selbst erzählt würde, nicht aus Deiner Sicht?

(Keine Angst, Mistgabeln und Fackeln gibt es hier nicht.)

Viele Grüße und einen schönen Sonntag

molly
 

Blumenberg

Mitglied
Hallo Molly,

vielen Dank für deine Anmerkung und das du dir die Zeit genommen hast meinen Text zu lesen.
Die Perspektive des Ausgeschlossenen hatte ich beim Schreiben der Geschichte auch überlegt, mich dann aber dagegen entschieden, da ich eine scheinbar neutrale Außenperspektive, die sich dann doch einem Miterleben nicht entziehen kann, in diesem Fall die spannendere Erzählform fand. Außerdem ging es mir zwar auch darum, dass sich der Bahnangestellte als Ausgeschlossener erlebt, daneben sollte das Ausgeschlossensein aber auch optisch erkennbar sein und er sich immer im Dunstkreis des Zirkels bewegen, dem er so sehr angehören will.

Ich wünsche dir ebenfalls einen schönen Sonntag und freue mich mal einen Text von dir zu lesen!

Beste Grüße

Blumenberg
 
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