Der kleine Matrose aus der Butterdose

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
In einer Butterdose
lag ein Matrose,
er trug ein blaues Hemd und sprach: Die Butterdose klemmt.
Öffne mir bitte den Deckel weit,
du hast ja Zeit.

Ich sah den Matrosen an,
er war ein richtiger Mann
mit einem blau-weißen Matrosenhemd,
doch etwas klemmt.
Aus dem Bauch guckt ein kleiner Aufziehmotor
hervor.
Doch die Federn sind alle zersprungen,
eine davon hat die Kleidung durchdrungen.
Da nahm ich den Schraubendreher und drehte die Schrauben --
und wie! Das kannst du mir glauben.
Jetzt läuft der Matrose wieder, als sei er ganz frisch
geboren. Und fällt vom Tisch.
Mit gebrochenem Bein
schlüpft er ins nächste Mäuseloch 'nein.
Seitdem habe ich den Matrosen im blauweißen Hemd sehr vermisst
und weiß nicht, wo er ist.
Ein Bagger kam und baggerte das Haus ab, jedoch
verschüttete er dabei das Loch.
Ein Raumschiff kam und siebte den ganzen Planeten
und durchleuchtete ihn mit Radargeräten.
Der Kerl blieb verschwunden.
Vor etlichen Stunden
ist es dann einfach passiert:
Das Weltall, wo unsere Milchstraße sich befindet, explodiert.
 

Mondnein

Mitglied
Mit den verschieden langen, aber gereimten Zeilen, lieber Bernd,

sehr ringelnatzsch. Und vor allem mit der erzählerischen Originalität. Ich habe viel Vergnügen beim Lesen.

Was für eine schöne Steigerung zur Pointe am Ende! Zumal das Weltall ja in der Tat explodiert, andauernd, und doch kaum bemerkt, heftig und lautlos.

grusz, hansz
 

Tula

Mitglied
Hallo Bernd
In der Tat sehr lustig und habe hier auch gleich an Ringelnatz gedacht.
Dass der kleine Matrose aus der Butterdose kommt, leuchtet mir ein, und auch das Schräubchen und und und. Nur beim Radar, der da etwas 'durch'-leuchten soll, musste ich mir fachmännisch am Kopf kratzen, d.h. an deinem ... :)
Vielleicht geht es futuristischer mit Neutrino-Geräten o.ä.

LG
Tula
 

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