Der Krüppel

Sidgrani

Mitglied
Mutlos stehe ich am Fenster,
ach, wie gern ich draußen wär,
wieder kommen die Gespenster,
zerren mich aufs raue Meer.

Stürme peitschen, Wellen toben,
ich kneif beide Augen zu.
Immer unten, niemals oben,
ich weiß nicht mehr, was ich tu.

Stimmen wollen mich verhöhnen,
böse Blicke geißeln mich,
in mir pocht dies dumpfe Dröhnen,
darf nicht töten, auch nicht mich.

Geifern, drohen und verspotten
mich als eine Satansbrut,
ich soll möglichst bald verrotten,
hetzen mich mit ihrer Wut.

Denn ich hätt hier nichts verloren,
ich sei anders, blanker Hass.
Warum wurd ich nur geboren,
find ich Ruh nur leichenblass?

Finsternis soll mich umhüllen,
täglich Essig ist zu viel,
wird sich je mein Traum erfüllen?
Schädel, spiel dein Knochenspiel!
 

Tula

Mitglied
Hallo Sidgrani

Erinnert mich an "300", gerade weil es dramatisch-theatralisch klingt (nicht negativ gemeint); aber auch ohne Filmbezug, ein interessantes Gedicht.

LG
Tula
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Tula,

"300"? Den Film kenne ich nicht, habe mich aber schnell mal schlau gemacht.
In diesem Historienepos steht die Armee hilfreich hinter dem Helden. Dem Antiheld im Gedicht ist die "Armee" allerdings feindlich gesinnt. Ein interessanter Vergleich, den du da ziehst.

Danke und einen schönen Sonntag.
Sidgrani
 


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