Der Maler

anemone

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Caruso liebte es, durch die Welt zu tingeln und sich mit gelegentlichen Malereien durchs Leben zu schlagen. Er war ein freier Mann und als solcher gab es auch keine Verpflichtungen für ihn.

Frau und Kinder, das waren allenfalls seine Kunden, wenn er am Monte Matre vor seiner Staffelei saß und mit ausholenden Bewegungen die hübschen Kleinen durch seine Kohlezeichnungen aufs Papier brachte. Doch diesmal war alles anders!

Er kratzte sich am Bart, als dieser außergewöhnliche Vorschlag von Madam kam: Sie wünschte eine Zeichnung in ihrer häuslichen Umgebung. -Wozu das?-, ging es ihm durch den Kopf und er betrachtete sich sein Gegenüber etwas genauer. Es war nicht übel, was sich da vor ihm zeigte. Madam hatte einen der modernen cremfarbenen Hüte auf ihrem hübschen dunkelgelockten Kopf. Passend dazu einen der zur Zeit sehr in Mode befindlichen Sonnenschirme, natürlich ebenfalls cremfarben, sowie ihr bis auf den Boden reichendes Sommerkleid mit abschließenden Rüschen. Sie hielt ein wohl gepflegtes Kind an ihrer freien Hand und erweckte den Eindruck, dass es ihr ernst war, mit diesem Vorschlag.
„Das wird nicht billig sein, Madame!“ gab Caruso ihr zu verstehen.

„Das spielt keine Rolle!“ kommentierte die Dame und drückte Caruso einzig eine Karte mit ihrer Adresse in die Hand. „Bitte nehmen Sie sich die Zeit!“ gab sie mit zarter Stimme von sich. Caruso wollte noch einiges fragen, aber da war sie schon mit ihrem Kind in der Menschenmasse untergetaucht.
Fortsetzung
 

anemone

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Folge 2

Eine vornehme Gegend, in der Madame wohnte und so war Caruso auch nicht verwundert, als ihm ein Butler die Türe öffnete. Man bat ihn herein. Caruso schaute sich die Gemälde an den Wänden an. Es waren allesamt wertvolle Stücke. Schon bald tauchte Madame auf, die so tat, als hätte sie ihn erwartet.

Sie möchte ein Gemälde in Öl von ihm, sie möchte auf der Chaiselongue für ihn posieren. Diese Dame fragte erst gar nicht, ob er überhaupt Ölfarbe verwendete. Sie entkleidete sich und legte sich in ihren Spitzenunterkleidern auf dem Möbelstück zurecht.

Bisher kam Caruso kaum dazu, einige Worte mit ihr zu reden, denn sie schien alles bis ins kleinste geplant zu haben.

Doch jetzt musste sie sich entspannen. Er bat sie, das Kinn etwas zu heben und sie folgte artig seinen Anweisungen. So war es ihm schon lieber, jetzt war er an der Reihe. Sein Leinen nahm allmählich Gestalt an.

Die Pose in der sie nun schon geraume Zeit verharrte gebat ihr jetzt eine Zwischenpause. Sie wisperte ihm durch die Zähne ihren Wunsch zu, rückte zur Seite und ließ durch den Butler einen Tee servieren. Madame lief immer noch selbstsicher in ihrer Spitzenunterwäsche, wobei die Hose ihr bis zum Knie reichte, umher und dachte nicht im Entferntesten daran, sich während der Pause anzukleiden. Sie bewegte sich wie selbstverständlich und schenkte ihrem Gegenüber einen Tee ein, der seiner Muse dabei ungeniert in den Ausschnitt schaute.

Sie bot ihrem Maler das „Du“ an. Ihr Name war Victoria. Der Name gefiel ihm. Caruso versuchte vorsichtig herauszufinden, was es mit der Dame auf sich hatte. Er erkundigte sich nach dem Kind, welches sie kürzlich an ihrer Hand hielt. Es war das Töchterchen ihres Bruders und sie hätte es sich nur für einen Tag ausgeliehen, um mit ihm einen Maler für sich zu suchen.

Das leuchtete Caruso wohl ein, doch es schien ihm weniger eine Talent- als eine Personensuche gewesen zu sein. Caruso brachte ihren Mann ins Spiel. Er war ein angesehener Kaufmann, sie waren bereits 8 Jahre miteinander verheiratet. „Und immer noch keine Kinder?“ wagte Caruso sie im Scherz zu fragen. Jedoch da schien er einen wunden Punkt berührt zu haben.
 

anemone

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Der Maler 3

Victoria wechselte sehr schnell das Gesprächsthema und schenkte ihren Gast noch einen Tee ein. Er konnte es ja nicht wissen, aber sie hatte sich ihn tatsächlich als Samenspender ausgesucht. So wie er sollte ihr künftiger Nachkomme aussehen. Er sah nicht unbedingt ihrem Mann ähnlich, jedoch auch er hatte dunkles Haar und Tatsache war nun mal, dass es mit dem Nachwuchs bei ihnen nicht klappte.

Das wurde ihr vom Arzt bestätigt, der auch ihren Mann bereits eingehend unter die Lupe genommen hatte. Ja, es lag wohl an ihm und das war ihm bekannt. Den Vorschlag des Arztes, ihr Samen aus dem Reagenzglas einzupflanzen lehnte sie ab.

Sie hatte lange darüber nachgedacht und auch mit ihrem Partner darüber geredet. Ihr Entschluss stand fest: Sie wollte die Sache selber in die Hand nehmen!

Caruso begab sich wieder hinter seine Staffelei. Während er einige Ölfarben mischte, betrachtete er sein Modell aus der Ferne. Sie lag bequem, denn er hatte mit der Fortführung seiner Arbeit noch nicht begonnen.

Sie war nicht eine von diesen üblichen Damen, mit denen man nach kurzer Zeit schon auf Tuchfühlung ging. Sie schien ihm für solche primitiven Spielchen zu besonnen, zu überlegt zu sein. Doch eins stand für ihn fest: Victoria wusste genau, was sie wollte und es war nicht das Bild. Das schien für sie nur ein Vorwand zu sein, sie wollte ihn.

Victoria hatte in den 8 Jahren ihrer Ehe immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Partner gehabt. Er war als Kaufmann ein angesehener Mann in der Stadt und achtete auf seinen guten Ruf. Bisher hatten sie keine Geheimnisse voreinander, aber diese Sache wollte sie jetzt ohne ihn, im Alleingang durchziehen. Nach Möglichkeit sollte keiner von ihnen etwas erfahren.

Victoria räkelte sich auf der Chaiselongue und plauderte munter darauf los. Sie wusste es noch nicht, wie sie es anstellen sollte, denn dieser Maler schien weiblichen Reizen nicht so leicht zu verfallen, wie sie es erwartet hatte. -Vermutlich abgebrüht- dachte sich Victoria, aber das Bild war auch noch lange nicht fertig.
 

flammarion

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nun,

ist die geschichte hier zu ende oder erfahren wir noch, daß caruso schwul ist? oder wird es noch so richtig dramatisch? fragend guckt
 

anemone

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hallo Marion,

stimmt, zu Ende ist es noch nicht, lege mal eine schöpferische Pause ein. Ab nächste Woche kann`s dann wieder losgehn.


Wenn die Wahrheit zu schwach ist, sich zu verteidigen,
muss sie zum Angriff übergehen.(Berthold Brecht)

liebe Grüße
anemone
 

anemone

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Der Maler 4

Caruso blieb aus. Das Wetter schien wunderbar in der letzten Zeit und er hatte am Monte Matre genügend Kundschaft. Victoria wurde ungeduldig, ihr Eisprung war erfolgt und sie brauchte dringend ihren Samenspender. Schon wieder erschien sie bei Caruso mit diesem Mädchen an der Hand. Caruso war beschäftigt und schaute kurz zu ihr hinüber. Victoria entging dieser flüchtige Blick nicht und es machte sie nervös. Sie hatte keine Zeit für irgendwelche Spielchen und ihre Stimme klang weniger freundlich, als sie Caruso an die heimische Malerei bat.

„Eilt es denn so?“ wollte Caruso von ihr wissen. „Ich dachte, bei dem herrlichen Wetter, werde ich hier meiner Kunst frönen, während ich an Schlechtwettertagen ......“. weiter kam er nicht, denn er wurde von Victoria in seiner Rede unterbrochen. „Ich werde ihnen das Doppelte zahlen!“ Sie schien es sehr eilig zu haben.

„Morgen nachmittag!“ versuchte Caruso, doch sie bestimmte: „Jetzt gleich! Mein Wagen steht unten, ich möchte sie abholen.!“ Sie erlaubte ihm noch sein begonnenes Bild zu vervollständigen, beachtete das vor ihm sitzende Modell in keinster Weise, blickte auf ihre Armbanduhr und fragte ihn, wie lange es noch dauern würde. In einer halben Stunde wäre er soweit, dann solle sie ihn abholen.

Tatsächlich stand Victoria pünktlich vor ihm, als er noch mit dem kassieren beschäftigt war.
Sie wirkte sehr nervös und er würde sich wundern, wenn da kein anderer Grund vorliegen würde, als dieses Porträt von ihr. Na, Caruso folgte ihr. Gerne hätte er sie unterwegs gefragt, warum die Sache jetzt so eine Eile hätte, denn sie liefen noch gemeinsam mit dem Kind den Berg hinunter. Doch Victoria war immer einen Schritt voraus, sie trug auch nicht die Staffelei und die Farben, so wie er und hüpfte leichtfüßig voran.

Der Chauffeur fuhr heran und brachte sie, nachdem er die Staffelei verstaut hatte, auf dem direkten Weg zu ihrem Anwesen. Das Kind sollte von ihm hinterher gleich zurückgefahren werden.

Victoria schien sehr in Gedanken zu sein, denn Carusos Frage nach dem warum schien sie völlig überhört zu haben. Die Küche erhielt von ihr die Anweisung, ein leckeres Mahl zu servieren und sie setzte sich mit Caruso an den Esstisch.

Die Serviette wanderte in ihren Händen von links nach rechts und umgekehrt und in Carusos Kopf schlug die Alarmglocke.
 

anemone

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Der Maler 5

Lange hatte sie darüber nachgedacht, wie sie es anstellen sollte, ihren ausgesuchten Vater ins Bett zu bekommen, ohne dass er erführe, weshalb. Sie zündete die Kerzen an, die auf dem Tisch bereit standen. Zufällig berührte ihr Arm dabei seinen und ihr wurde schwindlig.
Sie täuschte eine Ohnmacht vor, doch Caruso, dieser Stoffel schlug sogleich Alarm und ließ das Personal Victoria ins Bett packen.

Wenig später tauchte Caruso dann auf, um nach ihr zu sehen und auf diesen Moment hatte Victoria nur gewartet. Sie schlug die Augen auf, sobald sie seine Nähe spürte, legte die Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich heran. „Du bist der Grund meiner Ohnmacht!“ flüsterte sie so leise, dass er mit seinem Ohr ganz nah an sie heran musste, um überhaupt zu verstehen, was sie ihm mitteilen wollte. „Das glaub ich dir sogar!“ antwortete Caruso ruhig und mit tiefer Stimme.
„Komm unter meine Decke!“ wisperte sie und wieder stellte Caruso ihr die gleiche Frage wie unterwegs: „Was ist der Grund für dein Verhalten?“ „Du bist es",belog sie ihn, „Du benebelst meine Sinne, du schwirrst in meinem Kopf herum!“

Caruso hatte sich schon oft spontan mit irgendwelchen Frauen eingelassen, aber diese hier war nicht der Typ Frau, die mit jedem X-beliebigen Mann ins Bett stieg. Es war eine Frau, die wusste, was sie wollte.

Natürlich reizte es ihn, das Angebot und als er in ihre Augen sah, war es um ihn geschehen. Er ergab sich ihr, sein Verstand versagte seine Dienste. Er knipste ihn noch kurz an, bevor sein letztes Tröpfchen seinen Körper verließ, jedoch nachdem sie ihm versicherte, dass sie die Pille nähme, gab es für ihn kein Halten mehr.

Victoria war seelig. Sie hatte erreicht, was sie wollte. Sein Samen steckte in ihrem Körper. Er war es, den sie brauchte und das genau zur richtigen Zeit. Caruso kam nicht mehr zum Malen. Das Stativ stand zusammengeklappt in der Diele, es war ihnen unwichtig. Sie mochten sich kaum trennen und es dauerte lange, bis sie Caruso nach einem herrlichen Essen im Waldrestaurant am Fuße des Mont Matre abgesetzt hatte.
 

flammarion

Foren-Redakteur
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hm,

also schwul is er nich. was mag jetzt für eine pointe kommen? bekommt sie ein behindertes kind, das sie dann einfach in die spree wirft? fragend guckt
 

anemone

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letzte Folge

Victoria hatte jetzt nur noch eins im Sinn, - falls es geklappt hatte, musste es auch gedeihen. Sie würde alles dafür tun, um es möglich zu machen.

Caruso meldete sich schon gleich am nächsten Tag wieder bei ihr: „ Ja, warum nicht, natürlich sollte die begonnene Malerei fortgeführt werden, natürlich war ihr der Tag recht, auch wenn das Wetter ausgezeichnet schien, welch ein Glück, dass er sich heute vom Monte Matre lösen konnte.“
Victoria richtete alles so ein, wie es für ihn angenehm sein würde. Die Chancen für sie waren in jedem Fall besser, wenn er so oft wie möglich mit ihr schlafen würde.

Auf Caruso wartete auch diesmal wieder ein äußerst angenehmer Empfang. Ihre Zärtlichkeiten gefielen ihm sehr. Sie erwartete ihn mit einer Selbstverständlichkeit und wusste gleich, worauf er sich schon den ganzen Tag gefreut hatte und auch für den nächsten Tag schien er ihr sehr willkommen zu sein. Caruso genoss ihre Wärme und fühlte sich schon unentbehrlich für sie. – Sicher war sie einsam und hatte sich in ihn verliebt – dachte er bei sich und leistete ihr gerne Gesellschaft.

Victoria schlief genau so lange mit Caruso, bis sie den Babytest als “positiv“ erkannt hatte. Danach mussten Ausflüchte herhalten. Ab jetzt wurde ihr Mann in die Sache eingeweiht. Natürlich erstaunte es ihn sehr, dass sie entgegen der Meinung des Arztes schwanger sein sollte, doch erfüllte ihn dieses auch mit Stolz und er unternahm alles, damit seine Frau dem wachsenden Leben in sich mit Freude entgegensah.

Caruso malte wieder am Monte Matre, doch Victoria zeigte kein Interesse mehr an ihn. Er war es gewohnt: Beziehungen kamen und gingen und schaute sich auf diesem sonnigen Flecken Erde schon nach einer neuen Liebschaft um. Die Malerei im Hause Victorias hatte er zwar noch nicht zu Ende gebracht, aber Victoria legte keinen Wert mehr darauf und so gab er es auf, sie noch einmal zu treffen.

Etwa 1 Jahr später, er stand noch immer an der gleichen Stelle und malte, diesmal war es ein Tatoo, welches ein Kunde auf dem Rücken impliziert haben wollte, bemerkte er ein Mädchen, welches ihm bekannt vorkam. Es war die Kleine, mit der Victoria ihn immer besucht hatte. Diesmal lief das Mädchen mit einer Freundin durch die Galerie und zeigte mit dem Finger auf Caruso und seiner Malerei. Sogleich sprach er das Mädchen an: „Wie geht es deiner Tante Victoria?“

„Oh, der geht es ausgezeichnet, sie hat doch jetzt den kleinen Gil.“ „Wie alt ist das Kind?“
fragte er das Mädchen. Bereitwillig gab sie ihm Auskunft. „Aua!“ beschwerte sich der Kunde, nachdem die beiden Mädchen ihn verlassen hatten. „Oh pardon!“ entschuldigte sich Caruso, der ganz in Gedanken war und sich nicht mehr so recht auf sein Werk konzentrieren konnte.
 

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