Der Panther weiß es

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Walther

Mitglied
Der Panther weiß es

Den Segen gibt es nicht als Einheit.
Ihn gibt es einfach. Oder nicht.
Der Panther wandelt nicht in Freiheit.
Er kennt nur Stäbe. Und kein Licht

Erhellt der großen Katze Augen:
Die Iris ist ganz müd und schwarz.
Die Fichte will als Baum nicht taugen:
Ein Käfer saugt an ihrem Harz.

Die Sonne will nur eines: Strahlen!
Die Wüste greift sich Stück um Stück.
Am Meere sieht man Menschen aalen:
Sie glauben, das sei Lebensglück.

Der Panther aber faucht im Käfig
Und magert sich allein ins Grab.
Sein Bild in Instagram macht Traffic.
Der Rest der Welt brennt langsam ab.
 

Walther

Mitglied
Der Panther weiß es

Den Segen gibt es nicht als Einheit.
Ihn gibt es einfach. Oder nicht.
Der Panther wandelt nicht in Freiheit.
Er kennt nur Stäbe. Und kein Licht

Erhellt der großen Katze Augen:
Die Iris ist ganz müd und schwarz.
Die Fichte will als Baum nicht taugen:
Ein Käfer saugt an ihrem Harz.

Die Sonne will nur eines: Strahlen!
Die Wüste greift sich Stück um Stück.
Am Meere sieht man Menschen aalen:
Sie glauben, das sei Lebensglück.

Der Panther aber faucht im Käfig
Und magert sich allein ins Grab.
Sein Bild auf Instagram macht Traffic.
Der Rest der Welt brennt langsam ab.
 

Etma

Mitglied
Hallo Walther,

die Wertenden haben es schon richtig geehrt, das Werk! Es ist so ein rührendes Bild, so rührende Bilder. Es macht einem Gänsehaut! Dass der Panther kein Licht kennt fand ich zunächst schief, denn er ist ja nur hinter Gitter, hinter Stäben, da scheint ja das Licht dennoch durch.

Mächtig wird das Gedicht spätestens in der letzten Strophe mit dem Instagramm und dem darauf folgenden Anglizismus. Natürlich auch der letzte Vers und überhaupt die Gegenüberstellung von Pantherleben, dem Gefangenen, und der Welt außerhalb. Ein gesellschaftskritisches Werk mit Wirkung. Wirkung, die kein Abneigen in mir auslöst.

Sehr schön! Auch der schiefe Reim Käfig-Traffic stört nicht und nach der ersten Strophe sind Reime und Rhythmus auch gar nicht mehr aufgefallen, klang natürlich, das heißt kaum aufgefallen, nicht übermäßig.

Lieber Gruß,
Etma
 

Walther

Mitglied
Lb Etma,

danke für die freundliche besprechung. gegen die bisherigen und weitere "ehrungen" habe ich als autor naturgemäß recht wenig einzuwenden.

käfige sind i.d.r. nicht unter freiem himmel. sie sind zumeist in geschlossenen räumen untergebracht. oder, in eimem zirkus, in einem wagen, der vor der sonne geschützt abgestellt und mit vordächern versehen ist. dieses halbdunkel ist schrecklich, vor allem, weil es sich tagsäüber kaum verändert. verliese sind ebenso schrecklich, und lyrik verdichtet, verwendet bilder, symbolisiert.

ich habe daran erinnert, daß Rilkes Der Panther auch im zeitalter von social media seine furchtbare gültigkeit behält, im gegenteil: das leid lässt sich dadurch, das man es zum einsammeln von aufmerksamkeit, noch vertiefen. allerdings geht es bei diesem gedicht um mehr als um den Panther, der schon wusste, was es hier, missbraucht zu werden. auch er ist ein hinweis für etwas größeres, umfassenderes - auch Rilke hat das schon im sinn, glaube ich.

lg W.
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Walther,

es ist so traurig, aber leider wahr. Viele Menschen haben nicht die Kraft, sich damit auseinander zu setzen, wie das Leben auf der Erde immer schwieriger werden wird. Sie ignorieren es und damit ist die Welt für sie wieder in Ordnung. Sie schmeißen weiterhin ihre Zigarettenkippen auf die Erde, als sei das in Ordnung usw.

Das ist Dir gut gelungen, das bevorstehende Leid in den Panther zu verlegen. Er dreht sich um sich selbst, weil ihm nichts anderes übrig bleibt.

Man könnte weinen,wenn man Deinen Text liest, aber leider hilft das ja nicht.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

blackout

Mitglied
Nu ja, , eher ein Unwohlsein über die Gegenwart. Alles im Rahmen der Gesetze zur Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft. Einzige Gegenwehr ein bisschen Fauchen, mehr nicht, er magert ab, wird zum mitleidigen Opfer. Dieser Panther scheint mir kein Panther sein, sondern ein Perser-Katerchen, dem das Frauchen fehlt, das ihm den gewohnten Futternapf hinstellt.

blackout
 

Walther

Mitglied
Lb Vera-Lena,

danke für deine interpretation und deine freundliche bewertung meines kleinen texts, das trotz einer referenz an Rilkes Der Panther nicht im entferntesten den anspruch erhebt, dem meister auch nicht das wasser reichen zu wollen. ich sprach davon, wir seien alle epigonen, und hier sieht man, was damit gemeint ist und welche herausforderung wir uns damit täglich stellen müssen, ob wir wollen oder nicht.

aber zum thema: in der tat symbolisiert der panther natur und welt. die collagen-technik meiner lyrik ist in den anderen bildern erkennbar. manchen leser*innen folgen den leitplanken - andere nicht. aber das ist des autors schicksal - er vermag nie alle zu überzeugen.

es freut mich, daß du mir folgen konntest. dafür danke ich sehr.

lg W.
 

Walther

Mitglied
lb blackout,
schade, daß ich dich mit diesem text nicht erreicht habe. aber das ist das leid aller autor*innen - man kann es nicht allen recht machen.
danke fürs reinlesen und sorry, daß der text dich enttäuscht hat!
frohes dichten!
lg W.
 

CPMan

Mitglied
Naturgemäß drängen sich dem Leser Parallelen zu Rilkes Panther auf. Die Stäbe und der dadurch reduzierte Blick auf das Dahinter finden sich auch in jenem Gedicht. Im Vergleich aber scheint mir Rilkes Panther eindeutiger, klarer. Er fokussiert sich klar auf das Empfinden des Tieres, die Müdigekeit, Erschöpfung und Desillsuion kommen klar zur Geltung. In deinem Gedicht stecken nach meinem Dafürhalten zu viele Rätsel. Um welchen Segen geht es hier? Die Fichte will als Baum nicht taugen?! Aha, aber wo ist der Bezug zum Tier? Ich kann mir keinen Reim drais machen und unterstelle dem Autor frech die Maxime: Reim dich oder ich fress dich!

Mit Bitte um Aufklärung und lieben Grüßen,

CPMan
 

Walther

Mitglied
Hi CPMan,
danke fürs reinlesen und kritisieren.
der resonanzraum meines gedichts überlappt sich mit dem Rilke gedicht Der Panther, das mich inspiriert hat - weshalb ich es auch nannte. damit habe ich keinen vergleich im auge gehabt - denn das wäre auch eine andere liga.
eines meiner stilmittel ist die collage. wenn du den text nochmals liest, wirst du erkennen, aus welchen bezügen das gedicht zusammengesetzt ist. der schlüssel, um diese bilder zu verstehen, ist im gedicht enthalten. alle elemente und die von ihnen ausgelösten assoziationen machen diesen text aus. lyrik erklärt nicht, sie regt an, sich selbst etwas zu erklären. das unterscheidet sie von der prosa.
es ist nicht die aufgabe des autors, sein gedicht zu interpretieren. daher werde ich deine herausforderung, die mich zum schmunzeln gebracht hat, auch nicht kommentieren. poesie wird immer im leser erst komplett - daher darf ich dem leser zumuten, seinen teil zu leisten. meine texte sind keine leichte kost, die man neben einer anderen geschichte mit einem kurzen "überblick", vespert.
in diesem sinne frohes lesen und schreiben.
lg W.
 

 
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