Der Punkt, an dem wir uns gute Nacht sagen

Irrturm

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Der Punkt, an dem wir uns gute Nacht sagen

Am Morgen,
du sitzt am Küchentisch,
fühl ich mich noch zerzaust.
Ich stelle die Tassen ab,
ein wenig zu leise.
Vielleicht auch zu laut.


Du sitzt und blätterst durch Nachrichten,
ich durch deinen Gesichtsausdruck,
der sich kaum verändert,
wenn ich mich setze.


Im Flur
streift deine Hand meine,
nur im Vorbeigehen.
Ich bleibe kurz stehen.


Auf dem Weg zur Bahn
reden wir über die neue Ampelschaltung,
über den Laden, der zugemacht hat,
über die Kälte,
die heute früher kam.
Deine Stimme ist nah,
mein Schritt ein wenig schneller.


Eine Mitte,
zu klein für uns,
ein Punkt ohne Spielraum,
zwei Nadeln in verschied’nen Rillen,
im selben Raum, doch nie im selben Moment.


Deine Nähe bleibt,
meine reicht weiter.
Du bleibst bei dir,
ich bleibe wach.


Die Wolken fassen uns nicht an,
zu fern zum Fallen, zu weich zum Sitzen,
und ich bewege mich weiter
im Takt,
während ich auf Regen hoffe.


Durch das Fenster fällt das Licht der Reklametafel,
wechselt alle paar Sekunden die Farbe.
Du schläfst schnell ein.
Ich nicht.
 



 
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