Der Riese Ratzepu

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molly

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Der Riese Ratzepu ab 4 Jahren (Aktuelle Version)

Der Riese Ratzepu saß im Gartenstuhl vor seiner Hütte. Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe für seine großen Füße. Unten im Dorf arbeiteten die Bauern auf den Feldern. Wie gerne wäre er dabei! Doch jedes Mal, wenn er die Leute besuchen wollte, flohen sie in ihre Häuser. Der Riese rannte ihnen winkend hinterher und rief: "Wartet doch! Ich will euer Freund sein!“ Aber die Menschen fürchteten sich vor seiner lauten Stimme und vor seinen riesigen Händen, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten. Sie verriegelten die Haustür und hielten sich die Ohren zu.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter. Der Sturm heulte um Ratzepus Hütte und fegte Ziegel vom Dach. Ratzepu, der sich sonst vor nichts fürchtet, verkroch sich zitternd in der hintersten Ecke und nagte an seinen Fingernägeln. Als das Unwetter vorbei war, öffnete er das Fenster. Ratzepu sah einen Regenbogen am Himmel und auf dem Regenbogen sauste etwas auf die Erde. Rasch riss er die Tür auf, doch nur der leuchtende Regenbogen stand am Himmel. Ratzepu vergaß für einen Augenblick seinen Kummer, dass die Leute im Dorf ihn nicht mochten.
Plötzlich drang eine sanfte Melodie an sein Ohr. Neugierig schlich er den Klängen nach. Er entdeckte hinter der Hütte das schönste Mädchen, das er je gesehen hatte. Es saß auf Ratzepus Bank und neben ihm lag ein blauer Rucksack. Seine goldenen Haare wehten leicht im Wind und es spielte auf der Flöte. Bevor der Riese sich verstecken konnte, hatte das Mädchen ihn schon entdeckt und rief:
"Hallo du, ich bin Lulu, die Regenbogenfee. Komm zu mir und sag mir, wer du bist.“

Der Riese antwortete: „Ich bin der Riese Ratzepu. Wie bist du hier her gekommen?" Lulu sagte: " Ich bin auf dem Regenbogen zur Erde gerutscht und bleibe ein wenig bei dir." Der Riese fragte: "Hast du keine Angst vor mir? Läufst du nicht davon?“ „Warum denn?“, fragte Lulu. „ Alle fürchten sich vor mir“, sagte der Riese. Er setzte sich neben Lulu und erzählte ihr von seinem Kummer mit den Menschen im Dorf. Das Mädchen sagte: „Die Menschen kennen dich nicht, aber das wird sich ändern! Ich überlege mir einen Plan!“ Nun erkundigte sich der Riese: „Was hast du denn in deinem Rucksack?“ Lulu öffnete den Rucksack und Ratzepu entdeckte lauter kleine Flöten. „Die sind für meine Freunde“, sagte Lulu.
Zunächst reparierte Ratzepu seine Hütte, setzte die Ziegel wieder aufs Dach und räumte zwei kleine Bäume, die der Sturm umgeknickt hatte, auf die Seite. Lulu beobachtete ihn. Der Riese beendete seine Arbeit und Lulu flüsterte: „Komm, wir helfen den Menschen im Dorf!“

Mitten in der Nacht gingen Lulu und Ratzepu ins Dorf. Sofort machte sich der Riese ans Werk. Auch hier hatte der Sturm gewütet. Bäume und Äste belagerten den Weg und mussten weggeräumt werden. Die Ziegel vom Kirchturm lagen auf dem Boden. Lulu zauberte alle zerbrochenen Dachziegel ganz und im Nu hatte Ratzepu das Kirchturmdach gedeckt. Lulu kletterte noch auf seine Schultern und putzte den Wetterhahn. Zufrieden gingen sie zur Hütte zurück.
Am nächsten Morgen bemerkten die Leute sogleich den reparierten Kirchturm. „Schaut euch den Kirchturm an! Und wie schön glänzt der Wetterhahn!“, riefen sie sich zu. Der Bürgermeister sagte: „Keiner von uns ist so groß, dass er ohne Leiter zum Kirchturm kommt. Niemand ist so stark, dass er allein Bäume und Äste wegräumen kann. Bestimmt hat uns der Riese geholfen! Ich möchte ihm danken.“ Da sagte ein Bauer: „Genau! Und wenn wir alle gehen, kann uns beim Riesen nichts Schlimmes geschehen."

Gesagt, getan, die Menschen strömten zu Ratzepu. Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Lulus langen Tisch. Den hatte sie rasch herbei gezaubert, ebenso Bänke und Stühle für die Gäste. Nun aßen sie zusammen die leckeren Sachen, erzählten sich Geschichten und Lulu spielte zwischendurch auf ihrer Flöte.
Am Abend reichten sie sich die Hände und einer sagte: "Ratzepu, das war ein schöner Tag, besuch uns bald im Dorf!"
Lulu betrachtete den glücklichen Riesen und die Menschen aus dem Dorf. Der Riese brauchte ihre Hilfe nicht mehr. Sie war sehr zufrieden und sagte zu ihm: „Auf mich wartet eine neue Aufgabe, ich ziehe weiter!"
Ratzepu fragte: „Kommst du wieder einmal zu mir?“
"Versprochen“ flüsterte sie ihm zu. Sie umarmte zum Abschied den baumlangen Freund. Dann zog sie eine Flöte aus ihrem Rucksack und schenkte sie Ratzepu." Sie sagte: "Wenn du einmal sehr traurig bist, dann blase auf der Flöte und ich komme, so schnell ich kann, zu dir."
Lulu, die Regenbogenfee, setzte sich den Rucksack auf, nahm ihre Flöte und musizierend wanderte sie weiter. Ratzepu, der Riese, lauschte der Melodie noch lange, lange nach.

©Monika Rieger
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo molly,
deine Geschichte gefällt mir sehr gut.
Wenn doch die Regenbogenfee zu jedem kommen würde, der so gemieden wird wie Ratzepu.
Doch die Dorfbewohner haben ja gemerkt, welch netter Kerl er ist.

Die kleinen Gedichte am Anfang und Ende der Geschichte finde ich richtig passend.

Viele Grüße,
Marie-Luise
 

Ji Rina

Mitglied
Eine ganz süsse Geschichte Monika…
Ich kenne keine Kindergeschichten, bin deshalb völlig in diesen Text abgetaucht. Allzu gern würde ich die Augen eines Kindes sehen, während man ihm diese Geschichte vorliest. Auch die Verse, am Anfang und am Ende find ich gelungen.

Wär ich ein Kind würd ich wohl fragen:
Die feinen Sachen auf Ratzepus grossen Tiiiiisch? Wie sind die denn da hoch gekooooommen?

Und Du würdest (genervt) sagen:.....

(Lach) Gern gelesen, Molly!
Mit lieben Gruss,
Ji
 

molly

Mitglied
Liebe Marie-Luise,

vielen Dank fürs Lesen und Dein positives Echo. Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefällt und danke Dir für die gute Wertung.
Ja, ab und zu wünscht sich wohl jeder mal eine gute Fee an seiner Seite.

Viele Grüße und einen schönen Sonntag :)

molly
 

molly

Mitglied
Liebe Ji,

vielen Dank fürs Lesen und Deinen freundlichen Kommentar.
Ich freue mich, dass Dir die Geschichte gefällt.

Bei Kinder und Erwachsenen, die etwas bei meiner Geschichte nicht verstehen, bin ich ganz selten genervt.

" Gesagt, getan, die Menschen strömten zu Ratzepu. Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch."

Wäre es besser, ich würde noch beschreiben, dass die Dinge in Körben, Eimern oder so auf den Berg gebracht wurden?


Viele Grüße und einen schönen Sonntag.

"Wir lesen uns"! :)

Monika
 
Hallo Molly,

wieder eine zauberhafte Kindergeschichte von dir. Sie gefällt mir gut Ja, so eine Regenbogenfee könnte man oft gut gebrauchen.


Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch.
Ich denke, das ist genau genug. So wie es hier steht, denkt man, dass jeder etwas mitbringt und einen Kuchen oder ein Brot kann man ohne Weiteres mit den Händen tragen.


LG
Christa
 

molly

Mitglied
Hallo Christa,

vielen Dank für Dein aufmerksames Lesen, Deinen Kommentar und die gute Bewertung.
Ja, ich werde den Text so lassen, Du hast Recht.

Liebe Grüße

molly


Danke, anonym, für die Wertung!

Frohen Sonntag!

molly
 

Ji Rina

Mitglied
@Christa:
...mh...aber wie bekommen sie´s auf Ratzepus grossen Tisch?
Mir raucht der Kopf und ich komm nicht drauf....
 
@Ji Rina,
vielleicht mit Leitern?
Doch ich meine mich erinnern zu können, dass Ratzepu eine Kurbel an seinem Tisch angebracht hat, mit dem er ihn auf normale Menschenhöhe runterdrehen kann.
Hoffentlich bist du jetzt beruhigt.
Viele Grüße,
Marie-Luise
 

molly

Mitglied
Hallo Ji,

außer der von Marie-Luise wunderbaren Kurbel, ist noch zu bedenken, dass der Tisch zwar groß, aber niemals so hoch wie der Riese ist, sonst müsste er im Stehen essen. Die Leute sind ja keine Zwerge und zur Not stellen sie sich auf Zehenspitzen, aber das interessiert auch nur Erwachsene.

Liebe Grüße und Dir, Marie-Luise danke für die Kurbel,

völlig ungenervte Grüße

molly
 

Ji Rina

Mitglied
@Marie-Luise Wendland

Ja, jetzt bin ich beruhigt.
Ich entschuldige mich, falls mein Kommentarchen irgendwelche Irritationen ausgelöst haben könnte.
Mit lieben Gruss,
Ji
 
Hallo molly,

ich finde es großartig, dass du – zu Recht! – nur positive Rezensionen zu deiner Geschichte bekommen hast. (Das habe ich noch nie mit irgendeinem Text erreicht!) Eigentlich brauchte ich ja dann nicht auch noch meinen Senf hinzuzugeben. Aber, du verstehst es, einen mit deinen lebendigen Erzählungen zurück in die Kindheit zu versetzen, kindliche Gefühle und Erinnerungen wachzurufen. Natürlich, die Geschichten sind eigentlich für Kinder gedacht und nicht für Erwachsene, die sich in die Vergangenheit zurückfühlen. Aber ich denke, du schätzt bestimmt auch - halbwegs - erwachsene Leser. Falls du eine Bewertung von mir erwartest, ich habe bisher noch nie einen Text bewertet, irgendwie mag ich nicht so gerne den Lehrer spielen.

Liebe Grüße Stefan
 

molly

Mitglied
In einem stillen, kleinen Dorf,
wo Spatzen von den Dächern pfeifen
und Schwalben um die Mauern streifen,
wo Hühner noch im Hofe scharren,
in jedem Haus die Treppen knarren,
da stört nur einer diese Ruh/,
das ist der Riese Ratzepu.
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Der Riese Ratzepu ab 4 Jahren

Der Riese Ratzepu saß allein in einem Gartenstuhl vor seiner Hütte auf dem Berg. Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe für seine großen Füße. Unten im Dorf arbeiteten die Bauern auf den Feldern. Wie gerne wäre er dabei! Doch jedes Mal, wenn er die Leute besuchen wollte, flohen sie in ihre Häuser. Der Riese rannte ihnen winkend hinterher und rief: "Wartet doch! Ich will euer Freund sein!“ Aber die Menschen fürchteten sich vor seiner lauten Stimme und vor seinen riesigen Händen, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten. Sie verriegelten die Haustür und hielten sich die Ohren zu.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter. Der Sturm heulte um Ratzepus Hütte und fegte Ziegel vom Dach. Ratzepu, der sich sonst vor nichts fürchtet, verkroch sich zitternd in der hintersten Ecke und nagte an seinen Fingernägeln. Als das Unwetter vorbei war, öffnete er das Fenster. Ratzepu sah einen Regenbogen am Himmel und auf dem Regenbogen sauste etwas auf die Erde. Rasch riss er die Tür auf, doch nur der leuchtende Regenbogen stand am Himmel. Ratzepu vergaß für einen Augenblick seinen Kummer, dass die Leute im Dorf ihn nicht mochten.
Plötzlich drang eine sanfte Melodie an sein Ohr. Neugierig schlich er den Klängen nach. Er entdeckte hinter der Hütte das schönste Mädchen, das er je gesehen hatte. Es saß auf Ratzepus Bank und neben ihm lag ein blauer Rucksack. Seine goldenen Haare wehten leicht im Wind und es spielte auf der Flöte. Bevor der Riese sich verstecken konnte, hatte das Mädchen ihn schon entdeckt und rief: "Hallo du, ich bin Lulu, die Regenbogenfee. Komm zu mir und sag mir, wer du bist.“
Der Riese antwortete: „Ich bin der Riese Ratzepu. Wie bist du hier her gekommen?" Lulu sagte: " Ich bin auf dem Regenbogen zur Erde gerutscht und bleibe ein wenig bei dir." Der Riese fragte: "Hast du keine Angst vor mir? Läufst du nicht davon?“ „Warum denn?“, fragte Lulu. „ Alle fürchten sich vor mir“, sagte der Riese. Er setzte sich neben Lulu und erzählte ihr von seinem Kummer mit den Menschen im Dorf. Das Mädchen sagte: „Die Menschen kennen dich nicht, aber das wird sich ändern! Ich überlege mir einen Plan!“ Nun erkundigte sich der Riese: „Was hast du denn in deinem Rucksack?“ Lulu öffnete den Rucksack und Ratzepu entdeckte lauter kleine Flöten. „Die sind für meine Freunde“, sagte Lulu.
Zunächst reparierte Ratzepu seine Hütte, setzte die Ziegel wieder aufs Dach und räumte zwei kleine Bäume, die der Sturm umgeknickt hatte, auf die Seite. Lulu beobachtete ihn. Der Riese beendete seine Arbeit und Lulu flüsterte: „Komm, wir helfen den Menschen im Dorf!“

Mitten in der Nacht gingen Lulu und Ratzepu ins Dorf. Sofort machte sich der Riese ans Werk. Auch hier hatte der Sturm gewütet. Bäume und Äste belagerten den Weg und mussten weggeräumt werden. Die Ziegel vom Kirchturm lagen auf dem Boden. Lulu zauberte alle zerbrochenen Dachziegel ganz und im Nu hatte Ratzepu das Kirchturmdach gedeckt. Lulu kletterte noch auf seine Schultern und putzte den Wetterhahn. Zufrieden gingen sie zur Hütte zurück.
Am nächsten Morgen bemerkten die Leute sogleich den reparierten Kirchturm. „Schaut euch den Kirchturm an! Und wie schön glänzt der Wetterhahn!“, riefen sie sich zu. Der Bürgermeister sagte: „Keiner von uns ist so groß, dass er ohne Leiter zum Kirchturm kommt. Niemand ist so stark, dass er allein Bäume und Äste wegräumen kann. Bestimmt hat uns der Riese geholfen! Ich möchte ihm danken.“ Da sagte ein Bauer: „Genau! Und wenn wir alle gehen, kann uns beim Riesen nichts Schlimmes geschehen."
Gesagt, getan, die Menschen strömten zu Ratzepu. Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch. Dann feierten sie bis zum Abend. Zum Schluss reichten sie sich die Hände und einer sagte: "Ratzepu, das war ein schöner Tag, besuch uns bald im Dorf!"
Lulu betrachtete den glücklichen Riesen und die Menschen aus dem Dorf. Der Riese brauchte ihre Hilfe nicht mehr. Sie war sehr zufrieden und sagte zu ihm: „Auf mich wartet eine neue Aufgabe, ich ziehe weiter!" Ratzepu fragte: „Kommst du wieder einmal zu mir?“ „Versprochen“ flüsterte sie ihm zu. Sie umarmte zum Abschied den baumlangen Freund. Dann zog sie eine Flöte aus ihrem Rucksack und schenkte sie Ratzepu." Sie sagte: "Wenn du einmal sehr traurig bist, dann blase auf der Flöte und ich komme, so schnell ich kann, zu dir."
Lulu, die Regenbogenfee, setzte sich den Rucksack auf, nahm ihre Flöte und musizierend wanderte sie weiter. Ratzepu, der Riese, lauschte der Melodie noch lange, lange nach.
____________________________________________________________-

In dem stillen, kleinen Dorf,
wo Pferde noch auf Weiden grasen
und Kinder spielen auf dem Rasen,
wo Vögel von den Dächern pfeifen,
und an den Bäumen Äpfel reifen,
wo Hunde träge, schläfrig wachen,
und alle Menschen singen, lachen,
da wohnt der Riese Ratzepu,
und der gehört nun auch dazu.
©Monika Rieger
 

molly

Mitglied
Hallo Stefan,:)

Herzlichen Dank für Dein Lob. Ich freue mich immer, wenn auch mal Lupis aus anderen Foren meine Geschichten lesen.

Liebe Grüße

molly
 

HelenaSofie

Mitglied
Hallo Monika,

nach dem Vorlesen dieser schönen, fantasievollen Geschichte werden die ganz Kleinen beruhigt und zufrieden einschlafen. Alles ist so, wie sie es gerne hätten, alles ist gut. Größere Kinder können anderes herausfinden:
Mit einem besseren Kennenlernen vergeht oft die Angst und die Scheu voreinander. Dafür hat der Riese Ratzepu aber etwas getan. Er blieb nicht grollend und schmollend allein in seiner Hütte. Er hat den Kontakt gesucht und mit Hilfe der Regenbogenfee den richtigen Weg gefunden. Am Schluss haben sowohl Ratzepu als auch die Dorfbewohner voneinander profitiert.

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen:
Der Riese Ratzepu saß allein in einem Gartenstuhl vor seiner Hütte auf dem Berg.
Diesen ersten Satz würde ich kürzen, da er auch zu viele Hebungen und Senkungen enthält, was beim Vorlesen etwas holprig wirkt.[blue]
Der Riese Ratzepu saß im Gartenstuhl vor seiner Hütte.[/blue]

Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe für seine großen Füße.
Dass sein Bart lang war, passt besser an eine andere Stelle. Aber die Menschen fürchteten sich vor seiner lauten Stimme, [blue]seinem langen Bart[/blue] und vor seinen riesigen Händen, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten.

Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch.
Hier macht meine Vorstellung nicht mit. Um seine riesigen Beine unter den Tisch stellen zu können, muss dieser sehr hoch sein, d.h. für Menschen zu hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass Ratzepu seine karierte Tischdecke auf der Wiese ausbreitete und die Dorfbewohner ihr Mitgebrachtes darauf legten. Vielleicht hat Ratzepu auch noch etwas Gutes beigesteuert. Anschließend setzten sich alle ins Gras und ließen sich die guten Sachen schmecken.

Dann feierten sie bis zum Abend.
[blue]Woran erkennt man das? (erzählen, lachen, singen, tanzen,...)[/blue]


Vielleicht willst du etwas von meinen Überlegungen aufgreifen.
Liebe Grüße

HelenaSofie
 

molly

Mitglied
In einem stillen, kleinen Dorf,
wo Spatzen von den Dächern pfeifen
und Schwalben um die Mauern streifen,
wo Hühner noch im Hofe scharren,
in jedem Haus die Treppen knarren,
da stört nur einer diese Ruh/,
das ist der Riese Ratzepu.
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Der Riese Ratzepu ab 4 Jahren

Der Riese Ratzepu saß im Gartenstuhl vor seiner Hütte. Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe für seine großen Füße. Unten im Dorf arbeiteten die Bauern auf den Feldern. Wie gerne wäre er dabei! Doch jedes Mal, wenn er die Leute besuchen wollte, flohen sie in ihre Häuser. Der Riese rannte ihnen winkend hinterher und rief: "Wartet doch! Ich will euer Freund sein!“ Aber die Menschen fürchteten sich vor seiner lauten Stimme und vor seinen riesigen Händen, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten. Sie verriegelten die Haustür und hielten sich die Ohren zu.
Eines Tages gab es ein heftiges Gewitter. Der Sturm heulte um Ratzepus Hütte und fegte Ziegel vom Dach. Ratzepu, der sich sonst vor nichts fürchtet, verkroch sich zitternd in der hintersten Ecke und nagte an seinen Fingernägeln. Als das Unwetter vorbei war, öffnete er das Fenster. Ratzepu sah einen Regenbogen am Himmel und auf dem Regenbogen sauste etwas auf die Erde. Rasch riss er die Tür auf, doch nur der leuchtende Regenbogen stand am Himmel. Ratzepu vergaß für einen Augenblick seinen Kummer, dass die Leute im Dorf ihn nicht mochten.
Plötzlich drang eine sanfte Melodie an sein Ohr. Neugierig schlich er den Klängen nach. Er entdeckte hinter der Hütte das schönste Mädchen, das er je gesehen hatte. Es saß auf Ratzepus Bank und neben ihm lag ein blauer Rucksack. Seine goldenen Haare wehten leicht im Wind und es spielte auf der Flöte. Bevor der Riese sich verstecken konnte, hatte das Mädchen ihn schon entdeckt und rief: "Hallo du, ich bin Lulu, die Regenbogenfee. Komm zu mir und sag mir, wer du bist.“
Der Riese antwortete: „Ich bin der Riese Ratzepu. Wie bist du hier her gekommen?" Lulu sagte: " Ich bin auf dem Regenbogen zur Erde gerutscht und bleibe ein wenig bei dir." Der Riese fragte: "Hast du keine Angst vor mir? Läufst du nicht davon?“ „Warum denn?“, fragte Lulu. „ Alle fürchten sich vor mir“, sagte der Riese. Er setzte sich neben Lulu und erzählte ihr von seinem Kummer mit den Menschen im Dorf. Das Mädchen sagte: „Die Menschen kennen dich nicht, aber das wird sich ändern! Ich überlege mir einen Plan!“ Nun erkundigte sich der Riese: „Was hast du denn in deinem Rucksack?“ Lulu öffnete den Rucksack und Ratzepu entdeckte lauter kleine Flöten. „Die sind für meine Freunde“, sagte Lulu.
Zunächst reparierte Ratzepu seine Hütte, setzte die Ziegel wieder aufs Dach und räumte zwei kleine Bäume, die der Sturm umgeknickt hatte, auf die Seite. Lulu beobachtete ihn. Der Riese beendete seine Arbeit und Lulu flüsterte: „Komm, wir helfen den Menschen im Dorf!“

Mitten in der Nacht gingen Lulu und Ratzepu ins Dorf. Sofort machte sich der Riese ans Werk. Auch hier hatte der Sturm gewütet. Bäume und Äste belagerten den Weg und mussten weggeräumt werden. Die Ziegel vom Kirchturm lagen auf dem Boden. Lulu zauberte alle zerbrochenen Dachziegel ganz und im Nu hatte Ratzepu das Kirchturmdach gedeckt. Lulu kletterte noch auf seine Schultern und putzte den Wetterhahn. Zufrieden gingen sie zur Hütte zurück.
Am nächsten Morgen bemerkten die Leute sogleich den reparierten Kirchturm. „Schaut euch den Kirchturm an! Und wie schön glänzt der Wetterhahn!“, riefen sie sich zu. Der Bürgermeister sagte: „Keiner von uns ist so groß, dass er ohne Leiter zum Kirchturm kommt. Niemand ist so stark, dass er allein Bäume und Äste wegräumen kann. Bestimmt hat uns der Riese geholfen! Ich möchte ihm danken.“ Da sagte ein Bauer: „Genau! Und wenn wir alle gehen, kann uns beim Riesen nichts Schlimmes geschehen."
Gesagt, getan, die Menschen strömten zu Ratzepu. Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Lulus langen Tisch. Den hatte sie rasch herbei gezaubert, ebenso Bänke und Stühle für die Gäste. Nun aßen sie zusammen die leckeren Sachen, erzählten sich Geschichten und Lulu spielte zwischendurch auf ihrer Flöte.
Am Abend reichten sie sich die Hände und einer sagte: "Ratzepu, das war ein schöner Tag, besuch uns bald im Dorf!"
Lulu betrachtete den glücklichen Riesen und die Menschen aus dem Dorf. Der Riese brauchte ihre Hilfe nicht mehr. Sie war sehr zufrieden und sagte zu ihm: „Auf mich wartet eine neue Aufgabe, ich ziehe weiter!" Ratzepu fragte: „Kommst du wieder einmal zu mir?“ „Versprochen“ flüsterte sie ihm zu. Sie umarmte zum Abschied den baumlangen Freund. Dann zog sie eine Flöte aus ihrem Rucksack und schenkte sie Ratzepu." Sie sagte: "Wenn du einmal sehr traurig bist, dann blase auf der Flöte und ich komme, so schnell ich kann, zu dir."
Lulu, die Regenbogenfee, setzte sich den Rucksack auf, nahm ihre Flöte und musizierend wanderte sie weiter. Ratzepu, der Riese, lauschte der Melodie noch lange, lange nach.
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In dem stillen, kleinen Dorf,
wo Pferde noch auf Weiden grasen
und Kinder spielen auf dem Rasen,
wo Vögel von den Dächern pfeifen,
und an den Bäumen Äpfel reifen,
wo Hunde träge, schläfrig wachen,
und alle Menschen singen, lachen,
da wohnt der Riese Ratzepu,
und der gehört nun auch dazu.
©Monika Rieger
 

molly

Mitglied
Liebe HelenaSophie,

herzlichen Dank für die Beschäftigung mit meinem Text.

""Sein Bart war sehr lang und er schnitzte sich ein Paar Holzschuhe für seine großen Füße."

"Dass sein Bart lang war, passt besser an eine andere Stelle."
"Aber die Menschen fürchteten sich vor seiner lauten Stimme, seinem langen Bart und vor seinen riesigen Händen, die wie Schaufelbagger durch die Luft ruderten."

Leder muss der Bart an seinem Platz bleiben, denn selbst bei uns im Dorf gibt es Menschen mit langen Bärten, die zwar öfter abgeschnitten gehörten, aber aus Tradition weite gepflegt werden.

""Sie brachten Kuchen, Saft, Würstchen und Brot mit und stellten die feinen Sachen auf Ratzepus großen Tisch.""

Nun hat Lulu, wie ich hoffe, eine passende Tafel samt Sitzgelegenheit gezaubert. Selbst Zwerge, sollten die vorbei kommen, werden daran Platz nehmen können.

Auf die karierte Tischdecke am Boden habe ich verzichtet, schließlich war das Gras noch nass vom letzten Unwetter.

Beim nächsten Fest im Dorf wird der Riese etwas für die Festtafel mitnehmen, denke ich. (Gibt keine Fortsetzung!)

Ich bin gespannt, wie Dir diese Fassung gefällt.

Liebe Grüße und vielen Dank

Monika
 

molly

Mitglied
[strike]"Leder [/strike]muss der Bart an seinem Platz bleiben"

"Leider muss der Bart an seinem Platz bleiben"

Gruß ;)

molly
 

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