der satz vom grunde

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Mondnein

Mitglied
[ 4]der satz vom grunde


gehst vor die tür du das pflaster zu treten
leicht wien rhino tsetse rosen rhinozeros
äppel woi stratschja tellur aus zu jäten
zeicht dirn mimose see most hippopotamos

zeucht deine stirn einen felsen gedanken
blöd wie ein tunfisch vom orka gebissen
taifun orkan gemisch maschen draht schranken
ozean plastiken müssen es wissen

tauchtest hinunter ins kaffee grund wasser
bodenseh brühe durch sichtige schichten
suchtest den tempopo seiden verfasser
fandest das ich johann gottlieb des fichten
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Da stehen viele Gedanken drin.
1. Man kann es lesen, wie ein Lautgedicht. Ohne auf den Inhalt zu achten.
2. Wörter saugen sich in mein Gehirn, lassen vage Ideen aufblitzen
3. Immer mehr Zusammenhänge entspringen dem Knäuel.

Bis hin zu Fichten.
(Alter Dativ von Fichte.)
 

Mondnein

Mitglied
lieber Sta.tor

keinem? jedem, ders liest.
Schon geschehn.
Da stah ich nun ich armer Tor und bin so frei als wie zuvor.
 

Mondnein

Mitglied
Ich danke Dir, Bernd.
Es mag merkwürdig klingen, weil ichs ja geschrieben habe: Aber sogar mir gehts schrittweise beim Lesen so, wie Du es (für den gedanklich gewissermaßen "nachschreibenden" Leser) beschrieben hast.
Wenn ich es mit Prozessen beim Malen vergleiche: Da lege ich verschiedene Arten von Mustern in verschiedenen Farben übereinander und verstärke die Tiefen, das Hindurchschauen in die Tiefendimension. So breche ich beim Schreiben die Klänge in die Sinndimension auf, mit einer Vorliebe für Mehrdeutigkeiten (wie hier z.B. die Tsetse-Fliege aus dem Rhinozeros hervor-silbt).
Manche Lieder sind reine Klanggedichte, andere sind sinnorientiert, wie Bilder (anderer Künstler) überwiegend abstrakt sein können mit ein wenig Ding-Assoziation (z.B. Klee, Ernst, Kandinsky), oder überwiegend konkrete Dinge, Personen und Landschaften mit einigen abstrahierenden Querschlägern, Einschlüssen oder Auflösungswüsten.

Von den Entwicklungen in der Musik des 20. Jahrhunderts mit ihren entsprechenden Struktur-Grenzgängen ganz zu schweigen.
 

Tula

Mitglied
Hallo

ich suchte gestern abend die Philosophie im Gedicht, d.h. beim Titel sollte es doch einen solchen Bezug geben?

Beim letzteren kam ich beim Googeln aber auf Schopenhauer (und nicht den in der letzten Zeile stehenden Fichte), von welchem ich sehr wenig weisz, aber die Erkenntnis, dass nichts ohne einen Grund geschieht, hat mich mehr oder weniger überzeugt.

Doch im Gedicht kommt das nicht so voll durch, was mich dann wieder verwirrt hat. Eher wohl in der zweiten Strophe als satirische Anspielung "ozean plastiken müssen es wissen", denn irgendeiner einer (etwas) muss ja wissen, warum so viel schier unsinniges geschieht (vom Menschen verbrochen wird).

Also insgesamt doch ein schwerer Brocken ;)

LG
Tula
 

Mondnein

Mitglied
"Satz vom Grunde"

Unter anderem (und vielleicht in erster Linie, vordergründig)
Bodensatz, Kaffeesatz,
der Meeresgrund, auf den die letzte Strophe hinabtaucht, -
Poseidon als der Gott dieses Ozeans (auch metaphorisch als der Gott, der im Bewußtseinsmeer versteckt ist wie Poseidon in der Wort-Fügung und -Auflösung dieser Zeilen), -

und schließlich auch Fichtes oberster Grundsatz in der ersten Fassung der "Wissenschaftslehre":

"Das Ich setzt sich selbst"
 

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