Der Skiläufer zu Darenwede

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Hagen

Mitglied
Der Skiläufer zu Darenwede



Rolf Röhricht, der Klempnermeister Darenwedes, war gerade dabei, die letzten Vorbereitungen für die Feier seines fünfzigsten Geburtstags zu treffen – einen großen Topf Chili con Carne diabolo nach seinem Rezept zu bereiten – als seine Frau Luise in die Küche kam und energisch darauf bestand, dass er, bevor seine Kumpels kommen würden, noch eben den Wasserhahn in dem unteren Bad reparieren sollte.

„Liebe Luise“, antwortete Rolf, „wir haben drei Bäder im Haus, eins im ersten Stock, eins unten auf dem Flur neben der Treppe und eins neben dem Partykeller, welches wir nachher benutzen werden.“

„Aber der Wasserhahn muss in Ordnung sein! – Und überhaupt machst du alles falsch! Seit wann kommen denn Whisky und Schokolade ins Chili?“

„Ich habe das so kreiert und bereits bei Hendrik auf dem Geburtstag angetestet. Es fand allgemeinen Anklang. – Und nun lass mich bitte kochen, schließlich ist das mein Geburtstag.“

„Warum feierst du deinen Geburtstag mit deinen Kumpels nicht in unserem Wochenendhaus im Harz?“

„Wollte ich, aber du musstest es ja vermieten!“

„Aber es ist nächstes Wochenende wieder frei. Da hättest du doch nachfeiern können.“

„Ja, Luise, aber wir hatten das so abgesprochen.“

„Man kann seine Meinung doch mal ändern! – Wann reparierst du denn nun den Wasserhahn? – Ich kann ja solange für dich ein richtiges Chili machen …“

„Du machst für mich überhaupt kein Chili! Das wird ein Chili für Männer, und da gehört Whisky rein!“

Das trauliche Gespräch der Eheleute wurde mit zunehmender Lautstärke und gegenseitigen Vorhaltungen derart fortgesetzt, dass die Nachbarn ihre helle Freude hatten.

Ohnehin munkelte man in Darenwede, dass eine Trennung nur noch eine Frage der Zeit wäre, und Luise war auch schon händchenhaltend mit ihrem Gesangslehrer in einem Café im Nachbarort gesehen worden, während ihr Mann auf diversen Baustellen geschuftet hatte.

Bevor der Streit dahingehend eskalierte, dass die Geburtstagsfeier in ein Desaster wie dereinst die legendäre Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, welche erst in der Bibliothek seines Schlosses ihren Abschluss fand, umschlug, trafen die ersten Gäste ein. Man reparierte schnell den Wasserhahn und klebte, wie es unter Kumpels üblich ist, noch einige lose Fliesen im Bad fest, nahm Frau Luise das Versprechen ab, das Bad neben der Treppe heute nicht mehr zu benutzen, weil der Fliesenkleber Zeit brauchte zum Anziehen und zog sich mit dem Chili, manch Fläschlein Whisky sowie einigen Kästen Bier in den Partykeller zurück.

Der Verlauf der Geburtstagsfeier verlief absolut normal, bis man gegen Mitternacht endlich dazu kam, das Geburtstagsgeschenk auszupacken. Die dazugehörige Rede dauerte mit Unterbrechungen etwa eine halbe Stunde, ist aber auf: „Lieber Rolf, da wir wissen, dass du gerne Ski läufst, haben wir zusammen geschmissen und dir ein Paar Skier besorgt. – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“, zu reduzieren.

Mit leuchtenden Augen packte das Geburtstagskind sein Geschenk aus; - Skier! Die gleichen Skier, mit denen Phil Mahre bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid eine Silbermedaille errungen hatte.

Die mussten gleich ausprobiert werden!

Die ganze Gesellschaft begab sich in den ersten Stock, Rolf schnallte mit wichtigem Gesicht die Skier an und ‘fuhr‘ die Treppe herunter.

Unten angekommen rammte er seine Frau, die just in dem Moment aus dem Bad kam. Diese fiel zu Boden und schlug heftig mit dem Kopf auf den Teppich.

Rolf rief den Notarzt und schnallte die Skier ab. Der Notarzt kam, untersuchte und nahm Frau Luise vorsorglich mit ins Krankenhaus. Die ganze Gesellschaft folgte ihr, wurde aber wegen ihres etwas bizarren Zustandes nicht eingelassen. Da der diensthabende Arzt aber versicherte, dass Frau Luise bereits wieder bei Bewusstsein war und nur eine leichte Gehirnerschütterung davon getragen hatte, begab sich die Gesellschaft wieder zurück und fuhr mit der Feier fort.

So gegen Mittag des nächsten Tages fuhr Rolf Röhricht zum Krankenhaus um seine Gattin abzuholen. Dieser Versuch schlug zunächst fehl, da man Frau Luise Röhricht in die psychiatrische Abteilung verlegt hatte.

Sie hatte ausgesagt, dass sie, gerade von der Toilette kommend, mit einem Skiläufer zusammen gestoßen war.



Es dauerte etwas bis Rolf die Situation begriffen und klar gestellt hatte. Nach einem schallenden Gelächter, ausgestoßen von Personal und Insassen der klinischen Psychiatrie, wurde Luise entlassen und von ihrem Mann nach Hause gebracht.

Bereits auf dem Weg dorthin äußerte Luise die Vermutung, dass ihr Mann versucht hatte, sie umzubringen, und er werde schon sehen, was er davon haben würde, denn nur Verrückte kippen Whisky und Schokolade ins Chili, und dann auch noch die Sache mit den Skiern!

Unter diesen Voraussetzungen sah sie keine Veranlassung, diese Ehe weiter zu führen.

Die Schieflage der Röhrichtschen Ehe nahm während der nächsten Tage beunruhigende Formen an, so war es nicht verwunderlich, dass Rolf für das nächste Wochenende eine Auszeit begehrte, die er ganz alleine in ihrem Wochenendhaus im Harz verbringen wollte, um auf diese Weise zu tiefem Nachdenken und einer ausgeglichenen Gemütslage zu gelangen.

Seltsamerweise unterstützte Frau Luise dieses Begehren, sie gab ihrem Gatten vor seiner Abfahrt sogar noch ein Lunchpaket, welches einige Tofu-Frikadellen sowie laktosefreie Biosojamilch enthielt, mit, damit er sich nicht von Chili, Pizza – oder noch schlimmer – Currywurst ernähren müsse.

Rolf legte das Lunchpaket auf den Rücksitz und machte sich erst auf den Weg und dann das Autoradio an.

Wunderbare Country-Musik.

Rolfs Gemütslage besserte sich von Kilometer zu Kilometer soweit, dass er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit einen Anhalter mitnahm. Seltsam war nur, dass sich der Tramper hinten hinsetzte.

Egal, die beiden Herren plauderten über das Leben an sich, die Frauen, Fußball, Autos, Motorräder … bis das Radioprogramm wegen einer wichtigen Meldung der Polizei unterbrochen wurde: Ein Mörder war aus der Vollzugsanstalt ausgebrochen. Es folgt eine konkrete Personenangabe, die präzise auf den Tramper zutraf, und die Warnung, dass der Verbrecher äußerst gewaltbereit war.

Der Tramper zückt daraufhin eine Pistole, murmelte: „Jetzt wissen Sie ja, wer ich bin! – Wir fahren jetzt Richtung Grenze“, rammte die Pistole durch die Lehne des Sitzes in Rolfs Rücken und öffnete mit der freien Hand das Lunchpaket.

„Bitte haben Sie Verständnis“, fügte der Tramper hinzu „aber ich habe seit drei Tagen nichts gegessen“, und machte sich während der folgenden Gesprächspause über die Tofu-Frikadellen und die laktosefreie Biosojamilch her.

„Ich habe mich so auf ein Mettwurstbrot oder etwas Anständiges gefreut“, murmelte er anschließend, „und dann gerate ich an einen Vegetarier! – Naja, in der Not frisst der Teufel Fliegen!“

Die beiden Herren hüllten sich während der weiteren Fahrt in Schweigen, und Rolf wunderte sich, dass der Druck der Pistole in seinem Rücken merklich nachließ. Als er wenige Kilometer weiter über einen unbeschrankten Bahnübergang fuhr, ließ der Druck ganz nach, und Rolf glaubte, die Pistole auf den Boden fallen zu hören. Im Rückspiegel konnte er sehen, wie der Tramper reglos auf der Rückbank lag.

Beherzt fuhr er die nächste Polizeiwache an, auf der ein zufällig anwesender Arzt den Tod des Verbrechers feststellte – vergiftet.



Epilog: Während des folgenden, seitens der Staatsanwaltschaft etwas schlampig geführten Prozesses, konnte niemandem – auch Rolfs Frau nicht – irgendetwas nachgewiesen werden.

Dessen ungeachtet ist es nicht verwunderlich, dass Rolf Röhricht etwas ungehalten war, denn – kaum nach Hause zurückgekehrt – reichte er die Scheidung ein.

Nach dem Auszug Luises lud Rolf Röhricht seine Kumpels zu einer Party mit recht viel Chili con Carne ‘diabolo‘ und Bier ein, bei der die Idee entwickelt wurde, das Haus grundlegend zu renovieren um alle Spuren des Daseins seiner Exfrau zu vernichten.

Luises Récamière, auf der sie tagsüber zu ruhen pflegte, um in dem Moment, in dem ihr Gatte erschien, Befehle abzusondern, die stets mit: „Du musst mal eben …“ begannen, flog noch am gleichen Abend raus.




Anmerkung das Verfassers:

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch das Rezept für ‘Chili con Carne diabolo ‘ à la Röhricht erwähnt:

Ich habe dieses etwas ungewöhnliche Chili selber ausprobiert. Das Zeug ist total geil und absolut partytauglich.


Zubereitung:

Reichlich Gulasch in Würfel von circa 1 cm Kantenlänge klein schneiden und in Öl anbraten.

(In diesem Fall ist Gulasch ist ein Ragout, das aus Rind-, Kalb-, Pferde-, Schweine-, Lamm- oder Hammelfleisch, auch kombiniert, zubereitet wird, was gerade im Angebot ist.)

Das Hackfleisch in einem separaten Topf in Öl anbraten, Zwiebeln, Paprika, Chilischoten und Knoblauch klein hacken, hinzufügen und mitdünsten.

Mais dazu und ebenso kurz mit dünsten.

Das Ganze mit dem Gulasch, Brühe, Kaffee und Bier anschütten und etwa 30 Minuten einkochen lassen.

Dann die Tomaten sowie Gewürze und Schokolade hinzugeben und auf kleiner Flamme eine weitere Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss Chilibohnen oder Schwarze Bohnen mit Saft hinzugeben und noch eine halbe Stunde ziehen bzw. leicht köcheln lassen. Während dessen den Whisky langsam dazu geben.

Wem das Ganze zu dick wird, der kann das Chili noch mit Fleischbrühe verlängern.



Als Aperitif empfiehlt Rolf Röhricht Whisky (Bourbon), dazu Bier (am besten Lager)
 
Hallo Hagen,

die Geschichte ist zwar ganz unterhaltsam, sprachlich jedoch noch ausbaufähig. Zum Beispiel gefällt mir dieser verwurschelte Satz:

. Bevor der Streit dahingehend eskalierte, dass die Geburtstagsfeier in ein Desaster wie dereinst die legendäre Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, welche erst in der Bibliothek seines Schlosses ihren Abschluss fand, umschlug, trafen die ersten Gäste ein.
überhaupt nicht. Das könntest du noch überarbeiten.

LG SilberneDelfine
 

Hagen

Mitglied
endete
Der Skiläufer zu Darenwede



Rolf Röhricht, der Klempnermeister Darenwedes, war gerade dabei, die letzten Vorbereitungen für die Feier seines fünfzigsten Geburtstags zu treffen – einen großen Topf Chili con Carne diabolo nach seinem Rezept zu bereiten – als seine Frau Luise in die Küche kam und energisch darauf bestand, dass er, bevor seine Kumpels kommen würden, noch eben den Wasserhahn in dem unteren Bad reparieren sollte.

„Liebe Luise“, antwortete Rolf, „wir haben drei Bäder im Haus, eins im ersten Stock, eins unten auf dem Flur neben der Treppe und eins neben dem Partykeller, welches wir nachher benutzen werden.“

„Aber der Wasserhahn muss in Ordnung sein! – Und überhaupt machst du alles falsch! Seit wann kommen denn Whisky und Schokolade ins Chili?“

„Ich habe das so kreiert und bereits bei Hendrik auf dem Geburtstag angetestet. Es fand allgemeinen Anklang. – Und nun lass mich bitte kochen, schließlich ist das mein Geburtstag.“

„Warum feierst du deinen Geburtstag mit deinen Kumpels nicht in unserem Wochenendhaus im Harz?“

„Wollte ich, aber du musstest es ja vermieten!“

„Aber es ist nächstes Wochenende wieder frei. Da hättest du doch nachfeiern können.“

„Ja, Luise, aber wir hatten das so abgesprochen.“

„Man kann seine Meinung doch mal ändern! – Wann reparierst du denn nun den Wasserhahn? – Ich kann ja solange für dich ein richtiges Chili machen …“

„Du machst für mich überhaupt kein Chili! Das wird ein Chili für Männer, und da gehört Whisky rein!“

Das trauliche Gespräch der Eheleute wurde mit zunehmender Lautstärke und gegenseitigen Vorhaltungen derart fortgesetzt, dass die Nachbarn ihre helle Freude hatten.

Ohnehin munkelte man in Darenwede, dass eine Trennung nur noch eine Frage der Zeit wäre, und Luise war auch schon händchenhaltend mit ihrem Gesangslehrer in einem Café im Nachbarort gesehen worden, während ihr Mann auf diversen Baustellen geschuftet hatte.

Bevor der Streit dahingehend eskalierte, dass die Geburtstagsfeier in ein Desaster umschlug wie dereinst die legendäre Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, welche erst in der Bibliothek seines Schlosses ihren Abschluss fand, trafen die ersten Gäste ein. Man reparierte schnell den Wasserhahn und klebte, wie es unter Kumpels üblich ist, noch einige lose Fliesen im Bad fest, nahm Frau Luise das Versprechen ab, das Bad neben der Treppe heute nicht mehr zu benutzen, weil der Fliesenkleber Zeit brauchte zum Anziehen und zog sich mit dem Chili, manch Fläschlein Whisky sowie einigen Kästen Bier in den Partykeller zurück.

Der Verlauf der Geburtstagsfeier verlief absolut normal, bis man gegen Mitternacht endlich dazu kam, das Geburtstagsgeschenk auszupacken. Die dazugehörige Rede dauerte mit Unterbrechungen etwa eine halbe Stunde, ist aber auf: „Lieber Rolf, da wir wissen, dass du gerne Ski läufst, haben wir zusammen geschmissen und dir ein Paar Skier besorgt. – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“, zu reduzieren.

Mit leuchtenden Augen packte das Geburtstagskind sein Geschenk aus; - Skier! Die gleichen Skier, mit denen Phil Mahre bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid eine Silbermedaille errungen hatte.

Die mussten gleich ausprobiert werden!

Die ganze Gesellschaft begab sich in den ersten Stock, Rolf schnallte mit wichtigem Gesicht die Skier an und ‘fuhr‘ die Treppe herunter.

Unten angekommen rammte er seine Frau, die just in dem Moment aus dem Bad kam. Diese fiel zu Boden und schlug heftig mit dem Kopf auf den Teppich.

Rolf rief den Notarzt und schnallte die Skier ab. Der Notarzt kam, untersuchte und nahm Frau Luise vorsorglich mit ins Krankenhaus. Die ganze Gesellschaft folgte ihr, wurde aber wegen ihres etwas bizarren Zustandes nicht eingelassen. Da der diensthabende Arzt aber versicherte, dass Frau Luise bereits wieder bei Bewusstsein war und nur eine leichte Gehirnerschütterung davon getragen hatte, begab sich die Gesellschaft wieder zurück und fuhr mit der Feier fort.

So gegen Mittag des nächsten Tages fuhr Rolf Röhricht zum Krankenhaus um seine Gattin abzuholen. Dieser Versuch schlug zunächst fehl, da man Frau Luise Röhricht in die psychiatrische Abteilung verlegt hatte.

Sie hatte ausgesagt, dass sie, gerade von der Toilette kommend, mit einem Skiläufer zusammen gestoßen war.



Es dauerte etwas bis Rolf die Situation begriffen und klar gestellt hatte. Nach einem schallenden Gelächter, ausgestoßen von Personal und Insassen der klinischen Psychiatrie, wurde Luise entlassen und von ihrem Mann nach Hause gebracht.

Bereits auf dem Weg dorthin äußerte Luise die Vermutung, dass ihr Mann versucht hatte, sie umzubringen, und er werde schon sehen, was er davon haben würde, denn nur Verrückte kippen Whisky und Schokolade ins Chili, und dann auch noch die Sache mit den Skiern!

Unter diesen Voraussetzungen sah sie keine Veranlassung, diese Ehe weiter zu führen.

Die Schieflage der Röhrichtschen Ehe nahm während der nächsten Tage beunruhigende Formen an, so war es nicht verwunderlich, dass Rolf für das nächste Wochenende eine Auszeit begehrte, die er ganz alleine in ihrem Wochenendhaus im Harz verbringen wollte, um auf diese Weise zu tiefem Nachdenken und einer ausgeglichenen Gemütslage zu gelangen.

Seltsamerweise unterstützte Frau Luise dieses Begehren, sie gab ihrem Gatten vor seiner Abfahrt sogar noch ein Lunchpaket, welches einige Tofu-Frikadellen sowie laktosefreie Biosojamilch enthielt, mit, damit er sich nicht von Chili, Pizza – oder noch schlimmer – Currywurst ernähren müsse.

Rolf legte das Lunchpaket auf den Rücksitz und machte sich erst auf den Weg und dann das Autoradio an.

Wunderbare Country-Musik.

Rolfs Gemütslage besserte sich von Kilometer zu Kilometer soweit, dass er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit einen Anhalter mitnahm. Seltsam war nur, dass sich der Tramper hinten hinsetzte.

Egal, die beiden Herren plauderten über das Leben an sich, die Frauen, Fußball, Autos, Motorräder … bis das Radioprogramm wegen einer wichtigen Meldung der Polizei unterbrochen wurde: Ein Mörder war aus der Vollzugsanstalt ausgebrochen. Es folgt eine konkrete Personenangabe, die präzise auf den Tramper zutraf, und die Warnung, dass der Verbrecher äußerst gewaltbereit war.

Der Tramper zückt daraufhin eine Pistole, murmelte: „Jetzt wissen Sie ja, wer ich bin! – Wir fahren jetzt Richtung Grenze“, rammte die Pistole durch die Lehne des Sitzes in Rolfs Rücken und öffnete mit der freien Hand das Lunchpaket.

„Bitte haben Sie Verständnis“, fügte der Tramper hinzu „aber ich habe seit drei Tagen nichts gegessen“, und machte sich während der folgenden Gesprächspause über die Tofu-Frikadellen und die laktosefreie Biosojamilch her.

„Ich habe mich so auf ein Mettwurstbrot oder etwas Anständiges gefreut“, murmelte er anschließend, „und dann gerate ich an einen Vegetarier! – Naja, in der Not frisst der Teufel Fliegen!“

Die beiden Herren hüllten sich während der weiteren Fahrt in Schweigen, und Rolf wunderte sich, dass der Druck der Pistole in seinem Rücken merklich nachließ. Als er wenige Kilometer weiter über einen unbeschrankten Bahnübergang fuhr, ließ der Druck ganz nach, und Rolf glaubte, die Pistole auf den Boden fallen zu hören. Im Rückspiegel konnte er sehen, wie der Tramper reglos auf der Rückbank lag.

Beherzt fuhr er die nächste Polizeiwache an, auf der ein zufällig anwesender Arzt den Tod des Verbrechers feststellte – vergiftet.



Epilog: Während des folgenden, seitens der Staatsanwaltschaft etwas schlampig geführten Prozesses, konnte niemandem – auch Rolfs Frau nicht – irgendetwas nachgewiesen werden.

Dessen ungeachtet ist es nicht verwunderlich, dass Rolf Röhricht etwas ungehalten war, denn – kaum nach Hause zurückgekehrt – reichte er die Scheidung ein.

Nach dem Auszug Luises lud Rolf Röhricht seine Kumpels zu einer Party mit recht viel Chili con Carne ‘diabolo‘ und Bier ein, bei der die Idee entwickelt wurde, das Haus grundlegend zu renovieren um alle Spuren des Daseins seiner Exfrau zu vernichten.

Luises Récamière, auf der sie tagsüber zu ruhen pflegte, um in dem Moment, in dem ihr Gatte erschien, Befehle abzusondern, die stets mit: „Du musst mal eben …“ begannen, flog noch am gleichen Abend raus.




Anmerkung das Verfassers:

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch das Rezept für ‘Chili con Carne diabolo ‘ à la Röhricht erwähnt:

Ich habe dieses etwas ungewöhnliche Chili selber ausprobiert. Das Zeug ist total geil und absolut partytauglich.


Zubereitung:

Reichlich Gulasch in Würfel von circa 1 cm Kantenlänge klein schneiden und in Öl anbraten.

(In diesem Fall ist Gulasch ist ein Ragout, das aus Rind-, Kalb-, Pferde-, Schweine-, Lamm- oder Hammelfleisch, auch kombiniert, zubereitet wird, was gerade im Angebot ist.)

Das Hackfleisch in einem separaten Topf in Öl anbraten, Zwiebeln, Paprika, Chilischoten und Knoblauch klein hacken, hinzufügen und mitdünsten.

Mais dazu und ebenso kurz mit dünsten.

Das Ganze mit dem Gulasch, Brühe, Kaffee und Bier anschütten und etwa 30 Minuten einkochen lassen.

Dann die Tomaten sowie Gewürze und Schokolade hinzugeben und auf kleiner Flamme eine weitere Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss Chilibohnen oder Schwarze Bohnen mit Saft hinzugeben und noch eine halbe Stunde ziehen bzw. leicht köcheln lassen. Während dessen den Whisky langsam dazu geben.

Wem das Ganze zu dick wird, der kann das Chili noch mit Fleischbrühe verlängern.



Als Aperitif empfiehlt Rolf Röhricht Whisky (Bourbon), dazu Bier (am besten Lager)
 
Die Antwort verstehe ich nicht. Der Satz ist doch in deiner neu eingestellten Version genau derselbe:

Bevor der Streit dahingehend eskalierte, dass die Geburtstagsfeier in ein Desaster umschlug wie dereinst die legendäre Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, welche erst in der Bibliothek seines Schlosses ihren Abschluss fand, trafen die ersten Gäste ein
.

Im Original:

Bevor der Streit dahingehend eskalierte, dass die Geburtstagsfeier in ein Desaster wie dereinst die legendäre Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, welche erst in der Bibliothek seines Schlosses ihren Abschluss fand, umschlug, trafen die ersten Gäste ein.
Jetzt sehe ich, dass du ein Wort umgestellt hast, aber das meinte ich nicht. Ich würde den ganzen Satz auseinander nehmen und einen besseren sprachlichen Aufbau versuchen. So ist das ein total verschachtelter Satz, den man besser und verständlicher für den Leser schreiben könnte. Z. B. : "Ehe der Streit wie damals bei der legendären Fuchsjagd eskalierte, trafen die ersten Gäste ein."

Wobei ich noch mehr kürzen würde: "Ehe der Streit eskalieren konnte, trafen die ersten Gäste ein." Ich gehe allerdings davon aus, dass du die Sache mit der legendären Fuchsjagd erwähnen willst, dann würde ich zwei Sätze daraus bilden.
Wörter wie "dahingehend" könnte man völlig vermeiden.

Z. B.: "Ehe der Streit eskalieren und in ein Desaster umschlagen konnte wie damals bei der legendären Fuchsjagd des Grafen Ernst Wolfram zu Hohenfelsen, trafen die ersten Gäste ein." (Gefällt mir so aber auch nicht, es ist immer noch ein mit unwichtigen Informationen überfrachteter Satz.)

Mir persönlich würde "Ehe der Streit eskalieren konnte, trafen die ersten Gäste ein" am meisten zusagen.

LG SilberneDelfine
 
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Hagen

Mitglied
Hallo SilberneDelfine,
ich möchte mich ganz herzlich für die Mühe, die Du mit mir gibst bedanken. Kaum jemand aus der Leselupe macht so was. Ich weiß das zu schätzen, ehrlich.
Nun zu dem 'etwas verzwirbelten Satz': Ich möchte ihn eigentlich so stehen lassen, den er gibt einen dezenten Bezug auf das Folgende.
So wie Du meintest, - "Ehe der Streit wie damals bei der legendären Fuchsjagd eskalierte, trafen die ersten Gäste ein." trifft die Sache nur halb. Es ist so, als würde man einen Witz ohne die Pointe erzählen. Die legendäre Fuchsjagd endete in der Bibliothek! Das ist der Clou vom Ganzen, den Du weggelassen hast. So wirkt der Satz in der Tat nicht. Ich möchte ihn aber gerne stehen lassen; - 'werde aber nochmal über Deinen Vorschlag nachdenken.

Wir lesen uns!
Herzliche Grüße
yours Hagen

_______________________________________
Du kannst so oft Korrekturlesen wie du willst,
es ist immer einmal zu wenig!
 

 
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