Der Teppich

4,00 Stern(e) 1 Stimme

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Mein Wohnzimmer
war trist
und langweilig
und wunderschön.

Der Teppich aber
war
ein Staubfänger.

Das wollte
ich
ändern.

Ich ging zum Händler
und bestellte
einen Sierpinsky-Teppich,
einen wunderschönen,
hauchfein
zusammengezieselt.

Als ich ihn
heimschleppte,
erstaunte ich.

Der Teppich war leicht,
wirklich leicht.
Nur Blätter,
die der Wind
hineinwehte,
blieben hängen
und
gaben ihm Gewicht.

Ich breitete den
Teppich
aus,
aus auf dem Fußboden,
da sah ich:
Es war ein fliegender Teppich.

Nach dem Waschen,
um Schadstoffe hrauszuspülen,
die sich vielleicht gesammelt hatten,
rollte ich ihn zusammen
und legte ihn auf die Waage.

Die Waage zeigte Null.
Null und nichts.
So fein war der Teppich gearbeitet.

Ich kletterte auf den Teppich
und flog
von Bagdad
nach Basra,
wo Alladin eine
Kleinsche Flasche
rieb,
bei der es weder Innen noch Außen gab.

Der Dschinn war verwirrt, denn er fing sich in den Dimensionen.

Ich schenkte Alladin
den fliegenden
Sierpinsky-Teppich,
wusch mich mit
dem Mengerschwamm
und verzehrte ein Buddha-Brot.
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
"Buddha-Brot" muß ich googeln, es wahrscheinlich ein Fraktal wie die anderen Beispiele - ?
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Gut erkannt. Das Gedicht enthält also genug Symmetrien, um das zu sehen.
Buddhabrot ähnelt Mandelbrots Apfelmännchen, ist aber komplexer. Es hat auch mit der logistischen Gleichung zu tun - hiermit ist ein Zusammenhang zum Fliegenden Teppich gegeben, den es leider in der Mathematik noch nicht gibt.
 

Betzebub

Mitglied
Dein Gedicht hat mehrere Widersprüche.


Das fängt in der ersten Strophe an:

Trist, langweilig stehen im krassen Widerspruch zu "wunderschön".

Dann gehts in der dritten Strophe weiter.

"Schleppen" asoziiere ich mit einem schweren Gewicht. Leichte Dinge, wie den Teppich "schleppt" man nicht. Man trägt ihn.

Ich breitete den
Teppich
aus,
[red][strike]aus [/strike][/red]auf dem Fußboden,
da sah ich:
Es war ein fliegender Teppich.
Ob es dann wirklich ratsam ist, einen solche feinen Teppich zu waschen, bezweifle ich. Du beschreibst ihn ja als "leicht wie Blätter".

Die Sache mit dem Buddha-Brot verstehe ich auch nicht und finde sie rein von der Religion unpassend. Sofern du dich zu dem Zeitpunkt noch in Basra aufhältst. (Diese Bemerkung bitte nicht allzu ernst nehmen!)
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Buddhabrot hat ja tatsächlich mit Buddha zu tun, wenn auch nur mit seiner Gestalt.
Die Gegensätze sind natürlich beabsichtigt und ziehen sich durch.
Buddhabrot ist eine Ergänzung zu Mandelbrot,
Die Wirklichkeit des Gedichtes ist vollkommen unwirklich. Wenn man einen Sierpinskiteppich kaufen kann, dann ist es in einer Welt, in der unsere Physik nicht mehr existiert. Deshalb der Übergang ins Märchen.
Die Frage wäre: Wie ist der Träger des Teppichs beschaffen?
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
wischen der wischenden weichen die werbenden verben usw.

Da hat Betzebub nicht unrecht: lauter Orientalismen in der metaphorischen Bild-Ebene der Fraktale, und nun das Buddha-Brot. Andererseits reichen die Märchenmotive dieser Orientalismen (jedenfalls in 1001 Nacht) bis nach China, und Indien ist immer mit hineingewoben (z.B. in die Rahmenhandlung, auch in die Editionsgeschichte - "Kalkuttäer Ausgabe" usw.). Nun kann man ja schlecht den Mandelbrot himself verzehren, und sein Apfelmännchen müßte aufs Obststück reduziert werden (wie's ja auch aussieht). Ist schon irgendwem aufgefallen, daß der Buddha des Buddha-Brots zwei runde Brüste nach oben stützt, wo der Buddha seine Schultern haben müßte?
For he on honey dew hath fed
and drunk the milk of paradise
Gewiß hast Du, Bernd, auch schon mit dem Gedanken gespielt, den unendlichen Iterationen an Grenzwerte heran in den Mandelbrotmengen und anderen Fraktalen eine sprachliche Entsprechung zu geben. Etwa so, daß Wörter aus Wörtern hervorknospen. Umgekehrt in der "Wanze auf der Mauer".

Iterative Strukturen haben mich auch schon öfter angeregt, etwa in diesem Ghaselen-Beginn (eines hier noch nicht veröffentlichten Lieds):

[blue]noch einmal william morris - viel zu lieblich sei
das kaschmirschal gewebe seiner gärtnerei

meinst du - du weinst? dein uhu klappt sein monden lid
und öffnet wieder seines auges apfel ei

noch einmal zwei drei weitre male wiederholt
tapeten chiffern reim epiphern einerlei
[/blue]
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich habe mal versucht, ein fast unendlich sich verzweigendes Sonett zu schreiben, bei dem man jeden Vers entlanggehen kann.
Natürlich geht nur der Anfang echt zu schreiben, dann folgen Regeln.
Leider war das Papier zu schmal, sodass ich nur etwa drei Stufen hinbekam ...

Ich zweifle nicht daran, dass die Bhuddistische Religon viel älter ist, als die meisten anderen, die es heute noch gibt.
Aber wie gesagt, mit Religion hat es nichts zu tun.

Märchen wandern zwischen den Völkern.

Es war einmal ein Mann,
der hatte sieben Söhne,
die sieben Söhne sagten:
Vati, erzähle uns bitte eine Geschichte.
Da fing der Vater an:
[ 4]Es war einmal ein Mann,
[ 4]der hatte sieben Söhne, ...

(Volksmund, ich kenne leider den Autor nicht.)
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Mein Wohnzimmer
war trist
und langweilig
und wunderschön.

Der Teppich aber
war
ein Staubfänger.

Das wollte
ich
ändern.

Ich ging zum Händler
und bestellte
einen Sierpinsky-Teppich,
einen wunderschönen,
hauchfein
zusammengezieselt.

Als ich ihn
heimschleppte,
erstaunte ich.

Der Teppich war leicht,
wirklich leicht.
Nur Blätter,
die der Wind
hineinwehte,
blieben hängen
und
gaben ihm Gewicht.

Ich breitete den
Teppich
aus,
aus auf dem Fußboden,
da sah ich:
Es war ein fliegender Teppich.

Nach dem Waschen,
um Schadstoffe hrauszuspülen,
die sich vielleicht gesammelt hatten,
rollte ich ihn zusammen
und legte ihn auf die Waage.

Die Waage zeigte Null.
Null und nichts.
So fein war der Teppich gearbeitet.

Ich kletterte auf den Teppich
und flog
von Bagdad
nach Basra,
wo Alladin eine
Kleinsche Flasche
rieb,
bei der es weder Innen noch Außen gab.

Der Dschinn war verwirrt, denn er fing sich in den Dimensionen.

Ich schenkte Alladin
den fliegenden
Sierpinsky-Teppich,
wusch mich mit
dem Mengerschwamm
und verzehrte ein Buddha-Brot.

---
Eine Woche später
klopfte ich
den Cantorstaub
aus dem Teppich.

Wie Sternenstaub
verschwand er
im All.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Mein Wohnzimmer
war trist
und langweilig
und wunderschön.

Der Teppich aber
war
ein Staubfänger.

Das wollte
ich
ändern.

Ich ging zum Händler
und bestellte
einen Sierpinsky-Teppich,
einen wunderschönen,
hauchfein
zusammengezieselt.

Als ich ihn
heimschleppte,
erstaunte ich.

Der Teppich war leicht,
wirklich leicht.
Nur Blätter,
die der Wind
hineinwehte,
blieben hängen
und
gaben ihm Gewicht.

Ich breitete den
Teppich
aus,
aus auf dem Fußboden,
da sah ich:
Es war ein fliegender Teppich.

Nach dem Waschen,
um Schadstoffe hrauszuspülen,
die sich vielleicht gesammelt hatten,
rollte ich ihn zusammen
und legte ihn auf die Waage.

Die Waage zeigte Null.
Null und nichts.
So fein war der Teppich gearbeitet.

Ich kletterte auf den Teppich
und flog
von Bagdad
nach Basra,
wo Alladin eine
Kleinsche Flasche
rieb,
bei der es weder Innen noch Außen gab.

Der Dschinn war verwirrt, denn er fing sich in den Dimensionen.

Eine Woche später
klopfte ich
den Cantorstaub
aus dem Teppich.

Wie Sternenstaub
verschwanden die Körnchen
im All.

Ich schenkte Alladin
den fliegenden
Sierpinsky-Teppich,
wusch mich mit
dem Mengerschwamm
und verzehrte ein Buddha-Brot.
 
Hallo Bernd,
mir gefällt dein Märchen.
Erstaunlich, wie man aus der Mathematik so etwas Fantasievolles zaubern kann.

Buddha-Brot klingt in meinen Ohren nicht fremd, da man im Ruhrgebiets-Slang oft Budda-Brot sagt:D.

Viele Grüße,
Marie-Luise
 


Oben Unten