Der Tod eines Jägers

Happymeal

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Eine kühle Abendbrise wehte. Dunkelrote Sonnenstrahlen glühten am Himmel. Der erdige Boden war angenehm warm. Eine dicke Fliege saß auf einem Grashalm.

Langsam, Schritt für Schritt, näherte sich ein Schatten. Die Fliege, ganz unbekümmert, putzte ihre Flügel. Ein Geruch waberte durch die Luft. Stechend und süßlich. Er hatte die Fliege angelockt. Den Schatten auch.

Ein Knacken. Die Fliege bewegte sich in Richtung des Ursprungs. Einen Augenblick später wurde sie verschlungen. Ein Maul schloss sich zufrieden.

Eine Eidechse kam zum Vorschein. Sie reckte ihren Kopf in die Luft. Ihre grüne Haut schimmerte in der Abendsonne. Das stolze Wappen eines Jägers. Eine helle Narbe zierte die linke Seite ihres Kopfes. Das Reptil war nicht nur ein Jäger, sondern auch Krieger.

Ihre Zunge schnellte aus dem Maul und bewegte sich in alle Himmelsrichtungen. Der Wind kam von Osten und trug den süßlichen Geruch mit sich. Sie bewegte sich in Richtung der Quelle. Vorsichtig glitt sie zwischen die Grashalme und nutzte den Schatten als Deckung. Das Reptil wusste, dass es noch andere Jäger gab. Sie wurden ebenfalls von dem Geruch angelockt. Kleine Jäger, große Jäger, schnelle und langsame, sogar fliegende. Sie musste verdeckt vorgehen. Eine falsche Bewegung und sie musste beweisen, dass sie ein Krieger war. Für den Moment jedoch war sie gut geschützt.

Methodisch huschte die Eidechse von Grasbüschel zu Grasbüschel. Immer auf der Hut. Alle paar Schritte blieb sie stehen. Prüfte die Luft. Warf einen Blick in den Himmel. Beobachtete ihre Umgebung. Keine Jäger. Der süßliche Geruch wurde immer stärker.

Als die Grasbüschel spärlicher wurden, verharrte sie einen Moment länger im Schatten. Eine andere Deckung musste her. Das Reptil befand sich nun am Rande eines Ackers. Schlammig und feucht. Der Boden schien um gewühlt zu sein. Große Krater, wie Krallenabdrücke von Riesen, durchzogen das Feld. Die Eidechse erspähte einen Schwarm Fliegen. Sie schienen auch dem Geruch zu folgen. Über den Acker hinweg.

Die Sonne stand tiefer und der Himmel wurde von einem Flammenmeer erfüllt. Das Reptil beachtete das nicht. Ihr kalter Blick suchte nach einer Deckung. Sie erblickte eine Holzstruktur. Verbogen und gebrochen. Sie lag zwischen mehreren Kratern und überdeckte sie fast komplett. Ein perfektes Versteck. Jedoch lagen zwischen der Eidechse und der sicheren Zuflucht mehrere Meter offenes Feld. Ein Blick in den Himmel. Keine Jäger. Das Reptil blickte um sich. Auch keine Jäger. Die prüfende Zunge. Der Geruch kam eindeutig aus der Richtung, in der die Fliegen verschwanden.

Sie trat vorsichtig aus dem Schatten. Explosionsartig sprang sie vor. Flink huschte sie in Richtung Versteck. Zwischen den tiefen Gräben und Hügeln hindurch. Der Boden war schlammig und ließ das Reptil rutschen. Es fing sich und steuerte weiter auf das Holz zu. Jeder Muskel war angespannt und ihr Herz pumpte unerbittlich. Ein paar Schritte noch, dann hatte sie es geschafft. Atemlos verschwand die Eidechse wieder im Schatten. Angekommen, verharrte sie einen Moment. Sie züngelte, blickte und wartete. Keine Jäger. Sie konnte weiter. Vorsichtig navigierte sie durch die Struktur. Ein Balken aus altem, zerfressenem Holz und mehrere löchrige Bretter deckten ihre Bewegung. Die Abendsonne fiel durch ein Loch und ließ etwas vor dem Reptil glänzen. Hell, kalt und gefährlich. Sie hielt inne. Langsam setzte sie ein Bein vor das nächste. Den Blick starr auf das Ding gerichtet. Es schien nicht zu leben. Zumindest bewegte es sich nicht. Ein Stück Holz war an seinem Ende angebracht. Es war größer als das Reptil und lag flach am Boden. Eine Bedrohlichkeit wurde von ihm ausgestrahlt. Die Eidechse näherte sich vorsichtig. Zunge und Blick prüften. Nichts bewegte sich.

Sie reckte ihren Kopf in die Luft, um das Ding besser sehen zu können. In dem Moment sah sie eine Bewegung und zuckte zurück. Etwas hatte sich auf dem Ding bewegt. Etwas Grünes. Instinktiv glitt sie zurück in die Schatten.

Von hier aus glich der Gegenstand einem Schneidezahn eines riesigen Jägers. Die Eidechse würde sich daran vorbeischleichen müssen.

Behutsam schlängelte sie sich durch den Schatten, bedacht darauf kein Geräusch zu machen. Sie umrundete den glänzenden Zahn, wobei das Licht der Abendsonne auf der Oberfläche zu reflektieren schien. Es schien, als würde es dem Reptil folgen.

Sie erreichte das Ende der Holzstruktur. Das Kraterfeld offenbarte sich, noch verwüsteter als davor. Der süßliche Geruch war dominanter denn je.

Lange hölzerne Äste steckten im Boden und an ihrem Ende schienen die Federn von fliegenden Jägern befestigt zu sein. An einigen von ihnen wehten Stoffe. Die Farben der verschiedenen Jäger.

Zwischen dem Wald lagen fleischige Umrisse. Voller Blut. Abertausende Fliegen labten sich an ihnen. Sie würde sich das Festmahl nicht entgehen lassen. Doch musste sie auf der Hut bleiben.

Die Zunge prüfte die Luft. Der süßliche Geruch übertönte alles andere.

Ein Blick in den Himmel. Fette, schwarze Fliegen verdunkelten den brennenden Himmel.

Ein schweifender Blick durch die Umgebung. Zerstörung, Kadaver und kalte Erde. Keine anderen Jäger.

Die Eidechse war der erste. Sie musste trotzdem schnell sein. Es konnte sich alles ändern.

Das Reptil erspähte den am nächsten gefallenen Jäger. Sein Körper glänzte in der Sonne, wie der Reißzahn aus der Holzstruktur. Sein Gesicht aber war rosafarben.

Hunderte Fliegen sammelten sich darauf. Sie wollten ihren Teil der Beute.



Flink huschte die Eidechse durch zwei Krater und zwischen mehreren Stäben hindurch. Ein Graben war mit Blut gefüllt. Eisengeruch vermischte sich mit dem süßlichen Beutegeruch. Der Geruch berauschte das Reptil. Das war der Geruch des Kampfes und des Sieges. Sie war ein siegreicher Jäger. Immer näher kam sie dem Kadaver. Man sah die glasigen, trüben Augen. Die Augen eines Kriegers erkannte die Eidechse. Er war aber kein siegreicher.

Die Fliegen bedeckten alle fleisch-offenbarenden Stellen des Körpers. Sie würden leicht überrumpelt werden. Sie waren so in ihrem Mahl gefesselt. Ihre Triebe hatten sie verraten. Ihre Wollust war verantwortlich für ihren Tod. Sie wägten sich siegessicher. Die Eidechse sah nichts mehr außer die fetten, saftigen schwarzen Fliegen. Wie sie in der Falle saßen. Sie musste sie einfach nur fressen. Sie würden sich nicht einmal wehren, so im Bann waren sie.

Der Geruch vertrieb jeden anderen Instinkt, die Fliegen waren ihre gesamte Welt. Noch ein paar Schritte, dann würde sie zuschlagen. Dann würde sie sich ihr Festmahl besorgen.

Etwas blitzte auf der Brust des Riesen.

Eine Reflexion.

Doch das Reptil bemerkte es nicht. Sie hatte eine besonders fette Fliege im Fokus. Ihr Körper bebte bei jedem Biss aus dem Kadaver. Voll in Ekstase, blind vor Gier.

Die Eidechse setzte zum Sprung an. Ihre Beinmuskeln spannten sich, ihr Maul öffnete sich. Ihre Augen wurden zu Schlitzen.

Die Fliegen stoben auseinander.

Wie eine schwarze Wolke erhoben sie sich in die Luft.

Zurück blieb die Eidechse.

Ihre grüne Haut schimmerte.

Rot vermischte sich mit dem Wappen.

Die weiße Narbe wurde purpurn.

Die Zunge des Reptils hing schwach aus dem offenen Maul.

Ihre Augen waren glasig und trüb.



Schwingen breiteten sich über dem gefallenen Jäger aus.
 



 
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