Der Überläufer - Sonett

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Walther

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Der Überläufer

Der Seitenwind erfasst den schnellen Läufer,
Und der verliert sein Gleichgewicht. Er stürzt.
Der Sturz wird gleich durch späten Schnee gewürzt:
Er taumelt wie ein willenloser Säufer,

Der trunken seine Einsamkeit verkürzt,
Und badet sich im Bach wie Wiedertäufer,
Entsteigt dem Nass als frommer Überläufer,
Der sinnbefreit sein nasses T-Shirt schürzt,

Um all das Wasser wieder auszuwringen,
Das seinen Körper überflüssig kühlt.
Er würde seine Flüche gerne singen,

Weil es in seinem Innern heftig wühlt:
Er muss Enttäuschung, Ärger, beide, schnell bezwingen,
Denn es geht keinen an, wie man sich fühlt.
 
Zuletzt bearbeitet:

blackout

Mitglied
Walther, hast du das übersehen? Im zweiten Terzett hat du sechs Hebungen. Ich verstehe auch den Titel nicht. Im ersten Quartett gibt es keinen Grund, von "dem" zu sprechen, ein schlichtes "er" würde doch auch reichen. Ein Überläufer ist für mich ein Seitenwechsler. Kann man es aber als Seitenwechseln bezeichnen, wenn einer dem Bad entsteigt? Und beim Wiedertäufer fehlt unbedingt der unbestimmte Artikel, denn so, wie es steht, handelt es sich um den Plural. Im letzten Terzett würde ich diesmal eine Inversion vorziehen, und zwar:
Denn keinen geht es an, wie man sich fühlt. Dann stimmt es auch metrisch. Hast du die Schnitzer absichtlich eingebaut? Die bin ich ja gar nicht gewohnt von dir. Prüfst wohl, ob das Gedicht gelesen wird? Schlitzohr.

Gruß, blackout
 

Walther

Mitglied
Walther, hast du das übersehen? Im zweiten Terzett hat du sechs Hebungen. Ich verstehe auch den Titel nicht. Im ersten Quartett gibt es keinen Grund, von "dem" zu sprechen, ein schlichtes "er" würde doch auch reichen. Ein Überläufer ist für mich ein Seitenwechsler. Kann man es aber als Seitenwechseln bezeichnen, wenn einer dem Bad entsteigt? Und beim Wiedertäufer fehlt unbedingt der unbestimmte Artikel, denn so, wie es steht, handelt es sich um den Plural. Im letzten Terzett würde ich diesmal eine Inversion vorziehen, und zwar:
Denn keinen geht es an, wie man sich fühlt. Dann stimmt es auch metrisch. Hast du die Schnitzer absichtlich eingebaut? Die bin ich ja gar nicht gewohnt von dir. Prüfst wohl, ob das Gedicht gelesen wird? Schlitzohr.

Gruß, blackout
Hi Blackout,
danke fürs reinlesen und kritisieren. das gedicht selbst könnte ein spaß sein. so besehen bin ich ein spaßvogel. vielleicht. vielleicht aber auch nicht.
die 6. hebung in s4v2 ist absicht. man könnte sie locker entfernen, es ging aber dadurch einiges an applomb verloren. "
Er muss Enttäuschung, Ärger, schnell bezwingen," - das, was geschrieben steht, ist wirkungsvoller.
und, erstens, nein, es bedarf vor "Wiedertäufer" keines artikels. es ist also keine elision. man könnte ihn setzen, muß es aber nicht, weil plural und einzahl gleich geschrieben sind. da geht das, aber eben nur da.
und, zweitens, nein, ich mache keine inversion. die sprache hat in der form zu fließen. mein text fließt.
lg W.
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Das seinen Körper überflüssig kühlt.

Das halte ich fest, alles andere mag der Held mitnehmen, wohin es ihn treibt.

Geschürzten Mundes grübelte ich über Sinn und seine Befreiung - nö, hab' ich mir gesagt, der Dichter sprach selbst von 'Spaßvogel', das soll er unbedingt behalten - in welche Weinstube auch immer es ihn heute noch treibt! ;)

À la tienne!
 

Walther

Mitglied
Das seinen Körper überflüssig kühlt.

Das halte ich fest, alles andere mag der Held mitnehmen, wohin es ihn treibt.

Geschürzten Mundes grübelte ich über Sinn und seine Befreiung - nö, hab' ich mir gesagt, der Dichter sprach selbst von 'Spaßvogel', das soll er unbedingt behalten - in welche Weinstube auch immer es ihn heute noch treibt! ;)

À la tienne!
lb Dyrk,
in diesem sonett ist so einiges um die ecke gedacht und in ebenen verschachelt. nicht alles muß einen ins gesicht springen.
besonders aber sollte man den ernst des lebens nicht ernst nehmen. und wenn das nicht funktioniert, muß der böswillig gesonnene dichter damit leben. und kann das hervorragend.
sinnbefreit ist u.a., das als tip, der dem es nicht nach sinn steht, weil er wichtigeres, wahrhaft überflüssiges, zu besorgen hat.
lg W.
 
G

Gelöschtes Mitglied 20370

Gast
Na ja, so ernst hab ich's auch wieder nicht gemeint ...
 

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