Opus
Mitglied
Als unsere beiden Therapeuten vor uns saßen und diesen einen Satz aussprachen: „Einer von Ihnen beiden muss die Klinik verlassen; Sie entscheiden, wer“, wurde es in meinem Kopf plötzlich ganz leise. Ein dumpfes Rauschen, als würde die Welt um mich herum versinken. Ich spürte einen stechenden Schmerz, der sich wie ein Gift in meiner Magengegend ausdehnte. Mein Blick flüchtete auf den Tisch schräg rechts von mir. Dort stand er, ein kleiner Kalender für Achtsamkeit – was für ein blanker Hohn in diesem Moment. Ich starrte auf die warmen, beruhigenden Farben des Hintergrunds, während die Buchstaben verschwammen. Den Satz las ich gar nicht. Ich fühlte nur, wie mein Leben in Zeitlupe an mir vorbeizog, und eine eisige Stimme in mir fragte: Welches Leben eigentlich?
Starr vor Entsetzen, innerlich wie festgefroren, drangen plötzlich Stimmen durch den Nebel. Ich hörte die pure Verzweiflung. Anna weinte nicht nur, sie schrie. In ihren Worten bebten Wut und tiefe Verletzung: „Das ist unfair! Sie konstruieren ein Problem, wo keines ist! Wie um alles in der Welt sollen wir entscheiden, wer von uns gehen muss?!“ – „Ja, das ist unfair und blöd“, kam es zurück. Fast mechanisch, wie ferngesteuert, sagte ich schließlich: „Ich gehe.“
Diese „Spaßvögel“ setzten sogar noch einen drauf: „Frau A., bemerken Sie eigentlich nicht, dass Frau R. versucht, Ihnen ein Geschenk zu machen? Und Sie? Sie können es nicht einmal annehmen. Warum schätzen Sie das nicht wert?“ Ein Geschenk. Laut Definition ist ein Geschenk eine freiwillige, unentgeltliche Zuwendung, um jemanden zu bereichern. Ich fragte mich bitter: Was genau an dieser Erpressung war freiwillig? Wo war hier die Bereicherung?
Ein Gefühlschaos tobte in mir, und ich wusste nicht einmal, welcher Schmerz gerade lauter schrie. Ich wusste nur eines: Ich musste mich jetzt zusammenreißen. Ich durfte nicht weinen, durfte keinen dieser extremen Ausbrüche zulassen. Diese Genugtuung wollte ich ihnen nicht schenken. Ich wollte standhaft bleiben, diese Grausamkeit mit kühler Vernunft ertragen, anstatt um den heißen Brei herumzureden. Doch Herr und Frau Sowieso bestanden darauf, die Wunde weiter aufzureißen. Das Gespräch verkam zu einer billigen Drama-Soap, überladen mit künstlich heraufbeschworenen Emotionen.
Ich weiß noch, wie Herr Sowieso mich fixierte und fragte: „Jetzt fühlen Sie sich wieder wie die Außenseiterin, nicht wahr?“ Ich antwortete nur mit einer Mauer aus Kälte: „Ja, normal.“ Kurz darauf schob er nach: „Da hätten Sie ja auch selbst drauf kommen können, früher zu erwähnen, dass Sie zusammenwohnen.“ In diesem Augenblick ließ ich es zu: Ich nahm die ganze Schuld auf meine Schultern, erstickte an meinem vermeintlichen Fehlverhalten. Doch im Grunde ging es nie um Schuld. In ihrer klinischen Welt war das ein „Lernprozess“. In meiner Welt war es ein menschlicher Totalschaden mit Ansage. Was ich gebraucht hätte? Nichts weiter als einen Funken echte Empathie.
Starr vor Entsetzen, innerlich wie festgefroren, drangen plötzlich Stimmen durch den Nebel. Ich hörte die pure Verzweiflung. Anna weinte nicht nur, sie schrie. In ihren Worten bebten Wut und tiefe Verletzung: „Das ist unfair! Sie konstruieren ein Problem, wo keines ist! Wie um alles in der Welt sollen wir entscheiden, wer von uns gehen muss?!“ – „Ja, das ist unfair und blöd“, kam es zurück. Fast mechanisch, wie ferngesteuert, sagte ich schließlich: „Ich gehe.“
Diese „Spaßvögel“ setzten sogar noch einen drauf: „Frau A., bemerken Sie eigentlich nicht, dass Frau R. versucht, Ihnen ein Geschenk zu machen? Und Sie? Sie können es nicht einmal annehmen. Warum schätzen Sie das nicht wert?“ Ein Geschenk. Laut Definition ist ein Geschenk eine freiwillige, unentgeltliche Zuwendung, um jemanden zu bereichern. Ich fragte mich bitter: Was genau an dieser Erpressung war freiwillig? Wo war hier die Bereicherung?
Ein Gefühlschaos tobte in mir, und ich wusste nicht einmal, welcher Schmerz gerade lauter schrie. Ich wusste nur eines: Ich musste mich jetzt zusammenreißen. Ich durfte nicht weinen, durfte keinen dieser extremen Ausbrüche zulassen. Diese Genugtuung wollte ich ihnen nicht schenken. Ich wollte standhaft bleiben, diese Grausamkeit mit kühler Vernunft ertragen, anstatt um den heißen Brei herumzureden. Doch Herr und Frau Sowieso bestanden darauf, die Wunde weiter aufzureißen. Das Gespräch verkam zu einer billigen Drama-Soap, überladen mit künstlich heraufbeschworenen Emotionen.
Ich weiß noch, wie Herr Sowieso mich fixierte und fragte: „Jetzt fühlen Sie sich wieder wie die Außenseiterin, nicht wahr?“ Ich antwortete nur mit einer Mauer aus Kälte: „Ja, normal.“ Kurz darauf schob er nach: „Da hätten Sie ja auch selbst drauf kommen können, früher zu erwähnen, dass Sie zusammenwohnen.“ In diesem Augenblick ließ ich es zu: Ich nahm die ganze Schuld auf meine Schultern, erstickte an meinem vermeintlichen Fehlverhalten. Doch im Grunde ging es nie um Schuld. In ihrer klinischen Welt war das ein „Lernprozess“. In meiner Welt war es ein menschlicher Totalschaden mit Ansage. Was ich gebraucht hätte? Nichts weiter als einen Funken echte Empathie.