Der Vorkoster

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Der Kiefer des Mannes, der durch eine Glasscheibe von mir getrennt auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches sitzt, bewegt sich in gleichmäßigem Rhythmus auf und ab. Durch die Glasscheibe dringt ein gedämpftes Schmatzen zu mir herüber, ein Geräusch von gekochtem Gemüse und zartem Rindfleisch, das von geübten Zähnen nach und nach zu einem feinen Brei zermahlen wird. Während er noch kaut, führt der Mann mit seiner linken Hand einen Löffel, ein übergroßes Ungetüm von grellem Lila, unregelmäßig durchsetzt mit waagerechten grünen Linien, zu einer Suppenschüssel, die auf seiner Seite des Tisches steht. Der Löffel taucht unter und seine riesige, aufwändig mit Blattgold verzierte Laffe füllt sich augenblicklich mit klarer, dampfender Rinderbrühe. Sie muss herrlich riechen. Der Mann führt den Löffel an seinen immernoch kauenden Mund und beginnt zu schlürfen, wobei er seine Augen in andächtiger Konzentration schließt.

Er reißt sie wieder auf, und eine frenetische Begeisterung erstrahlt in ihnen. In unbeschreiblicher Ekstase lässt er den Löffel auf den Tisch fallen, so wuchtig, dass die restliche in ihm befindliche Brühe auf den Tisch und an die Glasscheibe zwischen uns spritzt.

Diese Suppe sei der Wahnsinn, jubelt er. Der absolute Wahnsinn. Seine Stimme schwillt so laut an, dass ich hinter der Glasscheibe zusammenzucke, trotzdem beuge ich mich gespannt vor, um jede Regung seines Gesichts zu sehen, um jedes Wort, jedes Würgen und jedes feuchte Schmatzen zu hören. Immer wenn er so eine gute Rinderbrühe esse, müsse er an seine Oma denken, brüllt er aufgeregt, während seine Gesichtszüge vor Freude und Aufregung zu entgleisen drohen. Bei dem Gedanken an die Rinderbrühe seiner Oma, deren Herrlichkeit ich nur erahnen kann, verschluckt er sich, schlägt ein paarmal mit der Faust gegen seine Brust und speit endlich, nach einem letzten, glorreichen Würgen, seinen herrlichen, zerkauten Nahrungsbrei in hohem Bogen an die Scheibe.

Ich kann kaum an mich halten. Mein Gesicht presst sich an die Scheibe, meine Nase drückt sich an ihr platt, sie muss dieses unsichtbare Hindernis durchschreiten, um zu dem grauen, schleimigen Brei zu gelangen und sich für immer in ihm zu suhlen. Eine gut erhaltene Faser des Rindfleischs löst sich von der Scheibe, ich kann sehen, wie sie ihre sanfte Statur langsam und unendlich zart von oben hinab krümmt, bis sie sich schließlich in völlig freiem Fall nach unten stürzt und ihre Landung mit einer Symphonie aus tausenden, mikroskopisch kleinen Spritzern aus Fett und Wasser zelebriert.

Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass der Mann nun aufgesprungen ist und in jubelnder Hektik auf und ab läuft. Sein Oberkörper schwingt krampfhaft vor und zurück, ein wahnsinniges, heiliges Pendel. Er taucht sein Gesicht tief in die Suppenschüssel ein, die er nun mit beiden Händen festhält. Nach Luft schnappend taucht er wieder auf, wirft den Kopf zurück und gurgelt, die Suppe schießt ihm in Fontänen aus Mund und Nasenlöchern, und läuft an seinen Wangen und seinem Hals hinab.
 



 
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