Der Welt entrissen

sturmwind

Mitglied
~Nun, ich weiß noch nicht genau, wie ich das hier jetzt machen soll. Muss ich überhaupt etwas vorwegschreiben? Hm, müssen tu ich es sicher nicht... . Wie dem auch sei, meine erste Geschichte die ich hier hin stelle. Kritik im Guten, wie im Schlechten auch, ist natürlich erwünscht und auch bei ausführlichen Fragen oder dergleichen steht meine Mailbox immer offen. So will ich mal nicht länger "reden" und wünsche viel Spaß.
Auf das diese Geschichte auf Interesse stößt.~



Der Welt entrissen


Sie schritt auf das Wasser zu, kaltes Wasser, auf dessen aufgewühlter Oberfläche sich die untergehende Sonne orange bis rötlich spiegelte.

Im Wind flog ein Pergament umher und wurde durch die Luft gewirbelt, seine Ecken und Enden waren angesengt. Dann, für kurze Zeit, erstarb der Wind und das Blatt fiel herab. Es landete an einem kleinen Zweig und blieb dort hängen.
-Du weißt erst, wie wichtig dir etwas ist, wenn du zusiehst, wie es dir entrissen wird. Du weißt es erst dann... unwiderruflich entrissen. Man nahm sie mir, nahm sie einfach weg... entrissen... unwiderruflich. Wofür... aus welchem Grund... warum? Entrissen... und ich sah einfach nur zu... verdammt dazu, verdammt dabei zuzusehen... wie sie sie mir entrissen... auf ewig. Jetzt weiß ich, was mir wichtig war... jetzt weiß ich, dass mir mein Leben nie etwas bedeutet hat. Entrissen... mein Herz herausgerissen... meine Lungen zerfetzt... mein Blut vergossen... weggegossen in den Schlamm... . Ohne sie, bin ich Nichts... war ich nie etwas.-
Der Wind wurde wieder heftiger und das Papier wurde hinfortgerissen, wurde aus der Welt gerissen.

Es war lediglich nur noch eine tief rote Kuppe, die von der Sonne am Horizont aufragte, wie ein Berg aus Feuer. Unter Wolken brach sich das Licht, von dunkel zu hell schimmerte es, wo der Himmel verdeckt blieb, wo die nahende Dunkelheit überschattet wurde.

Die Flammen schlugen weit in den Himmel der Nacht. Es brannte, das Haus stand in Flammen, loderndem Feuer. Sie schrie, schrie aus aller Kraft.
"Neeeeeeeein! Warum... hört auf...", die Stimme wurde von den Tränen fast ertränkt, doch brüllte sie weiter in der Hoffnung, es würde nützen, doch mit dem Wissen, dass es das gewiss nicht tat, "...hört doch auf... Bitte... aufhören... ."

Kurz vor dem Wasser, wo die schwachen, gebrochenen Wellen, sich an das Ufer schleppten, verharrte sie, mit dem Blick auf den sterbenden Feuerball gerichtet, der ein letztes Licht in nachtumfangene Welt sandte. Tränen rannen über ihre verrußten Wangen und eine geballte Faust presste sich stärker zusammen.

Sie drehte sich um und blickte zu dem kleinen Mädchen rüber, wie es dort auf dem Boden saß, mit einer einfachen Puppe spielte und lachte. Ein schönes Lachen, das Lachen eines Kindes, wie es das Herz umschmeichelt. Sie beobachtete das Mädchen eine Weile und setzte dann ihre Arbeit fort.

Der Kopf fiel nach vorn und ihr Blick fiel auf das anschwemmende Wasser, dass kurz vor ihren Füßen wieder ins Meer rann, zurückkehrte, wieder verschwand und sie fast berührte.

Des kleinen Kindes Puppe zerriss, als es beim Spielen damit an einem Ast hängen blieb und dran zog. Es fing an zu weinen, das Weinen eines Kindes, wie es das Herz mit Tränen füllt. Sie ging zu dem Mädchen, nahm die Puppe und versprach ihr sie noch heute abend zu nähen, nahm sie auf dem Schoß und wischte lächelnd die Tränen von den kleinen, weichen Wangen.

Kühl wurden die Knöchel vom Wasser umspült und ein Zittern fuhr durch ihren Körper, Kälte kroch ihr durch die Beine in ihr Herz, während endgültig ein letztes Mal die Sonne aufleuchtete und verschwand. Die Wolken blichen vollends aus und ergaben sich dem Grau der anrückenden Nacht.

Schwarz war das niedergebrannte Holz und noch immer stieg Rauch in den Morgen herauf, die klare Luft am Morgen. So stand sie da und kniete nieder, mit versengtem Haar und rotgeränderten Augen, gereizt vom Qualm. Die Stimme war verstummt.

Bis zu den Knien war sie ins Wasser voran geschritten, noch immer den Blick nieder gerichtet. Zittern ergriff erneut und häftiger ihren Körper, ihr Herz. Der Hauch der Nacht schlich um sie und wirbelte sanft mit ihren Haaren, während mehr Tränen den Ruß wegwuschen.

"Sieh,... sieh her,", rief das Mädchen, als es lachend umherwirbelte, "ich tanze."
Sie ließ für einen kurzen Moment die Arbeit niedersinken und sah herüber, wo das Kind über den Rasen Sprang und sich drehte. Kein Ton verließ sie, sie sah einfach nur zu, mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen, es war alles so perfekt.

Sie ließ sich auf die Knie fallen, dass das Wasser nun bereits bis zu ihrer Hüfte reichte und ihren Leib umschlang. Wellen schlugen um sie herum, spritzten das Nass bis zu ihren Schultern hinauf. Sie fror, doch spürte es nicht.

Je näher sie ging, desto heißer wurde es und desto weniger war es auszuhalten. Sie sah die offene Tür direkt vor sich, wie die Flammen nach draußen leckten und in den Abend hineintanzten. Es war zwecklos, denn als sie durch die Tür hinein eilen wollte, schlug ihr erneut die Feuerzunge entgegen, dass sie rückwärts stolperte und zu Boden stürzte.

Ihre Faust raste nieder und immer wieder hieb sie auf das Wasser ein, schlug nach ihm, bis die Kraft erschöpft schien und eine Tränenflut ihr Gesicht strömte.

Deutlich erkannte sie, wie der Balken niederkrachte, an dem die größere Öllampe hing. Sie kam nicht an die Gefangene in den Flammen heran, konnte sie nicht herausholen, so musste sie mit ansehen, wie die Lampe fiel, in die gierigen Flammen.

Weiterhin kraftlos, blickte sie nur auf das dunkler werdende Wasser, den sich verdunkelnden Himmel, dass er im Osten schon vollkommen schwarz erschien und fühlte, wie scheinbar eisige Tränen auf ihrem Gesicht hafteten.

Helfen, dass war es was sie wollte, so sprang sie gleich wieder auf und rannte los, wollte sie retten. Feuer, das war alles was sie jetzt noch sah und einen Körper hinter diesem heißen Wall, der sich an die Wand kauerte.

Es war lediglich ein bläulicher, oder gar silberner, Schimmer, der sich im Westen am Horizont entlang zog, wo doch vor nicht all zu langer Zeit noch das Feuer ertrank, und sich auf dem Wasser reflektierte.

Rot und orange und gelb umschlang sie das hungrige Feuer, als das Öl aus der Lampe das Feuer neu entfachte, als es ihm mehr Nahrung gab. Sie schrie, die Gefangene schrie, dass sie es selbst hinter dieser neuen, stärkeren Wand hören konnte und schluchzend, weinend, zurücktaumelte. Die Flammen ließen ab von ihr, dass sie nicht wahrhaftig brannte, sondern leicht angeschlagen wurde.

"So,... so hätte es nicht sein sollen, nicht so."
Die Wellen rauschten leise, summten ihr ewiges Lied.

Dieses Lachen, dieses fröhliche Springen in der Sonne des Frühlings.
"Geh bitte ins Haus, Josiah, und entzünde das Licht, es wird bald dunkel werden.", lächelte sie zu dem Mädchen herüber und machte weiter mit ihrer Beschäftigung. Nickend und glücklich darüber etwas tun zu dürfen, lief Josiah zum Haus herüber.

In einem Krampf aus Tränen und Schock brach sie auf den Knien zusammen. Sie konnte den schreienden Körper durch die Hölle tanzen sehen. Ihre Nerven, ihre Gedanken, ihre Trauer und die Hilflosigkeit, lähmten ihren Körper, stattdessen konnte sie nur schreien, es herausbrüllen, als der tanzende Leib verstummte.
"Josiah!"

Sie riss den Kopf nach oben, starrte in die Nacht, die funkelnden Sterne im Westen und die dunklen Wolken im Norden. Ihre Stimme erklang laut und klar, doch von Wut ergriffen.
"Warum musste Josiah sterben?!"
 
R

Rote Socke

Gast
Hallo Sturmwind,

der Rupert hatte mich auf diesen Text aufmerksam gemacht, weil wir gerade in der Schreibwerksatt in meiner Poesie über Stimmungen diskutierten.

Ja, in diesem Text kommt es noch deutlicher zutage. Eine verzehrende kraftvolle Stimmung und Melancholie. Ein Kampf und die Suche nach einem Ausweg, aber dann die ernüchtende Wahrheit am Ende.

Prima gelungen.

Gruss
Volkmar
 

sturmwind

Mitglied
Hallo

Danke, so was hört man natürlich gern.
Ich werde mich bemühen, dass meine folgenden Geschichten auch Gefallen finden.
Zum einen schreibe ich zwar für mich, wenn ich Lust drauf habe oder wegen anderer Dinge, aber zum anderen schreibe ich auch, weil es gefallen soll, anregen soll, was auch immer man gerne alles mit einer Geschichte erreichen mag.
Und ehrgeizig mag ich wohl auch sein, denn besser will ich mit Bestimmtheit werden. Ich habe ja grade erst so richtig damit angefangen Geschichten zu schreiben und habe noch viel Zeit. ;)

freundlich grüßend
sturmwind
 

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