Des Prinzen Wunsch (Sonett)

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Die Brücken wehen über den Asphalt,
ein Pfeiler schreit, ein andrer Pfeiler lacht,
Beton zerbirst und bildet einen Schacht,
aus dem ein Wimmern stahlzerreißend schallt.

Ein Feuerregen webt die Hochzeitstracht.
Die Erde wird, so heißt es, langsam alt.
In Fieberträumen schleicht sie durch den Wald;
der hat sich gleichfalls auf den Weg gemacht.

Durch Fluchten ziehen Winde Nebel nach,
die Eisenbahnen stieren unverwandt,
auf Lava schwimmen Hüte durch das Land.

Derweilen geht der Prinz in sein Gemach,
ruft: "Staub zu Staub! Hinweg mit all dem Tand!"
Und schon zerfällt auch seine Burg zu Sand.
 

Tula

Mitglied
Hallo Bernd

Bei der ersten Strophe musste ich unwillkürlich an das Unglück vor Tagen denken und hoffe, dass das nicht der Anschub war. Ansonsten ein sehr interessantes, neuzeitliches Endzeitgedicht.

Gern gelesen

LG
Tula
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Tula,
letztlich ist das Gedicht ein Ergebnis von 50 Jahren Beschäftigung mit dem Expressionismus, inklusive an Hoddis: "Weltende".
Als ich die zerfallende Brücke sah, musste ich sofort daran denken.
Das Unglück ist also weniger der Anschub, als der Riss, der das Gedicht ins Rollen brachte.
Ich habe deshalb Parallelen und Unterschiede untergebracht.

"Dem Bürger fällt vom spitzen Kopf der Hut ..."

Vielen Dank auch für die Antworten und Grüße. Es hat mich alles erreicht.
 

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