• Liebe Forenmitglieder,

    das Redaktionsteam sucht Verstärkung. Einige von uns wollen nach vielen Jahren emsiger Sorge für ein gepflegtes Lupen-Leben in die Lupen-Rente gehen, anderen wird schlichtweg die Zeit für dieses Ehrenamt knapp. Deshalb suchen wir Nachwuchs.

    Interesse? Mehr Infos finden sich hier.

Des winters

4,00 Stern(e) 3 Bewertungen

Walther

Mitglied
Des winters


Du hast mir meinen kopf gewaschen
mit der asche deines zorns du hast
vergeben ohne dir etwas zu vergeben

Als das blut über schäumte da waren
wir so jung so schön so blau äugig
unter furchen loser stirn heute fürchten

Wir uns & finden keinen schlaf im
schlaf als frühling den sommer um
armte dauerte uns der winter wir

Aber warfen die bänder ab die uns
fesselten & wählten die fesseln die
uns verbinden sollten den ring der

Vollkommenheit das versprechen
nie zu trennen bis der letzte abschied
nahte ich aber streue die asche auf mein

Graues haupt & blicke ins weiße der
iris deiner grün augen in denen der
himmel noch blaut – auch des winters
 

Monochrom

Mitglied
Nee Du,

das finde ich wie...wie... bei einer Weinprobe, bei der die sogenannten Experten sich in Ergüssen ergießen über die Qualitäten des Weines... Und sie schnüffeln, und spitzen die Zunge, und schlürfen und gurgeln...

Und dann hat man die komplette Palette der teuersten Weine und ansprechendsten Erläuterungen und Ausschweifungen...

und irgendwie wünscht man sich einen 1Liter 1,50,-EURO Wein, einen Jägermeister... oder was anderes...

Das ist einfach zu viel des Guten, das ist vergaloppiert, neee neee,

und die Enjambements sind echt verwurstet,

Sorry Walter, aber des woar nix, find ich, ;)
Ciao,
Monochrom
 

revilo

Mitglied
Hallo Walther.....das Gedicht gefällt mir recht gut, ist aber teilweise wegen der Zeilensprünge und der Worttrennungen kaum lesbar...da geht der Text einfach unter, was ich sehr schade finde......ich musste teilweise rätseln...wenn das gewollt ist, ist das ok....aber für den Lesefluss ist das nicht gut......

LG revilo
 

Walther

Mitglied
Hi Monochrom,

danke für deinen verriß. wo soll ich deiner meinung nach ansetzen? hast du evtl. ein paar hinweise? das wär super.

danke und lg w.


Hi revilo,

das ist so beabsichtigt. der leser soll ins stocken kommen, wenn er den text überfliegt.

danke für deine überlegungen!

lg w.
 

revilo

Mitglied
Hi revilo,

das ist so beabsichtigt. der leser soll ins stocken kommen, wenn er den text überfliegt.
......

ok.....LG
 

Monochrom

Mitglied
Hi,

ich habe daran einiges geändert, wobei ich im Sinne der Zeilenumbrüche auch den Text etwas geändert habe. Mein Ziel dabei ist das Spiel mit Andeutungen und dem Antippen von Bedeutungswechseln.

Des winters


Du hast mir meinen kopf gewaschen
mit der asche deines zorns
vergeben ohne zu vergeben

Als das blut über schäumte
da waren wir so jung so schön so
blau äugig unter furchen loser stirn

heute fürchten wir uns finden
keinen schlaf im schlaf; als frühling
sommer umarmte war winter

wir warfen die bänder ab
die uns fesselten wählten die fesseln
die uns verbinden sollten: Vollkommenheit

das versprechen nie zu trennen
bis der letzte abschied nahte
ich streue asche auf's graue haupt

blicke ins weiße der iris
deiner grünen augen in denen der himmel
noch blaut – auch des winters

Und noch einige ANmerkungen:

Des winters


Du hast mir meinen kopf gewaschen
mit der asche deines zorns du hast
vergeben ohne dir etwas zu vergeben (zweimal "du hast", hier finde ich verdichten eine gute Idee)

Als das blut über schäumte da waren
wir so jung so schön so blau äugig
unter furchen loser stirn heute fürchten (Warum verbindest Du die Strophen, und warum nicht immer? Das bringt irrsinnig viel Aufwand beim Lesen und hat mMn keinen Inhaltsbezug, außer meiner unkenntlichen Annahme, dass DIr die Verse "übergelaufen" sind, dann noch das Versende "da waren", ich finde, eine Unterbrechung des SAtzes am Versende meistens nur dann sinnvoll, wenn ein Bild oder ein ganz oben genannter Effekt eintritt, oder, wenn es rhythmisch passt, in diesem FAll sehe ich das nicht...)

Wir uns & finden keinen schlaf im
schlaf als frühling den sommer um
armte dauerte uns der winter wir (Funktioniert mMn nicht, siehe oben, außerdem könntest Du das "&" komplett weglassen, es tritt an drei STellen auf, die keine Inhaltsbeziehung haben, auch keine rhythmische, es ist also kein Wegweiser durch den Text und damit bloßes Schmuckwerk, außer ich hab was übersehen ;), Das Abhacken von "schlaf im schlaf" mindert den Bedeutungsinhalt, das VErsende suggeriert eine Pause, die aber erst nach "schlaf im schlaf" erfolgen könnte.

Aber warfen die bänder ab die uns
fesselten & wählten die fesseln die
uns verbinden sollten den ring der ( das "die uns" ist wieder ein sinnleerer Umbruch, wobei diese STrophe dann rhythmisch sehr gelungen ist, da bin ich dann selbst unschlüssig. In meiner VErsion:
- .-- .- .
.- .-- .-- .-
.-- .- .- -.--
Bei Dir:
.- .-- .-- .-
.-- - .-- .--
. -.- .-- .-
(Da ist Deine Version sicher besser)

Vollkommenheit das versprechen
nie zu trennen bis der letzte abschied
nahte ich aber streue die asche auf mein(Vollkommenheit ist ein starkes WOrt es sollte abschließen und nicht eröffnen)

Graues haupt & blicke ins weiße der
iris deiner grün augen in denen der
himmel noch blaut – auch des winters (zweimal der als VErsende?)

Naja, also meine VErsion ist auf die SChnelle entstanden aber ich hoffe, Du kannst etwas damit anfangen.
Ciao,
Monochrom
 
Lieber Walther,
ein Liebesgedicht, das mir sehr gefällt, weil es nicht billig als Herz-Schmerz-Gedicht daherkommt und doch von Herzschmerz handelt.
Beim Lesen ging es mir auch ein wenig wie revilo.
Herzliche Grüße
Karl
 

Walther

Mitglied
Hi Monochrome,

danke für deine ausführliche kommentierung und deine vielfältige tips. es wird ein weilchen brauchen, das zu verdauen und änderungen zu erstellen. dafür bitte ich dich herzlich um etwas geduld.

lieben dank und herzl. grüße Walther


lieber Karl,

danke für deine wertung und den kommentierenden hinweis!

lg w.
 

Mondnein

Mitglied
gleichsinnige strophen-umbrüche

ein wunderbares lied. ich hab mal ein paar tage pausiert und bin deshalb erst durch HerbertHs "experimentellen" hinweis drauf aufmerksam geworden.

die enjambements, die manchen stören, sind harmonisch verteilt und gleichsinnig: jede dreizeilenstrophe hat eigenen inhalt, eigenes gewicht, und die leichten ausklänge vor den pausen, nach denen dann die jeweils nächste strophe ansetzt, erlauben eben den neuansatz der melodie.
 

Monochrom

Mitglied
Hi,

entgegen sollte man halten, dass der Text in der vorliegenden Fassung kaum vorlesbar ist. Das Schema zerstört den Inhalt.

Die gute Durcharbeitung des Rhythmus hebelt sich da selbst aus.

Aber vielleicht gehe ich mit meiner Meinung da auch gegen Windmühlen...

Ciao,
Monochrom
 

Mondnein

Mitglied
strophenstufen

nein, das kann ich nicht bestätigen, lieber Monochrom, ich verstehe den text so, daß er einen weiteren gedankenschritt am ende der strophen ansetzt, wie eine noch in der dominante schweben bleibende melodie, dann die jeweilige kleine pause, und dann das eintauchen in eben diese nächste gedankenwelle nach dem rücksog auf dem wellenrücken der eben zuende schwingenden, oder das hinabsteigen auf eben die neue stufe.
und das heißt eben, daß er durchaus so lesbar und rezitierbar ist, und warum nicht mit weit schwingender satzmelodie (statt des beliebten trockenen nachrichten-sprechs mit absurden zeilenumbruchs-pausen)?

von gegengesträubter abruption oder ähnlichem spüre ich nicht die spur.
 

Walther

Mitglied
lb. Mondnein,

danke für den freundlichen und kenntnisreichen eintrag. in der tat sollte der text durch dieses stilmittel geschwindigkeit gewinnen. damit wird der vortrag unterstützt, der lyrische sprache erst zur vollen wirkung bringt.

daneben sollen die mittel der worttrennung die lesegeschwindigkeit u.a. dadurch einschränken, daß u.a. assoziationsgabelungen entstehen. die verwandte schreibung hat also mehrere gründe.

ich wechsele dabei immer wieder strophenform und -länge. im gedicht "November windig" http://www.leselupe.de/lw/titel-November-windig-124062.htm habe ich den vierhebigen knittel als beat unter die verse gelegt.

so sehr ich Monchromes überlegungen in einigen punkten nachvollziehen kann, so schwer tue ich mich damit, die gewählte melodie und die szenische konstruktion neu zu setzen. ich fürchte, daß ich damit den text kaputtmache. diese form der poesie ist ein gang auf messers spitze - das scheitern eingeschlossen. damit muß ich wohl leben.

ich hoffe, daß wenigstens die intention inhaltlich trägt. es gelingt eben nicht alles.

lieber gruß Walther
 

Monochrom

Mitglied
Hi Walther,

ganz neben meinem "Verriss" zu diesem Text möchte ich dann doch anmerken, ganz ohne Schleimio, dass nicht viele in der Lage sind, Texte wie "Des winters" zu schreiben.

Ich schätze, der SChreibende dringt auf andere WEise in den TExt, als der LEser damit umgeht. Der SChreiber kann eigene Texte mit der Intension lesen, die der LEsende eben nicht hat.

Die FRage, inwiefern hier rhythmische Gestaltung den inhaltlichen Faden eher zerreisst, halte ich für mich selbst mal offen,

DAnke Euch für den Austausch,
Monochrom
 

HerbertH

Mitglied
Für mich ist der Text gut laut lesbar ... Beim ersten Mal entstehen die sinnstiftenden Pausen ganz von allein, beim zweiten Mal fließen die Wörter darum herum - ohne Stocken
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Walther,

ich - vielleicht für mich allein - habe eine perfekte Stelle in diesem Gedicht:

...wir
Aber warfen die bänder ab die uns
fesselten & wählten die fesseln die
uns verbinden sollten den ring der

Vollkommenheit das versprechen
nie zu trennen bis der letzte abschied
nahte
... ich aber streue die asche auf mein

das sind wahrlich fesselnde Formulierungen
ein gut in Szene gesetztes "Spiel" der Widersprüche
auf dieser Reise "zum Ende der Nacht" dem Ort und der zeit der immer am dunkelsten ist.

Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut, und raufe die schon längst ausgegangenen Haare ob dieser Finessen.

lg
Ralf
 

Walther

Mitglied
Hi Monochrom,

danke für die blumen. allerdings bestreite ich gar nicht, daß einige deiner anmerkungen berechtigt sind. ich habe nur den weg nicht bisher gefunden, das eine mit dem anderen zusammenzubringen, aber vielleicht schaffe ich das ja noch. ich versuche es wirklich.

lg w.


lb Herbert,

danke für deine freundliche unterstützung. den von dir beschriebenen effekt hatte ich mir gewünscht. aber vielleicht fehlt der vortrag, den ich für solche texte wohl einmal nachliefern sollte.

danke für deine gute wertung!

lg w.


lb. Ralf,

das ist eine der wichtigen stellen im text. sie war und ist mir sehr wichtig. schön, daß sie dir zusagt. das freut mich sehr.

vielen lieben dank!

lg w.
 

Oben Unten