Destruktion

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Ich wuchs, kerngesund, unter Kranken auf. Deshalb trinke ich. Und ich treibe es bis zum Erbrechen, jedesmal; die Hände zitternd wie Espenlaub; der Geist bis an den Rand gefüllt mit Leere und Unordnung, ein schwerer Schwindel; Reizlosigkeit, - bis der Magen rebelliert; göttlich! Eine gewisse Form der Erotik - des Zerfalls; Hochgefühl, das sich immer dann einstellt, wenn man weiß, alles richtig gemacht zu haben.
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Patrick,

das ist starker Tobak!

Ich wuchs, kerngesund, unter Kranken auf. Deshalb trinke ich.
Das ist schon einmal ein gelungener Anfang und zieht mich als Leser in den Text.
Und schon stellt sich die erste Frage: Wer sind diese Kranken? Sind sie überhaupt krank oder ist dies eine Realitätsverweigerung des Protagonisten?

Und ich treibe es bis zum Erbrechen, jedesmal; die Hände zitternd wie Espenlaub; der Geist bis an den Rand gefüllt mit Leere und Unordnung, ein schwerer Schwindel; Reizlosigkeit, - bis der Magen rebelliert; göttlich! Eine gewisse Form der Erotik - des Zerfalls;
Dann beschreibst du das Trinken. Das ist sehr eindringlich und nur noch die Rebellion des Magens und die Erotik des Zerfalls lösen Gefühle im Protagonisten aus.

Hochgefühl, das sich immer dann einstellt, wenn man weiß, alles richtig gemacht zu haben.
Das ist ein ebenso starker Schluss! Es endet in einem Hochgefühl, einer weiteren Verweigerung der Realität und im Schönreden des Zerfalls.

Ich habe im ersten Moment überlegt, ob selbst diesem kurzen Text nicht der eine oder andere Absatz gutgetan hätte. Auch hätte man das eine oder andere in einem Satz ausformulieren können.
Aber nein, genauso muss die Rastlosigkeit des Protagonisten dargestellt sein! Passt!

Liebe Grüße
Manfred
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Manfred, hallo SilberneDelfine

Ich danke euch für die Gedanken, die ihr dagelassen habt :)

Und ich wundere mich ein wenig, denn eigentlich wollte ich gar nicht, dass der Leser darüber nachdenkt, ob die Kranken wirklich krank sind, oder ob hier ein Dichter beschrieben wird. Mich hat der Gedanke nicht losgelassen, dass es Menschen gibt die Schuldgefühle entwickeln, weil wichtige Bezugsperson leiden und sie nicht. Und die deshalb zur Selbstzerstörung neigen, meistens mit Alkohol oder anderen Drogen.
Einen doppelten Boden habe ich hier gar nicht intendiert, aber warum nicht ..

L.G euch beiden
Patrick
 

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