Die Ampel-Verschwörung

Dogen

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Sabine saß im Auto und war zu spät. Sie war nicht dramatisch spät. Es könnte sich noch ausgehen, aber zu spät kommen war ihr einfach unangenehm. Alle Ampeln hatten sich gegen sie verschworen, zusammen mit allen anderen Autofahrern auf der Straße, die heute alle anscheinend mit Absicht besonders langsam fuhren.

Sie spürte, wie Unbehagen in ihr aufstieg. Eine innere, laute Stimme schien „Los jetzt. Gas! Macht Platz.“ Sie wurde immer wütender, ihre Hände umklammerten das Lenkrad.

Eine zweite, weinerliche Stimme ertönte in ihr „Das ist ja wieder mal typisch. Gerade heute. Was wohl die anderen sagen werden? Sie werden mich bestimmt schief anschauen. So peinlich.“

Eine dritte, leise, aber klare Stimme meldete sich zu Wort „Vielleicht beruhigst du dich zuerst einmal, so wie es in deinen Büchern steht. Hast du dir nicht auch was vorgenommen?“

Die erste, laute Stimme meldete sich sofort wieder „Jetzt schau dir den an! Der will doch tatsächlich, dass ich ihn einordnen lasse. Nicht mit mir! Los gib Gas, zeig ihm, wer hier das Sagen hat. Du bist im Recht!“

Die zweite Stimme seufzte „Ich habe ein mulmiges Gefühl dabei! Mach es lieber nicht.“

Die dritte Stimme sagte leise „Aufrecht sitzen. Schultern runter. Bewusst Durchatmen.“.

Die zweite Stimme musste laut loslachen.

Sie machte das, was die dritte, leise Stimme ihr geraten hat. Sabine merkte erst jetzt, dass sie komplett verkrampft im Auto saß. Sie hatte mal irgendwo gelesen, dass, wenn man sich selbst ein Lächeln schenkt, sich das positiv auf die eigene Gefühlswelt auswirken soll. Sie erzwang sich mühevoll ein Lächeln ab. Dabei entspannte sie sich langsam.

Plötzlich passierte das Wunder. Die Ampeln haben sich nicht mehr gegen sie verschworen. Ein paar Ampeln blieben noch störrisch auf Rot, aber nicht mehr alle. Ein paar Ampeln waren plötzlich doch sehr freundlich zu ihr. Und auch alle anderen Verkehrsteilnehmer schienen plötzlich doch nicht nur aus Rowdys zu bestehen. Sie waren doch irgendwie rücksichtsvoll zueinander - zumindest die Allermeisten.

Das unangenehme Gefühl im Bauch war noch da.
Der Ärger war noch nicht ganz verflogen.
Es ging im Verkehr auch nicht schneller voran.
Doch die Welt wurde irgendwie trotzdem etwas klarer und freundlicher.

Natürlich kam sie nicht so pünktlich an, wie sie es gerne gehabt hätte. Aber die kleine Verspätung war für sie nun auch keine riesige Katastrophe mehr. Sie entschuldigte sich bei den Anwesenden für die Verspätung und erzählte von der Ampelverschwörung und dass sie diese mit einem kleinen Lächeln irgendwie wegzaubern konnte. Einige Anwesende mussten schmunzeln. Einer meinte, er probiere es gleich heute beim Nachhauseweg aus, denn auch er ist von der Ampelverschwörung betroffen.
 



 
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