Die Bombe an der ScheinBAR

Hagen

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Die Bombe an der ScheinBAR

Die Centaury Raumschiff Manufactur, dümpelte so vor sich hin, der Annegret Kramp-Karrenbauer-Preis stand irgendwo auf der Theke der ScheinBAR, und die Wunderbare Ulrike entdeckte ihr künstlerisches Talent. Sie meißelte Skulpturen, schweißte Plastiken und flexte unendlich schöne Bildwerke. Schön aus dem Grunde, weil ich ihr für die männlichen Akte öfter Modell stehen, sitzen oder liegen musste; - das in Posen, die in mir heute noch Muskelkater hervorrufen, wenn ich nur dran denke.

Aber das nebenbei, ich tue schließlich (fast) alles für die schönen Künste, auch wenn mein potentieller Weltbestseller dabei vorläufig auf der Strecke bleibt.

Mit massiver Sorgfalt beschaffte ich der Wunderbaren Ulrike auch eine Lokalität für eine Ausstellung. Ich hatte mal eine Lesung, auf der ich Falk kennengelernt hatte, in einer ehemaligen Kohlenhandlung, die zum Abbruch freigegeben worden war, absolviert. Diese fand nun ihre Fortführung in der Ausstellung von der Wunderbaren Ulrikes Meisterwerken, weil sich der Abbruch etwas verzögerte. Es bot sich an, diese Räumlichkeiten bis dahin für eine Kunstausstellung zu nutzen, was wir auch umgehend wahrnahmen. Mit dem Datum für den Abriss verbumfiedelte sich der Besitzer der Kohlenhandlung allerdings um genau eine Woche, aber das wussten wir nicht, sagten Oberstleutnant Guntram Greulich, dem latent schizophrenen Fliegerleitoffizier, und Falk Bescheid, mieteten einen Transporter und brachten die Kunstwerke in die Kohlenhandlung. Oberstleutnant Guntram Greulich und Falk halfen tragen und wir drapierten die Vollkommenheiten aus der Wunderbaren Ulrikes Händen zu ihrer Zufriedenheit, was nochmal in Arbeit ausartete.

Falk baute zum Abschluss einen Joint und Oberstleutnant Guntram Greulich meinte, dass er noch einige Exponate aus seiner Bombensammlung dazustellen könnte, wäre ja noch Platz genug da.

„Wie, Bombensammlung?“, fragte ich.

„Na, ich sammel doch Deutsche Abwurfmunition des Zweiten Weltkrieges“, meinte Oberstleutnant Guntram Greulich mit toternstem Gesicht, „Briefmarken sammelt schließlich jeder. – Habe da gerade ein sehr interessantes Exponat hereinbekommen, eine SC 250 mit Trialenfüllung.“

„Was?“

„Wie, WAS? – Trialene sind Sprengstoffmischungen aus TNT, Hexogen und Aluminiumpulver, das weiß doch jedes Kind.“

„Ich nicht.“

„Kein Wunder, wenn du nicht zu deinem Weltbestseller kommst, bei deiner geringen Allgemeinbildung. – Meine SC 250 ist zudem im Besitz einer Prallscheibe!“

„Wie Prallscheibe?“

„Hier nimm mal einen Zug“, sagte Falk, der seinen Joint inzwischen fertig gebaut hatte, „ist guter Stoff! – Hört sich interessant an, was dieser Fliegerleitoffizier erzählt!“

Obwohl ich seit den 68gern keinen Joint mehr angerührt hatte, nahm ich doch einen Zug, während Oberstleutnant Guntram Greulich gar munter erzählte: „Bei Einsätzen von Bomben aus geringeren Höhen, so aus 40 bis 100 Metern gegen Schiffsziele, erfolgte durch die ogivale Bombenspitze oftmals ein unkontrolliertes Abprallen von der Wasseroberfläche, teilweise sogar vom Blech des Decks, so dass die Bombe sogar über das Schiff hinaussprang, dem werfenden Flugzeug nacheilte und es somit durch die Detonation gefährdete! Durch den Anbau von Prallscheiben an die Bombenspitze der SC 250 wurde zwar das Abprallen von der Wasseroberfläche nicht verhindert, aber die Bomben wurden derart stark abgebremst, dass sie sich über der Wasseroberfläche der Länge nach überschlugen und entweder gegen die Bordwand des angegriffenen Schiffes prallten und dort durch den Aufschlagzünder sofort detonierten, oder nach kurzer Flugstrecke von 25 bis 35 Metern neben dem Schiff versanken und dann über die Verzögerungsfunktion des Zünders unter Wasser detonierten. Bei Aufschlägen auf das Deck sollte die Prallscheibe das Abprallen verhindern und die sofortige Detonation auslösen.“

„Sag bloß“, sagte Falk, zeigte sich interessiert und ich bekam nur noch rudimentär etwas von einem ‘Jericho-Gerät‘ mit, sowie irgendwas mit dem Sowjetischen Satelliten METEOR 44M, und dann war da noch irgendwas mit einer Wette.

Es ging darum, dass der Fliegerleitoffizier Oberstleutnant Guntram Greulich die Flugbahn von besagtem METEOR 44M verfolgt und berechnet hatte. Demnach müsste der Satellit übermorgen irgendwo auf den Koppelwiesen im Landschaftsschutzgebiet zu Haselünne niedergehen.

„Glaube ich nicht“, murmelte ich, „bei meinem Glück fällt der – wie sagten Sie noch gleich, Herr Oberstleutnant?“

„METEOR 44M!“

„Dann fällt der METEOR 44M bestimmt in den Garten der Wunderbaren Ulrike und ich habe wieder mächtig zu tun, wenn ich den Scheißsatelliten auch noch zum Sperrmüll bringen muss!“

„Wir können ja wetten! Fällt der METEOR 44M in den Garten deiner Ulrike, kriegst du die SC 250 mit der Trialenfüllung! – Fällt er in die Koppelwiesen, kriege ich eines von Ulrikes Bildern, den ‘Liegenden Akt‘, auf dem du so trefflich dargestellt bist. Das Bild wird Katalina, meiner Verlobten, gut gefallen.“

Diese Wette erfüllte mich zwar nicht mit voller Begeisterung, ich murmelte aber trotzdem: „Okay, so machen wir das“, weil die Wunderbare Ulrike wiederkam von irgendwas und noch ein paar Änderungen an der Platzierung ihrer Skulpturen wünschte. Da es absolut sinnlos ist, sie von irgendwas anzubringen was sie sich in den Kopf oder sonst wohin gesetzt hatte, krempelten Falk und ich nochmal die Ärmel hoch und platzierten die Skulpturen solange in der Kohlenhandlung herum, bis die Wunderbare Ulrike alles abnickte. Wir waren anschließend so erschöpft, dass ich Joint und Wette vergaß und mit der Wunderbaren Ulrike sowie Oberstleutnant Guntram Greulich und Falk an der ScheinBAR ging, einen von mir kreierten Cocktail trinken ging; - ‘Jukebox Jive‘.


Während der Vernissage am übernächsten Tag darauf, standen alle mit einem Glas Sekt in der Hand und dem Rücken zur Kunst rum. Die Wunderbare Ulrike war wie immer hinreißend charmant, die Kritiker überboten sich an Lobpreisungen, aber Katalina rief an. Ich sollte sofort kommen, irgendwas Komisches läge im Rosenbeet, das wie eine Waschmaschine aussah und sehr heiß wäre.

‚Verdammt, das ist dieser blöde Satellit!‘, dachte ich, ‚da hatte dieser ausgeknallte Fliegerleitoffizier doch ausnahmsweise mal Recht, - jedenfalls fast.‘

Ich informierte die Wunderbare Ulrike dass ich mal kurz weg müsste und machte mich auf den Weg. Erschwerend kam hinzu, dass der Fliegerleidoffizier Oberstleutnant Guntram Greulich den Absturz des METEOR 44M gemeinsam mit seiner Verlobten Katalina beobachten wollte und vor den Koppelwiesen Stellung bezogen hatte.

Ich kam nicht umhin ihn und Katalina in den Garten der Wunderbaren Ulrike zu bitten. Dann standen wir am Rosenbeet und betrachtete den Satelliten METEOR 44M, der drin lag und verhalten vor sich hin qualmte.

„Die schönen Rosen“, fluchte ich, „wer ersetzt der Wunderbaren Ulrike die jetzt?“

„Das muss Yandex.Maps machen! Yandex.Maps ist ein sowjetischer Online-Geodatendienst, welcher den METEOR 44M betrieben hat; - glaube ich jedenfalls. – Du bestellst Sperrmüll und ich fahre morgen in den Baumarkt und hol deiner Ulrike neue Rosen, viel Schönere als dieses blöde Kraut da.“

„Was? Blödes Kraut? Das sind Rosa fiipes, auch Fadenstielige Rose genannt! Die Rosa fiipes gedeiht sonst nur in Höhenlagen zwischen 1300 und 2300 Meter in den chinesischen Provinzen Gansu, Shaanxi, Sichuan, Xizang sowie Yunnan. Ein Wunder, dass die Wunderbare Ulrike die überhaupt soweit gekriegt hat.“

„Gemach“, meinte Falk, „regt euch nicht auf! Ich bringe den METEOR 44M mal eben zum Schrotthändler oder zum Recyclinghof, wenn Hagen uns inzwischen einen ‘Jukebox Jive‘ an eurer ScheinBAR zurecht macht, und stoße dann dazu! – Ist das ein Wort?“

Natürlich war das ein Wort, Aber es hatte sich was mit stoßen, denn der METEOR 44M war weiterhin zu heiß zum Anfassen und augenscheinlich zu schwer ihn ins Auto zu wuchten. Und dann war immer noch die Frage, ob der Sperrmüll sowas überhaupt mitnimmt, denn auf der Anforderungskarte für diesen war nirgends was anzukreuzen, was in irgendeiner Form mit Satelliten zu tun hatte. Ich wollte die Hässlichkeit jedenfalls aus dem Garten weg und der Wunderbaren Ulrikes Rosen ersetzt haben.

„Was sollen die Nachbarn denn denken, wenn hier so ein Monstrum rumliegt?“, fluchte ich. „Glücklicherweise sind die ‘Konrad Adenauer-Rosen‘, an denen die Wunderbare Ulrike besonders hängt, nicht beschädigt worden.“

Oberstleutnant Guntram Greulich stellte sofort irgendwelche Verbindungen zur CDU her und Katalina meinte, ich sollte das mit dem Aufräumen mal eben schnell erledigen, bevor ihres Verlobten Tinnitus wieder anschwoll. Sie wollte mal eben Nussecken à la Guildo Horn dagegen backen. Weil in ihrem Haus so schnell aber keine Aprikosenkonfitüre verfügbar war, wollte sie Kirschkonfitüre verwenden, oder lieber Mirabellenkonfitüre, was ich denn dazu meinte. Diese Gesamtsituation zauberte mir kein Lächeln der Entspannung auf das Antlitz, aber die Wunderbare Ulrike rief an, bevor ich meine Meinung abgeben konnte, fragte, wo ich solange bliebe und erzählte mir, dass sie bereits ein Bild verkauft hatte, den ‚Liegenden Akt‘. Eine Kapitänswitwe hatte ihn erworben, weil das Bildnis von mir sie an ihren seligen Gatten erinnerte, einer der letzten Kaphoorniers.

Aber egal, ich schöpfte eine Nuance Optimismus aus dieser Situation, fuhr wieder zur Vernissage und wir absolvierten diese bis zum Schluss. Nachdem die Vernissage glatt durchgegangen war, suchten wir der Wunderbaren Ulrikes Haus auf um den Satelliten, der inzwischen abgekühlt sein dürfte, gemeinsam in meinem Auto zu verlasten.

Das erübrigte sich glücklicherweise, denn zwei Männer mit stark russischem Akzent, die Genossen Karambolenko und Koschedub, Katalina stellte sie vor, hatten den METEOR 44M bereits auf ein Panjewägelchen geladen, während das Pferd des Panjewägelchens mit dem Namen ‚Cumulus‘, wie ich mitbekam, gar munter im Garten graste.

Der Genosse Koschedub war dabei Katalina einen Surimisalat ‘Mimosa‘ mit Krabbenfleischstäbchen zu bereiten, den wir dann gemeinsam verzehrten. Was mich wunderte war, dass die Russen überhaupt keinen Wodka tranken, sie lehnten unsere Einladung auf einen Cocktail an der ScheinBAR höflich aber bestimmt ab, weil sie noch fahren mussten, und ihre Namen nicht mit ‚witsch‘ endete. Der Surimisalat ‚Mimosa‘ war aber trotzdem gut.

Jedenfalls waren wieder alle vergnügt, und wir boten den Herren Karambolenko und Koschedub, diesen ganz reizenden Russen, wie Katalina bemerkte, ein Nachtlager an. Doch die ganz reizenden Russen bedauerten außerordentlich, da der METEOR 44M Eigentum der Sowjetunion sei, und sie sich beeilen müssten, ihn nach Moskau zu bringen.

Als ich kurz anklingen ließ, dass das Eigentum der Sowjetunion die Rosen der Gattung Rosa filpes vernichtet hatte, versprach der Genosse Karambolenko Rosen von Weihrauch, die sogenannte ‚Königin von Russland‘, als Ersatz zu beschaffen. Um unnötigen diplomatischen Verwicklungen zu entgehen wollte er auch pflanzen helfen. Das ließ die Wunderbare Ulrike aufmerken, da dieser Rugosa-Hybrid mit edelrosenähnlicher, weiß-rosafarbener, gefüllter Blüte und Rugosatypischer, graugrüner Belaubung eine ausgezeichnete Winterhärte, - bis -30 Grad - aufweist.

„Man kann ja nie wissen bei der momentanen Regierung“, bemerkte ich. „Darf ich die Herrschaften denn doch an die ScheinBAR bitten? Ich habe neue Cocktails kreiert!“

Als sich die Genossen Karambolenko und Koschedub, sowie Falk und Oberstleutnant Guntram Greulich auch noch über das ‚Unternehmen Barbarossa‘ an der Schein BAR zu unterhalten begannen, weil Cumulus noch nicht zu Ende gegrast, aber noch einen weiten Weg vor sich hatte, wurde mir leicht flau in der Magengegend, vermutlich wegen dem Surimisalat ‘Mimosa‘ mit Krabbenfleischstäbchen. Glücklicherweise brachte Katalina die Nussecken rein, mit Marzipanmasse, Macadamianüssen und mächtig Cognac gebacken.

Die Wunderbare Ulrike und ich blieben noch eine Weile, an der ScheinBAR sitzen, verzehrten Nussecken sowie von mir frisch kreierte Cocktails, die ‘Rattlesnakes‘ und lauschten den Erzählungen vom Unternehmen Barbarossa. Der Genosse Koschedub war der Ansicht, dass während der Kesselschlacht bei Bialystok mehr Artillerie hätte eingesetzt werden müssen, während Oberstleutnant Guntram Greulich den Standpunkt vertrat, dass die von deutschen Truppen erbeuteten Iljuschin Il-2 ‘Schturmowik‘ hätten zu diesem Zeitpunkt unbedingt zum Einsatz gebracht werden müssen. Die ‘Schturmowiks‘ wurden jedoch nur getestet und nicht von der Luftwaffe bedienstet, da die Flugzeuge als für die Piloten für gefährlich eingestuft wurden, weil sie keinen technischen Normen entsprachen.

„Wusstet ihr eigentlich“, bemerkte Oberstleutnant Guntram Greulich weiterhin und nahm noch eine Nussecke sowie einen Pflaumenschnaps zu sich, „das Finnland bis 1944 bevorzugt sowjetische Beuteflugzeuge erhielt, die Il-2 aber auch nicht verwendete? – Ausgezeichnet, die Nussecke.“

Ich hielt mich da raus und drängte zum Aufbruch, da die Nussecken langsam zur Neige gingen und Oberstleutnant Guntram Greulich situationsbedingt dazu neigte, weitere Pflaumenschnäpse zu sich zu nehmen.

Die Situation war zugegebenermaßen etwas abstrus, zumal am nächsten Tag, ich arbeitete endlich mal wieder an meinem potentiellen Weltbestseller, erneut eine Kiste geliefert und neben die ScheinBAR gestellt worden war. Ich hielt die Kiste für den Transportbehälter irgendwelcher geheimen Dokumente für die ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘, und überlegte, wie ich sie als Irrläufer deklarieren und zurückschicken könnte.

Nun, ich gab den Trägern ein angemessenes Trinkgeld, sie murmelten, „Danke Cheffe“, und wandte mich wieder meiner Arbeit zu, weil ich ausnutzen wollte, dass die Wunderbare Ulrike in die Kohlenhandlung, auf den Wochenmarkt und anschließend zu einem Fräulein Gerda gehen wollte, um mit noch einigen Mädels Rommé zu spielen.

Doch kaum hatte ich ein paar Sätze geschrieben, ich tue mich mit den Anfangssätzen immer dämonisch schwer, erschien Oberstleutnant Guntram Greulich und wollte wissen, ob die ‘SC 250 mit Trialenfüllung‘ im ‘Transportbehälter 250‘ auch ordnungsgemäß geliefert worden war.

„Was? – Hier ist keine SC 250 geliefert worden.“

„Doch! Da steht sie doch an eurer ScheinBAR! Augenscheinlich ist alles in Ordnung, du hast ‘ein Stück Abwurfmunition‘ also eine Bombe doch bei einer Wette gewonnen, und ich habe sie geliefert. Ein Mann, ein Wort. Ehrensache.“

„Wie, Wette?“

„Mann, du hast bei unserer Wette in der Kohlenhandlung eine Bombe gewonnen! Erinnerst du dich nicht mehr?“

„Ach du je. Das kommt dabei raus, wenn man bekifft ist. Das erste Mal seit ‘68 fass ich einen Joint an und dann gleich sowas! Kein Wort zu der Wunderbaren Ulrike, die frikassiert mich, wenn sie mitbekommt, dass ich am Joint genuckelt habe, und dass in unserer Wohnung eine Bombe rumsteht. Sei gut und nimm die Bombe wieder mit, ich schenke sie dir. Du kriegst auch einen Pflaumenschnaps.“

„Geht nicht.“

„Warum nicht?“

„Ich hab’s im Kreuz und meine Leute haben schon Feierabend gemacht. Aber den Pflaumenschnaps nehm ich gerne. – Man so ein Stück Abwurfmunition wiegt um die 250 Kilo ohne den Transportbehälter! Daraus leitet sich auch die Bezeichnung SC 250 ab.“

„Ist da etwa noch Sprengstoff drin?“, fragte ich und stellte Oberstleutnant Guntram Greulich den Pflaumenschnaps hin.

„Danke. – Natürlich! Wir haben schließlich nicht um einen Dummy gewettet.“

„Ach du Scheiße. Ist die eigentlich scharf?“

„Nein, aber ich kann sie dir mal eben scharf machen. Die beiden Zünder vom Typ 38 sind mit in dem Transportbehälter. Der Elektroaufschlagzünder Typ 38 wurde übrigens für den Einsatz in Low-Level-Bereich eingesetzt. Interessant nicht wahr?“ Oberstleutnant Guntram Greulich trank den Pflaumenschnaps.

„Wie, die beiden Zünder?“, fragte ich.

„Na, die SC 250 hat Einbaubuchsen für zwei Zünder, seitlich angebracht. Ich zeige es dir mal eben.“

„Um Gotteswillen, mach die Kiste nicht auf! Ich will damit nichts zu tun haben! Elektroaufschlagzünder vom Typ 38! – Sag mal spinnst du?“

„Ich könnte dir natürlich auch einen Dinort-Stab besorgen, wenn dir der Elektroaufschlagzünder Typ 38 nicht gefällt. – Kann ich noch einen haben?“

„Guntram, du machst mich wahnsinnig!“ Ich stellte Oberstleutnant Guntram Greulich noch einen Pflaumenschnaps hin und sagte: „Ich habe nichts lieber, als eine ausgeglichene Gemütslage! Die erreiche ich aber nicht, wenn in unserer Wohnung irgendwelche funktionstüchtige Abwurfmunition rumsteht, weil das von der Wunderbaren Ulrike nicht sonderlich gerne gesehen wird. Da ändern auch die ausgebauten Elektroaufschlagzünder vom Typ 38 oder dieser dämliche Dinortstab nichts.“

„Wieso ist der Dinortstab denn dämlich?“ Oberstleutnant Guntram Greulich trank den Schnaps und fuhr fort: „Die nach dem Stuka-Piloten Oskar Dinort benannten Stäbe wurden an die Bombenspitze geschraubt. Dinortstäbe dienten dazu, dass die Bombe schon beim Auftreffen der Spitze des Dinortstabes durch Auslösung des normalen Bombenzünders ansprach. Dadurch erreichst du einen gewissen Abstandszünder-Effekt, der eine optimale Verteilung der Splitter verspricht.“

„Guntram. Bitte, ich will die Bombe nebst Dinortstab hier nicht haben.“

„Wieso? Ist doch ein sehr schönes Stück, ein funktionstüchtiges Exponat! Du könntest damit einen ganzen Häuserblock wegsprengen.“

„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich weder die Splitter optimal verteilen, noch einen Häuserblock wegsprengen will.“

„Natürlich nicht! Aber du könntest! – Das ist doch ein starkes Gefühl!“

„Stake Gefühle habe ich lieber mit der Wunderbaren Ulrike! – Es gibt da so ein schönes Sprichwort, das besagt: ‚Wenn du vom Esel sprichst, dann kommt er gleich um die Ecke gelaufen‘, oder so ähnlich.“

Jedenfalls kam die Wunderbare Ulrike einfach so rein und wir absolvierten unser Begrüßungsritual.

„Du“, sagte sie anschließend, „Fräulein Gerda ist mit ihrem neuen Freund etwas überstürzt nach Portofino aufgebrochen, Urlaub machen und streifenlos braun werden. – Du musst nur aufpassen, dass er weder verfettet noch zu dünn wird.“

„Warum soll ich denn Aufpassen, dass der neue Freund Fräulein Gerdas weder verfettet noch zu dünn wird?“

„Den Goldfisch meine ich! – Futter musst du ihm allerdings noch beschaffen, habe ich in der Eile vergessen.“

Sie hatte um zu unserer Begrüßungszeremonie die Hände frei zu haben, ein Glas nebst Goldfisch auf den Transportbehälter für die SC 250 gestellt.

„Das ist Agamemnon“, sagte die Wunderbare Ulrike, “ich habe ihn in Pflege genommen, während Fräulein Gerda mit ihrem neuen Freund im Urlaub ist. Er könnte doch solange in deinem Arbeitszimmer auf dem Tisch stehen.“

„Das geht gar nicht“, sagte ich, „ein Goldfisch bringt zu viel Hektik in mein Arbeitszimmer! Aber der Herr Oberstleutnant Greulich hat uns wieder eine Kiste gebracht. Wunderhübsch, nicht wahr? Wir legen erst ein Deckchen drauf und dann den Goldfisch. Ist ja nur für kurze Zeit, dann nimmt der Herr Oberstleutnant Greulich die Kiste bestimmt wieder mit, und wir geben Agamemnon zurück. In meinem Arbeitszimmer will ich jedenfalls keinen Goldfisch haben; - diese hektischen Viecher kann ich in meinem Arbeitszimmer nicht ertragen!“

Das sah die Wunderbare Ulrike ein, legte ein handgehäkeltes Deckchen aus lichtblauem Baumwollgarn mit Hohlsaum-Umhäckelung auf den Transportbehälter für und mit der SC 250, stellte das Glas mit Agamemnon darin darauf und ging, weil Katalina auch noch kam, in die Küche um Kaffee zu kochen.

Wir spielten den Abend noch ein wenig Scrabble weil mir in diesem Stress absolut keine neuen Cocktail eingefallen waren und ich war froh, dass die Wunderbare Ulrike nicht nach dem Inhalt der Kiste fragte, denn dann hätte ich lügen müssen, was ich, wie jeder weiß, nicht kann. Deshalb war ich auch hochgradig besorgt, dass der Herr Oberstleutnant ihr voller Begeisterung die Bombe auf dem Flur zeigen würde, die von der Wunderbaren Ulrike in unserer Wohnung mit Sicherheit nicht sonderlich gerne gesehen werden würde. Ein wenig brenzlig wurde es allerdinge, als ich ‚MUNITION‘ legte, und der Oberstleutnant Guntram Greulich dieses Wort mit ‚ABWURFMUNITION‘ komplettierte. Die Wunderbare Ulrike kannte das überhaupt nicht und wollte wissen, was sowas ist. Sie beherrscht mehr ‘Chrysanthemen‘ und ähnliches Gestrüpp, auf das ich wiederum nicht gekommen, geschweige denn zu legen in der Lage gewesen wäre. Glücklicherweise legte Katalina an das ‘B‘ das Wort ‘BOUGASTA‘, einer Spezialität aus der Stadt Thessaloniki. Das Bougasta ist ein äußerst delikates Blätterteigdessert, wie wir nach umfangreicher Recherche herausfanden.

Nun, unsere Gäste gingen auch in Bälde, weil Katalina mal wieder Bougasta backen wollte, und die Wunderbare Ulrike und ich ins Bett.


Eigentlich passierte dann weiterhin nichts, außer dass ich für Agamemnon in die Zoohandlung fuhr, Futter kaufen und mich bei der Gelegenheit gleich ein wenig über die artgerechte Haltung Agamemnons informieren wollte.

„Goldfische gelten zwar als Pflanzenfresser und sind Friedfische“, klärte mich der freundliche Aquarienbedarfsfachhändler auf, „fressen aber auch kleinere Fische, Schnecken und ihren Laich oder Nachwuchs, sofern er im Aquarium verbleibt. Ihnen schmeckt fast alles und sie haben gerne Abwechslung auf dem Speisezettel. Goldfische sind verfressen und werden Sie immer anbetteln, sobald Sie in die Nähe des Aquariums kommen. Sie können ihm gerne drei bis fünf kleine Mahlzeiten am Tag gönnen, die von ihrem Agamemnon in zwei bis drei Minuten vollständig aufgefressen sein sollten. Achten Sie bitte auf den Futterzustand Ihres Fisches – er sollte nicht zu schlank sein aber auch keinesfalls verfetten.“

Diese ebenso neue wie zeitintensive Herausforderung musste ich annehmen. Um kleinere Fische, Schnecken und ihren Laich oder Nachwuchs zu züchten erwarb ich auch ein zweites Aquarium mit kleinen Fischen und Schnecken nebst allerhand Grünzeugs, damit Agamemnon sich bei uns auch wohl fühlen sollte, welches ich neben das Glas mit Agamemnon auf die Transportkiste 250 mit handgehäkeltem Deckchen aus lichtblauem Baumwollgarn mit Hohlsaum-Umhäckelung stellte.

Ich kam wieder nicht so recht zu meinem potentiellen Weltbestseller, da ich Agamemnon fünf Mal am Tag mit gekochtem Gemüse, überbrüten Salaten oder frischem Obst fütterte. Brokkoli und Erbsen bereicherten den Speisezettel Agamemnons ebenfalls, wurden von ihm aber nicht sonderlich gerne gegessen, dafür aber der Nachwuchs Annegrets, einer besonders schönen Spitzschlammschnecke.

Ich machte zudem die Erfahrung, dass Armleuchteralgen und Froschbiss von Agamemnon gerne genommen wurde, er verschmähte allerdings das gemeine aber kostenintensive Nixenkraut.

Als ich wieder mal Agamemnons Wasser gewechselt und auf die von ihm bevorzugte Temperatur von 22,5 Grad gebracht hatte, rief die Wunderbare Ulrike ganz aufgeregt aus der Kohlenhandlung an und erzählte mir, das gerade eine Abrissbirne an dieselbe donnerte.

Ich rief Oberstleutnant Guntram Greulich sowie Falk an, einen Transporter besorgen, um der Wunderbaren Ulrikes Skulpturen, Plastiken und Bilder zu retten und eilte zu der Kohlenhandlung.

Dort saßen der Besitzer derselben sowie die Wunderbare Ulrike, die sich damit beschäftigte schön zu sein und mir den Abbruchunternehmer Paul von der Ramme vorstellte, bei einem Tässchen Tee rum. Allen war alles sichtbar peinlich, weil sich der Besitzer der Kohlenhandlung um eine Woche mit dem Abriss verbumfiedelt hatte, Paul von der Ramme, weil er anschließend noch einen Spitzbunker niederzurammen gedachte und der Wunderbaren Ulrike weil sie die Einladungen zur feierlichen Finissage ihrer Ausstellung bereits rausgeschickt hatte.

Paul von der Ramme erzählte, dass er ein Grundstück billig erworben hatte; - allerdings mit der Auflage, dass der Spitzbunker darauf verschwinden müsse.

Irgendwie konnte keiner dem anderen böse sein und als Falk und der Oberstleutnant Guntram Greulich nebst Kleintransporter eintrafen und erst mal ein Tässchen Tee zu sich nahmen, waren alle relativ entspannt und Paul von der Ramme half sogar mit, der lieben Ulrikes Skulpturen, Plastiken und Bilder in den Kleintransporter zu verbringen. Er wollte sogar eine Skulptur kaufen, wenn die Sache mit dem Spitzbunker durch wäre und Falk baute einen Joint.

Dann lief irgendwas, was ich nicht mitbekam, weil ich mit der Wunderbaren Ulrike wieder nach Hause eilte, Agamemnon füttern. Die Wunderbare Ulrike war der Ansicht, dass ich die Sache mit dem blöden Goldfisch etwas übertreiben würde, zumal ich den Versuch unternommen hatte, Agamemnon mit Safran gewürztem Kaviar zu füttern.

Dieses Experiment verlief allerdings nicht so ganz zu meiner Zufriedenheit und ich stellte Überlegungen an, den verbliebenen Safran für ein von der lieben Ulrike hochgeschätztes Safran-Estragon-Hühnergericht zu verwenden. Es musste dazu nur noch ein Huhn beschafft werden, was ich mir als nächstes zu tun vornahm, denn nach einem stressigen Tag ist dank solcher Speisen sowie einem Cocktail an der ScheinBAR der Entspannung kein Riegel mehr vorgesetzt.

Ich kam nicht zu Ende mit der Planung für die Zubereitung des Safran-Estragon-Hühnergerichtes weil Oberstleutnant Guntram Greulich, Falk und seltsamerweise auch der Abbruchunternehmer Paul von der Ramme mit dem Transporter eintrafen. Wir brachten die Skulpturen, Plastiken und Bilder in unsere Garage und dann gemeinsam den Transportbehälter 250 mit der SC 250 mit Prallscheibe nebst Zündern vom Typ 38 darin in den Transporter, und dann kam auch noch Fräulein Gerda, erzählte von ihrem Urlaub, summte dauernd das Lied Love in Portofino, welches 1958 ein Hit war und von Fred Buscaglione komponiert und von Leo Chiosso geschrieben wurde, wie sie uns erzählte, und wollte ihren Agamemnon wiederhaben.

Weil Fräulein Gerda behauptete, das sei nicht ihr Agamemnon, denn ihrer war nicht so überfettet, wie der den sie bei uns in Pflege gegeben hatte. Sicher wäre ihr Agamemnon wegen mangelnder Pflege bei uns gestorben und wir würden nun versuchen ihr einen ordinären, dicken Goldfisch unterzujubeln. Überhaupt könnten Künstler keine Goldfische ordentlich pflegen, summte wieder Love in Portofino und erzählte von der romantischen Chiesa di San Giorgio aus dem 12. Jahrhundert: „Sie wurde nach ihrer kompletten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg 1950 rekonstruiert. In der Kirche werden die Reliquien von Sankt Georg aufbewahrt.“

Ich konnte nichts anderes tun, als mit den Herren die Flucht zu ergreifen, während sich die Wunderbare Ulrike zu einem klärenden Gespräch sowie etlichen Urlaubserinnerungen mit Fräulein Gerda an die ScheinBAR zurückzog um ihr stolz den von mir vor Urzeiten kreierten ‘Roll in Wonderful Ulrike's Arms‘ zu mixen.

Wir Männer fuhren aber nicht zu Oberstleutnant Guntram Greulich, der die SC 250 wieder in seine Sammlung Deutscher Abwurfmunition zu integrieren gedachte, sondern zu einer etwas verwahrlost erscheinenden Liegenschaft, auf dem ein Spitzbunker wie ein drohendes Menetekel in den Himmel ragte.

„Den sprengen wir jetzt mit der SC 250“, sagte Oberstleutnant Guntram Greulich mit leuchtenden Augen, „ist zwar schade um das schöne Exponat, aber da werdet ihr mal sehen, was die Deutsche Abwurfmunition zu leisten vermag!“

Paul von der Ramme war begeistert, Falk begann einen Joint zu drehen und ich hielt mich da raus, denn ich war froh darüber, dass die Bombe von der ScheinBAR verschwunden war ohne dass die Wunderbare Ulrike etwas von deren Existenz mitbekommen hatte und plante gedanklich weiterhin den Einkauf eines Huhns für das Safran-Estragon-Hühnergericht.

Aber war es mit einem einfachen Huhn getan?

Da liegen nämlich in der Tiefkühltheke im Supermarkt Haselünnes stets Hühner der mannigfaltigen Art: Brathähnchen, Deutsche Hähnchen, Poularden, Suppenhühner, ergänzt durch das Angebot frischer Ware, als da wären: Maishähnchen, Biohähnchen sowie Bauernhofhähnchen, irgendwas war da noch mit Stubenhähnchen und Kapaunen. Im Feinkostgeschäft kommen noch Bresse-Poularden dazu, die von der lieben Ulrike außerordentlich geschätzt und von ihr an besonderen Feiertagen gerne zu Bresse-Poularden im Lorbeer-Speck-Mantel mit Balsamico-Linsen zubereitet wurde. Ich konnte da zwar nicht mithalten, wollte ihr aber mal mit meinem Safran-Estragon-Hühnergericht zeigen, dass ich auch als Koch meinen Mann stehen konnte und nicht als Universalversager dastand.

Egal, Paul von der Ramme fuhr den Kleintransporter an den Spitzbunker, wir luden die Bombe aus und befreiten sie von dem Transportbehälter. Sodann band Paul mehrere Abschleppseile zusammen und führte das so entstandene lange Seil durch das oberste Lüftungsloch in dem Spitzbunker, während Oberstleutnant Guntram Greulich das Ende des Seils am Leitwerk der SC 250 befestigte. Wir starteten den Transporter und zogen die Bombe in etwa Brusthöhe Oberstleutnant Guntram Greulichs, der sofort begann, die Zünder einzubauen und sorgsam einzustellen. Den dazugehörigen Vorträgen entging ich indem ich, gemeinsam mit Falk, der wieder begann einen Joint zu bauen, eine geeignete Deckung aufsuchte und die Wunderbare Ulrike wegen eines Huhns anrief.

Das Huhn interessierte sie nicht, schließlich hatte sie eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet, was den blöden Goldfisch betraf und der ‘Roll in Wonderful Ulrike's Arms‘ hatte auch nicht Fräulein Gerdas grenzenlose Begeisterung hervorgerufen. Sicher weil ihr neuer Freund ihr keinen neuen Cocktail kreierte und ihr widmete, aber egal. Es war der Wunderbaren Ulrike aber trotzdem geglückt, sie zu überzeugen dass es sich tatsächlich um Agamemnon handelte, und was ich mir dabei gedacht hätte, das arme Tier derart zu überfüttern. Und sie wollte wissen, wo ich denn steckte.

Ich sagte ihr den Standort des Spitzbunkers und die Wunderbare Ulrike schrie schrill auf: „Was suchst du denn in dieser obskuren Gegend? Das steht doch so ein hässlicher Bunker aus dem zweiten Weltkrieg! Da sind doch sicher Ratten und Fledermäuse drin! Ich will nicht, dass du mit so einem Viehzeug in Berührung kommst! Komm sofort nach Hause!“

„Das geht nicht, wir müssen den Bunker erst sprengen, aber dann komme ich gleich nach Hause, wenn das erledigt ist. – Was soll ich denn für ein Huhn mitbringen?“

Die Wunderbare Ulrike legte, was sonst nicht ihre Art ist, einfach auf und ich mich in meinem Deckungsloch bequem hin. Falk hatte seinen Joint zu Ende gebaut und zündete ihn an.

In diesem Moment rumste es gewaltig aus der Richtung des Spitzbunkers und Falk meinte: „Mann, war das aber ein Flash von dem Joint! Mein lieber Mann! Ich glaube, ich sollte die Kifferei in Zukunft lassen, oder was meinst du?“

„In der Tat, besser ist das! – Als ich das letzte Mal am Joint gezogen hatte, ist auch Fürchterliches passiert, an der Beseitigung der dabei entstandenen Kollateralschäden arbeite ich immer noch, denn nichts endet wie geplant!“

„Stimmt“, sagte Falk und warf seinen Joint weg.

Wir wollten aber mal nach den anderen beiden Herren sehen und ihnen gegebenenfalls Erste Hilfe leisten.

Oberstleutnant Guntram Greulich und der Abbruchunternehmer Paul von der Ramme hatten die Detonation der SC 250 aber unbeschadet überstanden. Sie waren in dem Transporter geblieben und gerade dabei auszusteigen. Ich verteilte Zigaretten weil vor lauter Qualm und Verräuchern nichts von den Rudimenten des Spitzbunkers zu sehen war. Wir erwarteten mit Spannung das Sichverziehen des Rauches. Das dauerte eine Weile, wir rauchten und dann hub Oberstleutnant Guntram Greulich zu fluchen und die Wunderbare Ulrike kam auch an.

„Was macht ihr hier?“, fragte die Wunderbare Ulrike drakonisch.

„Denken!“, antwortete ich. „Wie du siehst haben wir soeben den hässlichen Spitzbunker weggesprengt, nur ist es uns nicht so ganz geglückt. Nun denken wir darüber nach, wie es weiter gehen soll.“

„Leider“, murmelte Oberstleutnant Guntram Greulich, „wir hätten eine SC 500 verwenden sollen, aber derartige Abwurfmunition befindet sich leider nicht in meinem Besitz.“

In der Tat sah der Bunker etwas aufgebläht aus, als hätte es sich die Explosion mitten in ihrem Vorgehen überlegt und sich etwas zurückgenommen. Der Spitzbunker war in etwa doppelt so bereit, aber nur noch halb so hoch, zudem ragte ein rostiges Gestell aus Eisenstangen an einigen Stellen aus den Rudimenten des Bunkers.

„Das war wohl nix“, sagte Paul von der Ramme, „naja, gegen gute deutsche Wertarbeit ist eben kein Kraut gewachsen.“

„Die Bombe war auch gute deutsche Wertarbeit“, entgegnete Oberstleutnant Guntram Greulich, „sowas kommt dann dabei heraus, wenn zweimal gute deutsche Wertarbeit aufeinander prallt.“

„Den Bunker ist in diesem Zustand nicht mit einer weiteren Bombe komplett niederzumachen“, sagte Falk, „es ist ein ebenso hoffnungsloses Unterfangen, wie Jogi Löw einen Lacher zu entlocken.“

Wir guckten alle recht bedrabbelt drein, aber dann kam der Wunderbaren Ulrike wieder mal eine ihrer ebenso glorreichen wie brillanten Ideen: „Du hast doch eine Abrissbirne“, sprach sie zu dem Bauunternehmer Paul von der Ramme, „da könntest du doch stressgeplagten Managern die Möglichkeit geben, die Birne an die Relikte das Bunkers donnern zu lassen. Das befreit ungemein; - die Männer werden sich nach dem Niedermachen des Bunkers aufgebaut fühlen!“

Für eine Weile herrschte betretenes Schweigen, aber dann meinte Paul von der Ramme: „Eine gute Idee! Ich werde Seminare veranstalten. Mit einem meiner Radlader könnten die Manager mir auch gleich das Gelände planieren und mit meinen Baggern könnten sie auch richtig baggern! Platz genug für ein Baggerloch habe ich ja auch.“

„Oh fein“, rief Oberstleutnant Guntram Greulich, „hast du auch einen Raupenbagger mit einer vollhydraulischen Schnellwechseleinrichtung und GPS-Steuerung? Sowas wollte ich schon als kleiner Junge schon mal fahren!“

„Natürlich!“, brummte Paul, „‘habe gerade so ein Gerät angeschafft.“

„Hast du vielleicht einen Job für mich?“, fragte Falk. „ich habe bereits Erfahrung auf Seilbaggern mit Schürfkübelausrüstung!“

„Aber natürlich! Wenn die Idee greift, werde ich sowieso Personal benötigen. – Vorausgesetzt, du kiffst nicht mehr!“

„Das habe ich sowieso vorhin aufgegeben.“

Das Gespräch ging noch eine Weile so weiter, ich vernahm gerade noch Pauls Äußerung: „Schürfkübelmaschinen lösen das Erdreich während des Fahrens mit einem sogenannten ‘Schürfkübel‘ als Grabwerkzeug. Dieser ist in der Mitte der Maschine angeordnet und nimmt das gelöste Erdreich nach dem Schneiden auf. Der gefüllte Schürfkübel wird dann vom Boden gelöst und zum Transport des Erdreichs verwendet. An der Abgabestelle wird das Erdreich während des Fahrens durch Kippen des Kübels verteilt. Schürfkübelmaschinen gliedern sich in ‘Schürfzüge‘ und ‘Schürfraupen‘ …“, als die Wunderbare Ulrike mich fortzog.

„Ja, ja, das Kind im Manne!“, meinte sie. „Wir haben jetzt aber Wichtigeres zu tun! Du wolltest ein Huhn besorgen?“

„Ja, ich möchte uns gerne ein Safran-Estragon-Hühnergericht zubereiten.“

„Dazu genügt ein einfaches Grillhähnchen! Du musst nur das Grillhähnchen häuten, das Fleisch von den Knochen lösen und in kleine, mundgerechte Stücke zupfen. Etwas Hühnerbrühe mit gemahlenem Safran und getrocknetem Estragon aufkochen ...“

Die Wunderbare Ulrike gab mir das komplette Rezept für das Safran-Estragon-Hühnergericht, schaute Zuhause bei der Zubereitung ab und zu mal herein und lobte mich sogar dermaßen, dass ich Kochen als eins meiner neuen Hobbys auserkor. Morgigen Tages werde ich mich mal mit Currywust versuchen, mal sehen, ob ich die auch hinkriege, dann dürfte meiner Karriere als Sternekoch nichts mehr im Wege stehen.

Bei der Betrachtung Annegrets, der geneigte Leser erinnert sich noch der besonders schönen Spitzschlammschnecke, die nebst Aquarium mitzunehmen sich Fräulein Gerda beharrlich geweigert hatte, nur die kleinen Fische wollte sie zu Agamemnons Gesellschaft mit ins Glas tun, und deren Aquarium nun auf meinem Schreibtisch steht. Beim Abweiden des Nixenkrautes durch Annegret, kam mir der Gedanke, die Armleuchteralgen und den Froschbiss in irgendeiner Form kulinarisch zu verwenden.

Da Annegret bei dieser Tätigkeit nicht halb so viel Hektik verbreitete, wie Agamemnon zu jeder Minute, formten sich bereits die ersten Gedanken, speziell den Froschbiss alternativ zum Brokkoli zu verwenden, aber vorher habe ich noch ein FAX der Britisch Spacecraft zu beantworten.

Die Britisch Spacecraft hatte nämlich bereits von unseren neuen Aktivitäten gehört und fragte an, ob ein Hochlöffel-Seilbagger zur Verfügung stand. In diesem Fall würde sie gerne ihr gesamtes Management auf das Sonderseminar ‘Abriss des Bunkers Hatschepsut‘ bei uns anmelden.

Da ich reinweg nichts von Hochlöffel-Seilbaggern, komisch, ich hatte mal einen Cocktail ‘Hochlöffelseilbagger‘ genannt, sowie von Bunkern namens ‘Hatschepsut‘ verstehe, werde ich das Fax an den Abbruchunternehmer Paul von der Ramme weiterleiten, Annegret weiterhin beim Abweiden des Nixenkrautes zuschauen und vor dem Schlafengehen mit der Wunderbaren Ulrike einen ‘Hochlöffelseilbagger‘ oder einen ‘Roll in Wonderful Ulrike's Arms‘ an der ScheinBAR verkosten ...


Für den geneigten Leser, den die Cocktails interessieren, die in dieser wahren Geschichte vorkommen:

Jukebox Jive
4 cl Rum
4 cl Genever, rot
8 Tropfen Angostura
Auffüllen mit Tonic
Eis
Deco Zitronenscheibe oder Olive

Rattlesnake
1 Tropfen Granatapfelsirup
4 cl Blue Curaçao
2 cl Raki
Auffüllen mit Sprudelwasser
Eis
Deco Cocktailkirsche oder Pfefferminztäfelchen

Roll in Wonderful Ulrike's Arms
1 Tropfen Granatapfelsirup
4 cl Gin
4 cl Licor 43
Auffüllen mit Zitronenlimonade
Eis
Deco Zitronenscheibe
 

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