Die Chaussee

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hein

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Der Chausseewärter steht in dem verschlampten Graben und wirft mit kraftvollen Schwüngen Schaufel um Schaufel der schleimigen, mit Gras durchwachsenen und mit Unrat durchsetzten Masse auf die Böschung. Ein Frosch, der sich nicht schnell genug aus dem Staub bzw. dem Schlamm gemacht hat landet auf der Schaufel, wird rechtzeitig gesehen und mit der Hand mehr oder weniger behutsam in die angrenzende feuchte Wiese befördert. Nach zwei Stunden, hinter sich eine kurze Strecke glatten, ordnungsgemäßen Grabens und vor sich eine noch unendlich erscheinende Strecke an Wildwuchs, macht er eine Pause, steigt hinaus und setzt sich mit seiner Brottasche an den Rand des festen Weges. Das Brot in der einen und den mit Kaffee gefüllten Deckel der Thermosflasche in der anderen Hand genießt er die leicht durchkommende Sonne. Dabei fällt sein schweifender Blick auf einen kleinen halbrunden Gegenstand, der aus dem schon leicht angetrockneten Modder herausragt. Am Ende der kurzen Pause hebt er das jetzt als Hufeisen erkannte Teil auf, reinigt es in einer nahen Pfütze und wirft es zu seinen anderen Sachen. Abends wird er es mitnehmen und seiner Sammlung von am Straßenrand gefundenen Schätzen hinzufügen.
Am Sonntagmittag macht ihn seine Frau auf das achtlos auf der Fensterbank neben der Hintertür abgelegte Stück Eisen aufmerksam. Ein deutlicher Unterton lässt erkennen das es dort nicht hingehört und die gewohnte Ordnung stört. Nach dem Essen bringt er das Hufeisen in den Schuppen und wirft es in die Kiste zu den anderen Fundstücken. Dabei achtet er darauf, dass die beiden schönen steinernen Pfeilspitzen, die er vor einigen Jahren an fast gleicher Stelle gefunden hat, nicht beschädigt werden. Dann holt er sich einen Gartenstuhl und sucht sich einen schönen schattigen Platz für die Mittagsstunde.
Beim Einschlafen denkt an seine schon seit Jahrtausenden benutze Straße und was die wohl schon alles gesehen und erlebt hat: Rentierjäger und Händler, Krieger und Könige, Wikinger und Friesen, Ochsen, Kutschen und Autos. Und er ist stolz, dass er seinen kleinen Teil zu der langen Geschichte beitragen kann.
 

Lord Nelson

Mitglied
hallo Hein,

der Protagonist lässt sich von der schweißtreibenden Arbeit nicht schrecken. Er betreibt sie wie eine gemächliche Schatzsuche. Der Leser kann seine Emotionen gut nachvollziehen. Sehr geschickt die Episode mit dem Frosch: so weckst du gleich eingangs Sympathie für den Mann.

Bleibt nur eine Frage offen: welcher alte Schlamper hat ihn wohl verschlampt, den Graben?

Viele Grüße
Lord Nelson
 

hein

Mitglied
Hallo Lord Nelson,

danke für den Kommentar und den dezenten Hinweis.

Ich werde die Schlampigkeit gleich mal berichtigen.

Gruß
hein
 

hein

Mitglied
Der Chausseewärter steht in dem verschlammten Graben und wirft mit kraftvollen Schwüngen Schaufel um Schaufel der schleimigen, mit Gras durchwachsenen und mit Unrat durchsetzten Masse auf die Böschung. Ein Frosch, der sich nicht schnell genug aus dem Staub bzw. dem Schlamm gemacht hat landet auf der Schaufel, wird rechtzeitig gesehen und mit der Hand mehr oder weniger behutsam in die angrenzende feuchte Wiese befördert. Nach zwei Stunden, hinter sich eine kurze Strecke glatten, ordnungsgemäßen Grabens und vor sich eine noch unendlich erscheinende Strecke an Wildwuchs, macht er eine Pause, steigt hinaus und setzt sich mit seiner Brottasche an den Rand des festen Weges. Das Brot in der einen und den mit Kaffee gefüllten Deckel der Thermosflasche in der anderen Hand genießt er die leicht durchkommende Sonne. Dabei fällt sein schweifender Blick auf einen kleinen halbrunden Gegenstand, der aus dem schon leicht angetrockneten Modder herausragt. Am Ende der kurzen Pause hebt er das jetzt als Hufeisen erkannte Teil auf, reinigt es in einer nahen Pfütze und wirft es zu seinen anderen Sachen. Abends wird er es mitnehmen und seiner Sammlung von am Straßenrand gefundenen Schätzen hinzufügen.
Am Sonntagmittag macht ihn seine Frau auf das achtlos auf der Fensterbank neben der Hintertür abgelegte Stück Eisen aufmerksam. Ein deutlicher Unterton lässt erkennen das es dort nicht hingehört und die gewohnte Ordnung stört. Nach dem Essen bringt er das Hufeisen in den Schuppen und wirft es in die Kiste zu den anderen Fundstücken. Dabei achtet er darauf, dass die beiden schönen steinernen Pfeilspitzen, die er vor einigen Jahren an fast gleicher Stelle gefunden hat, nicht beschädigt werden. Dann holt er sich einen Gartenstuhl und sucht sich einen schönen schattigen Platz für die Mittagsstunde.
Beim Einschlafen denkt an seine schon seit Jahrtausenden benutze Straße und was die wohl schon alles gesehen und erlebt hat: Rentierjäger und Händler, Krieger und Könige, Wikinger und Friesen, Ochsen, Kutschen und Autos. Und er ist stolz, dass er seinen kleinen Teil zu der langen Geschichte beitragen kann.
 

anbas

Mitglied
Moin hein,

mir gefällt diese kleine Geschichte. Ähnliche Gedanken kenne ich auch von mir - oder ich überlege mir, wie die Gegend, in der ich mich gerade befinde, vor einigen hundert Jahren ausgesehen haben mag ...

Zum handwerklichen Teil habe ich folgende Gedanken:
Zum einen würde ich zwischen den Absätzen jeweils eine Freizeile setzen. Dies erhöht zum einen den Lesekomfort und würde auch thematisch passen.
Dann gibt es einige Sätze, aus denen ich zwei oder drei machen würde - sie sind mir jedenfalls zu lang.
Insgesamt ist mir der Erzählstil fast schon ein bisschen zu dröge. Doch möglicherweise ist das ja genau der Stil, in dem Du erzählen willst, also norddeutsch trocken ;). Ändern könnte man dies z.B. indem man die Ansage der Frau in direkter Rede bringt. Auch besteht die Geschichte fast nur aus visuellen Eindrücken. Wie wäre es, sie etwas weiter auszubauen, in dem Du andere Sinneswahrnehmungen mit aufnimmst: Vogelstimmen, vorbeifahrende Autos, den quakenden Frosch, der Duft des Kaffees, der Gestank des Modders usw.
Es geht natürlich nicht darum, die Geschichte jetzt mit all den Eindrücken und einer Flut von Adjektiven zu erschlagen - aber eine Prise davon würde ihr, meiner Meinung nach, gut tun.

Wie gesagt, das sind Gedanken von mir. Ob und welche Du davon aufnimmst, bleibt selbstverständlich Dir überlassen. In der "Sprache" unseres Bewertungs-Systems würde ich sagen: "Der Text hat was - da ist aber noch mehr herauszuholen" (= 6 Punkte). Ich finde jedenfalls, dass sich eine Überarbeitung lohnen würde.

Liebe Grüße

Andreas
 

hein

Mitglied
Moin Andreas,

danke für Deine wertvollen Anmerkungen. Ich habe heute noch einmal darüber nachgedacht.

Auf die fehlenden Absätze habe ich nicht geachtet und werde es anpassen.

Mit dem "norddeutsch trocken" liegst Du wohl richtig. Ich habe das Problem auch im privaten Bereich: ein Thema, über das meine Frau und Ihre Schwestern 2 Stunden reden, kann ich bequem in 2 Sätzen abhandeln. Und zu Deinem freundlichen "Moin": jemand, der "Moin Moin" sagt gilt bei uns schon als Schwätzer.

Ich werde in Zukunft ein wenig mehr auf diese Dinge achten.

Lg.
hein
 

hein

Mitglied
Der Chausseewärter steht in dem verschlammten Graben und wirft mit kraftvollen Schwüngen Schaufel um Schaufel der schleimigen, mit Gras durchwachsenen und mit Unrat durchsetzten Masse auf die Böschung. Ein Frosch, der sich nicht schnell genug aus dem Staub bzw. dem Schlamm gemacht hat landet auf der Schaufel, wird rechtzeitig gesehen und mit der Hand mehr oder weniger behutsam in die angrenzende feuchte Wiese befördert.

Nach zwei Stunden, hinter sich eine kurze Strecke glatten, ordnungsgemäßen Grabens und vor sich eine noch unendlich erscheinende Strecke an Wildwuchs, macht er eine Pause, steigt hinaus und setzt sich mit seiner Brottasche an den Rand des festen Weges. Das Brot in der einen und den mit Kaffee gefüllten Deckel der Thermosflasche in der anderen Hand genießt er die leicht durchkommende Sonne. Dabei fällt sein schweifender Blick auf einen kleinen halbrunden Gegenstand, der aus dem schon leicht angetrockneten Modder herausragt. Am Ende der kurzen Pause hebt er das jetzt als Hufeisen erkannte Teil auf, reinigt es in einer nahen Pfütze und wirft es zu seinen anderen Sachen. Abends wird er es mitnehmen und seiner Sammlung von am Straßenrand gefundenen Schätzen hinzufügen.

Am Sonntagmittag macht ihn seine Frau auf das achtlos auf der Fensterbank neben der Hintertür abgelegte Stück Eisen aufmerksam. Ein deutlicher Unterton lässt erkennen das es dort nicht hingehört und die gewohnte Ordnung stört. Nach dem Essen bringt er das Hufeisen in den Schuppen und wirft es in die Kiste zu den anderen Fundstücken. Dabei achtet er darauf, dass die beiden schönen steinernen Pfeilspitzen, die er vor einigen Jahren an fast gleicher Stelle gefunden hat, nicht beschädigt werden. Dann holt er sich einen Gartenstuhl und sucht sich einen schönen schattigen Platz für die Mittagsstunde.

Beim Einschlafen denkt an seine schon seit Jahrtausenden benutze Straße und was die wohl schon alles gesehen und erlebt hat: Rentierjäger und Händler, Krieger und Könige, Wikinger und Friesen, Ochsen, Kutschen und Autos. Und er ist stolz, dass er seinen kleinen Teil zu der langen Geschichte beitragen kann.
 

Aina

Mitglied
Hallo hein,
interessante Miniatur. Die Atmosphäre gefällt mir.
Wo ich hängen geblieben bin: "durchwachsenen" und "durchsetzten" unmittelbar hintereinander im ersten Satz. Ein bisschen viel "durch" für meinen Geschmack. "mit Unrat versetzt, verschmutzt, vermengt" könnte vielleicht helfen? Wobei ich zugebe, dass es schwer ist das "durchsetzt" gänzlich ohne Bedeutungsverlust zu ersetzen.
Gerne gelesen.
Gruß,
Aina
 

hein

Mitglied
Hallo Aina,

danke für den Hinweis, einerseits hast du recht, aber andererseits finde ich es auch irgendwie gut. Ich werde es also so lassen.

Schönen Gruß
hein
 

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