Die Erfinderin

lietzensee

Mitglied
Die Erfinderin​


Hellen lachte. So einfach war es gewesen. Nicht weil sie auf den Erfahrungen und Ideen vieler Vorgänger aufgebaut hatte, sondern weil sie etwas ganz Abwegiges versucht hatte. Noch einmal setzte sie den kleinen Metallkasten an ihre Schläfe und spürte sofort nagenden Hunger. Die Katze sah sie an und maunzte. Mit einer Gabel schaufelte sie Futter in den Napf und als das Tier zu fressen begann, empfand Hellen die Befriedigung des gestillten Appetits.

In ihrer Küche ging sie auf und ab und überlegte, was für eine Erfindung sie da gemacht hatte. Das Urproblem der Welt war, dass man nicht wusste, was in anderen Wesen vorging. Die Lösung dafür trug sie jetzt an der Schläfe. Sie schmiegte sich kühl an ihren Kopf. Plötzlich würde sie alles verstehen. Sie spürte ein leichtes Kribbeln in der Magengegend und lächelte, weil zwei Fliegen sie in ihrem Liebesflug umtanzten.

Sie wollte den Kasten abnehmen, da hörte sie die bekannten Schritte aus dem Wohnzimmer, Jette kam. „Hallo...“, begann Hellen, doch sprach sie nicht weiter. Mit offenem Mund beobachtete sie, wie das Mädchen hastig zum Kühlschrank ging und die Tür öffnete. Mit einem Jogurt in der Hand verließ sie dann wieder den Raum.

Hellen schluckte. Das war härter als sie erwartet hatte. Ihre Tochter fühlte genau wie sie selbst. Aber das Mädchen dachte so anders. Auf und ab gehend überlegte sie, was sie nun tun sollte.

Da klingelte es an der Tür. Sie öffnete und der alte Postbote stand mit einem Paket vor ihr. Sie sah ihn an. Er sah sie an. Hellens Augen wurden groß. Sie riss sich den Kasten von der Schläfe und schrie.
 
Falls das jemand wissen möchte: Ich habe nicht die geringste Ahnung, welchen Inhalt die mentale Verschränkung mit dem Postboten haben könnte. Leider weiß ich nicht mal, ob ich die haben sollte.
 

Oben Unten