Die Ermittlung.
Was habe ich am Tatort gesehen?
Nora stellte sich diese Frage immer solange die Eindrücke noch frisch und die Bilder des Tatorts vor ihrem geistigen Auge noch scharf waren. Das half ihr. Für gewöhnlich entdeckte Nora entscheidende Hinweise in den ersten 24 Stunden nach der Tat.
Nora wusste, dass ihr Ermittlungsgeschick heute noch wichtiger war als sonst, denn das Opfer war ein Polizist. Die Aufklärung des Falles würde höchste Priorität haben.
Lothar lag tot in seinem Hausflur – ermordet. Der sympathische Kollege aus dem Nachbarbüro. Sie hatte ihn immer gemocht. Witzig war er, fleißig und neugierig. Lothar war der Typ Ermittler, der ein Gefühl für Spuren und Unstimmigkeiten hatte. Kein großes Talent in Vernehmungen, aber eine Spürnase halt. Tragisch, dass es grade ihn erwischen musste.
Die Scheibenwischer zogen Schlieren als der Regen gegen die Windschutzscheibe ihres geliebten 5er BMW prasselte. Auf dem Nachbarsitz lag schweigend Noras Polizeifunkgerät. Und während sie stadteinwärts fuhr, wechselte ihre Aufmerksamkeit zwischen dem Verkehr und ihrem inneren Auge. Nora war gut darin, Orte in sich aufzusaugen. In ihrem Kopf ließ sie Räume bis ins kleinste Detail wieder aufleben. Auch jetzt kehrte sie in ihrem Kopf in den schmalen Flur zurück. Dorthin, wo Lothars lebloser Körper auf einem grauen, kalten Vinylboden lag. Den Blick zur Decke mit einem Gesichtsausdruck aus einer Mischung von Überraschung und Panik. Er hatte mit nichts gerechnet.
Jemand hupte wild und Nora wurde abrupt zurück ins Hier und Jetzt gerissen.
Mist! Sie hatte jemandem die Vorfahrt genommen. Sie musste sich besser konzentrieren. Jetzt, wo sie weiter in die Innenstadt fuhr, wurde der Verkehr wieder dichter. Sie atmete kurz durch, straffte sich innerlich und fuhr weiter, bevor sie an einer roten Ampel hielt.
Rot…rot…
Ihre Nackenhärchen stellten sich auf. Ihre Hände am Lenkrad wurden schwitzig.
Nora kehrte in ihren Gedanken wieder an den Tatort zurück. Dort erhob sie ihren Blick von dem toten Kollegen auf und schaute sich im Flur um. Sie blickte durch den Spalt der Arbeitszimmertür und sah den aufgeklappten Laptop. Und oben am Monitor, das kleine rote Aufzeichnungslicht der Kamera.
Es schüttelte sie. Ihr Magen krampfte. Nora merkte wie Panik und Übelkeit in ihr aufstiegen.
Sie würden Nora überführen. Alles war vorbei!
Verdammt Lothar! Warum musstest Du auch so neugierig gewesen sein?
Damals war sie schwach geworden.
Und diese Schwäche wurde Gewohnheit, fast schon Sucht – angenehm und luxuriös. Aber vor allem: teuer.
Hättest Du nicht wenigstens einmal wegschauen können, Lothar? Musstest Du unbedingt so tief graben? Nur weil dir mein Lebensstil „übertrieben“ schien?!
Nora atmete durch, zwei, dreimal – bewusst und mit geschlossenen Augen.
Die Ampel wurde grün. Und mit dem roten Licht wich auch ihre Panik. Stattdessen überkam sie jetzt eine heiße, brennende Entschlossenheit.
Ein kurzer Blick auf die Uhr. Noch war es Zeit.
Nora wendete ihren BMW und trat hart auf das Gaspedal. Ihr Herz pumpte Adrenalin durch ihren Körper als ihr Auto in Richtung Tatort schoss.
Das Funkgerät knackte als die Nacht sie verschluckte.
Was habe ich am Tatort gesehen?
Nora stellte sich diese Frage immer solange die Eindrücke noch frisch und die Bilder des Tatorts vor ihrem geistigen Auge noch scharf waren. Das half ihr. Für gewöhnlich entdeckte Nora entscheidende Hinweise in den ersten 24 Stunden nach der Tat.
Nora wusste, dass ihr Ermittlungsgeschick heute noch wichtiger war als sonst, denn das Opfer war ein Polizist. Die Aufklärung des Falles würde höchste Priorität haben.
Lothar lag tot in seinem Hausflur – ermordet. Der sympathische Kollege aus dem Nachbarbüro. Sie hatte ihn immer gemocht. Witzig war er, fleißig und neugierig. Lothar war der Typ Ermittler, der ein Gefühl für Spuren und Unstimmigkeiten hatte. Kein großes Talent in Vernehmungen, aber eine Spürnase halt. Tragisch, dass es grade ihn erwischen musste.
Die Scheibenwischer zogen Schlieren als der Regen gegen die Windschutzscheibe ihres geliebten 5er BMW prasselte. Auf dem Nachbarsitz lag schweigend Noras Polizeifunkgerät. Und während sie stadteinwärts fuhr, wechselte ihre Aufmerksamkeit zwischen dem Verkehr und ihrem inneren Auge. Nora war gut darin, Orte in sich aufzusaugen. In ihrem Kopf ließ sie Räume bis ins kleinste Detail wieder aufleben. Auch jetzt kehrte sie in ihrem Kopf in den schmalen Flur zurück. Dorthin, wo Lothars lebloser Körper auf einem grauen, kalten Vinylboden lag. Den Blick zur Decke mit einem Gesichtsausdruck aus einer Mischung von Überraschung und Panik. Er hatte mit nichts gerechnet.
Jemand hupte wild und Nora wurde abrupt zurück ins Hier und Jetzt gerissen.
Mist! Sie hatte jemandem die Vorfahrt genommen. Sie musste sich besser konzentrieren. Jetzt, wo sie weiter in die Innenstadt fuhr, wurde der Verkehr wieder dichter. Sie atmete kurz durch, straffte sich innerlich und fuhr weiter, bevor sie an einer roten Ampel hielt.
Rot…rot…
Ihre Nackenhärchen stellten sich auf. Ihre Hände am Lenkrad wurden schwitzig.
Nora kehrte in ihren Gedanken wieder an den Tatort zurück. Dort erhob sie ihren Blick von dem toten Kollegen auf und schaute sich im Flur um. Sie blickte durch den Spalt der Arbeitszimmertür und sah den aufgeklappten Laptop. Und oben am Monitor, das kleine rote Aufzeichnungslicht der Kamera.
Es schüttelte sie. Ihr Magen krampfte. Nora merkte wie Panik und Übelkeit in ihr aufstiegen.
Sie würden Nora überführen. Alles war vorbei!
Verdammt Lothar! Warum musstest Du auch so neugierig gewesen sein?
Damals war sie schwach geworden.
Und diese Schwäche wurde Gewohnheit, fast schon Sucht – angenehm und luxuriös. Aber vor allem: teuer.
Hättest Du nicht wenigstens einmal wegschauen können, Lothar? Musstest Du unbedingt so tief graben? Nur weil dir mein Lebensstil „übertrieben“ schien?!
Nora atmete durch, zwei, dreimal – bewusst und mit geschlossenen Augen.
Die Ampel wurde grün. Und mit dem roten Licht wich auch ihre Panik. Stattdessen überkam sie jetzt eine heiße, brennende Entschlossenheit.
Ein kurzer Blick auf die Uhr. Noch war es Zeit.
Nora wendete ihren BMW und trat hart auf das Gaspedal. Ihr Herz pumpte Adrenalin durch ihren Körper als ihr Auto in Richtung Tatort schoss.
Das Funkgerät knackte als die Nacht sie verschluckte.