die ich nicht geerstet

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Mondnein

Mitglied
[ 4] die ich nicht geerstet


nie war ich der schah der sie platt macht schach matt
schlug – immer war vor mir ein hengst den sie glatt
zum mann zugeritten die nimm nimmer satt
un un un ersättlich entsetzte die stadt

da der die belagert hat um durch ihr holz
zu preschen: der jagte durchbohrte ihr herz
mit pfeilen von flint heart arrow guns stolz
doch sie knicks zerknackste sie lachte dem schmerz:

du bist nicht der erste der du mir aufs herz
erz schmerz qwertz reimst und du hältst s fürn scherz
so sage ichs jung maya pril wie du märz
mit frost mich verlenzt mich verehrst verletzt erstst
 

Label

Mitglied
Lieber Mondnein

dies ist mal ein Gedicht von dir, das ich glaube verstehen/entschlüsseln zu können.
Die auffallend virile Gedankenwelt des Lyrich ist aber dergestalt, dass ich mich ihr nicht nähern mag.
 

Mondnein

Mitglied
Es hat zwei Lyriche, das erstere (mit Deinem Wort) "viril", das zweite, das hier das letzte Wort hat und die Stadt von dem mittelalterlichen Belagerer "entsetzt", ist wahrscheinlich weiblich.

Aber wer weiß das schon so genau. Es ist Lesersache, und das Verständnis des Autors zählt nur als Verständnis eines ersten Lesers oder auch als hochgezogenene Augenbraue eines späteren Wiederlesers.
 

Label

Mitglied
ahh, diese Art entsetzen/retten, die Stadt vor dem Schah (und seinem Heer?) wow, das nenne ich promiskuitiv! :D oder ist es mehr 1001 Nacht?
demzufolge ist durch das Holz zu preschen nicht eindeutig. ;)

Ich dachte diesmal hätte ich den Sinn deines Gedichts erfasst - offenbar wieder nicht.

warum z.B. erstst ? so etwas wie superlativ von erst(er)?

lg
Label
 

Mondnein

Mitglied
"erstst" ist 2.Person Singular Präsens Indikativ Aktiv;

Personalendung "st" am Präsensstamm "erst" des transitiven Verbs "(jemanden) ersten".

Anklingend an "ehrst", und ja: da steckt noch der scheinbare Superlativ der Ordinalzahl ("erst") als Präsensstamm des Verbs (etwas ersten, bis es gut geerstet ist) mit drin.

"Mein Gott ist das beziehungsreich
Ich glaub ich übergeb mich gleich" (Robert Gernhardt)
 

lapismont

Foren-Redakteur
Teammitglied
Deflorationsneid?

Wie so oft: ziemliche coole Konstruktion und Dekonstruktion. Ich mag diese dialektische Dichtung.
 

Mondnein

Mitglied
Danke, lapismont,

für die gleich zwei trefflichen Schläge auf den Nagelkopf:

das Quereinander von Konstruktion und Dekonstruktion einerseits (ich nenne es schon mal "kubistisch", entsprechend der Multiperspektive bei Picasso und Braque),

und das Attribut "dialektisch" andererseits; das paßt auf die Dialogsituation der beiden Lyriche zwischen Schachspiel, Stadtbelagerung, Propagandafeldzug und erotischer Symbolik des Kondwiramur-Buches in Wolframs Parzival, und zugleich auf die Identität von These und Antithese, wie Hegel sie gerne in einer Art von Sonatenhauptsatz-Durchführung durchführt.

Freut mich.
 

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